Zeitschrift

Der deutsche Wald

Das folgenreiche Missverständnis des Tacitus 

Auch der Wald hat seine Geschichte



 

Inhaltsverzeichnis

 

Natürliche und kulturelle Bedingungen der Bewaldung Mitteleuropas

Von Hansjörg Küster

Prof. Dr. Hansjörg Küster ist Professor für Pflanzenökologie am Institut für Geobotanik der Universität Hannover

Eine einzige Art der "natürlichen" Bewaldung gibt es nicht. Denn Natur ist einem ständigen Wandel unterworfen, durch Klimaveränderungen, durch Wanderungsbewegungen von Pflanzen und Tieren, durch Eingriffe der Menschen. So haben sich die Waldbilder Mitteleuropas über Jahrtausende hinweg verändert, bis in unsere Gegenwart hinein. Pollenanalysen erlauben es, diesen Wandel zu verfolgen. So kann es auch nicht darum gehen, "naturnahen" Wald (wieder)herzustellen, sondern allenfalls Wald- und Landschaftsbilder, die uns vertraut sind und in denen wir uns wiederfinden können. Red.

 

Wie untersucht man die Geschichte des Waldes?

Geschichte im engeren Sinne befasst sich ausschließlich mit schriftlichen Quellen, also mit gedruckten Texten, handschriftlichen Urkunden und mit Landkarten. Diese Quellen sind aber nur aus solchen Zeitaltern überliefert, in denen Menschen etwas aufschrieben über den Gegenstand, dessen Geschichte man untersuchen möchte. Über den Wald, in dem und mit dem sie lebten, schrieben sie lange Zeit nichts auf. Überhaupt keine Schriftzeugnisse sind aus vorgeschichtlicher Zeit bekannt; daher ist diese Periode ja "vor-geschichtlich". Weniges über den Wald Mitteleuropas erfahren wir aus römerzeitlichen Schriftquellen; was damals aufgeschrieben wurde, gab später Anlass zu mancherlei Fehldeutungen, wovon in diesem Artikel noch die Rede sein soll. Häufiger wurde etwas über den Wald erst in den letzten Jahrhunderten aufgeschrieben, als die wirtschaftlichen Interessen am Wald immer vielfältiger wurden (vgl. Beitrag Schmidt in diesem Heft).
Interessiert man sich für die Geschichte des Waldes und des Verhältnisses zwischen Mensch und Wald in älteren Perioden, muss man völlig andersartige Geschichtszeugnisse auswerten. Man kann sich mit den Holzresten befassen, die sich bei archäologischen Ausgrabungen finden lassen; wenn die Reste gut erhalten sind, kann man die Holzarten mit Hilfe des Mikroskops gut bestimmen (Schweingruber 1976). Dabei muss beachtet werden, dass die gefundenen Reste möglicherweise von Hölzern stammen, die vom prähistorischen Menschen für einen bestimmten Zweck ausgewählt wurden; denn die Menschen wussten auch vor Jahrtausenden schon genau, dass Hütten aus Eichenholz wegen seines Gehaltes an Gerbstoffen besonders haltbar waren, dass man möglichst Eibenholz zur Herstellung von Pfeil und Bogen verwenden sollte und Kohle aus Buchenholz die höchsten Temperaturen erzeugte, die man zur Schmelze von Erz benötigte. Aus den Mengenanteilen bestimmter Holzarten kann man also nur mit Einschränkungen darauf zurückschließen, wie ein Wald insgesamt zusammengesetzt war, besonders dann, wenn lediglich das für bestimmte Zwecke ausgewählte Bau- und Werkholz einer Analyse unterzogen wurde. Bestimmt man das Brenn- und Leseholz, kommt man zu direkteren Rückschlüssen auf die Zusammensetzung von Wäldern in der Umgebung einer Siedlung, weil dabei die Auswahl gewisser Holzarten weniger eine Rolle spielte.


Waldweide
Vielfältig wurde der Wald seit jeher von den Menschen genutzt, so auch als Weide, insbesondere für die Schweinemast.
Foto: Archiv Landesforstverwaltung Baden-Württemberg 

Ablagerungen von Pollen in Mooren und Seen

Noch umfassendere Rückschlüsse über die Entwicklung der Wälder erlaubt die Untersuchung von Ablagerungen, in denen Pollenkörner erhalten geblieben sind. In den mikroskopisch kleinen Pollen- oder Blütenstaubkörnern ist die männliche Erbsubstanz von Blütenpflanzen enthalten. In den Körnern wird das genetische Material auf weibliche Blütenteile übertragen, wo es zur Befruchtung kommen kann. Die Pollenkörner werden dorthin entweder von Insekten transportiert oder vom Winde verweht. Weil die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass ein vom Wind übertragenes Pollenkorn ausgerechnet auf einem weiblichen Blütenteil eines anderen Individuums der gleichen Pflanzenart "landet", ist die Menge an Pollenkörnern, die eine vom Wind bestäubte Pflanze hervorbringt, sehr groß. Die meisten Pollenkörner landen irgendwo, ohne ihren eigentlichen biologischen "Zweck" zu erfüllen, und nur ganz wenige Körner kommen an ihr eigentliches Ziel, nämlich den Stempel des Fruchtknotens einer Pflanze der gleichen Art.
Gelangen die Pollenkörner in feuchtes, sauerstofffreies Milieu, kann ihre Außenwand schier unbegrenzt erhalten bleiben; unter dem Einfluss von Sauerstoff wird sie aber zersetzt. Landen die Pollenkörner auf der Oberfläche eines Moores, werden sie im sich bildenden Torf eingeschlossen. Während sich Torf über lange Zeiträume kontinuierlich bildet, werden die Pollenkörner schichtweise darin abgelagert. In einem Torfkörper findet man nahe der Mooroberfläche relativ junge, in den tiefer gelegenen Schichten relativ alte Pollenkörner. Gewinnt man alle Torfschichten, die nacheinander abgelagert wurden, und untersucht die darin enthaltenen Pollenkörner, kann man in Erfahrung bringen, wie sich die Vegetation des Gebietes in der Umgebung des Moores im Lauf der Zeit entwickelt hat.
In entsprechender Weise lassen sich Pollenablagerungen in See-Sedimenten untersuchen. Die darin enthaltenen Pollenkörner landeten einst auf der Wasseroberfläche von Seen und sanken von dort allmählich an den Grund des Gewässers, wo sie vom sich kontinuierlich ablagernden Seeton eingeschlossen wurden.
Besonders interessant ist es, wenn man die Vegetationsentwicklung während mehrerer Jahrtausende an einem bestimmten Ort verfolgen kann; das gelingt dann, wenn man Pollenablagerungen aus vielen aufeinander folgenden Jahrtausenden untersucht und man die Ergebnisse zu einem so genannten Pollendiagramm zusammenstellt (Abb. 1).
Die Pollenanalyse ist nicht nur die wichtigste Untersuchungsmethode zur Aufdeckung der frühen Waldgeschichte. Pollenanalytische Untersuchungen sind auch wichtig für die Rekonstruktion der Geschichte von Wäldern in späteren Zeiten. Schriftliche und pollenanalytische Quellen zur Waldgeschichte stoßen an unterschiedlichen Stellen an methodische Grenzen. Bei der Entstehung von schriftlichen Quellen fand stets eine mehr oder weniger starke Wertung durch die Menschen statt, die sie zu Papier brachten. Aber auch Pollenanalysen führen nicht unbedingt zur Aufdeckung eines wahrheitsgetreuen Bildes früherer Wälder. Denn die Pollenproduktion jeder Pflanzenart ist unterschiedlich: Die einen Pflanzen bringen viele Blütenstaubkörner, die anderen sehr viel weniger hervor. Und man weiß nicht, aus welcher Himmelsrichtung die Pollenkörner auf das Moor oder den See flogen, so dass man nur ein Gemisch aus Blütenstaub von verschiedenen Wäldern ermitteln kann, die rings um das Moor oder den See standen.

