Zeitschrift

Der deutsche Wald

Das Märchen vom "Mann im Mond" hat einen sozialgeschichtlichen Hintergrund

Waldfrevel contra staatliche Interessen



 

Inhaltsverzeichnis

 

Die sozialgeschichtliche Bedeutung des Waldes im 18. und 19. Jahrhundert

Uwe Eduard Schmidt  

PD Dr. Uwe Eduard Schmidt ist Leiter des Arbeitsbereiches Forstgeschichte des Instituts für Forstpolitik der Universität Freiburg i. Br.

Über die Jahrhunderte hinweg war Holz der wichtigste Rohstoff- und Energielieferant in Mitteleuropa. Hinzu kam die Bedeutung des Waldbodens für die Feldwirtschaft und das Vieh. Kein Wunder, dass der Wald übernutzt und namentlich in der Folge von Bevölkerungs- und Großgewerbezuwachs drastisch zurückging, mit einem Tiefpunkt im 18. Jahrhundert. Strenge forstpolizeiliche Maßnahmen sollten zum Wiederaufbau der Wälder führen, was voraussetzte, dass man die vielfaltigen Nutzungen des Waldes durch die Bauern einschränkte. Das kam zwar dem Wald zu Gute, bedeutete aber für die Bevölkerung eine Verschlechterung ihrer sozialen Lage, war faktisch eine Enteignung. Ersatz stand nicht zur Verfügung, Not war die Folge. Die "Freiheit im Wald" wurde zu einer zentralen Forderung der Revolution von 1848/49. Verständlich auch, dass die bäuerliche Bevölkerung die Verbote nicht achtete: Waldfrevel war die Folge, gegen den die staatliche Obrigkeit mit allen Mitteln vorging, mit der Justiz und unter Einsatz von Waffen. Der Förster wurde Feind. Zahlreiche Quellen belegen diese Konflikte, nicht zuletzt auch Sagen, Märchen und Volkslieder.   Red.

 

Holz als Rohstoff und Energielieferant: das "Hölzerne Zeitalter"

Unter den zur Verfügung stehenden Roh- und Energiestoffen nimmt die Biomasse eine besondere Rolle ein, denn sie ist der einzige Rohstoff, der nachwächst; d. h. sie trägt den entscheidenden Wesenszug einer Ressource - das "Sich-Erholen-Können". So ist z. B. Holz bei einem bestimmten Flächenpotenzial, bei standortgerechter Baumartenwahl und Bewirtschaftung durch Abschöpfung des Zuwachses unendlich lange - nachhaltig - nutzbar.

Bei der retrospektiven Betrachtung des menschlichen Umgangs mit seinen Waldressourcen ist zu beachten, dass sich die waldbezogenen Nutzungen in der Geschichte ständig veränderten bzw. neuen Ansprüchen gerecht werden mussten und sich bei weitem nicht ausschließlich auf Holz beschränkten1.
Der Rohstoff Holz und seine Inhaltsstoffe finden im Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert in vielfältigen Formen Verwendung. Vor allem die Großgewerbe (Salinen, Eisen- und Glashütten) und Exportunternehmen (Brenn- und Nutzholztransport hauptsächlich auf Wasserwegen) weisen in der vorindustriellen Zeit einen extremen Holzbedarf auf. Holz wurde dabei als Roh-, Hilfs-, Betriebs- und Heizstoff eingesetzt. Als Bau- und Nutzholz findet es bei der Errichtung von Gewerbebetrieben, im Bergbau, beim Schiffsbau und im privaten Häuserbau Verwendung. Einrichtungen der Flößerei und der Trift sichern die Roh- und Brennholzversorgung in- und ausländischer Märkte. Für die Glasproduktion stellt man in großem Stil aus Holzasche Kaliumcarbonat als Flussmittel her (Pottasche). Auch beim Bleichen von Garnen und zum Gerben bestimmter Lederqualitäten setzt man Pottasche ein. Gerbstoffe extrahierte man in erster Linie aus Eichenrinde; die Ruß- und Terpenproduktion hat dagegen harzhaltige Nadelhölzer zur Grundlage.
Vor der Nutzung fossiler Brennstoffe ist Holz als Hauptenergieträger sämtlicher Großgewerbe anzusehen. Als Betriebs- und Heizstoff nimmt neben der Brennholzfeuerung der Fayencen, Salinen, Glashütten, Kalkbrennereien und Ziegeleien die Holzkohle eine entscheidende Rolle bei der Eisen- und sonstigen Metallverhüttung ein. Durch die Holzkohlenbeschickung der Renn- und Hochöfen erzielt man nicht nur einen höheren Heizwert, sondern auch eine Reduktion des Roheisens und damit eine wesentliche Qualitätssteigerung. Bei der weiteren Veredelung des Eisens wurde ebenfalls Holzkohle zum Schmieden von Stahl eingesetzt.
Daher spielen bei der Wahl der Großgewerbestandorte die vorhandenen Rohstoffe (Wasser, Holz, Gestein, Erze, Salz) eine bedeutende Rolle. Der Standort bleibt infolge der technisch begrenzten Kapazität der Transportsysteme in einzelnen Regionen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts rohstoffdeterminiert. Probleme der Waldressourcenknappheit können demzufolge hauptsächlich in Regionen mit frühen Gewerbezentren bzw. urbanen Agglomerationen beobachtet werden. Mit dem Anwachsen der vorindustriellen Zentren kommt es zu einer zwangsläufigen Rohstoffverknappung. Damit bedroht ein im Wesentlichen auf die Gewerbe und ihre Einzugsgebiete regional begrenzter Holzmangel den Bestand der vorindustriellen Wirtschaftsbetriebe und folglich den Lebensnerv der vorindustriellen Gesellschaft in Deutschland. Neben seiner Funktion als Brenn- und Bauholz sichert Holz die Existenz des Holz verarbeitenden Handwerks und anderer holzabhängiger Gewerbezweige2. Im 18. Jahrhundert lag der Holzbedarf pro Kopf im Vergleich zu heute bis zu 10-mal höher.
"Die dominierende Stellung, die das Holz im Rahmen aller Roh- und Werkstoffe in Wirtschaft und Haushalt bis zu Ende des 18. Jahrhunderts hatte, gibt Veranlassung, im Anhalt an den bekannten Wirtschaftshistoriker Werner Sombart, diese Zeit als 'hölzernes ZeitalterÔ zu bezeichnen."3

