Zeitschrift

Fußball und Politik


 

Heft 1 2006

Hrsg: LpB

 



 

Inhaltsverzeichnis

Aus unserer Arbeit

VERANSTALTUNGEN DER LPB 2005 IM URTEIL DER TEILNEHMENDEN

Die Gretchenfrage am Ende: "Wie war's …?"

Jeannette Behringer / Robert Feil

EVALUATION - WOZU UND ZU WELCHEM ZWECK?

Das Thema "Evaluation im Bildungsbereich" wird seit langem kritisch diskutiert. Umstritten sind Sinn, Nutzen und mögliche Erträge, das Verhältnis von Aufwand und Ertrag: Welche Ziele soll eine Evaluation verfolgen? Wie, mit welchen Methoden, kann ein "Ertrag" einer Bildungsmaßnahme überhaupt erfasst werden? Wie wird mit den Ergebnissen umgegangen? Wer erhält diese zum Teil sensiblen Daten, wozu werden die Ergebnisse verwendet?

Gerade politische Bildung, die auf die freiwillige Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger und deren Eigenmotivation angewiesen ist, muss sich besonders essentiell um die Interessen, Bedürfnisse und Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger kümmern, für die die Angebote erstellt werden. Dabei kann die Landeszentrale natürlich auf gewisse Standards und Traditionen zurückblicken, ist sie doch seit jeher an den Meinungen ihrer "Kundschaft" über die vielfältigen Produkte interessiert, an Beurteilungen der Bücher und Zeitschriften, der Spiele und Arbeitshilfen, an den Veranstaltungen - und natürlich am Eindruck über die gesamte Arbeit. Diese Rückmeldungen und ihre Berücksichtigung sind wichtig, da sie für die Weiterentwicklung unserer Arbeit notwendig sind. Dies geschieht auf unterschiedliche Weise: Die mündliche Feedbackrunde am Ende einer Veranstaltung gehört zum Standardrepertoire, im Jahr 2001 wurde eine Kundenbefragung durchgeführt, 2004 haben langjährige Kenner unseres Offenen Seminarprogramms in telefonischen Interviews ihr Urteil abgegeben. Die Grundlage für eine systematischere Evaluation zu schaffen, das methodische Vorgehen hinsichtlich einzelner Formate besser aufeinander abzustimmen und die Ergebnisse systematischer zu verwenden - ausgehend von diesen Anliegen bildete sich eine interne Arbeitsgruppe, um das zukünftige Vorgehen in Bezug auf die Selbstevaluation neu auszuarbeiten.

 

ZIELE UNSERER ARBEIT

Bei einer Selbstevaluation liegt die Verantwortung für die Ausarbeitung, Durchführung und Erhebung bei den Beteiligten und Betroffenen. Dies schließt die Beteiligung externer Institutionen nicht aus, garantiert aber, dass die Themen der Evaluation an den spezifischen pädagogischen Zielsetzungen der Bildungseinrichtung ausgerichtet sind. Bei dieser Vorgehensweise muss ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet werden, dass auch alle als wichtig erkannten Themen in der Evaluation bearbeitet werden (z. B. im Fragebogen erfasst sind), und es muss der achtsame Umgang mit den internen Daten beachtet werden.

Auf der Basis einer umfassenden Analyse von Quellen und Literatur und Diskussionen arbeitete die Arbeitsgruppe einen Zielkatalog aus, der ein wichtiges Dokument über die Grundlagen der Arbeit der Landeszentrale für politische Bildung ist. Dieser Zielkatalog wurde in einem internen partizipativen Prozess zur Diskussion gestellt, Ergebnisse und Anregungen aufgenommen. Er dient als Basis für alle weiteren Schritte in Bezug auf die Evaluation der einzelnen Aktivitäten der Landeszentrale und umfasst Ziele, die in der Tabelle zusammenfassend dargestellt sind.