img168.gif
Abb. 1: Pollendiagramm vom Görbelmoos zwischen Weßling und Gilching im Landkreis Starnberg (Oberbayern; aus Küster 2000). Aufgetragen sind die prozentualen Pollenanteile von Pinus (Kiefer), Corylus avellana (Hasel), Quercus (Eiche), Picea abies (Fichte), Fagus sylvatica (Buche), Carpinus betulus (Hainbuche) und Cerealia (Getreide) in Abhängigkeit von der Profiltiefe im Moor. Die Torfschichten wurden über das 14 C-Verfahren datiert; vermerkt sind die 14 C-Alter vor heute (B.P. = before present). Die Pollenanteile sind zum Teil auch in zehnfacher Überhöhung (schraffiert) dargestellt.
Das Diagramm ist in drei Phasen eingeteilt: Phase 1 zeigt Entwicklungen in den Wäldern, die nicht vom Menschen beeinflusst wurden. In Phase 2 fand prähistorischer Ackerbau mit Siedlungsverlagerungen statt, in Phase 3 bestanden feste Siedlungen. Die Pfeile geben mögliche Sukzessionsschritte und Beeinflussungen durch den Menschen an. 

Pollen-Diagramme zeigen, dass Natur einem stetigen Wandel unterworfen ist

Aus einem Pollendiagramm sind essentiell wichtige Aussagen für das Verständnis der Waldentwicklung, ja der Natur insgesamt zu gewinnen. Man kann herausfinden, welche die wichtigsten Baumarten der Wälder waren und welche Bäume überhaupt in der Nähe eines Punktes vorkamen, an dem ein Pollenprofil gewonnen wurde. Gut zu rekonstruieren sind die Sukzessionen, die im Lauf der Zeit von einem Waldtyp zu einem anderen führten. Man erkennt, welche dieser Entwicklungen ohne den Menschen in einem von Ackerbauern noch unbeeinflussten Milieu abliefen und welche Modifikationen der Baumartenverteilungen in den Wäldern durch den Einfluss von Ackerbau und Waldnutzung einsetzten.
Vor allem lässt sich jedem Pollendiagramm entnehmen, dass Natur stets dem Wandel unterworfen war. Keine zwei Schichten eines Pollendiagramms enthalten identische Pollenanteile. Pflanzenarten wurden häufiger und wieder seltener, stabile Zustände in den Wäldern wurden nie erreicht. Daraus muss gefolgert werden, dass es entgegen älterer Vorstellungen keine festen Leitbilder für Entwicklungen in der Natur geben kann, wie sie beispielsweise als "Potentielle natürliche Vegetation" konstruiert werden. Weil Natur sich in der Vergangenheit unablässig wandelte, muss dies auch für künftige Entwicklungen als Prinzip gelten. Man kann auch nicht eine bestimmte Zeit auswählen, in der die Wälder "noch natürlich" waren, um Hinweise auf eine naturnahe Waldbewirtschaftung zu gewinnen; dies war Grundlage eines von der baden-württembergischen Landesforstverwaltung betriebenen Projektes (Dieterich und Hauff 1980). Denn auch dabei geht es um die Rekonstruktion eines Zustandes, der grundsätzlich nicht charakteristisch für die sich ewig wandelnde Natur ist. Naturnahe Waldbewirtschaftung hat sich daher viel weniger an einem konkreten Bild der Baumartenzusammensetzung als vielmehr am Prinzip des Wandels zu orientieren.
Andere Folgerungen aus Pollendiagrammen sind viel weniger konkret oder zwingend, als dies früher angenommen wurde. Entgegen weit verbreiteter Ansicht ergibt sich aus Pollendiagrammen nur ein sehr vager Ansatz zur Datierung von umweltgeschichtlichen Ereignissen. Zwar weiß man, wann ungefähr die Ausbreitung einer jeden Baumart in einer bestimmten Region einsetzte. Aber man ist vor Zirkelschlüssen nicht sicher, und es gibt inzwischen verlässlichere Datierungsverfahren als die Pollenanalyse; besondere Bedeutung kommt stets der 14C-Analyse zu, einem physikalischen Messverfahren, bei dem der Gehalt des radioaktiven Kohlenstoff-Isotops 14 gemessen wird, das mit einer Halbwertszeit von 5730 Jahren zerfällt.
Auch eine Rekonstruktion der Klimageschichte ist aus Pollendiagrammen nicht unmittelbar möglich. Alle Baumarten, die heute in Mitteleuropa vorkommen, können auch bei etwas niedrigeren und etwas höheren Temperaturen gedeihen; die Buche kommt beispielsweise genauso in der Nähe des Mittelmeeres wie im südwestlichen Norwegen vor und bildet dort physiognomisch sehr ähnliche Waldtypen aus.
Immer wieder wird ferner an den Pollenanalytiker die Frage heran getragen, welche Anteile Wald und Offenland in früherer Zeit gehabt haben. Diese Frage ist schwer zu beantworten, weil man wohl stets überproportional mehr Pollen von Bäumen als von Kräutern findet, die dicht am Boden ihren Blütenstaub ausstreuen. Und ein Waldrand, der Wald und Offenland klar voneinander abgrenzt, ist in aller seiner auf einer Karte darstellbaren Schärfe nur ein Charakteristikum der modernen Kulturlandschaft, während es in Gebieten, die vom Menschen nicht beeinflusst werden, also auch in einer Urlandschaft, eher einen allmählichen Übergang zwischen Wald und Offenland gibt; typisch war stets eine Gradientensituation (Küster 1998).