Doch auch der Waldboden wurde genutzt

Darüber hinaus dient der Waldboden als unersetzliche Flächenerweiterung für Getreide- und Hackfrüchteanbau in Form der Waldfeldbewirtschaftung4. Die Waldbodenflora stellt ein wichtiges zusätzliches Futterangebot für Pferde, Ziegen, Rinder und Schafe dar. So benötigt ein im Wald gehaltenes Rind zur Ernährung für 6 Monate eine durchschnittliche Waldweidefläche von 3 bis 4 ha. Von den Waldbäumen "geschnaiteltes" Blattgrün wird im Stall verfüttert. In erster Linie eignen sich Blätter und Zweige von Esche und Ulme, aber auch Nadelbaumzweige fanden als zusätzliches Viehfutter Verwendung. Im Winter schlägt man die Wipfel von jungen Tannen und Fichten ab, um damit Schafe zu ernähren. Im Raum Niedersachsen wird der Bedarf von Laubheu je Kuh und Winter mit 1000 Bündel angegeben5. Darüber hinaus dienen abgefallene Nadeln und Blätter als Strohersatz zur Einstreu in den Stallungen. Die Schweinemast nutzt sowohl die Früchte von Eichen, Buchen und Kastanien als auch die Waldbodenfauna. Für die Bienenweide sind blühende Bäume, Honigtau der Blattläuse sowie blühende Waldbodenflora von großer Bedeutung.

Diese landwirtschaftlichen Nutzungen des Waldes sind für die Versorgung der Bevölkerung unumgänglich. Der Waldflächenbedarf zur Ergänzung bzw. Aufrechterhaltung der landwirtschaftlichen Produktion liegt je nach Standort bei mehreren Hektaren pro Kopf, wobei die damalige Waldfläche im Vergleich zur heutigen Bewaldung wesentlich geringer ist6. Die landwirtschaftliche Waldnutzung - und hier vor allem der Waldfeldbau7 und die Streunutzung - wirkt sich ausschließlich nachteilig auf die Waldbodenfruchtbarkeit und somit auf die Holzertragsleistung der Bestände aus. Hinzu kommen bei entsprechender Waldbeweidung Verbiss- und Trittschäden, die eine natürliche Regeneration der Baumbestände erschwerten bzw. unmöglich machen. Zunehmende Bevölkerungszahl und die damit einhergehende vermehrte Holznutzung und landwirtschaftliche Inanspruchnahme des Waldes führen gebietsweise zu einem sich spürbar verstärkenden Druck auf die zur Verfügung stehenden Wälder. Ein erhöhter Bedarf an Siedlungs-, Gewerbe- und intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen, welcher unweigerlich zu Waldflächenrückgängen führt, verschärft darüber hinaus gebietsweise die Situation der angespannten Waldressourcennutzung.

Die Jagd

Neben den bäuerlichen Inanspruchnahmen des Waldes dient der Wald vornehmlich zur Zeit des Absolutismus als Jagdareal der Landesherrschaft bzw. des privilegierten Adels. Die damalige gesellschaftliche Bedeutung der Jagd und die Jagdmethoden der Barockzeit führen zur Haltung von hohen Wildbeständen, welche das Nutzungspotenzial des Waldes ebenfalls verringern. Es bleibt daher bei der dargestellten historischen Waldressourcennutzung festzuhalten, dass neben dem Auftreten von rein produktbezogenen oder rein flächenbezogenen Waldressourcenengpässen ein weiteres Konfliktfeld zu beobachten ist - die Konkurrenz zwischen Holzproduktion und Waldflächennutzung auf gleicher, begrenzt zur Verfügung stehender Fläche.
Die Entwicklungen von Lösungsstrategien bei aufkommender Waldressourcenknappheit differieren demnach je nach rein produkt-, rein flächen- und kombinierter produkt- und flächenbezogener Waldressourcennutzung sehr stark. Das Produkt Holz ist - die Bereitstellung von funktionierender Infrastruktur und Technik vorausgesetzt - handelbar, transportierbar und substituierbar. Dagegen können rein flächenbezogene Waldnutzungen nur dadurch aufgehoben werden, wenn die in Anspruch genommenen Nutzungsfunktionen von der Fläche loszulösen sind.

Historische Konfliktanalyse muss sich einer Vielfalt von Quellen bedienen

In der Analyse dieser aufgezeigten Konfliktfelder gewinnt die sozialgeschichtliche Dimension des Waldes eine hohe Bedeutung.
Historische Konfliktfeldanalysen sind zielführend, wenn alle betroffenen Gesellschaftsbereiche gleichberechtigt integriert werden. Unter dieser Prämisse erfordert die praktische forstgeschichtswissenschaftliche Forschungstätigkeit über die Interpretation von forstlichen Rechts- und Verwaltungsakten hinaus die Einbeziehung historischer Informationen mittelständischer und sozial schwacher Schichten. Waldbezogene Schulchroniken, Tagebücher, Pfarreiaufzeichnungen, Romane und Reisebeschreibungen sind beispielsweise "nichtforstliche Informanten", die in hohem Maße zu dieser historisch-politischen Analyse beitragen.
Darüber hinaus liegen zu dieser waldressourcenpolitischen Fragestellung des 18. Jahrhunderts unmittelbare Quellenbelege betroffener Untertanen in schriftlicher und kreativer Form vor. Hierzu gehört vor allem das Liedgut. Volkstümliches Singen und Erzählen ist bis in unser Jahrhundert in erster Linie als individuelle Befreiung und soziale Kommunikation zu verstehen. Balladen, Bänkelgesänge, Liedflugblattfassungen, Tanz-, Soldaten-, Auswanderer-, Kinder-, Jäger- und Försterlieder sind je nach Themenbezug verschieden stark verbreitet und werden von Generationen zu Generationen mehr oder weniger lang weitergegeben. Ihr Auftauchen wie ihr Versinken wird so zu einem getreuen Spiegel der Sozialgeschichte. In der Regel bereichern diese Quellen den Materialfundus in erstaunlicher Weise. Im Folgenden sollen "rein forstlich, landesherrlich gemalte Vergangenheitsbilder" denen anderer Gesellschafts- und Interessengruppen gegenübergestellt und verglichen werden.

