Zeitschrift

Die Bundesländer

 


Wilfried Welz
Sachsen-Anhalt


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Inhaltsverzeichnis



Das Land "mittendrin"

Eine geschichtsträchtige Region und ein junges Land

Eine Ausstellung in dem ehemaligen, nach der Wende stillgelegten Kraftwerk Vockerode stellte 1998 unter dem programatischen Titel "mittendrin" die lange Geschichte des Raumes dar, der heute im wesentlichen das Bundesland Sachsen-Anhalt bildet. Und in der Tat, seit dem Fall der Mauer liegt Sachsen-Anhalt wieder mitten in Deutschland und Europa, und dies nicht nur geographisch, sondern auch historisch, haben doch zentrale Entwicklungen deutscher wie europäischer Geschichte - an dieser Stelle sei nur die Reformation genannt - hier ihren Ausgangspunkt gehabt. Erst die Überwindung der deutschen Teilung läßt langsam wieder ins Bewußtsein dringen, daß diese Region zum gemeinsamen kulturellen Erbe aller Deutschen gehört.

Im Gegensatz zu der mehr als tausendjährigen Geschichte der Region kann Sachsen-Anhalt nur auf eine vergleichsweise kurze landeseinheitliche historische Tradition zurückblicken. 1945 wurde es auf Anordnung der sowjetischen Besatzungsmacht aus der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen, dem Freistaat Anhalt und kleineren Gebietsteilen Braunschweigs und Thüringens zusammengefügt. Bis 1947 lautete die Bezeichnung "Provinz", danach bis zur Auflösung der Länder in der DDR 1952 "Land Sachsen-Anhalt". Mit dem 3. Oktober 1990 wurde das Land Sachsen-Anhalt neu gebildet, zur Landeshauptstadt wurde mit Mehrheitsbeschluß des neu gewählten Landtages Magdeburg bestimmt. Mit 20447 km2 ist es flächenmäßig das achtgrößte, nach der Einwohnerzahl (knapp 2,7 Mio.) das neuntgrößte Land der Bundesrepublik Deutschland.

Die ehemalige innerdeutsche Grenze bildet heute die Landesgrenze zu Niedersachsen - die frühere Grenzübergangsstelle Marienborn wird auf Beschluß des Landtages von Sachsen-Anhalt als "Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn" erhalten. Brandenburg, Sachsen und Thüringen sind die weiteren Nachbarländer. Werden die nördlichen Landesteile mit der Altmark und der Magdeburger Börde - die Böden hier gehören zu den fruchtbarsten in ganz Deutschland - überwiegend landwirtschaftlich genutzt, ist der Süden mit dem länderübergreifenden Chemiedreieck Halle - Bitterfeld - Leipzig von der Industrie geprägt. Dazwischen liegen die ehemaligen anhaltischen Gebiete, die sich vom Harz bis zum Fläming erstrecken.

Vielgestaltige Landschaft

So wechselvoll wie die Geschichte Sachsen-Anhalts, so vielgestaltig und abwechslungsreich ist auch die landschaftliche Gliederung. Im Norden ist es die Altmark, die über die Jahrhunderte hinweg ein stärkeres Eigenleben als andere Landstriche Sachsen-Anhalts behaupten konnte. Die natürlichen Grenzen bilden im Osten die Elbe, im Süden die Ohre und der Mittellandkanal. Die "Wiege" Preußens ist überwiegend eben, Wiesen und Weiden, Äcker und Sümpfe und der größte See Sachsen-Anhalts, der Arendsee sowie die Colbitz-Letzlinger Heide machen den Reiz dieser Region aus. Südlich davon schließt sich die Magdeburger Börde an. Mit ihrem fruchtbaren Lößboden ist sie Ackerland seit Jahrtausenden. Der Anbau und die Verarbeitung der Zuckerrüben in der ersten Hälfe des vorigen Jahrhunderts wurde zum Motor der Industrialisierung Mitteldeutschlands. Der Harz ist das am weitesten nach Norden vorgeschobene deutsche Mittelgebirge. Von dem vom Teufels- und Hexenspuk sagenumwobenen Brocken, mit 1142 m höchste Erhebung des Landes, bietet sich bei gutem Wetter ein weiter Blick auf das sich zu seinen Füßen ausbreitende Sachsen-Anhalt. Die Saale-Unstrut-Region zählt zu den nördlichsten Weinanbaugebieten Europas und zu den ältesten in Deutschland. "An der Saale hellem Strande" liegt auch Halle, die größte Stadt Sachsen-Anhalts, für die der Salzhandel jahrhundertelang die Hauptquelle ihres Wohlstandes war.

