Zeitschrift

Fußball und Politik


 

Heft 1 2006

Hrsg: LpB

 



 

Inhaltsverzeichnis

  Das Projekt "WM Schulen: Fair Play for Fair Life"
 

Straßenfußball, Fair Play und globales Lernen

  Uli Jäger

 


"Vom Fußball für das Leben lernen" - so kann das Hauptziel des Projektes "WM Schulen: Fair Play for Fair Life" überschrieben werden. In ganz Deutschland beteiligen sich 204 Schulen an diesem wohl einzigartigen Projekt. Sie bekamen per Losentscheid ein FIFA-Land als Patenland zugeteilt. Schülerinnen und Schüler sind bis zur Fußballweltmeisterschaft Botschafter für ihr jeweiliges Patenland, sie vertreten es in der Öffentlichkeit und auf dem grünen Rasen. Gleichzeitig will das Projekt bei den beteiligten Schulen das Interesse an der Umsetzung und der Aneignung des Konzeptes "Straßenfußball für Toleranz" wecken und auch die Beschäftigung mit Themen der Entwicklungszusammenarbeit, weltweiter Verständigung, Gewalt und Rassismus fördern. So lernen die in das Projekt involvierten Schülerinnen und Schüler im Unterricht und in Projekten alles über die Themen "Fair Play" und "Fair Life" in der Einen Welt. Uli Jäger, hauptamtlicher Mitarbeiter und Geschäftsführer des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen e.V., beschreibt in seinem Beitrag die Konzeption, die einzelnen Methoden des Projektes und vermittelt erste Einblicke in die konkrete Arbeit in und an den Schulen.

 

Patenland löst kontroverse Debatte aus

"Kann unsere Schule Partner für den Iran sein, dessen Regierung zur Vernichtung Israels aufruft?" - Seit der Forderung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, der Staat Israel solle "von der Landkarte verschwinden", beschäftigt diese Frage die Internatsschule Königin-Luise-Stiftung in Berlin. Die Schule verfügt über eine besondere Beziehung zum Iran. Gemeinsam mit 203 weiteren Schulen in Deutschland wurde ihr als Teilnehmer des Projektes "WM Schulen: Fair Play for Fair Life" im Dezember 2004 in Berlin ein Mitgliedsland des Weltfußballverbandes FIFA als Patenland zugelost. Mit großem Engagement übernahm die Berliner Schule daraufhin die "Botschafterrolle" für den Iran, informierte sich über Land und Leute, knüpfte erste Kontakte zu einer Schule in Teheran und qualifizierte sich mit seinem Straßenfußball-Team für das Finale der WM Schulen in Potsdam 2006. Dann führte das Zitat des Präsidenten zu kontroversen Diskussionen an der Schule und polarisiert seitdem Schüler, Lehrer und Eltern. Alle Beteiligten haben ein hohes Interesse, den Konflikt konstruktiv auszutragen und zu einer gemeinsamen Einschätzung zu kommen. Denn die problemorientierte Auseinandersetzung der Schulen mit ihren Patenländern ist ein wichtiger Aspekt des Projektes "WM Schulen: Fair Play for Fair Life". Es geht um Fair Play, Gewaltprävention und globales Lernen.

 

Das Projekt "WM Schulen: Fair Play for Fair Life"

"Die Welt zu Gast bei Freunden", lautet das offizielle Motto für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Aber woher kommen diese Gäste, wie kann man ihre Länder, wie die Probleme und Hoffnungen der Menschen am besten kennen lernen und das Motto der WM im Sinne eines globalen Lernens mit Leben füllen? Lässt sich die gesteigerte Fußballbegeisterung von Kindern und Jugendlichen im Vorfeld und während der WM 2006 aufgreifen, um einen Beitrag zur Förderung von Fair Play im Alltag zu leisten und nachhaltige Lernprozesse anzustoßen? Gibt es sogar die Möglichkeit, aktives Fußballspielen mit Themen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, weltweiter Verständigung und Gewaltprävention zu verknüpfen? Diese und andere Fragen bildeten den Ausgangspunkt für die Konzeption des Projektes "WM Schulen: Fair Play for Fair Life". Um diese Konzeption anzugehen und in ein umfassendes Projekt umzusetzen, fanden sich vier, in unterschiedlichen Bereichen erfahrene Partnerorganisationen zusammen. Die Stiftung Jugendfußball (mit dem internationalen Netzwerk "streetfootballworld") hat das Projekt initiiert und die Federführung übernommen. Jürgen Griesbeck, Geschäftsführer von "streetfootballworld", hat in den neunziger Jahren während eines Aufenthaltes in Kolumbien die Methode "Straßenfußball für Toleranz" entwickelt, nach Deutschland gebracht und begonnen, ein internationales Netzwerk von Straßenfußballprojekten zu knüpfen.1 Als zweiter Partner kommt die entwicklungspolitische Nicht-Regierungs-Organisation "Aktion Brot für die Welt" hinzu, die das Sportthema schon 1998 mit dem Motto "Fair Play for Fair Life" für die Bildungsarbeit im Inland aufgegriffen hat und weltweit eine Reihe von Projekten fördert, in denen der Fußball eine bedeutende Rolle spielt. Die Brandenburgische Sportjugend, der dritte Projektpartner, verfügt seit einigen Jahren über praktische Erfahrung im Bereich "Straßenfußball für Toleranz" und in der Organisation von großen Jugendturnieren. Das Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. schließlich ist als anerkannte Fachstelle für Friedenserziehung und globales Lernen theoretisch und praktisch mit dem Themenbereich "Gewaltprävention und Sport", der wissenschaftlichen Begleitung von Projekten und der Erstellung didaktischer Materialien vertraut.

Am 12. November 2004 starteten Jürgen Klinsmann, Bundestrainer und Mitbegründer der Stiftung Jugendfußball und Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, als Schirmleute in Berlin das Projekt.2 Den 204 ausgewählten Schulen wurde ihr Patenland zugelost. Deutschland wird von einer Schule in Südafrika (Pula di Fate/Memelodi) vertreten.

 

 

NACH DEM SPIEL: DIE TEAMS BESPRECHEN MIT DEM TEAMER DIE VERGABE DER FAIR PLAY-PUNKTE. 

Agentur Zeitenspiegel

 

Die Bausteine von "WM Schulen: Fair Play for Fair Life"

Für die Durchführung des Projektes wurden von den vier Partnern drei Bausteine vereinbart, um die Förderung von Fair Play, Gewaltprävention und globalem Lernen verbinden zu können.

 

Baustein 1: Strassenfussball für Toleranz

Die Methode "Straßenfußball für Toleranz" inszeniert Fußball nach spezifischen Regeln (siehe Kasten). Von besonderer Bedeutung sind vier Vorgaben: Erstens wird nur in geschlechtlich gemischten Teams gespielt. Im Rahmen des Projektes "WM Schulen" besteht ein Team aus zwei Mädchen und zwei Jungen. Hinzu kommt, dass Tore, die von Jungen geschossen wurden, erst dann gewertet werden, wenn auch ein Treffer von einem Mädchen erzielt worden ist. Zweitens vereinbaren die gegeneinander spielenden Teams vor dem Beginn des Spieles gemeinsam drei Fair Play-Regeln (z.B. "Wir verzichten auf Schimpfwörter." oder "Wir helfen uns gegenseitig wieder auf die Beine."). Drittens wird auf einen Schiedsrichter verzichtet. Dafür gibt es Teamer, welche in der Regel nicht in das Spiel eingreifen, sondern vor allem die Einhaltung der Fair Play-Regeln beobachten und den Teams helfen, das eigene Fair-Play-Verhalten und das des Gegners nach Ende des Spiels zu bewerten. Denn viertens zählen neben den geschossenen Toren auch Fair Play-Punkte, deren Aufteilung die Teams nach dem Spiel diskutieren und vereinbaren.