Der Waldmangel im 18. und im 19. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert und Anfang des 19. Jahrhunderts werden in den meisten Forstordnungen, Forstgutachten und Waldbereisungen über starke Walddevastationen, Waldrückgänge, vorhandene als auch prognostizierte Waldressourcenknappheiten berichtet. Literarische Werke und nichtforstliche Schriftstücke des 18. und 19. Jahrhunderts bilden die gleiche Situation der Wälder und die dadurch bedingte Notlage der Bevölkerung aus einer sehr interessanten, nichtforstlichen Perspektive ab. Im Jahre 1721 muss beispielsweise die Winterschule nach einem Tagebuch des Pfarrers in Dudweiler (Saarland) wegen Brennholzmangel geschlossen bleiben. Auch um 1740 ist dieser Zustand nicht behoben. Nach Berichten der Bauinspektion Speyer führen starke Bodenerosionen der vom Wald entblößten Berghänge am Ostrand des Pfälzerwaldes zu ungeheuren Sandeinträgen in die Queich. Im Jahre 1740 versucht man erstmals, die Gräben der Landauer Festung vor Versandungen zu schützen. Über "10 000 Kubikklafter Sand und Schlamm" müssen entfernt werden. Zwischen 1790 und 1800 wird ein Ableitungskanal angelegt.
Im Frühjahr und Sommer 1781 unternimmt der Berliner Aufklärer, Buchhändler, Verleger und Schriftsteller Ch. Fr. Nicolai eine Reise durch weite Teile des deutschen Sprachgebietes. Die Strecke von München nach Augsburg beschreibt der Reisende wie folgt:
"Wenn ich aber zuweilen einen Blick auf das Land hinauswarf und sah, dass kaum die Hälfte davon bebaut war - denn ganze Strecken weit sah man nichts als die von Sümpfen unterbrochenen Heiden -, so klopfte mir das Herz."
Auf der gleichen Reise macht Nicolai folgende interessante Beobachtung in der Gegend zwischen Wangen und Stuttgart:"Eine ganze Weile fährt man entlang einer dichten Plantage von Weiden, vermischt mit Apfel- und Birnbäumen ... Die Weiden sind dazwischen gesetzt, da sich Esslingen wegen Mangel an Feuerholz der Reisigbündel aus Weidenzweigen bedienen muss."
Wie trostlos das Heidegebiet im Raum Lüneburg zu Beginn der Aufforstungsarbeiten gewirkt haben muss, lässt auch ein zeitgenössischer Reisebericht erkennen:
". . . lebhaft gedenke ich noch meiner ersten Fahrt durch das Aufforstungsgebiet. Nach stundenlanger, eintöniger Fahrt durch die öde Heide, auf der wir Vögel selten, Wild weder sahen noch spürten, fanden wir am Wege, wenn von Weg oder Steg überhaupt zu reden war, einen toten Fuchs liegen, dem mutmaßlich Weltschmerz das Leben genommen hatte."
Das Backen wird 1765 in Sprendlingen (Rheinhessen) mit 8000 Bund Stroh bestritten, da eigenes Holz fehlt und fremdes Holz für ärmere Bevölkerungsschichten unerschwinglich wird. Im Winter leben drei bis vier Haushaltungen in einer Stube zusammen, um so Brennholz einzusparen. In dieser waldarmen Gegend dienen auch die sechs Jahre im Boden belassenen Wurzeln der Luzerne als Hausbrand. Man gräbt die Stoppeln aus Getreide- und Kleefeldern aus, um damit zu kochen.


Abb. 2: Der Wilde See in der Schönmüntz, 1845. 

Auch Schwarzwaldhänge waren kahl

Im 18. Jahrhundert dokumentieren Gemälde, Lithografien, Kupfer- und Stahlstiche insbesondere in frühindustrialisierten Gebieten einen starken Waldrückgang. Aber auch in bäuerlichen Gebieten Deutschlands ist vielerorts die Waldressource durch Übernutzungen in ihrem Bestand gefährdet. Ein Stahlstich zu Anfang des 19. Jahrhunderts dokumentiert beispielsweise die entblößten Hänge des Hasenberges bei Wolfach im Schwarzwald. Noch für das Jahr 1823 lässt ein kolorierter Stahlstich deutlich die entblößten Berghänge bei Bad Wildbad im nördlichen Schwarzwald erkennen. Eine Lithografie des Klostergebäudes von Alpirsbach gewährt einen Einblick auf die kahlen Bergrücken im Jahre 1839.