Anhalt-Wittenberg schließlich ist die Region, in der Kultur und Natur - stellvertretend sei hier nur das Wörlitzer Gartenreich erwähnt - eine einzigartige Verbindung eingegangen sind.

Territoriale Zersplitterung

Der mitteldeutsche Raum und mit ihm das heutige Sachsen-Anhalt war bis in das 19. Jahrhundert hinein gekennzeichnet durch eine territoriale Zersplitterung, wie sie auf diese Weise nur noch im Südwesten Deutschlands anzutreffen war. Daraus wurde oftmals die Schlußfolgerung gezogen, daß es sich bei dem Land Sachsen-Anhalt um ein eher "künstliches" oder "unhistorisches" Land handele. Dem ist entgegenzuhalten, daß Sachsen-Anhalt in seinen Kerngebieten als zusammenhängender historischer Raum, als eine gemeinsame Geschichts- und Kulturlandschaft betrachtet werden kann und muß. Bereits das Bistum Halberstadt, 804 von Karl dem Großen gegründet, umfaßte entscheidende Teile des heutigen Sachsen-Anhalts. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich der Raum an der Mittelelbe, der unteren Saale und dem Harz zum Zentrum des entstehenden Deutschen Reiches. Der Sachsenherzog Heinrich wurde 919 - der Sage nach beim Vogelfang - in Quedlinburg zum ersten deutschen König berufen. Sein Sohn Otto I., nach seinem Sieg über die Ungarn 955 auf dem Lechfeld auch Otto der Große genannt, ließ sich im Jahre 962 zum ersten deutschen Kaiser der westlichen Christenheit in Rom krönen. Unter seiner Herrschaft wurde Magdeburg zum Erzbistum erhoben. Der erste Magdeburger Dom wurde errichtet, in ihm fand Otto nach seinem Tod im Jahr 973 seine letzte Ruhestätte. Die Stadt blieb auch in den nachfolgenden Jahrhunderten lange Zeit ein Zentrum des gesamten Raumes. Das Magdeburger Stadtrecht - 1118 eingeführt - wurde von vielen Städten Mittel- und Osteuropas übernommen. Vielfach ging es mit dem um 1230 von Eike von Repgow aufgezeichneten Sachsenspiegel - eine Zusammenstellung traditionellen Rechts - eine Verbindung ein. 1209 wurde mit dem Wiederaufbau des Magdeburger Doms, dessen Vorgänger bei einem Stadtbrand zwei Jahre zuvor vernichtet worden war, begonnen. Das Wahrzeichen der Stadt ist der erste nach französischem Vorbild geplante gotische Kathedralenbau in Deutschland.

Während sich im Zuge der Ostkolonisation ab dem 12. Jahrhundert langsam großflächige Territorien wie Mecklenburg, Brandenburg oder Meißen (das heutige Sachsen) herausbildeten, blieb die Region an der mittleren Saale weitgehend territorial zersplittert. Zu den Kerngebieten, die von besonderer Bedeutung für die Geschichte Sachsen-Anhalts sind, gehörten vor allem das Erzbistum Magdeburg und die Bistümer Halberstadt, Merseburg und Naumburg sowie die anhaltischen Gebiete. Neben den genannten Bischofssitzen waren es die Städte Quedlinburg, Aschersleben, Stendal, Tangermünde oder Salzwedel, die die wirtschaftliche und politische Entwicklung prägten. Oftmals schlossen sie sich zu Bündnissen - wie dem Sächsischen Städtebund - zusammen oder traten der Hanse bei. Bis in das ausgehende 15. Jahrhundert erfüllten diese Bündnisse ihren Zweck, die Unabhängigkeit der Städte gegenüber den Landesherren zu wahren.

