Zeitschrift Bundestagswahlen Die drittstärkste Partei in Deutschland Die Zukunft der CSU Szenarien angesichts der Bundestagswahl von 2002 Von Gerhard Hirscher |
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Innerhalb des Unionslagers ist es der CSU gelungen, die Führung zu übernehmen: nicht nur personell, sondern auch in der Besetzung und erfolgreichen Verkörperung von Themen, die die rot-grüne Bundesregierung herausfordern. Die CSU konnte das tun von der sicheren Position in Bayern her, zudem unbeschadet durch die Parteispendenaffäre in Berlin. Die Frage nach der Zukunft der CSU stellt sich nicht nur für den Fall, dass die Regierungsübernahme in Berlin durch die Union scheitern sollte. Mehrere Szenarien sind dafür denkbar. Red.
Die Bundestagswahl 2002: Testfall für die "Speerspitze" der Opposition
Die Bundestagswahl im September 2002 wird ebenso historisch wie diejenige des Jahres 1998: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland tritt ein rot-grünes Regierungsbündnis im Bund zur Wiederwahl an. Hatte diese Regierungskoalition Anlaufschwierigkeiten im eigenen Lager, so hatte auch die Opposition ihre Probleme, mit der neuen Konkurrenzsituation zurecht zu kommen. Zwar sackte die rot-grüne Bundesregierung in der öffentlichen Gunst in den Monaten nach ihrem Amtsantritt stark durch - was zu einer Reihe spektakulärer Wahlerfolge der Union in den Ländern führte. Aber die Union geriet mit der Spendenaffäre ab Ende 1999 heftig in die Defensive.
Die Bundestagswahl 1998 Die Bundestagswahl vom 27. September 1998 war auch ein Wendepunkt in der Geschichte von CDU und CSU in Deutschland. Die Unionsparteien zusammen erreichten mit 35,1% der Zweitstimmen ihr schlechtestes Ergebnis seit 1953. Die CSU schnitt in Bayern mit 47,7% vergleichbar ab; dies war zwar erneut ein weit über dem Durchschnitt der Unionsparteien liegendes Ergebnis, aber auch die CSU erzielte damit nur ihr schlechtestes Resultat bei Bundestagswahlen seit 1953. Wegen der engen Einbindung führender CSU-Politiker in die Regierungen Helmut Kohls - vor allem durch den Vorsitzenden und langjährigen Bundesfinanzminister Theo Waigel - konnte sich die CSU dem Negativtrend auch kaum entziehen. Die Niederlage war in den Augen der meisten Wahlforscher im Wesentlichen Ausdruck eines übermächtigen Wunsches nach einem Regierungswechsel, der dann auch erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland als unmittelbare Konsequenz einer Bundestagswahl zustande kam.2 Die CSU konnte aber ihre relative Position im Parteiensystem halten; sie blieb - nimmt man die abgegebenen Zweitstimmen als Grundlage - nach SPD und CDU drittstärkste deutsche Partei und erhielt damit erneut mehr Stimmen als Bündnis 90/Die Grünen, FDP oder PDS.