Die Verschärfung der Forstordnungen führte zu Konflikten mit den Untertanen

Die große Anzahl der Verordnungen, welche während des 18. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Waldnutzungen und hier vornehmlich die Einschränkung der bäuerlichen und handwerklichen Brenn- und Bauholznutzungen, betreffen, lässt sich kaum abschätzen. W. Sombart verweist allein auf eine Sammlung von über 600 Forstordnungen. Um die getroffenen Regelungen durchsetzen zu können, bedurfte es neben einer Strafandrohung auch einer funktionierenden forstpolizeilichen Kontrolle. Diese einschränkenden Maßnahmen führen bei den sozial schwachen Bevölkerungsschichten zu heftigen Gegenreaktionen, welche sich im linksrheinischen Raum verstärkt in den Jahren der Französischen Revolution zeigen. Die dabei ausgetragenen Waldkonflikte zwischen Herrschaft und Untertanen haben in volkstümlichen Sagen und Erzählungen reichhaltig Niederschlag gefunden. Dabei wird die Strenge und Unnachgiebigkeit der Landesherrschaft an Personen der damaligen Forstverwaltung festgemacht. Für die nassauischen Oberämter Saarbrücken und Ottweiler haben sich beispielsweise bis heute die Sagen über den wilden Jäger von Maltitz erhalten. Schließlich fallen Anfang November 1789 in diesem Gebiet die Bauern in den Köllertaler Hofwald ein, den sie vier Wochen lang mit der Begründung besetzt halten: ". . . sie ließen kein Holz mehr holen, es täte ihnen gehören."
Im Jahre 1792 kommt es zu einer gewaltsamen Invasion der Ungsteiner Untertanen im Limburg-Dürkheimer Wald. Das "Wormsische Zeitungs- und Intelligenzmanual" meldet am 24. 11. 1792, dass sich die Bauern frühmorgens in Ungstein mit ihren Fuhren trafen und gemeinsam losfuhren. Entgegen einer vorher getroffenen Verabredung werden anstatt Reisern und Leseholz Klafterholz im Dürkheimer Wald geschlagen. Bei der ausgetragenen Schießerei werden 53 Beteiligte, darunter sechs Untertanen tödlich verwundet. Ende des 18. Jahrhunderts finden forstverwaltungsbezogene Themen Eingang in die bildende Kunst. Es handelt sich hierbei in erster Linie um Darstellungen, welche das Ansehen der damaligen Forst- und Jagdbeamten in verschiedenen Formen wiedergeben.

Eine zu Ende des 18. Jahrhunderts entstandene illustrierte Ballade stellt die revolutionären Ideen der Zeit wie folgt dar: Die unterdrückten Untertanen sind als Hasen, die Landesherrschaft in Form eines Jägers dargestellt. Die vereinigten und damit mächtig gewordenen Hasen eines Forstrevieres richten den landesherrlichen Jagdbeamten dergestalt, dass ihm all das widerfährt, was er zuvor den Hasen angetan hatte. Diese Karikatur lässt zweifelsohne das negative Image der damaligen Forstverwaltung erkennen.

Wald und Revolution

Die soziale Not wird in Deutschland während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Sicht vieler Bevölkerungsgruppen mit zahlreichen forstlichen Missständen begründet. Diese Situation führt dazu, dass sich letztendlich am Wald immer wieder Unruhen im Vorfeld der Revolution von 1848 entzünden. Der harte Strafvollzug bei Forstfrevel sowie das korrupte Verhalten einiger Forstbeamten machen viele Menschen der damaligen Zeit für revolutionäres Gedankengut empfänglich.
Unter Freiheit im Wald verstand man damals vieles: Ende von Entschädigungszahlungen an die vormaligen Herren, eigenmächtiges Fällen von Bäumen, Einreißen von Zäunen und Grenzmauern, Abschießen von Wild, Aufteilung des Gemeindelandes, Wiederherstellung beseitigter Weiderechte, Absetzen missliebiger Bürgermeister, Räte und Förster8. In forstlichen Petitionen werden in Baden zwischen 1835 und 1848 u. a. die Holzabgabe aus herrschaftlichen Waldungen gefordert. Eine Vielzahl der Petitionen fordert das Aufleben alter Forstberechtigungen.
Zudem wird in vielen Gebieten des deutschsprachigen Raumes das Holz nicht mehr allein aus Not gestohlen, sondern als Ausdruck revolutionärer Gesinnung. Wilhelm Heinrich Riehl beschreibt in seiner Chronik auf das Jahr 1848 die Waldfrevel im nassauischen Gebiet geradezu als symbolischen Akt der "politischen Willkür":
"Man muss aber nicht glauben, dass die steten Holzfrevel und Ähnliches aus eigentlicher Entsittlichung hervorgegangen wären. Das Landvolk hielt den Holzdiebstahl für ein neues Privileg, für einen Ausfluss der Freiheit. Man stahl darum auch so recht 'con amore'.9"
Auch die rheinischen Abgeordneten des Landtags 1842 müssen sich mit dieser Auffassung herumschlagen.


Abb. 3: Flugblatt aus der Französischen Revolution. 

Aufforstungen mussten militärisch geschützt werden

Die Wiederbewaldung devastierter Flächen erfolgt zu Beginn des 19. Jahrhunderts überwiegend mit Nadelholz im Staatswald10. In vielen Gegenden Deutschlands nimmt der Kampf der Bauern gegen diese Aufforstungen des 19. Jahrhunderts teilweise recht drastische Formen an. Im Regierungsbezirk Koblenz wird im Jahre 1819 die zwangsweise Aufforstung von gemeindlichem Brach- und Ödland verfügt. Wie wenig Verständnis diese Maßnahme in der Bevölkerung findet, zeigt die Bestimmung, dass Waldkulturen militärisch zu schützen sind. Dies ergibt sich auch aus einer Circular-Verfügung der Regierung Trier vom 23. Mai 183211. Aus Simmern/Hunsrück ist z. B. bekannt, dass in den 1840er-Jahren durch die Gemeindevorsteher Kiefernsamen in den Backofen gesteckt werden, um ihnen auf diese Weise die Keimkraft zu nehmen. In späteren Jahren verjagen in der gleichen Gegend bewaffnete Bauern die gerade mit der Nadelholzanpflanzung beschäftigten Kulturarbeiter. Verschiedentlich müssen die Pflanzarbeiten auch unter Militärschutz vorgenommen werden, so beispielsweise im Regierungsbezirk Koblenz12.
Ein anderes Beispiel ist aus Hessen bekannt: In der Zeit von 1824 bis 1829 werden 400 ha Ödland bei Gießen wiederbewaldet. Gießener Ackerbürger, die die Weidenutzung höher schätzen als künftiges Holz, behindern aber immer wieder diese Aufforstungsmaßnahmen. Um Aufsehen zu vermeiden, fängt man auf den entfernteren Flächen an und lässt auch nachts bei Fackelschein pflanzen13.