In der Eiszeit konnten Wälder sich nur in wenigen klimabegünstigten Refugien halten

Wälder, also einander von ihrem Erscheinungsbild ähnliche Vegetationsformen mit mehrere bis viele Meter hohen Bäumen, gibt es auf der Erde etwa seit dem Zeitalter des Karbon, in dem sich die Ablagerungen der Steinkohle bildeten. Pflanzen, die eine ähnliche Konstitution wie heute bekannte Waldbäume haben, kamen in der geologischen Epoche des Tertiär auf. In Mitteleuropa herrschte damals ein wärmeres Klima als heute, die Biodiversität von Wäldern war erheblich größer als heutzutage. Gegen Ende des Tertiär sanken die Temperaturen allmählich ab; die meisten Gehölzarten konnten aber weiterhin in den Wäldern vorkommen.
Im anschließenden Eiszeitalter, dem Quartär, traten mehrmals erhebliche Oszillationen des Klimas auf. Es gab Phasen im Quartär, in denen die Jahresmitteltemperatur in Mitteleuropa bei etwa 10°C lag und damit in einer vergleichbaren Größenordnung wie am Ende des Tertiär. Diese Phasen wurden unterbrochen von Kälteperioden, in denen die Durchschnittstemperatur bis in Gefrierpunktnähe absank. Dies bedeutete, dass große Wassermengen zu Eis gefroren und Gletscher entstanden. Da das Wasser dann in Form von Eis gebunden war, sank der Meeresspiegel auf unserem Globus insgesamt um über 100 Meter ab. Mitteleuropa war wegen seiner Nachbarschaft zu flachen Schelfmeeren dem Meerwasser besonders fern gerückt, so dass das Klima nicht nur erheblich kälter, sondern auch erheblich kontinentaler war. Die kurzen Sommer, die Trockenheit des Klimas und die sehr niedrigen Temperaturen im Winter ermöglichten keine Existenz von Bäumen in Mitteleuropa in den Kälteperioden; die Bäume starben ab. Die Gletscher wirkten als riesige Kältespeicher; sie hielten die Temperatur auf einem besonders niedrigen Niveau stabil. Nur in klimatisch begünstigten Regionen am Mittelmeer, in den so genannten Eiszeit-Refugien, konnten Bäume weiterhin existieren. Aber diese Regionen waren eng begrenzt. Es ist davon auszugehen, dass von einigen Baumarten sich nur wenige Individuen hielten und schließlich ausstarben, weil die genetische Vielfalt der Populationen zu gering war.
Nach dem Ende einer jeden Eiszeit war ein Wachstum von Bäumen in Mitteleuropa wieder möglich. Sukzessive breiteten sich die Bäume aus ihren Eiszeit-Refugien nach Norden aus. Dieser Vorgang darf natürlich nicht so wörtlich genommen werden, wie er gemeinhin formuliert wird. Man muss ihn sich konkreter und präziser vorstellen. Die Früchte und Samen der Bäume gelangten entweder mit dem Wind oder über Tierverbreitung in Regionen, in denen bisher nur Kräuter vorgekommen waren, wo aber dank der verbesserten klimatischen Bedingungen nun auch ein Wachstum von Bäumen möglich war. Daraus konnten Keimlinge hervorgehen, die nun mit den bereits vorhandenen krautigen Pflanzen in eine Konkurrenz um einen bestimmten Wuchsort traten. Erst dann, wenn sich dort der individuelle Baum gegen die anderen Pflanzen durchgesetzt hatte, war der neue Wuchsort erfolgreich besiedelt, und es entstanden so immer größere Wuchsgebiete oder Areale der Baumarten. Man muss also richtigerweise formulieren, dass es zu Beginn einer jeden Eiszeit zu einer Arealverkleinerung der Baumarten kam und dass zu deren Ende eine Arealvergrößerung einsetzte (Küster 1996).
Die Klimaverbesserung und die Arealvergrößerung von Baumarten und Wäldern liefen nicht gleichzeitig ab (Abb. 2; vgl. Küster 2000). Das Abschmelzen eiszeitlicher Gletscher nahm einen längeren Zeitraum in Anspruch als die Erwärmung des Klimas; folglich dauerte es auch länger als die Klimaverbesserung, bis sich die Meeresbecken wieder so weit mit Wasser füllten, wie es uns heute vertraut ist. In der frühen Nacheiszeit war Mitteleuropa daher immer noch recht weit von der Küste entfernt, woraus zu schließen ist, dass damals die Jahresmitteltemperaturen zwar schon den heutigen geähnelt haben, das Klima aber noch kontinentaler getönt gewesen sein muss als in späteren Phasen.

img170.gif
Abb. 2: Mögliche Zusammenhänge zwischen dem Anstieg der Sommertemperaturen nach der letzten Eiszeit, dem Anstieg des Meeresspiegels, der Ausbreitung von Kiefer und Buche sowie des Aufkommens von Ackerbau in Mitteleuropa (aus Küster 2000). 

Die Alpen als Riegel

Im Zuge der Arealvergrößerung der verschiedenen Baumarten traten diese auch untereinander in Konkurrenz. Besonders bevorzugt waren im gesamten Verlauf des Eiszeitalters mit seinen zahlreichen Klimaschwankungen diejenigen Baumarten, die sich relativ rasch nach dem Abschmelzen des Eises massenhaft in Mitteleuropa durchsetzen konnten. Andere Baumarten, die nur kleine Populationen ausbilden oder sich überhaupt nicht gegen die anderen Gehölze durchsetzen konnten, wurden ökologisch benachteiligt oder starben sogar aus.
Insgesamt nahm die Biodiversität der Gehölzpflanzen in Europa während des Eiszeitalters erheblich ab, während sie in anderen Bereichen mit heute gemäßigtem Klima eher auf dem gleichen Niveau wie im Tertiär erhalten blieb, beispielsweise in Nordamerika und Ostasien. Dort kommen heute noch zahlreiche Pflanzenarten vor, die im Tertiär und im frühen Quartär auch in Mitteleuropa wuchsen, beispielsweise Hickorynuss und Magnolie. In Europa starben im Eiszeitalter viele Gehölzarten aus, weil die Refugien am Mittelmeer nur eine sehr geringe Ausdehnung hatten und weil die Arealvergrößerung in Richtung Norden nur entlang sehr schmaler Korridore möglich war, nämlich westlich und östlich der Alpen. In Nordamerika und Ostasien besteht kein den Alpen ähnelnder Riegel, der eine Arealverschiebung von Baumarten in Richtung Norden oder Süden behindert. Als Folge dieser eigentümlichen Geschichte sind die mitteleuropäischen Wälder durch eine besonders geringe Zahl an Gehölzarten gekennzeichnet. Einige Baumarten kamen in einigen Warmphasen in Mitteleuropa vor, in anderen nicht. Es muss besonders hervorgehoben werden, dass die Buche, heute ein Charakterbaum mitteleuropäischer Wälder, in der Warmphase vor der letzten Eiszeit in Mitteleuropa nicht nachgewiesen ist. Damals gelangten ihre Standortkonkurrenten Eibe und Hainbuche zu wesentlich weiterer Verbreitung als heute.