Ausgangsland der Reformation

Im 16. Jahrhundert erlangte das Land als Zentrum der Reformation herausragende historische Bedeutung. 1502 hatte der sächsische Kurfürst Friedrich III. in Wittenberg eine Universität gegründet, sechs Jahre später kam Martin Luther als Lektor für Philosophie an die neue Universität. Mit seinen 95 Thesen, 1517 - angeblich - an die Wittenberger Schloßkirche angeschlagen, erschütterte er das christliche Abendland in seinen Grundfesten. Der Protestantismus fand mit der Gründung der Universität und der Einrichtung der Franckeschen Stiftungen am Ende des 17. Jahrhunderts in Halle einen dauerhaftigen geistigen Mittelpunkt. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 wurde die Mark Brandenburg unter dem Großen Kurfürsten zur beherrschenden Macht in der Region des heutigen Sachsen-Anhalts. Die geistlichen Fürstentümer Magdeburg - die Stadt selbst war während des Dreißigjährigen Krieges völlig zerstört worden - und Halberstadt gelangten in kurbrandenburgischen Besitz. Die anhaltischen Fürstentümer konnten ihre Unabhängigkeit bewahren. 1815 wurde nach den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Herrschaft die preußische Provinz Sachsen gebildet. Aufgrund der reichhaltigen Braunkohle- und Kalivorräte erlebte die Provinz im 19. Jahrhundert einen gewaltigen Aufschwung der Industrie. Magdeburg entwickelte sich zu einem Zentrum des Maschinenbaus, zwischen Halle und Bitterfeld entstand die chemische Industrie.

Die drei anhaltischen Fürstentümer wurden 1863 vereinigt, nach der Revolution von 1918 bestand die Region als Freistaat Anhalt fort. Die Bemühungen um eine föderale Neugliederung Mitteldeutschlands und der Schaffung eines Landes Sachsen-Anhalts zu Zeiten der Weimarer Republik scheiterten schließlich. Während des Dritten Reiches wurden die Provinz Sachsen und der Freistaat Anhalt mittels verschiedener Verwaltungsänderungen und -verschiebungen "gleichgeschaltet".

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Region aufgrund seiner industriellen Basis und seiner Lage im Innern des Reiches zu einem Zentrum der kriegswirtschaftlichen Produktion und damit zum Ziel der Alliierten Luftangriffe. Magdeburg, Halberstadt, Dessau, Zerbst und Merseburg wurden noch in den letzten Kriegsmonaten schwer zerstört. Am 25. April 1945 trafen bei Torgau an der Elbe die amerikanischen und sowjetischen Truppen aufeinander. Bis zum Frühsommer 1945 zogen sich dann die Amerikaner vereinbarungsgemäß aus den westlich der Elbe von ihnen besetzten Gebieten zurück, am 5. Juli wurden die Provinz Sachsen und Anhalt von der sowjetischen Militäradministration übernommen. Mit der Auflösung der Länder 1952 in der DDR und der Bildung der Bezirke Halle und Magdeburg schien die Geschichte des Landes Sachsen-Anhalt ihr Ende gefunden zu haben.

Das Land wurde 1990 neu gebildet

Mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 wurde auch das Land Sachsen-Anhalt neu gebildet. Vorangegangen waren zum Teil heftige und kontroverse Diskussionen, da es im Gegensatz zu Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kaum ein aus der historischen Entwicklung heraus zu aktivierendes Landesbewußtsein gab. Dies zeigte sich auch in dem lang anhaltenden Streit um die künftige Landeshauptstadt, der erst durch die Entscheidung des am 14. Oktober 1990 gewählten Landtages zugunsten von Magdeburg entschieden wurde. Das Land umfaßt den ehemaligen Bezirk Magdeburg und den ehemaligen Bezirk Halle ohne den Kreis Artern (heute Thüringen), aber zuzüglich des Kreises Jessen (vorher Bezirk Cottbus). Sachsen-Anhalt gliedert sich in drei Regierungsbezirke, die sich wiederum in drei kreisfreie Städte (Magdeburg, Halle, Dessau) und nach dem Inkrafttreten der Kreisgebietsreform am 1. 7. 1994 in 21 (statt vorher 37) Landkreise unterteilen. Von den rund 1300 Gemeinden besitzen 128 das Stadtrecht.