Gegen den Bundestrend
Da Edmund Stoiber nach dem Rücktritt Theo Waigels auch offiziell den Parteivorsitz übernahm und die Position der CSU in Bayern völlig unangefochten war, konnte die Partei auch rascher zu politischer Tatkraft auf der bundespolitischen Szenerie zurückfinden als die CDU. Entscheidende Voraussetzung hierfür war, dass die CSU bei der Landtagswahl in Bayern, die nur zwei Wochen vor der Bundestagswahl stattgefunden hatte, ihr Ergebnis mit 52,9% sogar noch minimal verbessern konnte. Damit konnte die CSU in der damaligen politischen Konstellation ihre führende Rolle in Bayern eindeutig halten; die bayerische Staatsregierung unter Edmund Stoiber war von den Akzeptanzproblemen der Bundesregierung nicht tangiert: Das Erringen der Meinungsführerschaft in der Union: Ausländerpolitik als Megathema
Die inhaltliche Positionierung legte Stoiber klar fest: Die Union müsse eine Formation der Mitte und der demokratischen Rechten sein; er warnte vor Kräften in der CDU, die mit einer Verschiebung des Koordinatensystems nach links kalkulierten.5 Das erste Politikfeld, auf dem diese Akzentuierung schon kurz nach der Bundestagswahl deutlich wurde und sich in unterschiedlichen Positionen innerhalb der Union manifestierte, war die Ausländerpolitik und der von der Bundesregierung vorgeschlagene Entwurf zur doppelten Staatsangehörigkeit. Die anfängliche Erfolgswelle der Union Der neue Schwung, den die CSU in den vorausgegangenen Monaten erfahren hatte, hielt auch bis zur Europawahl am 13. Juni 1999 an. Waren schon in Umfragen im April Werte von bis zu 55 % für die CSU in Bayern erwartet worden,13 so stellte das Ergebnis selbst alles in den Schatten: Die CSU erzielte mit 64 % der Stimmen in Bayern den besten Wert, den die Partei bei einer landesweiten Wahl jemals erzielt hatte; dies entsprach bundesweit 9,4 %. Zwar gelten Europawahlen traditionell als Nebenwahlen, aber für die Analyse ist bedeutsam, dass die CSU anders als die CDU gegenüber der letzten Europawahl netto Stimmen dazu gewinnen konnte. Vor der Wahl hatte Edmund Stoiber sie wiederholt als "Plebiszit gegen die Regierungspolitik" bezeichnet.14 Laut Forschungsgruppe Wahlen wurde die Europawahl in der Tat "eher als eine Abstimmung über die Arbeit der rot-grünen Koalition in Bonn als über die Arbeit des Europaparlaments genutzt".15 Dies und die Höhe der Stimmenzahl steigerten den symbolischen Wert des Ergebnisses und stärkten erneut den politischen Anspruch der CSU. Schon längst hatte die Diskussion um Edmund Stoiber als möglichen Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2002 begonnen.
Die Führungsrolle der Opposition nahm Edmund Stoiber nach den Europawahlen noch intensiver in Angriff. Künftig würden alle Landtagswahlen zu Volksabstimmungen über Rot-Grün gemacht werden.16 Neben der Fortführung der Organisationsreform wurde auch die Grundsatzkommission wiederbelebt und der Leitung des Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag, Alois Glück, unterstellt. Die spektakuläre Entlassung des erst 1998 zum Justizminister aufgestiegenen Alfred Sauter im September 1999 im Gefolge der Debatten um die LWS-Krise durch den Ministerpräsidenten sorgte nur für eine kurzfristige Eintrübung der Stimmungslage der CSU. Rückschlag und Wende: die Spendenaffäre
Diese günstige Ausgangslage hat sich mit dem Aufkommen der CDU-Spendenaffäre quasi über Nacht geändert. Die Vertrauenskrise, in die die CDU geraten war, und der Wechsel in der Parteiführung von Wolfgang Schäuble zu Angela Merkel hat die strategische Positionierung der Union über den Haufen geworfen. Sämtliche Kampagnen gegen die Bundesregierung waren für die CSU nun obsolet geworden. Hatte sich die rot-grüne Bundesregierung bis Ende 1999 in einem so starken Fall der demoskopisch gemessenen Zustimmung befunden, dass schon von einem vorzeitigen Ende dieser Bundesregierung spekuliert wurde, so drehte sich die Stimmung radikal um: In wenigen Wochen fiel die Union in den Umfragen deutlich hinter die SPD zurück. Die unmittelbar wichtige Frage schien nicht mehr die Konzeption einer jeweils neuen Oppositionskampagne zu sein, sondern die Ungewissheit, wie die CDU angesichts dieser tiefen Krise künftig überhaupt noch als politische Kraft in Berlin würde wirken können. Damit war die CSU mit ihrer intakten Führung quasi von selbst zu einem noch wichtigeren Anker der Union geworden. Die Folgen bekam auch die CSU zu spüren