Eine wichtige Vegetationsgrenze zwischen West und Ost in Mitteleuropa

In den mitteleuropäischen Wäldern der frühen Nacheiszeit, deren Bildung vor etwa 13 000 Jahren einsetzte, waren Kiefern und Birken besonders weit verbreitet; Birken überwogen in küstennahen Regionen im Nordwesten, Kiefern in den anderen Gebieten (Küster 1993). Kiefernreiche Ökosysteme sind die einzigen in Mitteleuropa, die durch Blitzschlag entzündet werden können. Beispielsweise dadurch, aber auch durch Klimarückschläge und Schädlingsbefall sind Kiefernökosysteme in Mitteleuropa nie sehr stabil gewesen. War ein Kiefernbestand zerstört, konnte sich zeitweise die Birke ausbreiten; unter den raschwüchsigen Birken konnten erneut Kiefern aufkommen, oder es bildeten sich andere Typen von Wäldern. Vor etwa 9000 Jahren wurden Haselsträucher sehr häufig, vor allem im Westen Mitteleuropas. Es ist immer wieder vermutet worden, dass die Ausbreitung der Haselsträucher zum Teil durch den Menschen erfolgte. In der Zeit der frühen Wälder war die Nahrungsbeschaffung für den Menschen insgesamt sicher nicht einfach: Es gab nur wenige Tiere, die gejagt werden konnten. Die meisten Menschen lebten am Ufer von Seen und Flüssen, wo ihnen wohl die Fischerei zu regelmäßiger Nahrung verhalf. Das Ausbringen und Ernten von Haselnüssen mag eine willkommene zusätzliche Möglichkeit gewesen sein, weitere Nahrung zu gewinnen (Firbas 1949).
In den klimatisch kontinentaler geprägten Regionen Norddeutschlands hielt sich die Kiefer, im Südosten Mitteleuropas kam vor 9000 Jahren bereits die Fichte vor. Damals bildete sich eine wichtige Vegetationsgrenze zwischen West und Ost in Mitteleuropa heraus: Im Westen wuchsen mehr Haselsträucher, im Osten kamen mehr Nadelbäume vor, und zwar Kiefern und Fichten. Die Grenze zwischen den beiden Gebieten verlief etwa zwischen der Altmark und dem Alpenrhein; diese Grenze hatte fortan immer wieder pflanzen- und auch kulturgeografische Bedeutung (Küster 1993).
Weitere Laubbäume wurden in der Folgezeit häufiger, die Eichen, Ulmen, Linden und Eschen. Firbas (1949) und andere haben aus ihnen einen einheitlichen Typ eines "Eichenmischwalds" rekonstruiert. Aber aus geobotanischer Sicht muss dieser Mischwald nicht einheitlich gewesen sein. Es gab vielmehr verschiedene Typen von Mischwäldern, die regional verschieden verbreitet waren (Küster 1988, Freund 1994): In einigen Gebieten, beispielsweise im norddeutschen Tiefland und im bayerischen Tertiär-Hügelland, dominierten die Eichen. Am feuchten Alpenrand waren die Ulmen (wahrscheinlich die Bergulme) häufiger, und in vielen Mittelgebirgen hatten Eichen, Ulmen und Linden etwa gleich große Verbreitung.

Die ersten Ackerbauern Mitteleuropas hatten exzellente Kenntnisse des Werkstoffes Holz

Vor etwa 7000 Jahren lebten die ersten Ackerbauern in Mitteleuropa. Sie bauten Pflanzen an, die im Vorderen Orient durch Selektion seitens der Bauern zu Kulturpflanzen geworden waren, und hielten Tiere, die Menschen wohl ebenfalls im Nahen Osten domestiziert hatten. Es ist möglich, dass die ersten Ackerbauern aus dem Südosten nach Mitteleuropa einwanderten. Dies ist aber wenig wahrscheinlich; denn die ersten Ackerbauern Mitteleuropas kannten sich sehr gut mit den Charakteristika der dortigen Landschaft aus. Ihre Kenntnisse des Werkstoffes Holz waren exzellent. Sie bauten Holzhäuser, für die wir keine Vorbilder aus dem Nahen Osten und Südosteuropa kennen; und ihre Holztechnologie war hoch stehend, was sich beispielsweise bei der Entdeckung eines Brunnens bei Erkelenz zeigen ließ, der aus der damaligen Zeit stammt (Weiner 1991); mit Steinbeilen war eine Konstruktion in Blockbautechnik geschaffen worden.
Mit Steinbeilen konnten die Bäume gefällt werden, was durch Experimente bewiesen werden konnte (Iversen 1956). Brandrodung gab es dagegen in Mitteleuropa ganz offensichtlich damals nicht; die in den Wäldern zu dieser Zeit vorherrschenden Laubbäume lassen sich in lebendem Zustand nicht in Brand setzen, außerdem war Holz als Baustoff dringend begehrt. Anders als in den Tropen brauchte man die Asche von niedergebrannten Bäumen nicht als Mineraldünger, denn in den Böden Mitteleuropas waren und sind mehr mineralische Nährstoffe enthalten als in denjenigen der Tropen.
Mit der Gründung einer Siedlung und ihrer Ackerflächen war zwar die Rodung einer Waldparzelle verbunden, doch war das Holz des Waldes keineswegs nutzlos. Es konnte direkt an Ort und Stelle zum Bau von Häusern verwendet werden, ferner als Rohstoff für Werkzeuge, zum Heizen und zur Nahrungszubereitung (Küster 1998). Baumlose Viehweiden gab es damals nicht; das Vieh wurde in die Wälder getrieben, die rings um die Siedlung lagen. Das weidende Vieh lichtete durch Verbiss den Wald mit der Zeit auf. Auch Wiesen, auf denen Gras zur Heubereitung geschnitten werden konnte, gab es damals nicht, ebenso keine Messer, um das Gras zu schneiden. Für die Winterfütterung wurde Laubheu gewonnen: Man schneitelte Ulmen, Linden, Eschen und Birken, trocknete die Zweige und warf sie im Winter dem Vieh vor (Troels-Smith 1960). Die Bäume wurden dadurch geschädigt, vor allem die Ulmen. Es konnte nachgewiesen werden, dass vor etwa 5000 Jahren in ganz Nordwesteuropa das Ulmensterben grassierte. In einem englischen Moor fanden sich die Überreste des Ulmensplintkäfers, der den Erreger der Ulmenkrankheit überträgt (Peglar 1993); durch die zahlreichen Verletzungen des Holzes, die beim Schneiteln entstanden waren, drangen die Erreger des Ulmensterbens sehr leicht in die Bäume ein. Die Bedeutung der Ulme ging damals in einem Gebiet zwischen den Britischen Inseln und Polen, Südskandinavien und den Mittelgebirgen erheblich zurück, also in einem riesigen Gebiet.

Siedlungen bestanden immer nur für wenige Jahrzehnte

Vorgeschichtliche Siedlungen bestanden stets nur für einige Jahrzehnte und wurden anschließend verlagert (z.B. Hvass 1981). Die Gründe dafür lagen wohl darin, dass nach einigen Jahrzehnten Siedlungsdauer irgendeine Mangelsituation in der Siedlung auftrat, die deren Verlagerung erzwang. Möglicherweise nahmen Bodenfruchtbarkeit und Erträge landwirtschaftlicher Kulturpflanzen ab. Es kann aber auch sein, dass die Häuser allmählich baufällig wurden. Nun standen aber an Ort und Stelle der Siedlung keine Bäume mit geradschäftigen Stämmen mehr zur Verfügung, die sich zum Bau neuer Häuser eigneten. Solche Stämme mit den damaligen Mitteln über größere Distanzen herbeizutransportieren, wäre sehr aufwändig gewesen. Vermutlich errichtete man lieber dort eine neue Siedlung, wo sich noch reichlich Holz einschlagen ließ und man erneut an Ort und Stelle Häuser bauen konnte. So eine Siedlungsverlagerung mag selbstverständlich auch dann stattgefunden haben, wenn die Siedlung oder einzelne Häuser niedergebrannt waren, was wegen der Existenz offener Feuerstellen in Holzhäusern, die mit Stroh oder Reet gedeckt waren, sicher immer wieder einmal geschah (Küster 1998).