 

Strassenfussball für Toleranz: Die Regeln

Die Spielregeln von "Straßenfußball für Toleranz" in Kürze:

 

  • Kleinfeld-Fußball: Gespielt wird auf einem Kleinfeld (ca. 10 x 15m) mit kleinen Toren. Spieldauer: Sieben Minuten.
  • Teams: Die Teams bestehen aus bis zu sechs Spielerinnen und/oder Spielern (zwei Auswechselspielerinnen/Auswechselspieler). Jedes Team ist mit vier Spielerinnen und/oder Spielern auf dem Platz vertreten. Die Teams sind gemischt. Es wird ohne Torwart gespielt. Auswechslungen sind laufend möglich.
  • Rolle der Mädchen: Es müssen zwei Mädchen auf dem Spielfeld sein. Ein Mädchen im Team muss im Laufe des Spiels ein Tor schießen. Damit zählen alle anderen geschossenen Tore. Diese Regel ist zentral im Kontext des sozialen Miteinanders im Team.
  • Teamer: Schiedsrichter gibt es nicht. Sie werden durch so genannte Teamer ersetzt. Teamer spielen ebenso eine zentrale Rolle im Gesamtkonzept. Sie können in der Dialogzone vermitteln und Diskussionen begleiten. Während des Spiels beobachten sie von außen und greifen nicht aktiv in das Spielgeschehen ein.
  • Dialogzone: Vor dem Spiel kommen beide Teams zusammen und definieren für sich drei "Agreements" des Fair Play, drei zusätzliche Regeln, die sie während des Spiels einhalten wollen. Nach dem Spiel kommen die Teams wieder zusammen und diskutieren kurz, inwiefern sie diese Agreements eingehalten haben. Der Teamer kann hier unterstützen und auf beobachtete Spielsituationen aufmerksam machen.
  • Punkteverteilung: Der Gewinner nach Toren erhält drei Punkte, der Verlierer nach Toren einen Punkt, bei einem Unentschieden erhalten beide Teams jeweils zwei Punkte. Beide Teams können noch bis zu drei Fair Play-Punkte bekommen. Besonders bewährt hat sich folgendes Vorgehen:
    (1.) Drei Punkte bekommt ein Team, wenn alle drei Agreements eingehalten wurden und besonders fair gespielt wurde (keine Rangeleien, Ausdrücke etc.).
    (2.) Zwei Fair Play-Punkte werden vergeben, wenn alle Agreements eingehalten wurden, das Spiel jedoch nicht vollkommen fair war (grobe Fouls, Beleidigung des Gegners oder der Mitspielenden).
    (3.) Einen Fair Play-Punkt gibt es, wenn nur ein Teil der Agreements eingehalten wurde.

 

Im Rahmen des Projektes "WM Schulen" setzen sich die Schulen seit Dezember 2004 mit diesem Konzept auseinander und organisieren eigene lokale Turniere. Im Herbst 2005 nahmen alle Schulen für ihr Land an Qualifikationsturnieren nach dem Vorbild der Kontinentalmeisterschaften (z. B. Europameisterschaft, Copa América oder Africa Cup of Nations) teil. Bei den Turnieren in Wittenberge, Hamburg, Halle und in Stuttgart/Filderstadt wurden die Teilnehmer für das Finale des Projektes ermittelt, das im Juni 2006 unmittelbar vor Beginn der offiziellen WM in Potsdam ausgetragen wird.

 

2. Baustein: Botschafterrolle

Parallel zu der Umsetzung der sportlichen und sozialen Aspekte des Regelwerkes von "Straßenfußball für Toleranz" soll nach Auffassung der Veranstalter die "Botschafterrolle" für die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Patenland sorgen. Die Schulen sind aufgefordert, sich ihr Patenland im Regelunterricht und in intensiver Projektarbeit zu erarbeiten, es in der Schule, der lokalen Öffentlichkeit und im Rahmen des parallel zum Fußballfinale stattfindenden Festivals der "WM Schulen" in Potsdam zu präsentieren. Nicht nur Fragen der traditionellen Landeskunde sollen im Mittelpunkt stehen, sondern eine problemorientierte Auseinandersetzung mit Staat und Gesellschaft. In einem für die WM Schulen entwickelten Raster für die kritische Länderanalyse wird ausdrücklich auf Themen wie die Einhaltung von Menschenrechten und den Umgang mit Minderheiten ebenso hingewiesen wie auf die soziale und ökonomische Lebenssituation der Menschen oder auf die Rolle des Landes im Weltmarkt.

 

3. Baustein: Fair Life-Tag

Eng verknüpft mit der "Botschafterrolle" ist der dritte Baustein. "Jede Schule", so heißt es in einem "Leitfaden" für die WM Schulen, "organisiert bis zum WM-Sommer 2006 mindestens einen ‚Fair Life-Tag'. An diesem Tag stellen die Schülerinnen und Schüler ihr FIFA-Partnerland der Öffentlichkeit vor. Mit Plakaten, Power-Point-Präsentationen, Vorträgen, Theater- oder Musikaufführungen informieren die Mädchen und Jungen ihre Mitschüler, Eltern und andere Besucher über ‚ihr' Land und das Thema Fair Play. Fair Play als Motto für den Sport und für das Zusammenleben der Menschen weltweit - das Thema wird in seiner ganzen Vielfalt in unterschiedlichen Fächern (Geographie, Ethik/Religion, Gemeinschaftskunde, Kunst, Sprachen) behandelt." Das Projekt soll nach der Intention der Veranstalter der "gesamten Schule eine Reihe von Möglichkeiten eröffnen, spannende und verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. Für jede Schülerin und jeden Schüler soll es Bereiche geben, in denen sie ihre Interessen, Wünsche und Kompetenzen einbringen können: als Botschafter bei der Präsentation des Patenlandes in Schule und lokaler Öffentlichkeit; auf sportlichem Gebiet als Spielerin und Spieler oder als fantasievolle Fans ihres Teams; bei der Auseinandersetzung mit Themen rund um das Motto ‚Fair Play for Fair Life' oder einem Entwicklungsprojekt; bei der Vorbereitung und Durchführung der Turniere und anderer öffentlicher Veranstaltungen; bei der Präsentation in der Öffentlichkeit, der Pressearbeit, der fotographischen und filmischen Dokumentation oder der Suche nach Sponsoren."3 Besonders die Auseinandersetzung mit einem entwicklungspolitischen Projekt soll bei der Durchführung des Fair Life-Tages eine bedeutende Rolle spielen. Hierzu bereitete die Partnerorganisation "Brot für die Welt" einige ihrer Hilfsprojekte speziell für die Behandlung im Unterricht auf.

Alle WM Schulen sind schließlich angehalten, ihre Aktivitäten in einer Dokumentation festzuhalten und den Partnerorganisationen als Eintrittskarte für die Teilnahme am großen Abschlussfestival vorzulegen.

