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Zeitschrift Fußball und Politik
Heft 1 2006 Hrsg: LpB
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Weltmeisterschaften - Tücken der "Ewigen" WM-Tabelle "… das ist nur für die Statistik", hört man unsere Sportreporter sagen. Und doch überbrücken sie mehr oder weniger gut dürftige Passagen eines Fußballspieles durch Zitieren von Daten und Zahlen. Aber auch Zahlen können es in sich haben, wie die "ewige" WM-Tabelle offenbart.
Brasilien führt die Liste fast unerreichbar an, es folgen Deutschland, Italien und Argentinien. Am Ende der ersten 15 finden wir die Niederlande, Ungarn, Polen und Mexiko. Die genannten Länder haben unterschiedlich oft an den Weltmeisterschaften teilgenommen: Brasilien 17-mal, Polen nur 6-mal. Manche qualifizierten sich nicht, andere wurden erst nach 1930 Mitglied des Weltfußballverbandes, andere wurden "politisch verhindert". Würden die Punkte der "ewigen" Tabelle durch die Anzahl der Teilnahmen dividiert, dann ständen Brasilien und Deutschland gleichauf, Polen würde um 10 und die Niederlande um 5 Plätze vorrücken. Obiges mag fremd klingen. Beim sportlichen Wettkampf geht es um die Teilnahme - die ja alles sein soll - und um Ränge. Die Rangfolge würde sich nochmals erheblich ändern, wenn die Anzahl der Spiele je Weltmeisterschaft berücksichtigt würde. Die Anzahl streut zwischen 18 ausgetragenen Spielen bei der Weltmeisterschaft 1930 in Uruguay und jeweils 64 Spielen bei den Weltmeisterschaften 1998 in Frankreich sowie 2002 in Korea und Japan.
DIE 15 ERFOLGREICHSTEN LÄNDER DER „EWIGEN“ WM-TABELLE, 1930 BIS 2002
Zur Berechnung der „ewigen“ WM-Tabelle wurden gewonnene Spiele mit 2, unentschiedene mit 1 gewertet. Die besten WM-Torschützen waren:
Spektakel in den Stadien Die Entwicklung der Zuschauerzahlen vor Ort scheint die Faszination "Fußball" nicht wiedergeben zu können. Vielmehr ist die Zuschauerzahl von der Bevölkerungszahl des gastgebenden Landes, dem Fassungsvermögen der dortigen Stadien, der Erreichbarkeit, der sonstigen touristischen Attraktivität, den Marketingfähigkeiten der Gastgeber und natürlich den Reisekosten abhängig.
ENTWICKLUNG DER ZUSCHAUERZAHLEN BEI DEN FUSSBALL- WELTMEISTERSCHAFTEN SEIT 1930
Frauenquote über 40% bzw. unter 20% in den Sportarten des LSV Baden-Württemberg, 2005
Die Strategie, große Stadien zu bauen, die touristische Infrastruktur zu erweitern und zu verbessern, um dadurch Gäste und Geld ins Land zu locken, mag während der Meisterschaften aufgehen; fraglich bleibt, ob die langfristigen Folgekosten die kurzfristigen Gewinne immer aufwiegen können. Andererseits haben die Gastgeber die Chance, sich selbst für "spätere" Touristen attraktiv darzustellen. Letztlich ist eine vertrauenswürdige Kosten-Nutzen-Rechnung für jedes gastgebende Land eigentlich erst Jahre nach der Weltmeisterschaft möglich; dann sind solche Betrachtungen aber meistens kein Thema mehr.
Sportvereine und Konjunktur in Baden-Württemberg Jeder dritte Baden-Württemberger ist aktives oder passives Mitglied eines Sportvereins, und fast jeder zehnte in einem Fußballverein eingeschrieben - beeindruckende Zahlen.
Datenquellen: LSV-Baden-Württemberg, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg; eigene Berechnungen
Die Entwicklung der Bevölkerungszahl und noch deutlicher der Mitgliederzahlen bilden bis in die 80er-Jahre die Konjunktureinbrüche insbesondere der Jahre 1963, 1966 und 1975 ab. Knappe Haushaltskassen veranlassten damals etliche Menschen, ihrem Verein zumindest zeitweise den Rücken zu kehren. Die starke Zuwanderung aus dem Osten nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten ließ die Mitgliederzahl nicht signifikant ansteigen. Im Gegenteil, die Zuwachsraten streben stetig gegen Null. In einigen Jahren werden die Sportvereine wegen der zu erwartenden demographischen Entwicklung Mitglieder verlieren.
Fußball - Ein Volkssport? Von der Mitgliederzahl der baden-württembergischen Fußballvereine ausgehend ist Fußball hierzulande die bedeutendste aller Sportarten, bedeutender sogar als Turnen, da dort verschiedene Disziplinen gepflegt werden. Ob sich die Mitgliedschaft auch in sportlicher Betätigung zeigt, muss bezweifelt werden. Wollten alle 930.000 Mitglieder der baden-württembergischen Fußballvereine in einer Mannschaft spielen, gäbe es über 80.000 Mannschaften. Und wollten diese Mannschaften wöchentlich einmal spielen, müssten jährlich über 2 Millionen Spiele ausgerichtet werden. Das macht deutlich, dass der Mitgliedschaft in Sport- und insbesondere in Fußballvereinen neben der sportlichen Betätigung eine zusätzliche Bedeutung zukommt. Sportvereine sind Sozialisationsinstanzen, die es einem Mitglied auf einfachem Wege erlauben, zu einer Gruppe zu gehören und sich zu solidarisieren. Fanclubs, Merchandising-Produkte, emotionale Teilnahme an Erfolgen und Misserfolgen der "eigenen" Mannschaft sind äußere Anzeichen dieser Art der Solidarisierung. Insofern kommen Fußballvereinen Bedeutungen zu, die weit über die "körperliche Ertüchtigung" hinausgehen.