Die Siedlungsverlagerungen hatten zur Folge, dass Siedel- und Ackerflächen verlassen wurden. Auf ihnen konnte eine Sekundärsukzession des Waldes einsetzen, in deren Verlauf bald keine Kulturpflanzen und Unkräuter, sondern ausdauernde Kräuter, dann Sträucher verschiedener Arten und Birken, schließlich wieder Bäume emporwuchsen, die geschlossene Wälder bildeten. Im Zuge der Sekundärsukzessionen konnten sich Bäume von solchen Arten wieder einfinden, die vor Gründung der Siedlungen bereits an Ort und Stelle vorgekommen waren, aber auch andere, deren Ausbreitung nun dadurch begünstigt wurde, dass immer wieder Entwicklungen von der Freifläche zum geschlossenen Wald abliefen. Den Pollendiagrammen aus Mitteleuropa ist zu entnehmen, dass in den Jahrtausenden, in denen es immer wieder zu Siedlungsgründungen und -aufgaben kam, die Buche ganz allmählich häufiger wurde. Dieser Baum konnte sich offenbar im Zuge der Sekundärsukzessionen besser ausbreiten als in geschlossenen Eichenwäldern (Küster 1996, 1998). Im östlichen Mitteleuropa wurde das Wuchsgebiet der Hainbuche aus ähnlichen Gründen größer wie weiter im Westen dasjenige der Buche (Ralska-Jasiewicz 1964), und im Schweizer Alpenvorland wurde die Fichte häufiger, weil immer wieder aufgelassene Freiflächen neu vom Wald überzogen wurden (Markgraf 1970, 1972).
Die ersten bäuerlichen Siedlungen entstanden in der Jungsteinzeit, in der die Menschen lediglich Werkzeuge aus Stein, Knochen und Holz besaßen. Mit diesen Werkzeugen konnten sie lediglich Äcker auf steinfreiem Löss bearbeiten. Mit der Zeit kamen weitere Werkstoffe auf; nach den archäologischen Funden werden die nachfolgenden Epochen der Vorgeschichte Kupferzeit, Bronzezeit und Eisenzeit genannt. Es lässt sich an diesen Epochennamen erkennen, dass die technischen Fähigkeiten der Menschen allmählich zunahmen. Zugleich wurden die Bauern auch in die Lage versetzt, in immer neuen Gegenden Wälder zu roden und Landwirtschaft zu etablieren, wenn auch - wie stets in der damaligen Zeit - nur für einige Jahrzehnte. In der Kupferzeit entstanden Siedlungen und Äcker auch in den von eiszeitlichen Gletschern geformten Moränengebieten Norddeutschlands und im Alpenvorland; dort waren die Böden nur teilweise lehmig, sonst sandig, aber nur selten frei von Steinen. Wenig später siedelten die ersten Ackerbauern und Viehhalter in den Alpen. Seit der Bronzezeit konnten die Schwemmlehme in Tälern der Kalkgebirge besiedelt und beackert werden, in der Eisenzeit wurden dann auch Regionen mit steinigeren Böden aufgesucht, beispielsweise Hunsrück und Eifel (Küster 1995).
Stets bestanden die Siedlungen nur für eine kurze Zeitspanne von einigen Jahrzehnten. Danach wurden Siedlung und Ackerland aufgegeben; an anderer Stelle wurde eine weitere Parzelle Wald gerodet, während auf dem verlassenen Stück Land erneut Wald in die Höhe wuchs, in denen die Buche immer noch häufiger wurde. Siedlungen konnten offenbar nur dort entstehen, wo geradschäftige, hohe Bäume in ausreichender Anzahl zur Verfügung standen, nicht aber dort, wo ausschließlich junge Bäume verfügbar waren oder nur diejenigen, deren Kronen sich in die Breite entwickelt hatten, weil das weidende Vieh nur wenige Bäume in die Höhe kommen ließ und daher die Abstände zwischen den einzelnen Bäumen recht hoch waren.

Holz als Ressource zur Erzverhüttung

In den Metallzeiten, vor allem in der Eisenzeit, setzte ein erheblicher zusätzlicher Bedarf an Holz zur Verhüttung bzw. Schmelze von Erz ein. Dies führte besonders in den Bergbauregionen zu einer Veränderung der Waldentwicklung. In der Lausitz und in Thüringen, in den norddeutschen Moorgegenden, im Siegerland und in den Bergbaugebieten der Alpen, in Gebieten, die zu den Zentren der eisenzeitlichen Erzgewinnung gehörten, mussten immer wieder an gleicher Stelle Bäume und Sträucher geschlagen werden, um genügend Holz zur Verhüttung zur Verfügung zu haben. Dabei war es nun egal, ob die Bäume bereits wieder dick geworden waren und große Höhen erreicht hatten; an Holz, das zur Erzschmelze gebraucht wird, waren ganz andere Ansprüche zu stellen als an solches, das zum Hausbau benötigt wurde. Man begann jedenfalls, Holz in kurzen Abständen immer wieder an der gleichen Stelle zu schlagen, was beispielsweise sehr gut für das Siegerland nachgewiesen ist (Pott 1985, 1993). Dort entstanden bereits in der Eisenzeit Niederwälder oder Vorläufer der heutigen Hauberge, in denen nur wenige Jahre lang Gehölz in die Höhe wachsen kann, bevor es erneut abgetrieben wird.

Flößer
Holz aus dem Schwarzwald wurde von Flößern bis nach Holland transportiert, für den Schiffsbau.
Bild: Archiv Landesforstverwaltung Baden-Württemberg

Durch den häufigen Einschlag wurden andere Baumarten in ihrer Ausbreitung gefördert als in den Jahrtausenden zuvor. Die Buche kann sich nicht halten, wenn ihre Stämme im Abstand von nur wenigen Jahren immer wieder geschlagen werden; nach mehrfachem Hieb gehen die Bäume ein. An Stelle von Buchen konnten sich damals andere Gehölze ausbreiten, deren Stämme nach einem Einschlag immer wieder neu austreiben, beispielsweise die Hainbuche, die zuvor in Mitteleuropa noch kaum vertreten gewesen war (Pott 1981). An den Stellen, an denen häufig Holz gemacht wurde, bildeten sich allmählich buchenfreie oder buchenarme Niederwälder heraus mit Sekundärtrieben von Holz, die nach dem Schlagen des Kernwuchses nur einige Meter in die Höhe kommen konnten, ehe sie erneut gekappt wurden. Die Ausbreitung der Buche war durch den häufigen Einschlag erstmals gestoppt worden.
Buchenholz war für die Verhüttung von Erz aber besonders begehrt, weil die daraus hergestellte Holzkohle bei Verbrennung die höchsten Temperaturen erzeugte, die damals genutzt werden konnten. Standen keine Buchen zur Verfügung, musste man auf andere Holzarten ausweichen, beispielsweise auf Eiche und Kiefer. Schlug man Kiefern, bildeten sich aber keine Niederwälder, weil die Bäume keine Stockausschläge hervorbringen; statt dessen breitete sich die Birke kurzzeitig aus, und über eine Sekundärsukzession kam es wieder zur Bildung eines Kiefernbestandes. Derartiges konnte in der Oberlausitz nachgewiesen werden (Küster im Druck).