 

Projektaktivitäten unterschiedlicher Intensität

Die Zulosung der Patenländer im Dezember 2004 hat bei den Schulen Projektaktivitäten unterschiedlicher Intensität ausgelöst. Nach der ersten Orientierung bezüglich des zu gelosten Patenlandes ("Wo liegen eigentlich Swasiland, Äquatorialguinea oder Bhutan?") stand jedoch für die meisten zunächst der sportliche Aspekt und damit verknüpft die Aneignung des anspruchsvollen Regelwerkes von "Straßenfußball für Toleranz" im Vordergrund. Hierbei erhielten sie Unterstützung von regionalen Fachkräften, die im Auftrag der Projektpartner den einzelnen Schulen beratend zur Seite standen. Die Schulen organisierten lokale Turniere, wozu gelegentlich die Teams anderer WM Schulen in der näheren Umgebung eingeladen wurden.

Involviert waren vielfach die Sportlehrer mit den spielberechtigten Schülerinnen und Schülern der vierten und fünften Klassen. Für die Verantwortlichen war die Schwerpunktlegung auf den sportlichen (Wettkampf-)Aspekt des Projektes bedeutsam, weil sie die Teams (und damit die Schule bzw. das Patenland) optimal auf die Kontinentalturniere vorbereiten wollten. Parallel dazu widmeten sich in der Regel andere Fachlehrer und meist auch ältere Schülerinnen und Schüler der Botschafterrolle und der Vorbereitung eines Fair Life-Tages. Einerseits gab es Schulen, die bereits im ersten halben Jahr an der gesamten Schule inhaltliche Projektarbeiten zum Patenland durchführten und in einen öffentlichen Fair Life-Tag münden ließen. Andere Schulen jedoch haben sich dazu entschlossen, erst nach den Kontinentalturnieren die inhaltliche Projektarbeit zu forcieren.

 

Ansätze für eine Zwischenbilanz

Wie ist der bisherige Verlauf des Projektes hinsichtlich der Auseinandersetzung mit Fair Play, Gewaltprävention und globalem Lernen einzuschätzen? Prinzipiell müssen einige äußere Faktoren berücksichtigt werden, die den Projektverlauf, die Projektschwerpunkte und die Tiefe der inhaltlichen Beschäftigung bei den einzelnen WM Schulen beeinflussen und eine differenzierte Betrachtung verlangen:

  • Schularten: Die beteiligten WM-Schulen repräsentieren unterschiedliche Schularten (Staatliche Gymnasien, Realschulen, Grund- und Hauptschulen, Schulen in privater und kirchlicher Trägerschaft). Dies führt zu erheblichen Differenzen. So ist die Identifikation mit dem Gesamtprojekt bei kleineren Grund- und Hauptschulen häufig höher als bei großen Gymnasien. Diese wiederum haben mehr Möglichkeiten für eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung mit den Projektthemen.

  • Geographische Lage: Die Schulen befinden sich sowohl in Großstädten als auch in ländlichen Gebieten und sind geographisch auf unterschiedliche Bundesländer verteilt. Schulen in Ballungsgebieten und Großstädten haben beispielsweise bessere Voraussetzungen für die Durchführung von lokalen Turnieren mit benachbarten WM Schulen.

  • Sportschulen: In den Reihen der Schulen gibt es ausgesprochene Sportschulen mit dementsprechend guter Infrastruktur.

  • Erfahrung: Des Weiteren gibt es Schulen, die bereits Erfahrungen mit Straßenfußball, globalem Lernen oder internationalen Schulpartnerschaften aufweisen können.

  • Schließlich hatten Schulen, denen beispielsweise ein europäisches Land zugelost worden war, erheblich mehr Probleme mit der Verknüpfung von "Fair Play" und "globalem Lernen" als Schulen, die ein typisches "Entwicklungsland" vertreten.

Trotz der genannten Unterschiede kann anhand einiger ausgewählter Beispiele eine erste Zwischenbilanz gezogen werden. Die Zwischenbilanz bezieht sich auf Dokumente seitens der Schulen (Internetauftritt, Projektberichte), auf Gespräche mit den beteiligten Schulen und auf teilnehmende Beobachtungen. Die Bilanz kann bei 204 beteiligten Schulen nur einen Ausschnitt und eine Auswahl der Aktivitäten der WM Schulen vermitteln. Erst nach Eingang der Abschlussdokumentationen aller Schulen wird eine Gesamtbilanz möglich sein. Eine Bewertung derjenigen Ansätze, die auf Kontinuität und Nachhaltigkeit angelegt sind, ist naturgemäß noch nicht möglich.

 

Fair Play und Gewaltprävention

"Für den Sport und sein Regel-, Normen- und Wertesystem ist kennzeichnend, dass er sich nicht nur in den westlichen Kulturen ausbreitete, sondern im Grunde in allen, und dass er in ihnen generell auch weitgehend gleich wahrgenommen und nach den gleichen Regeln betrieben wird. Dies betrifft nicht nur die typischen Bewegungsformen und Bewegungsmuster des Sports, sondern auch die ihn leitenden Prinzipien und Werte der Leistung und des geregelten und möglichst fairen Wettbewerbs"4, so der Sportpädagoge Ommo Gruppe. Das Fair Play-Gebot ist tatsächlich weltweit die Maxime für den Sport und hat im lokalen Verein genauso seine Gültigkeit wie bei internationalen Sportereignissen. Fair Play ist gerade für Jugendliche eine wichtige ethische Handlungsorientierung. Darüber hinaus kann der Sport Jugendlichen Chancen bieten, neue Wege im Umgang mit Konflikten aufzuzeigen: Nicht nur im Umgang mit formalen und festgelegten Regeln, sondern vor allem auch hinsichtlich der Aneignung von "Fair Play im Geist der Regeln". Gleichzeitig dient Sport der Erfüllung von Grundbedürfnissen wie Anerkennung, körperliche Betätigung, das Sich-Beweisen-Können.5 Das weltweite Sportgeschehen kann diese Zielsetzung fördern, wenn Jugendlichen durch den Spitzensport und seine Großereignisse Werte wie Solidarität, Völkerfreundschaft oder Teamgeist vermittelt werden. Auch wird dem Sportgeschehen eine wachsende Bedeutung für ein friedlicheres Zusammenleben der Menschen zugesprochen. Seit einigen Jahren nimmt sich die UNO dieser Fragestellung intensiv an, erklärte das Jahr 2005 zum "Jahr des Sports" und forciert die Bestrebungen, Sport als Menschenrecht zu etablieren.6 Weltweit wird Sport als Medium eingesetzt, um Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe oder kultureller Zugehörigkeit zusammenzuführen - in Nachkriegsgesellschaften, aber auch in den gefestigten Demokratien. In Deutschland hat der Sport
als Teil von Jugendsozialarbeit Bedeutung: "Sportorientierte Jugendarbeit, oder deutlicher benannt, Trendsportorientierung in der Jugendarbeit, verhilft Jugendarbeitern häufig dazu, den Zugang zu vielen Kindern und Jugendlichen zu finden. Sport als Medium der pädagogischen Arbeit ist in der Jugend(sozial)arbeit und in der Sucht-, Drogen- und Gewaltprävention etc. ausgezeichnet einsetzbar."7

 