 

INSTRUMENTE UND VERFAHREN DER EVALUATION

Diese Ziele beziehen sich auf unsere gesamte Arbeit. Zunächst wurden diese Ziele nun auf den Veranstaltungsbereich angewandt, eines der Standbeine der Landeszentrale mit ca. 850 Veranstaltungen im Jahr. Dazu wurden diese in konkrete Fragestellungen und Aussagen "übersetzt", um sie in der Bewertung von Veranstaltungen anwenden zu können. In Kooperation mit der Universität Stuttgart wurde ein Fragebogen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelt, der im vergangenen Jahr zum ersten Mal in ausgewählten Monaten eingesetzt wurde, um eine repräsentative Stichprobe zu gewährleisten.1 In die Erhebung werden mindestens Halbtagesveranstaltungen, jedoch nicht reine Vortragsveranstaltungen, Aktionen und Studienreisen einbezogen. Für Veranstaltungen mit Schülerinnen und Schülern wird ein eigener Fragebogen eingesetzt. Dateneingabe und die technische Betreuung der Ergebnisse wird durch das externe Büro Analyticus Data in Karlsruhe unterstützt. Der "Rücktransfer" der Daten erfolgt auf zwei Ebenen: Zunächst erhalten die einzelnen Fachbereiche Rückmeldungen über ihre Veranstaltungen; ausgewählte aggregierte Daten im Überblick, die keinerlei personenbezogene Rückschlüsse erlauben, werden an eine zentrale Anlaufstelle gesendet.

Neben den Fragen und Bewertungen zur Qualität unserer Veranstaltungen, die sich an den oben genannten Zielen orientieren, werden die Personen um soziodemographische Angaben gebeten. Des Weiteren besteht selbstverständlich die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge und weitere Anmerkungen zu unseren Veranstaltungen "loszuwerden".

 

Perspektivenvielfalt Die Landeszentrale arbeitet in all ihren Angeboten strikt überparteilich, um die Objektivität der Meinungsbildung nicht zu gefährden. Das bedeutet, dass sie in den von ihr angebotenen Themen die derzeit wichtigsten Diskussionslinien, Positionen und Argumente kennt und sie in ihrer Arbeit heterogen und kontrovers abbildet. Die Überparteilichkeit geht über die Einbindung des Parteienspektrums hinaus und verlangt ebenso die Einbindung von Akteuren aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft.
Aktualität Aktuelle Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft werden in Publikationen und Veranstaltungen der Landeszentrale in adäquater Weise und in angemessenem Umfang abgebildet. Im Rahmen von Projekten und Jahresschwerpunkten werden aktuelle Themen, Ereignisse und Entwicklungen ebenfalls aufgegriffen. Aktualität umfasst zudem die Entwicklung und den Einsatz innovativer Methoden der politischen Bildung.
Chancengleichheit Die Landeszentrale vertritt eine aktive Auffassung von Chancengleichheit von Frauen und Männern. In den Angeboten der Landeszentrale spiegelt sich diese Auffassung qualitativ und quantitativ wider; z.B. werden Frauen und Männer bei der Struktur der Angebote angemessen berücksichtigt (als Referent/innen, Moderator/innen, Autor/innen).
Zugang Die Landeszentrale möchte allen Bürgerinnen und Bürgern des Landes einen freien und offenen Zugang zu ihren Angeboten bieten. Niemand wird von der Wahrnehmung von Angeboten ausgeschlossen. Zusätzliche Angebote für besondere Zielgruppen stehen dazu nicht im Widerspruch, sondern sind als Maßnahmen der Angebotsspezialisierung im Sinne der Verbreiterung des Zugangs zu verstehen.
Interventionsfähigkeit Die Landeszentrale verfolgt mit ihrer Arbeit letztlich das Ziel, Bürgerinnen und Bürger in der Wahrnehmung ihrer Rechte und Pflichten als Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen. Dazu gehört neben der Vermittlung von Fachwissen auch die Vermittlung von kommunikativer Kompetenz und Sozialkompetenz. Inhalt und Form unserer Angebote werden demzufolge als Einheit verstanden. Die Ermutigung, sich in vielfältiger Weise politisch zu engagieren, gehört dabei ausdrücklich zu unserem Aufgabenfeld.
Qualitätssicherung Die Landeszentrale will sowohl die Qualität ihrer Angebote wie auch die Qualität der Arbeitsabläufe in der Landeszentrale garantieren. Qualität bezieht sich dabei auf die didaktische Qualität unserer Angebote, die Entwicklung von Innovationen sowie die entsprechende Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Dienstleistung Die Landeszentrale arbeitet kooperativ, offen und transparent mit anderen Trägern der politischen Bildung zusammen. Sie entwickelt Angebote und erstellt Materialien, die durch einen möglichst großen Nutzerkreis nachgefragt werden können. Sie unterstützt die interessierten und für eine aktive Bürgergesellschaft tätigen Bürgerinnen und Bürger, Initiativen, Vereine und ehrenamtlich Tätigen.