Die dauerhaften Siedlungen der Römerzeit waren nur möglich durch Handel und Transportwege

In der Römerzeit breitete sich erstmals das Areal eines Staates mit festen wirtschaftlichen Strukturen in Teile Mitteleuropas aus. Im Bereich des Imperium Romanum gab es ortsfeste Siedlungen, zwischen denen solide Handelsbeziehungen bestanden; zwischen den Siedlungen wurden Straßen angelegt. In der Umgebung ortsfester Siedlungen trat das gleiche Phänomen auf wie in den Erzabbaugebieten schon während der Eisenzeit: Holz wurde immer wieder an der gleichen Stelle gemacht. Die Buche wurde benachteiligt und von ausschlagfreudigeren Baumarten verdrängt. Es bildeten sich niederwaldartige Strukturen heraus. Aus den Pollendiagrammen lässt sich ablesen, dass die Bedeutung der Hainbuche in römischer Zeit weiter zunahm.
Zwar entstanden nun auch Steinhäuser, aber zu ihrem Bau war dennoch eine große Menge Holz notwendig; auch wurden weiterhin Holzhäuser gebaut, man brauchte Holz für Schiffe und Brücken. Gerade in der Umgebung der Siedlungen gab es aber nach einigen Jahrzehnten Dauer des Siedelns und Wirtschaftens im Wald keine geradschäftigen Baumstämme mehr, die sich zum Hausbau eigneten. Bestand nun an einem bestimmten Ort Bedarf an Holz, vor allem an Bauholz, musste es über den Handel herbeigeschafft werden. An die Stelle der Verlagerung von Siedlungen und Wirtschaftsflächen traten nun also Transport und Handel, um den Holzmangel zu kompensieren. Holzlieferungen wurden teilweise über sehr weit reichende Wirtschaftsbeziehungen gewährleistet. Beispielsweise konnte nachgewiesen werden, dass die Römer in ihrem ganzen Besatzungsgebiet nördlich der Alpen Tannenholz verbauten, obwohl Tannen nur in den Alpen und in ihrem Vorland, in den Vogesen und im Schwarzwald innerhalb der römischen Provinzen vorkamen. Dort wurden Tannen eingeschlagen, die Bäume wurden anschließend auf den Flüssen, vor allem auf dem Rhein und den Flüssen im Alpenvorland, nach Norden getriftet oder geflößt und weit außerhalb des Verbreitungsgebietes des Baumes als begehrtes Bauholz verwendet (Küster 1994). Sicher wurde auch das Holz anderer Baumarten transportiert, was sich aber nicht so gut nachweisen lässt, weil die anderen Baumarten eine allgemeinere natürliche Verbreitung hatten.

Römer und Germanen: fest siedelnde und wandernde Völker verstanden sich nie

Die ortsfeste Siedelweise der Römer und die noch im früheren Zustand verbliebene Siedelstrategie der Ackerbauern außerhalb des Römischen Reiches waren nicht kompatibel miteinander. Die Römer brauchten den Limes, um sich gegen die Übergriffe von "wandernden Barbaren" zur Wehr zu setzen. Diese Übergriffe konnten einen aggressiven Charakter haben; es ist aber auch möglich, dass die Barbaren nur deswegen in das römische Gebiet vorstießen, weil sie dort eine neue Siedlung gründen wollten. Es liegt außerdem nahe, dass sie an den Errungenschaften der römischen Zivilisation teilhaben wollten.
Es wird auf jeden Fall deutlich, dass sich das Siedelverhalten prähistorischer Völkerschaften und staatliche Gewalt mit festen wirtschaftlichen Strukturen gegenseitig ausschlossen. Die Römer und später auch die mittelalterlichen Staaten mussten sich gegen Übergriffe der "wandernden Völker" schützen, was bei der Kolonisierung immer weiterer Gebiete jahrhunderte-lang eine wichtige Rolle spielte, in Mitteleuropa wie später weiter im Osten und Norden Europas und auch in den Kolonien in anderen Kontinenten.
Fest siedelnde und "wandernde" Völker verstanden sich nie. In der Römerzeit kam es durch Nichtverstehen der Siedelweise der Germanen zum Urteil des Tacitus, dass diese in dichten und schaurigen Wäldern lebten; dieser Topos von Wildnis setzte sich, weil er einer der außerordentlich wenigen und daher überbewerteten Schriftquellen am Übergang von schriftloser zu schriftlicher Kultur entstammte, in den folgenden Jahrhunderten fest und ist noch immer in aller Munde. Dabei waren die Wälder nördlich des Limes keineswegs mehr dicht geschlossen; Ackerbauern bauten dort Getreide an, und sie hielten Vieh. Das erwähnte Tacitus zwar, aber es wird daran deutlich, dass es ihm nicht gelang, ein korrektes Bild der Lebensweise der Germanen und der Landschaft Germaniens zu zeichnen.
Die Existenz der "schaurigen Wälder Germaniens" wurde später immer wieder als entscheidender Grund dafür angesehen, dass die Mannen des legendären Hermann des Cheruskers die zivilisierten Römer besiegen konnten, was eine weitere Ausbreitung des Imperium Romanum nach Mitteleuropa verhinderte: Die römischen Soldaten konnten angeblich in den dichten Wäldern nicht militärisch operieren.
Die Besinnung auf die Aussage des Tacitus war seit dem 18. Jahrhundert ein wesentlicher Beweggrund dafür, in Deutschland Wiederaufforstung von Wäldern zu betreiben (vgl. Küster 1998). Zwar ging es dabei auch entscheidend um wirtschaftliche Beweggründe (vgl. Beitrag Schmidt in diesem Heft), und es wurde im 18. Jahrhundert das Prinzip der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern erfunden und durchgesetzt; aber vor allem in der Zeit der Freiheitskriege besann man sich auf die Aussagen von Tacitus, befasste sich mit Hermann dem Cherusker. Friedrich Ludwig Jahn, heute vor allem als der "Turnvater" bekannt, forderte während der Freiheitskriege allen Ernstes, man möge einen Wald gegen die Franzosen pflanzen, damit sie sich darin verliefen - genauso wie 1800 Jahre früher die Römer, wobei die Parallele zwischen Römern und Franzosen deshalb gezogen wurde, weil beide Romanen waren (Küster 1998). Das Missverständnis eines Menschen, der in der Zivilisation lebte, einer anderen Lebensform gegenüber, die in der "Wildnis" existierte, trug letztlich entscheidend dazu bei, dass Deutschland heute besonders reich an aufgeforsteten Wäldern ist und dies zu seiner Identität entscheidend beiträgt.