Erziehung zu Fair Play trägt Früchte

Doch zu Recht wird vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Denn der Sport ist keinesfalls aus sich heraus integrations- und friedensfördernd. Sportarenen bieten immer wieder geeignete Schauplätze für rassistische oder fremdenfeindliche Provokationen. Gewaltbereitschaft und Hooliganismus sind ein Problem für die Veranstalter von Sportereignissen.8 In einer Untersuchung weist der Sportwissenschaftler Gunter A. Pilz9 zum Beispiel auf einen fatalen Zusammenhang hin: Je mehr Fußballsozialisation im Verein stattgefunden hat, desto eher verinnerlichen Kinder und Jugendliche die Moral des "fairen Fouls". Gleichzeitig ergeben seine Untersuchungen aber auch, dass eine gezielte Fair Play-Erziehung Früchte trägt.10 Die Frage lautet, ob und inwieweit sich Sport inszenieren lässt, um Fair Play zu fördern und einen Beitrag zur Gewaltprävention leisten zu können?11 Dabei gelten gerade Jugendliche als eine wichtige Zielgruppe, die lernen kann, spielerisch innergesellschaftliche Gräben zu überwinden. Im UNESCO-Bericht zur Bildung für das 21. Jahrhundert heißt es: "Wenn Menschen an lohnenswerten Projekten zusammenarbeiten, die sie ihrer normalen Routine entreißen, werden oft die Unterschiede oder sogar die Konflikte zwischen ihnen schwächer und verschwinden manchmal sogar ganz. Menschen ziehen eine neue Identität aus solchen Projekten, so dass bisweilen die Eigenheiten der Einzelnen zurücktreten und die Gemeinsamkeiten wichtiger als die Unterschiede werden. In vielen Fällen, wie z.B. im Sport, wurden durch gemeinsame Anstrengungen die Spannungen zwischen gesellschaftlichen Klassen oder verschiedenen Nationalitäten gelöst, und es entstand ein Gefühl der Zusammengehörigkeit."12

 

Aneignung von "Strassenfussball für Toleranz"

Vor diesem Hintergrund kann das Konzept "Straßenfußball für Toleranz" als Versuch einer Inszenierung von Sport im Sinne von Fair Play und Gewaltprävention verstanden werden. In einem an die ausgewählten WM Schulen versandten Leitfaden der Veranstalter heißt es dazu: "Im Rahmen von ‚WM Schulen - Fair Play for Fair Life' bietet die Methode einen Lern- und Handlungsraum, in dem auf spielerische Art und Weise soziales und faires Miteinander erfahrbar werden. Die Inhalte des sozialen Lernens entstehen aus konkreten Handlungssituationen im Spiel und um das Spiel herum. Die Spielenden müssen z. B. in einer Diskussion entscheiden, nach welchen besonderen Regeln sie das Spiel austragen werden - und diese Regeln dann auch einhalten. Die Jungen sind dazu aufgefordert, die teilnehmenden Mädchen aktiv in das Spiel einzubeziehen. Einen Schiedsrichter, bei dem sie sich beschweren können, gibt es nicht. Das bedeutet, Kinder und Jugendliche setzen sich mit Situationen auseinander, in denen sie selbst immer ‚mit-betroffen' sind und aktiv Entscheidungen treffen können und müssen. (...) Die Regeln von ‚Straßenfußball für Toleranz' und deren Umsetzung auf dem Spielfeld werden bei allen Beteiligten Fragen aufwerfen und Diskussionen auslösen. Es ist deshalb wichtig, Raum und Zeit zu lassen, um die neuen Erfahrungen gemeinsam auswerten und besprechen zu können. (...) Über die zusätzlichen Regelvereinbarungen definieren die Kinder und Jugendlichen ihre Vorstellung von Fair Play, ihre Auffassung von fairem Miteinander. Daraus ergeben sich konkrete Anknüpfungspunkte für den Umgang miteinander im Alltag und für weitere Themenbereiche, zum Beispiel: Wo und inwiefern sind wir stark, andere schwach? Woher kommt diese Sichtweise? Welche Folgen hat unser Verhalten auf andere? Was bedeutet es, Regeln aufzustellen? Was heißt das, wenn diese Regeln nicht eingehalten werden? Was ist der Unterschied zwischen selbst aufgestellten Regeln und fremd aufgestellten Regeln? Die Tatsache, dass den Mädchen durch das Regelwerk von ‚Straßenfußball für Toleranz' eine Sonderrolle zukommt, sollte ausführlich thematisiert werden. Jungen und Mädchen geraten beim Spiel vor allem durch die spezielle ‚Torregel' unter Druck. Die Erfahrung hat gezeigt, dass gerade diese Regel und der Umgang damit hinsichtlich des sozialen Lernens ein zentrales Element des Konzepts sind. Die wissenschaftliche Evaluation des Projektes ‚Straßenfußball für Toleranz' in Brandenburg, die von der Universität Potsdam durchgeführt wurde, hat diese Erfahrung bestätigt."13

 

Regelwerk löst Lernprozesse aus

Die Methodenaneignung von "Straßenfußball für Toleranz" besteht neben der Einübung des Regelwerkes in der Schulung von Teamern und der Durchführung von Turnieren. Vor allem den Sportlehrern und den im Verein Fußballspielenden Schülerinnen und Schülern fiel es nicht immer leicht, sich auf das Regelwerk einzulassen. Gleichwohl belegen eine Reihe von Aussagen, dass das Fair Play-Gebot Berücksichtung fand und dass das Regelwerk auch bezüglich der besonderen Rolle der Mädchen die intendierten Lernprozesse anstoßen konnte. So berichtete die Schule Winterhuder Weg (Patenland: Afghanistan) über die Durchführung eines lokalen Turniers: "Der eigentlich vorgesehene Fair-Play-Pokal konnte nicht vergeben werden, da das gesamte Turnier in einer vorbildlich fairen Atmosphäre ablief." Ähnlich die Erfahrungen des Friedrich-Wilhelm Gymnasiums Trier (Patenland: Marokko): "Das Turnier war ein voller Erfolg. Alle gemeldeten Mannschaften kamen und Schüler und Betreuer waren sehr angetan vom fairen Umgang miteinander. Nicht der Sieg stand im Vordergrund, sondern das faire Spiel mit- und gegeneinander. In einer besonderen Konstellation - Jungen und Mädchen spielen gemeinsam in einer Mannschaft - erlebten die Schüler Fair Play." In einem Rückblick auf den "Africa Cup of Nations" in Wittenberge - bei diesen Kontinentalturnieren ging es ja immerhin um die sportliche Qualifikation für Potsdam! - schreibt das Lessing Gymnasium Norderstedt (Patenland: Demokratische Republik Kongo): "Zwar erzielte Natascha im ersten Spiel gegen Äquatorialguinea schon in der ersten Minute das wichtige ‚Mädchentor', doch lagen wir bald zurück. Nach der Abschlussbesprechung mit dem Spielleiter war die Enttäuschung groß. Wir hatten zwar insgesamt 14 Tore erzielt, aber nur 5 Spielpunkte und nur 6 Fairnesspunkte. Damit war das Turnier für uns beendet. Doch nach einer intensiven Diskussion über alle Wenn und Aber lichteten sich die sorgenschweren Gesichter wieder und alle spielten weitere Länderspiele gegen ebenfalls ausgeschiedene Teams." Auch in den Berichten der Lokalpresse wurden die spezifischen Regeln wahrgenommen und gewürdigt. So heißt es in einem Bericht der Westfälischen Rundschau über das Auftreten der Willy-Brandt-Gesamtschule Bergkamen (Patenland: Portugal) bei der Europameisterschaft in Hamburg: "Durch eine Undiszipliniertheit im Spiel gegen die Färöerinseln bekam Portugal nur einen Fairness-Punkt, was sich in der Endabrechnung negativ auswirkte. Denn nach deutlichen Siegen über die Türkei und Frankreich zog Frankreich mit einem Fair Play-Punkt mehr in die Finalrunde der besten Vier, die den Europameister unter sich ausspielten."14 Gleichwohl stand bei den Medienberichten der sportliche Wettkampfaspekt im Vordergrund, oft verknüpft mit Hinweisen auf den sportlichen Stellenwert des Patenlandes. Ein Beispiel bietet die Landshuter Zeitung: "Was den Spielern des krisengeschüttelten Landes Irak in der Qualifikation zur Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland nicht gelang, erreichten ihre jungen Botschafter vom Hans-Leinberger-Gymnasium. Die Landshuter qualifizierten sich am Samstag, den 17. September 2005, beim Asia-Cup in Halle a. d. Saale für das große Fußballfinale der 32 besten WM-Schulen in Potsdam. Im Juni 2006 mit dem Start der ‚richtigen' Fußball WM gehen die sechs Landshuter Jungen und Mädchen für den Irak in das Rennen um den Titel des Schulweltmeisters im Straßenfußball für Toleranz."15