Die Jagd als Inbegriff ungerechtfertigter adliger Privilegien

Die Jagd spielt noch während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in vielen Gebieten Deutschlands eine bedeutende Rolle und wird vielerorts zum Inbegriff der ungerechten adligen Privilegien. Die Fürstliche Jagd bedeutet für die einzelnen Gemeinden im 18. und 19. Jahrhundert dreierlei Belastungen: Jagdfron; Einschränkung und Verbote der Waldweide des bäuerlichen Viehs zur Wahrung hoher Wildbestände; Wildschäden auf Feld und Flur (Rot-, Reh- und Schwarzwild).
Die Jagdfron bei den herrschaftlichen Jagden besteht in mehreren möglichen Tätigkeiten. Als schwerste Last unter den Jagdfronen wird von den pflichtigen Bauern diejenige Leistung empfunden, die sie mit ihrer Arbeitskraft zu erbringen haben. Die feudalen Gesellschafts- und Hofjagden führen zu einem Maximum des Bestandes an Rot- und Schwarzwild in den landesherrlichen Forsten, insbesondere in den Hofjagdgebieten. Einzelne Detailangaben sollen dies beleuchten: für eine Hofjagd des Herzogs Karl Eugen von Württemberg wurden im Jahr 1782 rd. 6000 Stück Edel- und Rehwild und 2600 Wildschweine zusammengetrieben. Für ein eingestelltes Jagen bei Heidenheim wurden vom 13. August an pro Tag rd. 1000 Bauern und 73 berittene Postillons zu Botendiensten eingesetzt, um das Wild aus einem weiten Umkreis im Verlauf von rd. 20 Tagen in das eingestellte Jagen zusammenzutreiben. Insgesamt waren trotz der dringenden Feldarbeiten 21 240 Mann im Einsatz. Für die 5500 Wachtfeuer wurden rd. 2766 Klafter Holz (rd. 8500 fm Holz) zusätzlich verfeuert. Die Kosten solcher Jagden beliefen sich auf 30 000 bis 60 000 Gulden, das sind nach heutiger Kaufkraft ca. 2,5-5 Mio. DM.
Hohe Wildbestände benötigen entsprechendes Nahrungsangebot im Wald. Die fürstliche Jagdpassion konkurriert demzufolge mit den althergebrachten Waldweideberechtigungen der bäuerlichen Bevölkerung. Landesherrliche Einschränkungen und Verbote der Waldweide für Rinder, Schafe, Pferde und Ziegen werden von den Bauern so lange nicht akzeptiert, solange die hohen fürstlichen Wildbestände nicht reduziert werden. Nach dem Grundsatz: wo eine Hirschkuh satt wird, wird auch eine Milchkuh genügend Nahrung finden, werden in Deutschland vielerorts gesetzliche Vorschriften zur Waldweidenutzung ignoriert. Diese Jagd- und Wildproblematik nimmt aus diesen Gründen während des Vormärzes und der 1848er Revolution eine Schlüsselfunktion für die Einforderung des Rechtes auf Freiheit der unterdrückten Bevölkerung ein.
In dieser Zeit wird Wilddieberei als Zeichen der Auflehnung gegen die Obrigkeit von der Bevölkerung in der Regel mitgetragen und gedeckt. Die Aufhebung des fürstlichen Jagdregals (1848) führt dennoch nur kurzfristig zu einer drastischen Dezimierung der Schalenwildarten, da 1850 die Jagdfreiheit des Bürgertums durch ein preußisches Jagdpolizeigesetz eingeschränkt wird14. Die Mindestbesitzgröße zur Ausübung des Jagdrechtes wurde auf 75 ha festgelegt; 96 % der bäuerlichen Betriebe lagen unter diesem Flächenminimum15.


Abb. 4: Wildererszene 19. Jahrhundert. 

Waffengebrauch der Forstbeamten zum Schutz der Forsten

Durch die im 18. und 19. Jahrhundert erlassenen Forstordnungen werden althergebrachte Forstberechtigungen einschränkt oder aufgehoben. Die Bevölkerung bleibt dennoch in vielen Lebensbereichen von den Leistungen des Waldes abhängig; die Versorgung mit lebensnotwendigen Waldprodukten wird folglich kriminalisiert. Die Abneigung der Bevölkerung gegen forstpolizeiliche Maßnahmen steigert sich noch, als der preußische Minister des Innern und der Polizei durch ein Gesetz vom 31. März 1837 und entsprechender Ausführungsbestimmungen vom 21. 11. 1837 den Waffengebrauch der Forst- und Jagdbeamten zum Schutze der staatlichen, kommunalen und privaten Forsten zulässt.
Die Förster sind sich als Wald schützende Staatsbeamte ihrer Machtstellung gegenüber der übrigen Bevölkerung wohl bewusst, was ein aus dem Jahre 1828 in den Förstermund gelegtes Volkslied verdeutlicht:

"Förster bin ich hier,
zahm' und wilde Thier'
haben selbst Respekt vor mir;
Hunde, Diener, Jäger,
Magd und Bauersmann,
seh'n mich als was Großes an;
Ich kann hatzen, jagen,
ich kann Leute plagen,
ich kann raisonnieren,
ich kann kommandieren,
Und wer sich widersetzen will,
schieß ich krumm.
Hopp schariwari schum . . .
Zeigen freche Diebe
sich in meinem Wald,
spürt sie meine Nase bald,
Dann leg' ich fein schlau
mich auf den Hinterhalt, . . ."16
Diese angespannte Situation bereitet letztendlich den Boden zu revolutionären Ideen, die man in den Forderungen des Hambacher Festes (1832) bestätigt sieht17. Viele Menschen der damaligen Zeit interpretierten die Forderungen der liberalen Zeitungen und der Hambacher Redner nach mehr Freiheit auf ihre Weise als Legitimation dafür, elementarste Bedürfnisse, wie zum Beispiel einen ausreichenden Holzbedarf, ohne besondere Berechtigung in den staatlichen und gemeindeeigenen Wäldern zu befriedigen18.