Der zunehmende Holzbedarf führte zu einem deutlichen Rückgang der Wälder ab dem Mittelalter

Einige Jahrhunderte nach Christi Geburt nahm der Einfluss staatlicher Gewalt auf Mitteleuropa ab, weil das Imperium Romanum zerbrach. Damit gingen auch zahlreiche wirtschaftliche Strukturen unter, die in der Zeit der römischen Besetzung Mitteleuropas aufgebaut worden waren. Holzhandel über größere Distanzen fand nun nicht mehr statt; es breitete sich erneut - wie in vorgeschichtlicher Zeit - das System der kurzfristigeren, nicht völlig ortsfesten Besiedlung aus. Weil Siedlungen erneut verlagert wurden und wieder Sekundärsukzessionen zur Bildung geschlossener Wälder führten, wurde auch die Ausbreitung der Buche in den Wäldern erneut gefördert. Die Buche erreichte vor etwa 1500 Jahren ihre größte Verbreitung in Europa während der Nacheiszeit und ihre auch heute bestehenden Verbreitungsgrenzen in Südostengland, Südskandinavien und an der polnischen Ostseeküste.
Damals setzten wieder historische Entwicklungen ein, die eine weitere Ausbreitung der Buche in den Wäldern verhinderten. Von Westen her kam es erneut zur Etablierung fester staatlicher und wirtschaftlicher Strukturen, unter deren Einfluss Holzhandel stattfinden konnte und Siedlungen in aller Regel ortsfest blieben. In den Wäldern wurde die Buche erheblich dezimiert, einerseits weil man ihr Holz zur Erzschmelze sowie zur Herstellung von Steinzeug und Glas benötigte, andererseits weil immer wieder an den gleichen Stellen Holz gemacht wurde. Es entstanden erneut Niederwälder mit Hainbuchen, Haselsträuchern, Eschen, Linden, auch Eichen. Eichen wurden aber auch gezielt geschont, weil man die Eicheln zur Eichelmast der Schweine brauchte.
Besonders nach der Entstehung der ersten Städte wurde der Holzbedarf immer größer. Immer umfangreichere Flächen wurden abgeholzt, auch in den Mittelgebirgen, die als klimatisch ungünstigere Gebiete nun auch besiedelt werden konnten; in ungünstigen Jahren, in denen Missernten auftraten, bestand nun die Möglichkeit, den Mangel an Nahrung über den Handel zu kompensieren. Auf der anderen Seite konnten in den Mittelgebirgen große Holzeinschlagsgebiete entstehen, von denen aus das Holz über Flößerei und Trift in die Wirtschaftszentren transportiert wurde (Küster 1998 mit Angaben weiterer Literatur). Weitere Gebiete wurden durch Beweidung ärmer an Bäumen; nur einige wenige Bäume - zumeist Eichen, die man als Mastbäume auf Viehweiden förderte - blieben stehen und entwickelten charakteristisch breite Kronen. Diese Baumkronen sehen besonders malerisch aus; daher wurden sie später häufig von Künstlern gemalt, beispielsweise von Caspar David Friedrich. Dieser Maler und andere stellten die Bäume aber nicht nur als ein Naturdokument dar, was gelegentlich vermutet wird, sondern auch aus symbolischen Gründen. Sie als Naturdokument zu verstehen wäre aber auch deswegen falsch, weil Eichen natürlicherweise diese Wuchsform nicht annehmen, sondern breitkronige Bäume sich nur in einer intensiv genutzten Hudelandschaft herausbilden konnten (Pott und Hüppe 1991).
Insgesamt ging der Bestand an Bäumen und Wäldern in Mitteleuropa während des Mittelalters und der frühen Neuzeit erheblich zurück; Holz war in einer Zeit, in der Stein- und Braunkohle sowie Erdöl noch nicht in großem Umgang als Ressourcen zur Verfügung standen, der einzige Rohstoff zur Erzeugung von Wärmeenergie. Dem Raubbau konnte erst durch die Etablierung des Nachhaltigkeitsprinzips, die Einrichtung von Forstverwaltungen, den Beginn des Steinkohlenbergbaus, den Aufbau des Eisenbahnnetzes, über das Kohle verteilt wurde, und die Aufforstung im 18. und 19. Jahrhundert Einhalt geboten werden. Dabei berief man sich interessanterweise auf die Wiederherstellung eines alten, in der Antike beschriebenen Zustandes, auch wenn er nicht so tradiert worden war, wie es der Realität entsprach.

 

Folgerungen für den Naturschutz heute

Durch den Wandel der Natur und später auch durch den Wandel des menschlichen Einflusses auf die Umwelt entstanden immer wieder neue, andersartige Waldbilder in Mitteleuropa, auch wenn deren Biodiversität aus den eingangs geschilderten Gründen nicht besonders hoch war und ist. Weil viele heute in Mitteleuropa nicht natürlicherweise auftretenden Gehölze aber aus physiologischen Gründen hier zu Lande sehr wohl wachsen könnten, wurden in den letzten Jahrhunderten zahlreiche "Exoten" in den Wäldern gepflanzt, beispielsweise Lärche, Douglasie, Roteiche und Robinie. Alle diese Baumarten wären "natürlicherweise" hier zu Lande zu finden, hätte es die mehrfachen Klimaschwankungen des Eiszeitalters nicht gegeben. Von daher ist es nicht einfach, ein gutes Gegenargument für den Anbau von "Exoten" in den Forsten zu finden.
Im Naturschutz und in der so genannten "naturnahen Waldwirtschaft" versucht man vielmehr, die "Potenzielle natürliche Vegetation" zu etablieren, die aus einheimischen, "natürlicherweise vorkommenden" Gehölzen besteht und als Zustand gedacht wird, der so bald wie möglich erreicht werden soll. Natur ist aber kein Zustand, sondern durch Wandel ausgezeichnet, und auch die Umwelt des Menschen ist stets wandelbar. Aus der Vegetationsgeschichte ist abzuleiten, dass die Zu- und Abnahme der Bedeutung von Buche und Hainbuche, aber auch vieler anderer Gehölzarten mehr oder weniger stark auf menschlichen Einfluss während der letzten Jahrtausende zurückging. Es zeigt sich, wie widersinnig es ist, bestimmte Zustände "natürlich" zu nennen und andere nicht: Buchenwälder sind, wie man auf vielen Karten finden kann, die statisch gedachte "Potenzielle natürliche Vegetation" in weiten Bereichen Mitteleuropas. Weil sie stabil ist, kann sie mit Natur nicht viel zu tun haben.
Dagegen herrscht wirkliche Natur nur dort, wo jegliche Nutzung durch den Menschen aufgegeben ist und eine natürliche Dynamik tatsächlich ablaufen kann. Dies ist in Mitteleuropa nur in wenigen Gebieten der Fall, beispielsweise in den Nationalparks Bayerischer Wald und Hainich, sowie in Bannwaldgebieten, die beispielsweise in Baden-Württemberg in großer Zahl ausgewiesen wurden (Dieterich und andere 1970), und ebenso im Wattenmeer.
Andernorts gibt es auch zahlreiche Naturschutzgebiete, die zum Teil Wälder umfassen. In ihnen geht es aber nicht um den Schutz des Wandels, sondern um den Schutz des Bestandes, der Identität bestimmter Landschaftsbilder, die den Bewohnern einer Gegend vertraut sind. Zu dieser Identität gehören bestimmte Baumarten und Waldbilder, die auf Grundlage natürlicher Bedingungen und menschlicher Tätigkeit weite Verbreitung finden konnten; die Identität mitteleuropäischer Wälder wird ebenso durch deren historisch bedingte Artenarmut geprägt. Dieser Schutz der Identität bestimmter Waldbilder kann sehr wohl ein wichtiges Anliegen sein; allerdings hat es mit Naturschutz im engeren Sinne wenig zu tun. Es wird in Zukunft darauf ankommen, die aus der Waldgeschichte gewonnenen Ergebnisse besser mit den Schutzkonzepten für unsere Umwelt abzustimmen: In Mitteleuropa geht es meist nicht um den Schutz der wandelbaren Natur, sondern um die Bewahrung landschaftlicher Zustände, die einen wichtigen Teil der Identität unserer Umgebung ausmachen. Für die Durchsetzung dieses Schutzzieles ist es günstiger, sich nicht auf den Naturschutz als Schutz des Wandels, sondern auf den Landschaftsschutz als Bewahrung eines Zustandes zu berufen.