 

Schlüsselfunktion der Teamer

Die Aneignung des Konzeptes von "Straßenfußball für Toleranz" scheint in der Tat einen Beitrag zur Förderung von Fair Play leisten zu können - zumindest auf dem Spielfeld. Beobachtungen während einiger Lokalturniere und der Kontinentalmeisterschaften zeigen aber auch Problemfelder auf: Das Aushandeln der Fair Play-Punkte erweist sich als äußerst schwieriger Entscheidungsprozess und überfordert weniger die beteiligten Teams, sondern vor allem die Teamer. Während die Teams ihre Interessen vertreten und sie artikulieren können, müssen die Teamer eine Konsenslösung herbeiführen - häufig unter Zeitdruck. In der Betrachtung des Spielverlaufs und der Suche nach einem Konsens spielt deren subjektive Einschätzung und die Art ihres persönlichen Auftretens eine (spiel-)entscheidende Rolle. Den Teamern kommt somit eine Schlüsselfunktion zu. Dies macht deutlich, wie wichtig die Auswahl der Teamer und vor allem deren Ausbildung ist. Hier hat die Suche nach Standards jedoch eben erst begonnen.

 

Globales Lernen und Identifikation

Unter globalem Lernen versteht man unterschiedliche Lernansätze und -modelle, die sich als pädagogische Antworten auf die Herausforderungen der Globalisierung verstehen. Globales Lernen setzt bei den Bedürfnissen der Menschen weltweit an. Dabei geht es beispielsweise um die Verknüpfung von Erfahrungen, Ereignissen und Themen aus unserem Alltag mit Sichtweisen aus anderen Kulturkreisen und Weltregionen. Eine große Rolle spielt auch der Zusammenhang der Verhaltensweisen von Einzelnen, Gruppen oder Staaten mit globalen Problemstellungen. Der Vergleich von Alltag und Lebensverhältnissen weltweit soll zu einem besseren Verständnis von den Strukturen des Zusammenlebens in unserer Welt führen. Globales Lernen gibt Anstöße für die Suche nach Orientierung für das eigene Leben, für Visionen eines friedlichen Zusammenlebens und für Handlungsschritte auf dem Weg zu einer gerechten Weltgesellschaft.

Für ihre Bildungsarbeit im Inland hat "Brot für die Welt" dem didaktischen Konzept des globalen Lernens eine inhaltliche Zielsetzung hinzugefügt und plakativ mit dem Begriff "Fair Life" umschrieben. Fair Life bedeutet aus dieser Perspektive,

  • dass alle Menschen auf der Erde eine faire Chance erhalten: Ein Leben in Frieden und Würde, ohne Ausbeutung, Hunger, Armut und Unterdrückung.

  • dass Regierungen und Gesellschaften Regeln für ein faires Zusammenleben weltweit beachten: Die Respektierung von Völkerrecht und Menschenrechten.

  • dass insbesondere Kinder nicht Willkür und Gewalt ausgesetzt sind: Die Durchsetzung der Kinderrechte weltweit.

  • dass Menschen weltweit voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen: Die Solidarität in Zeiten der Globalisierung.

  • dass Anderssein nicht mehr als Bedrohung, sondern als Chance wahrgenommen wird: Die Gemeinsamkeit im Anderssein erkennen.

  • dass Konflikte nicht mehr mit Gewalt ausgetragen werden: Die Etablierung einer Kultur des Friedens.

  • dass für Waren und Dienstleistungen ein gerechter Preis bezahlt wird: Die Förderung des fairen Handels.

  • dass faires Verhalten belohnt wird: Die Absage an Vorteilnahme durch Ungerechtigkeit.

 

 

SPIELSZENE BEIM KONTINENTALTURNIER COPA AMERICA IN STUTTGART/ OSTFILDERN. EINE DER WESENTLICHEN VORGABEN BEIM „STRASSENFUSSBALL FÜR TOLERANZ“ IST DAS SPIEL MIT GESCHLECHTLICH GEMISCHTEN TEAMS. 

Agentur Zeitenspiegel

 

Wie wurde die Botschafterrolle angenommen?

Das Projekt "WM Schulen" soll in diesem Sinne Anregungen für gemeinsame und nachhaltige Lernprozesse eröffnen. Die problemorientierte Botschafterrolle, also die umfassende Beschäftigung mit dem Patenland und der Lebenssituation der Menschen sowie die angemessene Präsentation in Schule und Öffentlichkeit, ist Teil dieser Konzeption. Wie wurde sie wahrgenommen und umgesetzt? Häufig gewählte Wege waren die Suche nach formalen Kontakten zu den offiziellen Botschaften des Patenlandes und zu Personen und Gruppen aus diesem Land oder mit Verbindungen in das Land. Gefragt waren authentische Erfahrungsberichte. Das Gymnasium Schloss Torgelow (Patenland: Turkmenistan) berichtet: "Im Sommer 2005 versuchten wir dann über die turkmenische Botschaft in Deutschland und später über die deutsche Botschaft in Turkmenistan Kontakt zu Landsleuten herzustellen. Auf dem letztgenannten Weg ist es uns gelungen, zwei junge Frauen aus Turkmenistan, die zurzeit in Stuttgart als Aupairmädchen arbeiten, zu uns in die Schule einzuladen. Schchnosa und Lena, die in Turkmenistan eine Schule mit speziellem Deutschunterricht besuchten, berichteten sehr anschaulich über das Leben der Kinder in Turkmenistan. Unsere Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 löcherten die Mädchen geradezu mit ihren Fragen und zeigten ihnen stolz ihre Schule und ihren Klassenraum". Ganz andere Erfahrungen durfte die Katholische Schule St. Paulus (Patenland: Jamaika) machen: Sie erfuhr die nationale Umarmung durch die Botschaft. In einem Glückwunschschreiben heißt es: "Congratulations! They have certainly held Jamaicas flag high on our behalf as they have continued to demonstrate the importance of the competition theme fair play for fair life. Best regards from all the staff of the embassy."