Das Holz wird teuer - war kann's bezahlen?

Ein letztendlich mit der Knappheit, aber auch mit einer speziellen Nutzholznachfrage aufkommendes Phänomen seit Ende des 18. Jahrhunderts ist der kontinuierlich ansteigende Wert des Holzes. Diese Thematik findet in allen möglichen Liedern ihren Niederschlag. Das ganze Leben hindurch scheint der Mensch dieses Problem mit sich zu tragen. Bereits im Wiegen- und Kleinkindalter bekommt er den Wert des Holzes vorgesungen, was Folgendes - in den unterschiedlichsten Mundart- und Versvarianten - in Deutschland verbreitete "Knie-Reiter-Lied" beweist:
"Sige, Sage,
Hottewage!
Späne in das Feuer,
das Holz ist teuer.
was kost es denn?
'nen dicken, dicken Taler.
Plumps - ins Wasser."
Darüber hinaus wird das Thema einer Holzteuerung auch zum Teil von der bildenden Kunst der damaligen Zeit aufgegriffen und dargestellt. Beispielhaft sei das Gemälde "Der arme Poet" von Carl Spitzweg (1839) genannt, das die Armut eines Dichters daran festmacht, dass dieser aufgrund des Nicht-Einheizen-Könnens den Tag im Bett verbringen muss19.
Im Liedgut der Revolution 1848/1849 wird immer wieder das Problem der unzureichenden Holzversorgung, der Holzpreissteigerung und der strengen Forstpolizei aufgegriffen. Das Lied Deutschlands Kaiser 1849 nimmt in der vierten Strophe dazu beispielsweise wie folgt spöttisch Stellung:
"Und wenn dich hungert,
wenn dich friert,
dass dir die Seele kracht,
dann lässt man dich erwärmen
An Busen von Gendarmen,
ist das nicht gut gedacht."20
Im deutschen Sprichwörtergut zu Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Holz- und Waldfrevel wie folgt legitimiert: "Gestohlenes Holz brennt auch" oder " Wald, Wasser, Weide haben keine Scheide" (Grenze, der Verf.)21. Die allgegenwärtige Angst vor der strengen Forstpolizei kommt in dieser Zeit durch das Sprichwort zum Ausdruck: "An gestohlenem Holze wärmt man sich nicht lange."22
Während des 19. Jahrhunderts ist im gesamten deutschsprachigen Raum die Sage vom "Mann im Mond" populär. Sie handelt von einem Holzdieb, der im Mondschein dürre Reiser auf dem Rücken nach Hause trägt. Da er jedoch diesen Holzfrevel an einem Sonntag begeht, wird er von Gott zur ewigen Verdammnis auf dem Mond bestraft23.

Die Gefängnisse sind überfüllt mit Holzdieben

Ein Indiz für die zunehmende Verarmung der pfälzischen Bauern- und Handwerkerschaft während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die massenhafte Bestrafung von Einheimischen wegen illegalen Holzsammelns in staatlichen oder gemeindeeigenen Wäldern. Der Staat verhängt allein im Jahre 1830 über 55 000 Gefängnisstrafen und Bußgelder in einer Höhe von insgesamt 800 000 Gulden. Die Gerichte sind in dieser Zeit mit Forstdelikten überlastet. Allein 75 Prozent aller anhängigen Verfahren haben Holzdiebstahl zum Gegenstand. Demgegenüber erscheint der angerichtete Schaden geradezu lächerlich, da er nicht einmal die Summe von 700 Gulden ausmacht. Im kleinen bayerischen "Cantons-Gefängnis" in Blieskastel in der Pfalz sitzen im Jahre 1836 allein 362 männliche und 285 weibliche Personen wegen Forstfrevel ein. Das sind zu dieser Zeit 62 % aller Blieskasteler Gefängnisinsassen24. Im Winter 1843/1844 werden allein im pfälzischen Raum über 180 000 Forstdelikte aktenkundig25. Dieser Statistik nach wird jährlich jeder fünfte Pfälzer wegen Forstfrevel verurteilt, wobei nicht wenige in den erbitterten Auseinandersetzungen mit den Forstbeamten verletzt oder getötet werden. Selbst Schulkinder werden inhaftiert.


Abb. 5: Forstpolizeieinsatz um 1830. 

Ganze Banden fallen in den Wald ein

Im Forst Wiebelsheim bei Oberwesel werden für die Zeit vom 16. März 1837 bis zum 17. Dezember 1839 insgesamt 570 Anzeigen wegen Holzdiebstahls erstattet. Besonders gefährlich ist es für den Waldschutz, wenn ganze Banden sich des Holzes bemächtigen wollen. Am 19. 2. 1836 schreibt Förster Müller an die preußische Forstbehörde:
"Es ist nichts Seltenes, dass ich mit 10 bis 15, ja 20 der gefährlichsten Holzdiebe, welche mit Gewalt und vereint suchen, in den Wald einzudringen, um Holz zu stehlen, zu kämpfen habe."
Einsam gelegene Hunsrücker Forsthäuser werden gestürmt und demoliert. Förster werden misshandelt und bei Hausdurchsuchungen mit dem Tode bedroht. Forstgerichtssitzungen, in denen Holzdiebe abgeurteilt werden sollen, müssen wegen Tumulten abgebrochen werden. Hordenweise dringt man in die Wälder ein, in Pfalzfeld mit dem Bürgermeister an der Spitze. Der Aufruhr im Walde nimmt erst dann ein Ende, als die preußische Regierung zum Schutze des Waldes eine Kompanie des Wetzlarer Jägerbataillons entsendet. Am 3. Juni 1848 wird Förster Müller im Forstwald unweit von Engehöll von zwei Holzdieben erschlagen26.
Gegen Holzdiebstahl empfiehlt man in Hessen ein drastisches Mittel:
"Zur völligen Verhütung der Frevel der Forsten, welche in zerstreut liegenden Taglöhnerhütten einen ewigen Feind haben, wagen wir hier den Vorschlag, längs den Linien einen kleinen Wall und Graben, diesen letzten nach innen gekehrt, und an jeder Ecke ein Aufseherhäuschen."27