 

AUSGEWÄHLTE ERGEBNISSE DER EVALUATION

WIE ÜBERPARTEILICH SIND UNSERE VERANSTALTUNGEN?

Die wichtigste Grundlage unserer pädagogischen Arbeit, der "Beutelsbacher Konsens", beschreibt die Notwenigkeit, kontroverse Dinge auch kontrovers zu behandeln und Themen aus überparteilicher Perspektive zur Diskussion zu stellen. Das Ziel der "Perspektivenvielfalt" beschreibt diese Anforderung und ist zentral für unsere gesamte Arbeit. Die Landeszentrale für politische Bildung verpflichtet sich in all ihren Angeboten, die wichtigsten Argumente und Positionen verschiedener Parteien, Personen und/oder Institutionen sichtbar zu machen, damit die Teilnehmenden objektiv informiert werden.

Aus der Umfrage 2005 ergibt sich eindeutig, dass aus Sicht der Teilnehmenden in den Veranstaltungen unterschiedliche Perspektiven, verschiedene politische Einschätzungen und Interessen in hohem Masse abgebildet sind. Insgesamt sind 88,4 Prozent der Befragten dieser Meinung. Für 52,2 Prozent trifft dies in vollem Umfang zu, für 36,2 Prozent der Befragten trifft dies im Großen und Ganzen zu.

 

Item: Das Thema der Veranstaltung wurde aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Trifft zu 

52,1 %

Trifft eher zu 

36,2 %

Unentschieden 

9,0 %

Trifft eher nicht zu 

2,0 %

Trifft nicht zu 

0,7 %

 

WIE WICHTIG SIND DIE VERANSTALTUNGEN FÜR DIE PERSÖNLICHE MEINUNGSBILDUNG?

Informierte und interessierte Bürgerinnen und Bürger sind das Fundament einer lebendigen und funktionierenden demokratischen Gesellschaft: Sie beteiligen sich mehr als Andere am politischen Geschehen, sie bringen ihre Zeit und ihr Engagement in politische Prozesse ein und sind eher daran interessiert, in politischen Ämtern mitzuwirken. Größeres Wissen um politische Abläufe stärkt ebenso das Verständnis für Prozesse der politischen Meinungs- und Willensbildung. Bei der Beurteilung, inwiefern die Veranstaltungen der Landeszentrale zur Meinungsbildung der Bürgerinnen und Bürger beitragen, bejahen dies insgesamt 78,6 Prozent der Befragten. Davon sind 40,5 Prozent der Personen vollständig dieser Meinung, für 38,1 Prozent der Befragten tragen die Veranstaltungen zum großen Teil zu ihrer persönlichen Meinungsbildung bei.

 

Item: Die Veranstaltung war für meine persönliche Meinungsbildung wichtig.

Trifft zu 

40,5 %

Trifft eher zu 

38,1 %

Unentschieden 

14,6 %

Trifft eher nicht zu 

4,7 %

Trifft nicht zu 

2,1 %

 

WIE VERÄNDERT SICH DAS INTERESSE AN POLITIK DURCH UNSERE VERANSTALTUNGEN?