 

Irritationen blieben nicht aus

Irritationen bleiben bei der Umsetzung der Botschafterrolle nicht aus. Die angestrebte Identifikation mit dem Patenland weckte abhängig vom Losentscheid Begeisterung, Enttäuschung oder auch Ratlosigkeit. Begeisterung weckten zumeist die großen Fußballnationen ("Wir werden gemeinsam Weltmeister!"), durch Medien bekannte Krisenländer ("Wir können den Menschen helfen.") oder exotisch anmutende, unbekannte Staaten, die zu einer wahren Entdeckungsreise einluden. Enttäuscht waren einige Schulen über die Zulosung europäischer Länder, wenn es sich nicht gerade um Fußballgrößen handelte. Irritationen und Ratlosigkeit wiederum riefen Länder hervor, mit denen aus politischen Gründen eine Identifikation schwer fiel. Wie im eingangs erwähnten Falle der Partnerschaft mit Iran geht es dabei um die Herausforderung, im Rahmen der Botschafterrolle nicht in eine "Nationalstaatenfalle" zu geraten. Denn Ziel der Botschafterrolle kann nicht die Identifikation mit korrupten Regierungen sein, sondern mit den dort lebenden Menschen. Bei manchen WM Schulen löste die Frage fruchtbare Diskussionen aus, wie man mit martialischen nationalen Symbolen verfahren soll. Soll man es den Schülerinnen und Schülern erlauben, ihr Team mit dem Schwenken der Nationalfahne anzufeuern, auf welcher als Symbol ein Maschinengewehr abgebildet ist? Mit dieser Frage sah sich zum Beispiel die Hauptschule Scharnhorst (Patenland: Mosambik) während des Kontinentalturniers konfrontiert. Identifikationsfragen auf ganz persönlicher Ebene wiederum stellten sich für manche Schülerinnen und Schüler mit multikulturellem Hintergrund: "Wem soll ich jetzt eigentlich die Daumen drücken?", fragte sich bei der Europameisterschaft ein türkisches Mädchen, die mit ihrer deutschen Schule für Frankreich gegen die Türkei spielen musste.

 

Fair Life-Tage mit Tiefgang

Die Botschafterrolle muss in Zusammenhang mit der Projektorientierung bzw. der Durchführung des Fair Life-Tages gesehen werden, d.h. auch die Förderung der Arbeit in Projekten unter Einbeziehung der gesamten Schule einschließlich der Eltern. Die Gesamtschule Wulffen (Patenland: Kamerun) hat mit ihrem Patenland nach eigenen Angaben das große Los gezogen. Rasch etablierten die Verantwortlichen ein bemerkenswertes lokales Netzwerk, um Informationen aus erster Hand über das Patenland zu bekommen. Auf der Homepage heißt es: "Deutlich wurde: Afrika hat was zu bieten und ein Zugang dazu über Kopf, Herz und Hand, wie das Projekt ‚WM Schulen' ihn vorsieht, öffnet uns alle gegenüber diesem Kontinent und seinen Menschen, wie es über Unterricht allein nicht möglich ist!" Die Gemeinschafts-Hauptschule Görrestrasse, Leverkusen (Patenland: Kenia) schreibt: "Plötzlich tauchten an den Wänden Zeichnungen der Nationalflagge von Kenia auf. Eine Karte von Afrika entstand mit genauer Einzeichnung von Kenia. Vitrinen füllten sich mit Informationen über die Bedeutung der Botschafterrolle und Informationen über Kenia."

Für die Haupt- und Realschule Fraenkelstraße Hamburg (Patenland: Indien) war die Verknüpfung von Fußball mit entwicklungspädagogischen Projektarbeiten kein Neuland. Rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler der Schule kommen aus anderen Ländern. Globales Lernen ist Teil der Schulkultur. Deshalb zählte die Schule mit seinem Patenland Indien zu den ersten Schulen, die einen beeindruckenden Fair Life-Tag durchführten. Als Gast konnte der indische Botschafter begrüßt werden, der aus Berlin anreiste. In der gesamten Schule präsentierten Schülerinnen und Schüler ihre Projektarbeiten und Wandzeitungen, zum Beispiel zum Kastensystem in Indien. "Für unsere Schule war es ein Staatsbesuch. Noch nie hatten wir so ‚hohe' Gäste in unseren Räumlichkeiten empfangen dürfen. Tagelang hatten alle Klassen zum Thema im Unterricht gearbeitet: Die Schule wurde beflaggt und geschmückt. Es wurde gebastelt und gekocht. Eine Schule, die oft zu den ‚vergessenen' Schulen zählt und an diesem Tag im Mittelpunkt der Stadt stand. Radioreporter holten O-Töne, Fotografen knipsten und als dann noch ein Übertragungswagen auf den Schulhof rollte, war der Ausnahmezustand erreicht. Der indische Botschafter RC Ranghachari kam am 22.4.2005 aus Berlin zu uns nach Barmbek und wir wollten uns für diese große Ehre gebührend bedanken: Mädchen in traditionellen Gewändern versuchten eine echte ‚indische Begrüßung', große Flaggen hingen im Treppenhaus und Tajinder aus der 8. Klasse hatte einen Text ins ‚Hindi' übersetzt." Die Schule unterstützt seit Mitte 2005 ein Straßenkinderprojekt in Kalkutta.

 

Fair Life-Tage als Indiz für Engagement

Die Ausgestaltung der Fair Life-Tage ist ein wichtiges Indiz für das Engagement der Schule und die Tiefe der inhaltlichen Auseinandersetzung. Das Städtisches Goethe-Gymnasium Bischofswerda (Patenland: Tansania): "In 26 Projektgruppen wurden die verschiedensten Themen bearbeitet. Die Schüler lernten afrikanische Kultur kennen (Märchen aus Afrika, Afrikanische Kunst, Tierwelt Afrikas, Afrikanische Tänze und Musik ...) aber auch ernstere Themen (Kolonialgeschichte Afrikas, Aids, Leben der Kindersoldaten) wurden behandelt. Es wurden Exkursionen in den Zoo nach Dresden durchgeführt, um die Tiere der Savanne zu beobachten, im ‚Eine Welt Laden' afrikanische Waren bestaunt oder das Afrikahaus Sebnitz besucht."

Schließlich kann am Fair Life-Tag der Heinrich-Böll-Schule-Hattersberg deutlich gemacht werden, was alles möglich ist. Sie vertritt das Land Honduras und hat sich in zahlreichen Arbeitsgruppen mit dem Land beschäftigt. Im Internet ist die Vielzahl der Arbeitsgruppen in Bild und Wort dokumentiert ( www.heinrich-boell-schule.de ). Selbstverständlich standen das Land und seine Menschen im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Aber es gab auch zahlreiche Arbeitsgruppen zu übergreifenden Themen (siehe Kasten). Im Kontext der Fair Life-Tage gelang es einigen Schulen, auch namhafte Künstler für die Durchführung von Projekten zu gewinnen: "Der Wörther ‚Fair Play-Maori' hat jetzt seinen festen Platz im Schulhof der Regionalen Schule. Die aus einem Eichenstamm mit einer Kettensäge geschnittene zwei Meter hohe Figur war während des ‚Fair Life-Tages Neuseeland' der Regionalen Schule Wörth als WM-Schule vom Künstler Gunter Prochaska gefertigt worden", so die Dorschbergschule Wörth mit dem Patenland Neuseeland.