Die Mitgliederstärksten Vereine
Veränderung der Mitgliederzahl des LSV Baden-Württemberg und der Bevölkerung Baden-Württembergs im Vergleich zum Vorjahr in %, seit 1955
Frauen in Sportvereinen Auf den ersten Blick scheint die linke Grafik das klassische Rollenverständnis zwischen Mann und Frau abzubilden. Das trifft so nicht zu. Innerhalb eines Fachverbandes gibt es zwar deutliche Prioritäten: Beim Pferdesport, Turnen, Tanzen, Akrobatik, Schwimmen dominieren die Frauen; bei Schach, Fußball, Rugby oder Schießen die Männer. In Absolutzahlen zeigt sich ein anderes Bild:
Dem Fachverband Turnen wurde 2005 die Mitgliedschaft von einer 3/4 Million Frauen gemeldet. Der Fachverband Tennis hat 137.000 weibliche Mitglieder und an 3. Stelle kommt bereits der Fachverband "Fußball" mit 111.000 weiblichen Mitgliedern. Die vermeintlich typischen Frauensportarten fallen dagegen eher ab.
Altersstruktur der Mitglieder des Landessportverbandes Baden-Württemberg
Mitgliederanteil beim LSV Baden-Württemberg 2005 nach Altersgruppen in 1000
1,2 Millionen Mitglieder des LSV Baden-Württemberg sind jünger als 18 und 0,5 Millionen älter als 60 Jahre. Dass Sportvereine "vergreisen", kann so nicht belegt werden. Sport scheint für viele junge Menschen attraktiv zu sein. Bemerkenswert ist der hohe Anteil von Mädchen, der sich mit zunehmendem Alter zu reduzieren scheint. Aber auch das ist nicht ganz eindeutig, wie folgende Tabelle belegt: Von 2004 bis 2005 haben mit Ausnahme der 27- bis 40-Jährigen alle Altersgruppen Mitgliederzuwächse gemeldet. Die höchste Zuwachsrate war mit + 5% bei den über 60-jährigen Frauen festzustellen. Es scheint, als ob Frauen, wenn sie aus dem Berufsleben ausscheiden und von Familienaufgaben entlastet werden, sich eher sportlich engagieren als gleichaltrige Männer.
Mitgliederbestand beim LSV Baden-Württemberg 2005 und Veränderung zu 2004 nach Geschlecht und Altersgruppen
Datenquelle: LSV-Baden-Württemberg
Fussball in Baden-Württemberg Baden-Württemberg beherbergt 13% der Bundesbevölkerung, hat aber 15% der Mitglieder des Deutschen Fußballverbandes.
Mitglieder in den Fußballverbänden*) Baden-Württembergs 2005 nach Altersgruppen und Geschlecht
*) Die oben genannten Landesverbände gehören zum Regionalverband SÜD, zu dem auch Bayern und Hessen gehören. Datenquelle: Deutscher Fußballverband; Mitgliederstatistik, 2005
Dabei sind alle Altersgruppen mehr oder weniger anteilsmäßig überrepräsentiert, in Württemberg am meisten die Senioren und die Junioren und in den beiden badischen Verbänden die Frauen und Mädchen. Fußballvereine, Mitglieder und Mannschaften in den baden- württembergischen Verbänden*) 2005
*) Die o. g. Landesverbände gehören zum Regionalverband SÜD, zu dem auch Bayern und Hessen gehören. Datenquelle: Deutscher Fußballverband;Mitgliederstatistik 2005
Insgesamt sind die Mitglieder in drei Landesverbänden, mit fast 3.200 Vereinen organisiert, die zusammen über 24.000 Mannschaften bilden. Das größte Kontingent unter den Mannschaften bilden die 16.000 Mannschaften der Junioren und Mädchen.
Einfluss des demografischen Faktors und der Weltmeisterschaften auf die Anzahl der Jugendmeisterschaften im württembergischen Fußballverband seit 1977
Nullbock-Generation? In den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts beklagten viele Sportvereine "mangelnden Nachwuchs". Schnell fand man die Ursache in der angeblichen "Nullbock-Mentalität" der damaligen Jugendgeneration. Die wesentliche Ursache war eine andere, wie unten stehendes Schaubild verdeutlicht. Der württembergische Fußballverband hatte tatsächlich sinkende Mannschaftszahlen bei den Junioren zu verzeichnen. Geht man davon aus, dass die Entwicklung der Anzahl der Mannschaften die der jugendlichen Mitglieder widerspiegelt, dann erklärt sich der Rückgang ausschließlich aus der sinkenden Zahl der Jugendlichen; von 1977 bis 1987 sank die Zahl der 6- bis unter 15-Jährigen um fast ein Drittel. An dieser Entwicklung gemessen, hat sich die Anzahl der Jugendmannschaften im württembergischen Fußballverband sogar sehr dynamisch entwickelt. Noch deutlicher wird dies, wenn man die Entwicklung ab 1997 betrachtet; trotz einer gleich bleibenden Anzahl der 6- bis unter 15-Jährigen wuchs die Anzahl der Mannschaften um fast ein Drittel. Der demographische Einbruch wird sich erst in etwa 20 Jahren auswirken.
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