Meiler zur Gewinnung von Holzkohle
Holz war über Jahrtausende die wichtigste Energiequelle. Holzkohle aus Buchenholz eignete sich besonders für die Verhüttung von Erz.
Foto: Archiv Landesforstverwaltung Baden-Württemberg 

Literaturhinweise:

Dieterich, H., und R. Hauff (1980): Die Bedeutung der Pollenanalyse für die forstliche Standortskunde in Baden-Württemberg. Forstwissenschaftliches Centralblatt 99(3), 1980, S. 120-128.

Dieterich, H., S. Müller und G. Schlenker (1970): Urwald von morgen. Bannwaldgebiete der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg. Ein Beitrag zum Europäischen Naturschutzjahr. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1970.

Firbas, F. (1949): Waldgeschichte Mitteleuropas. Band 1. Verlag Gustav Fischer, Jena.

Freund, H. (1994): Pollenanalytische Untersuchungen zur Vegetations- und Siedlungsentwicklung im westlichen Weserbergland. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde 56(1), Münster 1994.

Hvass, S. (1981): Ländliche Siedlungen der Kaiser- und Völkerwanderungszeit in Dänemark. Offa 39, S. 189 bis 195.

Iversen, J. (1956): Forest Clearance in the Stone Age. Scientific American 194(3), 1956, S. 36-41.

Küster, H. (1988): Vom Werden einer Kulturlandschaft. Vegetationsgeschichtliche Studien am Auerberg (Südbayern). Verlag Acta Humaniora im VCH, Weinheim 1988.

Küster, H. (1993): Die Entstehung von Vegetationsgrenzen zwischen dem östlichen und dem westlichen Mitteleuropa während des Postglazials. In: A. Lang, H. Parzinger und H. Küster, Kulturen zwischen Ost und West. Das West-Ost-Verhältnis in vor- und frühgeschichtli-cher Zeit und sein Einfluß auf Werden und Wandel des Kulturraums Mitteleuropa. Akademie-Verlag, Berlin, S. 473-492.

Küster, H. (1994): The economic use of Abies wood as timber in Central Europe during Roman times. Vegetation History and Archaeobotany 3, 1994, S. 25-32.

Küster, H. (1995): Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. Von der Eiszeit bis zur Gegenwart. München 1995.

Küster, H. (1996): Auswirkungen von Klimaschwankungen und menschlicher Landschaftsnutzung auf die Arealverschiebung von Pflanzen und die Ausbildung mitteleuropäischer Wälder. Forstwissenschaftliches Centralblatt 115, 1996, S. 301-320.

Küster, H. (1998): Geschichte des Waldes. Von der Urzeit bis zur Gegenwart. Verlag C. H. Beck, München 1998.

Küster, H. (2000): Waldentwicklung in Süddeutschland. In: Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.), Entwicklung der Umwelt seit der letzten Eiszeit. Rundgespräche der Kommission für Ökologie 18, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2000, S. 91-102.

Küster, H. (im Druck): Birken in der Waldgeschichte Mitteleuropas. Berichte aus der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (im Druck).

Markgraf, V. (1970): Palaeohistory of the spruce in Switzerland. Nature 228(5268), 1970, S. 249-251.

Markgraf, V. (1972): Die Ausbreitungsgeschichte der Fichte (Picea abies H. Karst) in der Schweiz. Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft 85 (1- 4), 1972, S. 165-172.

Peglar, S. (1993): The mid-Holocene Ulmus decline at Diss Mere, Norfolk, UK: a year-by-year pollen stratigraphy from annual laminations. The Holocene 3(1), 1993, S. 1-13.

Pott, R. (1981): Der Einfluß der Niederholzwirtschaft auf die Physiognomie und die floristisch-soziologische Struktur von Kalkbuchenwäldern. Tuexenia 1, 1981, S. 233-242.

Pott, R. (1985): Vegetationsgeschichtliche und pflanzensoziologische Untersuchungen zur Niederwaldwirtschaft in Westfalen. Abhandlungen aus dem

Westfälischen Museum für Naturkunde 47(4), Münster 1985.

Pott, R. (1993): Farbatlas Waldlandschaften. Ausgewählte Waldtypen und Waldgesellschaften unter dem Einfluß des Menschen. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1993.

Pott, R., und J. Hüppe (1991): Die Hudelandschaften Nordwestdeutschlands. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde 53(1/2), Münster 1991.

Ralska-Jasiewicz, M. (1964): Correlation between the Holocene history of the Carpinus betulus and prehistoric settlement in North Poland. Acta Societatis Botanicorum Poloniae 33 (2), 1964, S. 461-468.

Schweingruber, F.H. (1976): Prähistorisches Holz. Die Bedeutung von Holzfunden aus Mitteleuropa für die Lösung archäologischer und vegetationskundlicher Probleme. Academica Helvetica 2. Verlag Paul Haupt, Bern, Stuttgart.

Troels-Smith, J. (1960): Ivy, mistletoe and elm. Climate indicators, fodder plants. Danmarks Geologiske Unders¿gelse IV,4(4), K¿benhavn 1960.

Weiner, J. (1991): Nur in der Tiefe gab es Wasser. Die Entdeckung und Interpretation eines außergewöhnlichen bandkeramischen Befundes. In: Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.), Archäologie im Rheinland 1990. Rheinland-Verlag, Köln 1991, S. 21-22.

 


Copyright ©   2001  LpB Baden-Württemberg   HOME

Kontakt / Vorschläge / Verbesserungen bitte an: lpb@lpb-bw.de