 

Projektthemen: Fair Play for Fair Life

Fair Play in Sport und Spiel:

  • Straßenfußball für Toleranz: Straßenfußball als besondere Art des Fußballspielens mit eigenem Regelwerk kennen lernen.
  • Behindert - Kein Schimpfwort: Fairer Umgang mit Behinderten.
  • Umgang mit Schwächeren in Schule und Freizeit: Wir alle haben Stärken und Schwächen. Treffen mit Schülern einer Förderschule beim Fußballspiel. Ein Fußballtrainer hilft uns dabei.
  • Kricket: Einführung in den Kricketsport auf Englisch.
  • Kämpfen - aber fair: Ihr könnt die Grundlagen von Ringen, Capoeira16 und Judo kennen lernen.
  • Faire Spiele selbst entwickeln - Spiele ohne Verlierer: Was heißt Fairness im Spiel?
  • Basketball für Anfänger - Fair Play geht vor!: Kennen lernen der Würfe, Spielzüge und Regeln. Mannschaftstrikots bedrucken.
  • Freeclimbing - ein fairer Sport: Der Kurs beginnt an der schuleigenen Kletterwand, um die notwendigen Knoten und Sicherungstechniken zu erlernen. Weiter geht es zum Kletterpark in Flörsheim-Wicker.
  • Shinson Hapkido - Koreanische Selbstverteidigungskunst: In respektvollem Umgang lernen wir einfache aber wirksame Techniken der Selbstverteidigung.
  • Spielewerkstatt - für alle die gerne spielen!: Erfindung eigener Spiele. Nachbau beliebter Spiele. Spiele ausprobieren.
  • Improvisationstheater: Das Leben mit all seinen Zufällen, spontanen Eingebungen, Ideen und Situationskomiken ist das Drehbuch.
  • Wir spielen Theater: Aus drei bis vier Theaterstücken wird eines von der Gruppe zur Aufführung ausgewählt. Mundartstücke können auch dabei sein.
  • Fair Play im Alltag: In Rollenspielen und Alltagssituationen wollen wir den fairen Umgang mit anderen, aber auch mit uns selbst üben.
  • Fair Play in Life - Kurzfilm: Wir drehen einen Kurzfilm zu dem Thema "Fair Play".
  • Fair Play-Fotogeschichten: Geschichten zum Thema Fairness schreiben. Eigene Erfahrungen einbringen.

Fair Play for Fair Life:

  • Menschenrecht Wasser: Was ist Wasser? Bedeutung für den Menschen. Wasserquiz, Wassertest.
  • Straßenkinder und Straßenfußball in Lateinamerika und Deutschland: Lebensverhältnisse in Honduras/Deutschland.
  • Das Leben von Jugendlichen in der "Dritten Welt": Der Alltag, die Probleme und Nöte von Jugendlichen der "Dritten Welt" sollen verglichen werden mit dem Leben und den Sorgen der Jugendlichen in Deutschland.
  • Das Leben von Jugendlichen in Honduras und Mittelamerika: Anhand von Filmmaterial, Jugendzeitschriften und Liedern sollen die Träume und Lebensperspektiven von Jugendlichen aus Mittelamerika untersucht werden.
  • Kinder in Südamerika: Lieder, Tänze, Spiele, praktische Arbeit und Lektüre: Wir lernen das Leben der Kinder in den Ländern Südamerikas kennen. Wir hören, singen und tanzen ihre Lieder.
  • Die Menschenrechte - Grundlage für ein Leben in Freiheit: Menschenrechte und Menschenwürde, eine Errungenschaft für die man immer wieder einstehen muss.
  • Warum ist die Banane krumm?: Geschichten und Songs rund um die Banane.
  • Promotion-Tour: "Fair Play für eine gerechte Welt". Mehrere Bike-Touren rund um Hattersheim. Ideen werden vor Ort umgesetzt.
  • Mathematische Spiele, Geschichten und Rätsel aus aller Welt.
  • Mittelamerikanische Speisekarte: Landestypische Verpflegung. Landestypische Produkte einkaufen. Kochen nach landestypischen Rezepten (für z.B. Tortillas).
  • Fairer Handel am Beispiel Kaffee: Wer verdient an den so genannten "Kolonialwaren"? Grundzüge einer ethisch motivierten Ökonomie.

 

Internationale Kontakte und Netzwerkbildung

Ein besonderes Augenmerk gilt der internationalen Kontaktaufnahme und Solidarität der WM Schulen, also die Suche nach Möglichkeiten direkter Kontaktaufnahme in das Patenland bzw. zu dortigen Schulen, deren Umsetzung und Ausgestaltung sowie die Unterstützung von Hilfsprojekten. Hier taten sich Schulen mit Kenntnissen in der Durchführung von "Eine Welt-Projekten" am Anfang wesentlich leichter als Schulen, die sich zum ersten Mal mit diesen Themen befassten. Das Glück des Tüchtigen war auf Seiten der Friedrich-Ebert-Schule in Luckenwalde. Schon kurz nach der Zulosung ihres Patenlandes Costa Rica konnte die Schule erste Gäste aus dem mittelamerikanischen Land empfangen. Die kleine Delegation war auf Einladung von "Brot für die Welt" in Deutschland und betreut in Costa Rica ein Fußballprojekt für benachteiligte Kinder. Kontakte wurden geknüpft und erste Briefe an die gleichaltrigen Kinder geschrieben. Bereits seit Anfang 2002 unterstützt die Schule Winterhuder Weg über den Verein "Afghanistan Schulen" den Wiederaufbau der Mirablead-Schule in Andkhoi im Norden Afghanistans. Und die Grundschule am Insulaner (Patenland: Guyana) hat nach intensiver Suche eine Patenschule in Guyana gefunden. Als die von der Qualifikation der Insulaner für das Finale in Potsdam erfuhr, sandte sie sofort eine Glückwunsch-E-Mail: "Congratulations from your friends here..."

 

 

DIE GRUND- UND HAUPTSCHULE ALDINGEN VERTRITT KOLUMBIEN ALS PARTNERLAND. DAS BILD ENTSTAND KURZ VOR DEM EMPFANG DER WM SCHULEN IM STUTTGARTER RATHAUS. 

Agentur Zeitenspiegel

 

Schließlich ist die übergreifende Netzwerkbildung von Interesse. Dabei geht es zum Beispiel um die Öffnung der Schule und die Etablierung eines lokalen Netzwerkes durch Einbeziehung von interessanten Einzelpersonen, Funktionsträgern, Vereinen oder Gruppen in die Aktivitäten als WM Schule. Das Beispiel der Erich-Kästner-Schule in Ostfildern (Patenland: Argentinien) zeigt, wie wichtig die Einbindung von WM Schulen in lokale und regionale Strukturen für die Entwicklung mittel- und langfristiger Perspektiven ist. Bereits seit einigen Jahren betreibt die Organisation "Kick Forward" - eine Partnerorganisation von "streetfootballworld" - in der Heimatregion der Erich-Kästner-Schule das Projekt "Straßensport Ostfildern". Unter Einbeziehung zahlreicher Initiativen beispielsweise aus der Sozial- und Jugendarbeit, den Schulen und den lokalen Behörden werden nachhaltige Projekte angestoßen und begleitet, darunter auch eine Projektpartnerschaft der Schule mit einem Straßenfußballprojekt in Argentinien.