Dann änderte sich die politische Großwetterlage schlagartig: Im November 1999 wurde bekannt, dass bei der CDU in der Bundes- und in Landesparteien offenbar nicht alle Gelder korrekt verwaltet worden waren und dass unter anderem unter Beteiligung Helmut Kohls Spenden nicht ordentlich verbucht wurden, mit denen später parteipolitische Aktivitäten finanziert wurden.23 Davon schien zwar die CSU nicht betroffen zu sein, aber der einsetzende Klimawechsel in der öffentlichen Bewertung der Union traf auf einen besonders aufnahmebereiten Resonanzboden in der öffentlichen Meinung und zog daher auch die CSU in Mitleidenschaft.24 Innerhalb weniger Wochen drehte sich die öffentliche Wahrnehmung von den Problemen der rot-grünen Bundesregierung ab und den internen Problemen der CDU zu. Die Bundesregierung, die sich im Herbst 1999 schon am Abgrund sah, erfuhr rasch wieder einen Anstieg der demoskopischen Werte, während die Union bei Umfragen absackte. Auch die CSU, die sich zudem mit den Aussagen des Waffenlobbyisten und Strauß-Freundes Karl-Heinz Schreiber geplagt sah, konnte gegen die Dominanz der politischen Agenda durch diese Affären nichts mehr ausrichten: Ende 1999/Anfang 2000 war offensichtlich, dass sich die Regierungskoalition vorerst stabilisierte und ein rasches Auseinanderbrechen des rot-grünen Bündnisses im Bund nicht mehr zu erwarten war. Als erster führender CSU-Politiker stellte sich Alois Glück auf die Seite derjenigen Kräfte in der CDU, die eine rasche Aufklärung der Affäre auch auf Kosten des Bildes von Helmut Kohl verlangte: Glück unterstützte ausdrücklich die damalige Generalsekretärin der CDU Angela Merkel, die die CDU aufgefordert hatte, sich von Helmut Kohl zu lösen.25 Auf dem Weg zur Kanzlerkandidatur Im Frühsommer 2001 schien nicht nur die Lage der CSU in Bayern weiter ungefährdet, auch in den demoskopischen Werten für die Bundespolitik lag die Union nicht mehr so weit abgeschlagen zurück. Im Mai 2001 bestätigte eine Umfrage der CSU, dass sie nach wie vor weit über 50 % bei einer Landtagswahl bekommen würde.39 Bei bundesweiten Umfragen stiegen die Benotungen für Edmund Stoiber ebenso wie die Zahl derjenigen Befragten, die ihn für den geeignetesten Kanzlerkandidaten der Union hielten.40 Bis in den Sommer 2001 hinein nahm das Vertrauen in die Bundesregierung (vor allem wegen der Wirtschaftspolitik und der Höhe der Arbeitslosigkeit) ab und die Union konnte sich in den Umfragen verbessern.41 In der politischen Stimmung konnte die Union die SPD im August 2001 sogar erstmals seit einem Jahr wieder leicht überholen.42 Auch in den Kompetenzwerten holte die Union vor allem im Bereich Wirtschaft und Arbeit stark auf.43 Das Politbarometer vom August 2001 sprach sogar von einem "drastischen Kompetenzverlust" der Bundesregierung.44 Allerdings war der Vorsprung des Bundeskanzlers Gerhard Schröder noch so groß, dass man sich seitens der CSU-Führung keinen Vorteil durch eine frühzeitige Festlegung auf einen Kandidaten der Union versprach, auch wenn immer wieder einzelne Stimmen auf eine frühere Klärung der Kandidatenfrage drängten.