Holzmangel ist auch ein Grund zum Auswandern

Viele Deutsche wandern in dieser Zeit wegen Holzfrevel nach Übersee aus; die Zurückgebliebenen werden durch ihr notgedrungenes Handeln "kriminalisiert".
Der pfälzische Revolutionär Konrad Krez, der 1850 nach den Stürmen der erfolglos gebliebenen Revolution nach Nordamerika flüchtete, singt in seinem Lied "An mein Vaterland!":
"Kein Baum gehörte mir von deinen Wäldern,
mein war kein Halm auf deinen Roggenfeldern . . ."28
Aufgrund der unerträglichen forstlichen Situation kommt es in der Eifel ebenfalls zu Auswanderungen. Der Dauner Landrat nennt beispielsweise im Jahre 1843 die Nichtverfügbarkeit des Holzes sowie die strenge Haltung preußischer Forstbeamten als einen der wichigsten Auswanderungsgründe.
"Alle Ermahnungen und Belehrungen sind bei diesen Leuten fruchtlos. Ihr Vorsatz zur Auswanderung steht fest, und alle haben sie einstimmig erklärt, dass Mangel an Lebensmittel, gänzliche Verdienstlosigkeit, besonders aber das harte Holzdiebstahlgesetz und die unerbittliche Strenge der benachbarten und einheimischen Forstschutzbeamten, sowie die wahre Sucht derselben, wegen des geringsten Schadens, selbst noch unter 1 Silbergroschen, die Strafe der Wiederholungsfälle zu provozieren, die Eingesessene zur Auswanderung nötigten."29

Heute hat sich das Bild des Försters längst ins Positive gewandelt

Demzufolge ist das soziale Ansehen der landesherrlichen bzw. staatlichen Forstbeamten und allen voran der Jäger während des 19. Jahrhunderts sehr angeschlagen. Dass solche negative Förster- und Jägerbilder bis in die heutige Zeit tradiert werden, zeigt folgendes Beispiel.
Das sehr gern gelesene Kinderbuch "Die kleine Hexe" von Otfried Preußler aus dem Jahre 1957 stellt den Förster als unbarmherzigen Forstbeamten dar, welcher der ärmeren Bevölkerung selbst das wertlose Leseholz zum Hausbrand nicht zugesteht. Lediglich den Zauberkünsten der kleinen Hexe ist es schließlich zu verdanken, dass der Förster - wenn auch gegen seinen Willen - zu einem Menschen verhext wird, der friedfertig und sozialbewusst handelt.

Abb. 6: "Der verhexte Förster"

Dennoch hat sich in den letzten Jahren das Bild des Försters in der Gesellschaft insgesamt zum Positiven gewandelt. Die moderne Forstverwaltung versteht sich heute in erster Linie als Dienstleistungsunternehmen für alle gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald - und nicht, wie eingangs gezeigt, als ausführendes Organ rein landesherrlicher bzw. staatlicher Interessen. Bürgernähe und Bereitschaft der staatlichen Forstverwaltungen mit anderen Verbänden zusammenzuarbeiten zeigt sich heute in vielfältiger Form.

Literatur- und Quellenverzeichnis

ALTENKIRCH, Gunter: Zurrstange-Ropper-Ding - Ein Brennholz-Sammelgerät einfacher Menschen im 19. Jahrhundert; in: Mitteilungen aus saarländischen Museen; hrsg. v. Saarländischen Museumsverband e. V.; 2. Jg., Heft 3; Ottweiler, 1996.

BECKER, A.: Drei Heidelberger volksdeutsche Dichter und Sänger; in: Mein Heimatland, Heft 2., 1939, S. 239-242.

BERG, E. v.: Die Jagdfrage im Jahre 1848 und die deutsche Jagdgesetzgebung vom Jahr 1848; Dresden und Leipzig, 1849.

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Bildnachweise

Abbildung 1: aus: Schmidt, Uwe Eduard: Das Problem der Ressourcenknappheit - dargestellt am Beispiel der Waldressourcenknappheit in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert - eine historisch-politische Analyse; Habilitationsschrift; angenommen am 23. Juli 1997 von der Forstwissenschaftlichen Falkultät der Ludwig-Maximilians-Universität, München, 1997, 434 S.; S. 5.

Abbildung 2: aus: "Der Wilde See"; abgedruckt in: Beschreibung des Oberamts Freudenstadt; in: Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen von 1824 bis 1886; hrsg. v. d. königlich statistisch-topographischen Bureau; Stuttgart, 1858, S. 189.

Abbildung 3: aus: Volz, K.-R., unveröffentliches Manuskript (Vorlesung München 1992).

Abbildung 4: aus: Ott, Wilfried: Ich bin ein freier Wildbretschütz. Geschichte und Geschichten um die Wilderei; Leinfelden, 2000, 286 S.

Abbildung 5: aus: Hambacher Fest 1832. Freiheit und Einheit. Deutschland und Europa. Katalog zur Ausstellung des Landes Rheinland Pfalz zur Geschichte des Hambacher Festes , Hambacher Schloss, Neustadt an der Weinstraße, Mainz, 1990, S. 98; Original im Archiv Gerstenberg, Frankfurt am Main, Nr. A 9134.

Abbildung 6: aus: Preußler, Otfried: Die kleine Hexe, Stuttgart, 1957.

Fußnoten

 1 Vgl. Lanly, J.-P., 1995: Sustainable forest management: lessons of history and recent developments.

 2 Z.B. Bäckereien, Weinbau, Bierbrauereien.

 3 Mantel, K., 1990.

 4 Synonyme sind: Roth-, Rütt-, Reit- und Reutfeld, Schiffelland, Birkenberge, Hauberge, Rotthecken, Kritter (vgl. Schmidt, U. E., 1989, S. 36 ff).