 

Vom Fair Play-Event zur Streitkultur?

Kommt es zu einem Regeltransfer in den Alltag und fördert die Auseinandersetzung mit Straßenfußball die Etablierung einer Streitkultur an der Schule, kommt es also zu einer erkennbaren Übertragung der Fair Play-Regeln in den Schulalltag? Hierzu lassen sich noch keine Aussagen machen. Dass das Thema aber für die beteiligten Schulen relevant ist, zeigt das Beispiel der Regionalen Schule Prof. Gustav Pflugradt (Patenland: Puerto Rico): "45 Schülerinnen und Schüler besuchten das Musical ‚West Side Story', aufgeführt auf der Seebühne in Stralsund. Sie erlebten konfliktgeladene Situationen, sinnlose Kämpfe zweier Banden, die ihre Straße behaupten möchten, Streitgespräche über Aufgaben und Stellung der Frauen und Vergleiche zwischen Amerika und Puerto Rico. Der Inhalt des Musicals regte zum Nachdenken an, denn die gewalttätigen Auseinandersetzungen der Menschen findet man auch im Alltag wieder."

 

Nachhaltigkeit als Herausforderung

Wie bei vielen Projekten im Kontext von Fair Play, Gewaltprävention und globalem Lernen wird sich an der Bereitschaft zur Verstetigung und zur Ganzheitlichkeit zeigen, ob die Nachhaltigkeit der Erfahrungen gewährleistet wird. Vor dieser Herausforderung stehen alle WM Schulen, aber auch die Projektpartner und -förderer. Gibt es die Bereitschaft und die Ressourcen, um dieses einmalige Projekt auch nach der WM 2006 fortzusetzen und die Schulen weiter zu begleiten? Denn die zentrale Herausforderung des Projektansatzes bleibt: Hat das in der Schule und im Projekt erfahrene und erlernte Fair Play-Verhalten im Alltag, in Gesellschaft und Politik Bestand?

Bertolt Brecht lässt in den "Flüchtlingsgesprächen" Ziffel, einen der beiden Gesprächspartner, die Frage stellen, was geschehen würde, wenn in der Schule die Schüler gerecht und verständig behandelt würden? Antwort: "Alles, was sie in der Schule, im Verkehr mit den Lehrern, gelernt hätten, müsste sie draußen im Leben, das so sehr anders ist, zu den lächerlichsten Handlungen verleiten. Sie wären kunstvoll darüber getäuscht, wie sich die Welt ihnen gegenüber benehmen wird. Sie würden Fair Play, Wohlwollen, Interesse erwarten und ganz und gar unerzogen, ungerüstet, hilflos der Gesellschaft ausgeliefert sein." Die Schülerinnen und Schüler des Projektes "WM Schulen: Fair Play for Fair Life" hingegen erfahren, dass faires Verhalten belohnt wird. Dies ist eines der Erfolgsrezepte des Projektes. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Erfahrungen nicht als projektbezogene Eintagsfliegen erweisen.

Internet: www.wmschulen.de

 

Anmerkungen

1 Vgl. zur Geschichte von "Straßenfußball für Toleranz": Uschi Entenmann: Ball statt Revolver. In: FIFA magazine, Heft 11/2004, S. 37-43. Eine multimediale Aufbereitung der Geschichte bietet die CD-ROM "Peace Counts. Die Erfolge der Friedensmacher". Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. Tübingen 2005.

2 Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, von Pizza Wagner als Hauptsponsor sowie der Deutschen Bahn als Logistik- und Mobilitätspartner.

3 Vgl. den Leitfaden: WM Schulen: Fair Play for Fair Life. Tübingen, Stuttgart, Berlin 2005, S. 3.

4 Ommo Gruppe: Vom Sinn des Sports. Kulturelle, pädagogische und ethische Aspekte. Schorndorf 2000, S. 24.

5 Vgl. Dieter Baumann: Mit Sport gegen Hass und Gewalt? In: Karl-Heinz Meier-Braun/Reinhold Weber (Hrsg.): Kulturelle Vielfalt. Baden-Württemberg als Einwanderungsland. Stuttgart 2005, S. 261-271.

6 United Nations: Sport for Development and Peace. Towards Achieving the Millennium Development Goals. Report from the United Nations Inter-Agency Task Force on Sport for Development and Peace. 2003.

7 Ulf Neumann: Trendsport als gewaltpräventive Jugendarbeit. In: Ulf Baumann (Hrsg.): Gewaltprävention in Jugendarbeit und Schule. Konzepte - Praxis - Methoden. Marburg 2002, S. 63f.

8 Eric Dunning: Gewalt und Sport. In: Wilhelm Heitmeyer/John Hagan (Hrsg.): Internationales Handbuch der Gewaltforschung. Wiesbaden 2002, S. 1130-1152.

9 Gunter A. Pilz: Möglichkeiten, Notwendigkeiten und Grenzen sport-, körper- und bewegungsbezogener sozialer Arbeit am Beispiel der Gewalt und Gewaltprävention im, um und durch den Sport. In: Gunter A. Pilz/Henning Böhmer (Hrsg.): Wahrnehmen - Bewegen - Verändern. Beiträge zur Theorie und Praxis sport-, körper- und bewegungsbezogener sozialer Arbeit. Hannover 2002, S. 13-59.

10 Vgl. exemplarisch: Dorothea Luther/Arturo Hotz: Erziehung zu mehr Fairplay. Anregungen zum sozialen Lernen - im Sport, aber nicht nur dort! Bern, Stuttgart, Wien 1988.

11 Gunter A. Pilz: Mitternachtssport: medienwirksames Spektakel oder Beitrag zur Gewaltprävention. In ders. u.a. (Hrsg.): Wahrnehmen - Bewegen - Verändern. Beiträge zur Theorie und Praxis sport-, körper- und bewegungsbezogener sozialer Arbeit. Hannover 2002, S. 237-261.

12 Jacques Delors u. a.: Lernfähigkeit: Unser verborgener Reichtum. UNESCO-Bericht zur Bildung für das 21. Jahrhundert. Neuwied 1997, S. 80.

13 Leitfaden: WM Schulen: Fair Play for fair Life. Tübingen, Stuttgart, Berlin 2005. Die genannte wissenschaftliche Evaluation ist noch nicht veröffentlicht und nur als Manuskript zugänglich.

14 Vgl.: Westfälische Rundschau vom 5.10.2005.

15 Vgl.: Landshuter Zeitung vom 21.9.2005.

16 Capoeira ist eine brasilianische Kampfkunst. Diese Kampfkunst wurde ursprünglich von schwarzafrikanischen Sklaven praktiziert, um unauffällig und im Versteckten für den Ernstfall zu trainieren. Tanz und Kampf können in afrikanischen Kulturen nur schwer voneinander getrennt werden, weshalb Capoeira nicht nur kämpferische Bestandteile enthält, sondern auch sehr viel Akrobatik und Spielerei.

 

Unser Autor

Uli Jäger,

Politologe, ist hauptamtlicher Mitarbeiter und Geschäftsführer des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

 


 

 

 

 


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