In jedem Fall war unübersehbar, dass die verschlechterten wirtschaftlichen Aussichten entscheidend zu einem Ansehensverlust der Bundesregierung beigetragen hatten und sich die Opposition wieder größere Chancen auf einen Regierungswechsel bei der Bundestagswahl ausrechnen durfte. Eine Umfrage von Infratest Dimap vom Juli 2001 bestätigte die gute demoskopische Ausgangslage: Die CSU würde demnach nicht nur bei einer Landtagswahl 54 % der Stimmen bekommen, sondern könnte auch bei einer Bundestagswahl mit 52 % rechnen - weit mehr, als dem letzten Ergebnis und den zuletzt erhobenen Werten.45 Eine Emnid-Umfrage vom August bestätigte die guten Kompetenzwerte Stoibers gegenüber Bundeskanzler Schröder.46 Der 11. September und die Renaissance der "harten" Themen
Der Terroranschlag vom 11. September 2001 veränderte auch die deutsche Innenpolitik schlagartig. Die Bundesregierung war nun vorrangig in den internationalen Kampf gegen den Terror eingebunden und gewann wieder an Ansehen; die SPD konnte ihre Umfragewerte deutlich verbessern und den Abstand zur Union wieder vergrößern.47 Zwar musste die SPD nach der Bürgerschaftswahl in Hamburg am 23. September 2001 die Regierungsmacht nach 44 Jahren aufgeben, doch der CDU wurde die Regierungsübernahme durch ein sehr schlechtes Ergebnis und das unerwartet starke Resultat der Schill-Partei vergällt. Die Gefahr potentieller Stimmenverluste an eine neue bürgerliche Partei der rechten Mitte waren von nun an ein mögliches Szenario für schwache CDU-Landesverbände, vor allem in den neuen Bundesländern. Außerdem konnte die SPD nach den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin vom 21. Oktober 2001 die Regierung bilden - und da Verhandlungen zur Bildung einer Ampelkoalition scheiterten, bildete sie eine Koalition mit der PDS, was neue Angriffsflächen gegenüber der Union hat. Mögliche Zukunftsszenarien für die CSU
Alf Mintzel fasst die Zukunftsperspektive der CSU so zusammen: "Die Hegemonialpartei kann sich nur selbst gefährden".50 Damit ist wohl gemeint, dass die CSU in Bayern immer noch aus einer unangefochtenen Position der Stärke heraus operieren kann, dass sie noch auf weit
besseren Voraussetzungen als die anderen Volksparteien aufbaut. Notwendige
Modernisierungsmaßnahmen kann sie leichter durchführen, weil ihre feste Verankerung in Bayern auch durch das Ergebnis der Bundestagswahl 1998 nicht nennenswert in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Das "worst-case-scenario": Niedergang und Marginalisierung
Der für die CSU schlimmste Fall wäre ein Zerfall des bürgerlichen Parteienlagers in Deutschland. Eine Niederlage bei der Bundestagswahl 2002 könnte einen Prozess des Niedergangs auslösen. Die CDU wird von einer SPD, die die Mitte in Beschlag nimmt, und neuen bürgerlichen Protestparteien à la Schill in die Zange genommen und verliert ihre Mehrheitsfähigkeit zusehends. Immer weniger Landesverbänden gelingt es, sich als wirtschaftsfreundliche Partei von law and order zu präsentieren. Eine Schill-Partei feiert nach Hamburg erst in den neuen Bundesländern, dann auch in Westdeutschland Erfolge.51 Die fehlende Mehrheitsperspektive aus eigener Kraft setzt eine Spirale nach unten in Gang, die vorhandene Organisations- und Rekrutierungsprobleme immer weiter verstärkt. Am Ende könnte eine Marginalisierung der CDU stehen bis hin zum Überlaufen großer Teile ihrer Wähler- und Mitgliedschaft zu anderen Parteien. Die CSU wäre im schlimmsten Fall zwar mit Zeitverzögerung, aber spätestens in einer Nach-Stoiber-Ära in diesem Strudel gefangen und hätte in Bayern über kurz oder lang mit denselben Problemen zu kämpfen. Da aber für die CSU aufgrund ihrer Sonderrolle im deutschen Parteiensystem
der Erhalt der absoluten Mehrheit in
Bayern unerlässlich ist, würde sich für sie die letzte Phase des Wegs nach unten beschleunigen. Selbst wenn CDU und CSU als mittlere Parteien noch eine Weile weiterexistieren würden, hätte sich so das deutsche Parteiensystem grundlegend geändert und die Unionsparteien ihre
historische Rolle als bürgerliche Sammlungsbewegungen der Mitte endgültig verloren.