 5 Schröder-Lembke, G., 1987, S. 120, 125; Kremser, W., 1990; Fraas, C., 1865, S. 524: Das erklärt die Schilderung von H. C. Brocke, dass man im Amte Gifhorn stundenlang durch Wälder reisen konnte, deren Bäume ohne Kopf und Äste gleich Brandsäulen dastünden.

 6 Schmidt, U. E., 1994.

 7 Vgl. ausführliche Abhandlung der Agroforstwirtschaft in Deutschland von: Kapp, G., 1984, S. 266-270.

 8 In: Damals spezial; das aktuelle Magazin für Geschichte und Kultur; 1848/1849 - Für die Freiheit streiten; 1/98, S. 39.

 9 Riehl. W. H., 1848, Nachdruck 1979, S. 96 ff.

10 Schwind, W., 1984, S. 118: Z. B. Adenau: 1816 große Aufforstungen mit über 60 % Kiefer; dennoch beträgt im Jahre 1833 der Ödlandanteil immer noch 27 %.

11 Roenne, L. v., 1854, S. 752 und 871; vgl. Hachenberg, F., 1981, S. 204 ff

12 Hachenberg, F., o. J., S. 27; vgl. auch: Roenne, L. v., 1854, S. 752 und 871.

13 Weimann, H.-J., 1995, S. 403 ff.; vgl. auch Kuba, A., 1937, S. 60 ff.: Nur das Nadelholz war nach Auffassung des damaligen Forstmeisters Heyer imstande, die schutzlosen und ausgemagerten Böden im Stadtwald von Gießen in dem Maße zu regenerieren, dass später der Anbau von Laubholz möglich gewesen wäre. Wie umfangreich der "Einzug" des Nadelholzes im Stadtwald war, ist daraus ersichtlich, dass um 1800 lediglich 7 % der bestockten Fläche und 1846 bereits 40,7 % (530 ha) mit Nadelholz bestockt waren.

14 Berg. E. v., 1848, S. 14: darin: 91. Sitzung der Nationalversammlung in Frankfurt a. M.: "Die Jagdgerechtigkeit auf fremdem Grund und Boden, Jagddienste, Jagdfron und andere Leistungen für Jagdzwecke sind ohne Entschädigung aufgehoben. Jedem steht das Jagdrecht auf eignem Grund und Boden zu"; vgl. Bode, W., 1995, S. 52: Am 7. 3. 1850 wurde die Mindestgröße des eigenen Jagdbezirks auf 75 ha festgelegt. 96 % der bäuerlichen Landwirtschaften erreichten diese Größe nicht.

15 Bode, W.; Hohnhorst, M. v., 1995, S. 52.

16 Volksliedarchiv Freiburg Nr. E 1435.

17 Hambacher Fest, 1990, S. 78.

18 Hambacher Fest, 1990, S. 78; vgl. auch: Heinz, Joachim 1989, S. 174; gl. auch: Saarbrücker Zeitung; Geschichte und Landschaft, Saarbrücken 2.-8. 11. 1996 darin: BAUS, Martin: Holz als "heiße Ware." 1843/ 44 wurden 180 000 Fälle von Forstfrevel bekannt.

19 Carl Spitzweg, Maler, * München 5. 2. 1808,   München 23. 9. 1885, bildete sich selbst zum Maler und schilderte in kleinen Bildern das Leben der Biedermeierzeit; Der arme Poet, 1839, Leinwand 36,2 x 44,6 cm (nach dtv Brockhaus Lexikon in 20 Bänden, Band 17, Mannheim, München, 1995).

20 Weber, Karl, Liederhandschrift, 1864: Deutschlands Kaiser 1849.

21 Wander, K. F. W., 1867, Band 2, S. 751 Nr. 66 und Band 5, S. 1770, Nr. 31.

22 Wander, K. F. W., 1867, Band 2, S. 747, Nr. 10.

23 Hebel, J. P., 1843, S. 36-59 (Anmerkung: Johann Peter Hebel, * Basel 10. 5. 1760,   Schwetzingen 22. 9. 1826; Der Mann im Mond verfasst im Jahre 1803): Belegung für den alemanischen Raum; Krauss, F. S., 1892, S. 290-291: Belegung für Schleswig-Holstein; Bächtold-Sträubli, H. (Hrsg.), 1934/1935, Band 6, S. 510-513: Belegung für das Rheinland, Württemberg, Ostpreußen, u. a.

24 Altenkirch, G., 1996, S. 63: zitiert aus: Bayrisch Köngliches Amtsblatt, 1837, S. 554 f.

25 Vgl. auch: Heinz, Joachim 1989, S. 174; gl. auch: Saarbrücker Zeitung; Geschichte und Landschaft, Saarbrücken 2.-8. 11. 1996 darin: Baus, Martin: Holz als "heiße Ware".

26 Stein, H., 1970, S. 106; 107.

27 Weimann, H.-J., 1995, S. 406.

28 Becker, A., 1939, S. 239-242.

29 Mergen, J., 1973, S. 16 ff.: Bericht des Bürgermeisters Landscheid 18. 2. 1847 aus: ST. A. K., Abt. 160, Nr. 53.


42 Prozent der Fläche der EU sind bewaldet. Damit nehmen Wälder und unbewaldete Flächen ebenso viel Raum ein wie die Landwirtschaft. Das geht aus Erhebungen des Statistischen Amtes der EU (Eurostat) hervor. Besonders groß ist der Waldanteil in skandinavischen Ländern; so sind in Finnland und Schweden mehr als zwei Drittel der Fläche mit Wald bedeckt. In Deutschland sind 30 Prozent der Fläche bewaldet. - In allen Ländern der EU ist der Holzeinschlag geringer als der Holzzuwachs. Das Verhältnis von Holzeinschlag zu Holzzuwachs - eine Kennziffer für die Nachhaltigkeit der Nutzung von natürlichen Holzressourcen - betrug in den 90er-Jahren EU-weit durchschnittlich 65 Prozent. Die Quote schwankt zwischen 87 Prozent in Portugal und 86 Prozent in Belgien bis zu 39 Prozent in Spanien.
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