Wichtige Aufgabe der politischen Bildung ist es, Bürgerinnen und Bürger für politische Themen und Fragen zu interessieren, damit sie ihre Rechte und Pflichten besser wahrnehmen können. Laut einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung bekunden im November 2003 nur 56 Prozent der bundesdeutschen Bürgerinnen und Bürger ein Interesse an Politik: 16 Prozent votieren mit "sehr starkes Interesse" und 40 Prozent geben ein "starkes Interesse" an. Veranstaltungen der politischen Bildung sind - neben der Förderung weiterer Kompetenzen - ein wichtiges Instrument, um dieses Interesse zu wecken und zu steigern.

 

 

Gemäß den Ergebnissen unserer Umfrage ist es sehr erfreulich, dass bei der großen Mehrheit der Befragten das Interesse an Politik bzw. am Thema der von ihnen besuchten Veranstaltung gestiegen ist: 67,1 Prozent der Personen geben an, dass dies der Fall ist. Bei 32,3 Prozent der Befragten ist das Interesse gleich geblieben. Hervorzuheben ist, dass insbesondere das Interesse der Teilnehmenden, die als letzten zurückliegenden Bildungsabschluss "Hauptschule" angeben, mit 83,3 Prozent überdurchschnittlich gestiegen ist.

 

INWIEFERN WÜRDEN TEILNEHMENDE UNSERE VERANSTALTUNGEN WEITEREMPFEHLEN?

Um die Qualität von Veranstaltungen zu beurteilen, müssen unterschiedliche Faktoren berücksichtigt werden. Ein wesentliches Kriterium dafür ist die Weiterempfehlung durch die Teilnehmenden, ein zweiter ist der Nutzen, den die Teilnehmenden aus der Veranstaltung für sich "ziehen" können. Hier zeigt sich noch einmal sehr deutlich die hohe Qualität der Veranstaltungen der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: 95,8 Prozent der Teilnehmenden würden die Veranstaltung weiterempfehlen. 93,6 Prozent der Befragten geben weiter an, dass die Veranstaltung ihnen einen persönlichen Nutzen gebracht hat. Der Fragebogen bot die Möglichkeit, genauere Angaben dazu zu machen, woraus dieser Nutzen besteht. Hier wurden vor allem folgende Angaben gemacht (Auswahl): "Mehr und gute Informationen"; "Mehr Wissen"; "Erfahrungsaustausch"; "Leute kennen gelernt"; "Anregungen"; "Sensibilisierung für das Thema" und "Andere Ansätze/Methoden kennen gelernt".

 

AUSBLICK

Die Ergebnisse der Veranstaltungsevaluation 2005 sind sehr gut und vielversprechend. Sie erfassen die subjektive Sicht der Teilnehmenden. Mittel- und langfristige Aussagen lassen sich jedoch erst dann treffen, wenn der Veranstaltungsfragebogen über mehrere Jahre eingesetzt wurde. Eine Evaluation macht auch nur dann Sinn, wenn die Ergebnisse als "Wissensquelle" in die weitere Arbeit einbezogen werden. In diesem Jahr werden wir den Fragebogen im Veranstaltungsbereich mit leichten Modifikationen erneut einsetzen.

 

 

Die Methode des Fragebogens ist darüber hinaus als ein Instrument unter mehreren zu verstehen: Das direkte Gespräch mit den Teilnehmenden, die "mündliche Blitzlichtrunde" im Seminar wird deshalb nicht überflüssig. In der Ergänzung verschiedener Fragestellungen, Methoden und Vorgehensweisen, die aufeinander abgestimmt sind, liegt unseres Erachtens die Stärke der Evaluation.

 

ANMERKUNGEN

1 Der Fragebogen wurde im Jahr 2005 von Februar bis Juni eingesetzt. 1.503 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen teil. Dieser Ausschnitt stellt eine repräsentative Stichprobe

 

UNSERE AUTOREN

Dr. Jeannette Behringer ist Mitarbeiterin der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) und arbeitet im Referat des Direktors. Robert Feil ist ebenfalls Mitarbeiter der LpB und leitet das Referat Zukunft und Bildung.

 


 

 

 

 


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