Rückzug in die Alpenfestung: Eine abgewandelte Fassung des vorigen Szenarios: Die CDU geht zu Boden, aber die CSU kann sich davon absetzen. Ihr geht der Bündnispartner CDU für eine Unions/FDP-Regierung im Bund verloren, aber in Bayern kann sie ihre Rolle als "ewige" Regierungspartei aufrecht erhalten. Auch hierbei wäre die Frage des Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl weniger relevant, aber die Kandidatur Stoibers bei deutlich schwächeren Ergebnissen außerhalb Bayerns könnte eine Grundlage für dieses Szenario sein. Die Wähler unterscheiden weiterhin deutlich zwischen Regierungskompetenz und Personalangebot auf den unterschiedlichen politischen Ebenen und verhelfen der CSU auch weiterhin zu 50 % plus x bei Wahlen - zumindest bei Landtagswahlen. Damit hätte die CSU auch weiterhin automatisch einen bundespolitischen Anspruch, den sie allerdings auch geltend machen muss. Auch wenn sie weiterhin nur in Bayern kandidieren wollte, müsste sie also nicht nur bayerische Politik, sondern deutsche Politik formulieren - eine Rolle, die die CSU immer beherrscht hat und an die sie nahtlos anknüpfen könnte. Selbst bei fortschreitender Marginalisierung der CDU könnte die CSU diese Rolle noch eine längere Zeit weiter spielen. Bundesweite Ausdehnung
Eine Fortführung dieses Szenarios: Die CDU liegt dar nieder, aber die in Bayern unangefochtene CSU setzt den Beschluss von Wildbad Kreuth aus dem Jahr 1976 verspätet in die Praxis um. Auch bei diesem Szenario schiene es eine realistische Grundlage, dass ein Spitzenkandidat Edmund Stoiber ein respektables Ergebnis erhält, aber außerhalb Bayerns aus der Union nicht die notwendige Unterstützung erfahren hätte. Das könnte der Startschuss für die bundesweite Ausdehnung der CSU sein: Sie konstituiert sich als eigene Fraktion im Bundestag und tritt in den anderen Bundesländern an. So könnte sie das Wählerpotential, das sich von der CDU nicht mehr vertreten fühlt und in die Nichtwahl oder andere Parteien wie Schill abgewandert ist, aber Stoiber zum Bundeskanzler hatte wählen wollen, wieder einbinden. Damit wäre die CSU eine gesamtdeutsche Partei in weit stärkerer Größenordnung, als es ihr die Zweitstimmensammlung allein in Bayern ermöglichte. Die CSU könnte auf diesem Wege sogar zur Führungspartei im bürgerlich-konservativen Lager werden und Regierungskoalitionen im Bund anführen. Rückkehr zur Regierungsmacht im Bund
Das möglicherweise wahrscheinlichste Szenario: Die CDU findet zu alter Stärke zurück und die Unionsparteien werden wieder Regierungspartei in Berlin. Selbst bei einem Wahlsieg Gerhard Schrödersü2002 wäre dies spätestens für 2006 ein denkbarer Weg - sozusagen die Rückkehr zur bundesrepublikanischen Normalität. Die Sollbruchstellen der rot-grünen Bundesregierung träten immer deutlicher zutage im Kampf gegen den internationalen Terrorismus und im vergeblichen Kampf für wirtschaftliches Wachstum und gegen die Arbeitslosigkeit. Das Ende dieser Koalition könnte das Ende der Grünen als Generationenpartei bedeuten, aber auch die Struktur- und Mobilisierungsprobleme der SPD deutlich zu Tage treten lassen. Eine personell erneuerte CDU, die die Probleme der Spendenaffäre hinter sich gelassen und die die
Kompetenzzuschreibung in wichtigen Politikfeldern wiedererlangt hat, erkämpft wieder die Mehrheitsfähigkeit im Bund, zu der die CSU erneut mit einem überdurchschnittlichen Ergebnis beiträgt. Die Kanzlerkandidatur Edmund Stoibers ist für diesen Prozess der Erneuerung sehr hilfreich.
Anmerkungen
1 Der Beitrag konzentriert sich auf den Zeitraum nach der Bundestagswahl 1998. Als weiterführende Literatur sei genannt: Als Mintzel, Die CSU. Anatomie einer konservativen Partei 1945-1972, Opladen 1975; ders., Geschichte der CSU. Ein Überblick, Opladen 1976; ders., Die CSU-Hegemonie in Bayern. Strategie und Erfolg, Gewinner und Verlierer, Passau 1998; Hanns-Seidel- 2 Siehe als Beispiel die Wahlanalysen der Forschungsgruppe Wahlen zur Bundestagswahl 1998, Mannheim 1998, Nr. 91, sowie der Konrad-Adenauer-Stiftung, Analyse der Bundestagswahl vom 27. September 1998, Interne Studien 173/1998. Siehe auch: Richard Hilmer, Ein Ruck ging durchs Land. Analyse der Wahl, in: Heinrich Oberreuter (Hrsg.), Umbruch 98. Wähler, Parteien, Kommunikation, München 2001, S. 59-79. 3 Siehe den Bericht der Forschungsgruppe Wahlen zur Landtagswahl in Bayern, Mannheim 1998, Nr. 90, S. 53. 4 Tyll Schönauer, Modell F. J. Strauß, in: Die Woche, 23.10.1998. 5 "Wir brauchen einen aufgeklärten Patriotismus", in: Süddeutsche Zeitung, 17.10.1998. 6 Siehe das Interview mit Edmund Stoiber: "Trittin gebärdet sich als Nationalist", in: Die Welt, 21.12.1998 sowie: Das Plebiszit als politischer Hebel für Bayern, in: Neue Zürcher Zeitung, 29.12.1998. 7 Siehe: Wer ist Chef der Opposition?, in: Süddeutsche Zeitung, 7.1.1999. 8 Siehe etwa: Alexander Jungkunz, Punktsieg für die CSU, in: Nürnberger Nachrichten, 11.1.1999. 9 Siehe zum Beispiel die Darstellung bei: Hans Holzhaider, CSU: Nun liegt alles in der Hand von Edmund Stoiber. Applaus wie für den Herrgott, in: Süddeutsche Zeitung, 18.1.1999. 10 So bewertete dies u.a. Ernest Lang, Bayernkommentar, Bayern 1, 15.1.1999, 17.45h.
11 Die Forschungsgruppe Wahlen spricht davon, dass neben der 100-Tage-Bilanz der Bundesregierung vor allem diese Unterschriftenaktion den Wahlausgang "außergewöhnlich stark" beeinflusst habe. Siehe: Forschungsgruppe Wahlen, die Landtagswahl in Hessen. Eine Analyse der Wahl vom 7. Februar 1999, Bericht Nr. 93, Mannheim 1999, S. 73. Siehe auch beispielsweise die Schlagzeilen: "Der heimliche Wahlsieger heißt 12 Kritik an "vorausstolperndem Gehorsam", in: Süddeutsche Zeitung, 7.4.1999; Sand im Getriebe, in : Der Spiegel, 19.4.1999. Siehe hierzu das Interview mit Edmund Stoiber: "Ich kann mich Mehrheiten beugen", in: Süddeutsche Zeitung, 30.4.1999. 13 Siehe: Umfrage: CSU sattelt drauf, in: Mittelbayerische Zeitung, 19.4.1999, wo ein Wert von 53,5% zitiert wurde sowie: Balsam für das Selbstbewusstsein, in: Augsburger Allgemeine, 26.4.1999, wo eine Umfrage mit Werten von 54 bis 55% zitiert wurde. 14 So im Interview in der "Welt": "Ich erwarte ein Plebiszit gegen die Regierungspolitik", in: Die Welt, 15.5.1999. 15 Europawahl. Eine Analyse der Wahl vom 13. Juni 1999. Berichte der Forschungsgruppe Wahlen, Nr. 95, Mannheim 1999, S. 60. 16 Siehe: "Das ist schon Unfähigkeit", in: Focus 25/1999, 21.6.1999. 17 Wahl im Saarland. Eine Analyse der Landtagswahl vom 5. September 1999. Bericht der Forschungsgruppe Wahlen, Nr. 96, Mannheim 1999, S. 49.
18 Siehe die Umfrage "Die CSU in Bayern", in: http:// 19 Siehe: Laptop statt Lederhose. Der Freistaat Bayern pumpt gut drei Milliarden Mark in eine ehrgeizige Hightech-Offensive, in: Focus 41/1999, 4.10.1999. 20 Siehe: Der Name Bayern hat in den USA einen guten Klang, in: Die Welt, 25.10.1999, sowie: Captain Future auf PR-Tour, in: Focus 44/1999, 30.10.1999. 21 So das Plädoyer von Jürgen Falter: Im Bundestag bald nur noch drei Parteien? Bundesweites Auftreten der CSU könnte der Union helfen, in: Focus 43/1999, 25.10.1999. 22 Siehe das Interview: Berlin muss bayerischer werden, in: Süddeutsche Zeitung, 13./14.11.1999. 23 Siehe: Im Auftrag des "PV". Es gibt Hinweise, dass Helmut Kohl CDU-Landesverbänden mit Geld aus Schwarzen Kassen half, in: Süddeutsche Zeitung, 26.11.1999. 24 Siehe als Beispiel ein Artikel über eine Klausurtagung des CSU-Vorstandes: CDU-Spendenaffäre "massive Belastung für gesamte Union", in: Mittelbayerische Zeitung, 13.12.1999. 25 Glück: Das Bild Kohls wird sich verdunkeln, in: Süddeutsche Zeitung, 29.12.1999. 26 Zeitspiegel-Stimmungsbaromenter zur Landespolitik, 12. Januar 2000, in: http://www.br-online.de/politik/ zeitspiegel/2000/zs_0112/stimmungsbarometer.htm. 27 Siehe: Stoiber: CSU muss jetzt für den Zusammenhalt der Union Sorgen, in: Die Welt, 17.1.2000. 28 Alois Glück, Die Union muss das konservative Denken wieder entdecken. Grundlagen eines schlüssigen Sozialstaatskonzepts sind die Familie, die Nachhaltigkeit und die Subsidiarität, in: Die Welt, 9.2.2000. 29 "Nicht alles auf Schäuble abladen." Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber kritisiert die CDU-Führungsriege und Ex-Kanzler Helmut Kohl, in: Focus, 14.2.2000. 30 Siehe: Michael Stiller, Die CSU wittert Gefahr, in: Süddeutsche Zeitung, 18.2.2000; Holger Eichele, Die CSU erinnert an Merkels Makel, in: Münchner Merkur, 18.2.2000. 31 Hannes Burger, Zu viel Sand und zu wenig Öl im Parteigetriebe der Union, in: Die Welt, 3.4.2000. 32 Siehe: Nur noch 44 Prozent: Spendenaffäre riss CSU mit in die Tiefe, in: Bild München, 13.7.2000. 33 Siehe: Wut, aber auch Selbstzweifel. Die CSU ist irritiert, in: Süddeutsche Zeitung, 17.7.2000. 34 Siehe: Holger Eichele, CSU geht auf Distanz zur CDU, in: Münchner Merkur, 14.11.2000; Michael Stiller, Parteispitze beschließt Eckpunkte-Papier zur Einwanderung. CSU will Grundrecht auf Asyl abschaffen, in: Süddeutsche Zeitung, 14.11.2000. 35 Siehe: Peter Schmalz, Kinder, Inder, Leitkultur, in: Die Welt, 18.11.2000. 36 "Wir werden klug entscheiden." CSU-Chef Edmund Stoiber schließt nicht mehr definitiv aus, bei der Bundestagswahl in zwei Jahren als Kanzlerkandidat der Union anzutreten, in: Focus, 22.12.2000. 37 Siehe: "Streit in der Union ist beendet", in: Focus, 1.4.2001. 38 Siehe: "Dann gibt es ein Feuerwerk", in: Focus, 14.5.2001. 39 Glück: CSU liegt in Umfragen weit vor Opposition, in: Augsburger Allgemeine, 15.5.2001. 40 Siehe: Politbarometer 06/01, Forschungsgruppe Wahlen, Mannheim 2001. 41 Siehe die Emnid-Umfrage in: Der Spiegel 28/2001, 9.7.2001, wo die Union mit 36% bis auf zwei Punkte an die SPD mit 38% herankam; die Grünen erreichten nur 6%, die FDP 8% und die PDS 7%. 42 Siehe: Politbarometer 08/01, Forschungsgruppe Wahlen, Mannheim 2001. 43 Siehe die entsprechenden Daten von Infratest Dimap, in: Politikkompaß der Konrad-Adenauer-Stiftung 38/2001, August 2001, S. 1-3. 44 Politbarometer: Die Stimmung im August. Drastischer Kompetenzverlust der Bundesregierung, in: Süddeutsche Zeitung, 25./26. August 2001. 45 Siehe: http//:www.br-online.de/pol...aglicher/bayerntrend/sonntagsfrage.htm. 46 Klaus-Peter Schöppner, Die Bürger halten Stoiber kompetenter als Schröder, in: Die Welt, 22.8.2001. 47 Kurz nach den Anschlägen maß Emnid 42% für die SPD und 37% für die Union, siehe: Die Krise nützt der SPD, in: Der Spiegel, 39/2001, 24.9.2001. 48 Stoiber plant eigenes Sicherheitskonzept, in: Die Welt, 20.9.2001. 49 Dies machte Edmund Stoiber schon bald in einem Interview deutlich: "Unsere Sicherheit ist bedroht", in: Der Spiegel, 41/2001, 8.10.2001.
50 Alf Mintzel, Die CSU-Hegemonie in Bayern. Strategie und Erfolg, Gewinner und Verlierer, Passau 1998, 51 Eine Emnid-Umfrage vom November 2001 ermittelte einen Wert von 9%, den eine bundesweit antretende Schill-Partei erreichen könnte - zum größten Teil auf Kosten der Union. Siehe: Stunde der starken Männer, in: Focus 46/2001, 12.11.2001.
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