Wie in allen "neuen" Bundesländern standen die politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen vor eine Fülle von Aufgaben und Problemen. Jahrzehnte des ökonomischen und ökologischen Raubbaus hatten die Region an den Rand des Ruins gebracht. Die Umstrukturierung der Wirtschaft, die Neuordnung der Verwaltung, Schulen und Hochschulen, die Reorganisation einer unabhängigen Gerichtsbarkeit, die Schaffung einer modernen Infrastruktur und vieles andere mehr mußten in Angriff genommen werden. Die Fortschritte, die bei der Bewältigung dieser Aufgaben erzielt wurden, sind unübersehbar. Größtes und vorrangiges Problem bleibt aber weiterhin die Schaffung von neuen und zukunftssicheren Arbeitsplätzen.

Politik in Sachsen-Anhalt

Am 14. Oktober 1990 fanden nach über 40 Jahren erstmals wieder freie und geheime Wahlen für einen Landtag des Landes Sachsen-Anhalt statt. Aus ihnen ging die CDU als eindeutiger Sieger hervor. Gemeinsam mit der FDP konnte sie die erste Landesregierung bilden. Doch schon im Juli 1991 erfolgte ein Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten, ein weiterer im Spätherbst 1993. Seit 1994 steht Dr. Reinhard Höppner (SPD) an der Spitze der Landesregierung. In der 2. Legislaturperiode bildeten SPD und Bündnis 90/Die Grünen eine Minderheitsregierung, toleriert von der PDS. Seit den Landtagswahlen von 1998, die vom unerwarteten Wahlerfolg der rechtsextremen DVU (12,9%) überschattet wurden, stehen die Sozialdemokraten alleine in der Regierungsverantwortung, wiederum von der PDS toleriert. Die Christdemokraten mußten 1998 mit dem Verlust eines Drittels ihrer Wählerstimmen gegenüber 1994 eine verheerende Niederlage einstecken. Die Freien Demokraten sind seit 1994 nicht mehr im Landtag vertreten, Bündnis 90/Die Grünen scheiterten 1998 an der 5%-Hürde. Die PDS erreichte bei den Landtagswahlen 1994 und 1998 jeweils knapp 20% der Zweitstimmen.

Der Landtag von Sachsen-Anhalt besteht aus mindestens 99 Abgeordneten, von denen in jedem der 49 Wahlkreise, in die das Land eingeteilt ist, ein Abgeordneter durch direkte Wahl bestimmt wird. Im derzeitigen Landtag sind aufgrund von Ausgleichsmandaten 116 Abgeordnete vertreten. Die Geschäftsordnung und die Verfassung des Landes legen die üblichen Befugnisse und Aufgaben des Landesparlaments fest. So können Gesetzesentwürfe von der Landesregierung, einer Fraktion, von mindestens 8 Mitgliedern des Landtages oder durch Volksbegehren eingebracht werden. Zur parlamentarischen Kontrolle der Landesregierung nennt die Geschäftsordnung die Einrichtungen der Großen und Kleinen Anfrage, der Fragestunde und der Aktuellen Debatte. Der Ministerpräsident wird vom Landtag in geheimer Wahl ohne Aussprache gewählt.

Zu den wichtigsten Aufgaben des ersten Landtages von Sachsen-Anhalt gehörte natürlich die Ausarbeitung einer Landesverfassung. Sie wurde am 15. Juli 1992 mit 80 Stimmen der damaligen Regierungsfraktionen CDU und FDP sowie der Mehrzahl der SPD-Fraktion verabschiedet. Eine Volksabstimmung über die Verfassung fand nicht statt. Die 101 Artikel umfassende Vollverfassung enthält im ersten Teil einen Katalog von Grundrechten, von Einrichtungsgarantien und Staatszielen. Als Staatsziele werden u.a. der Umweltschutz, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie der Minderheitenschutz genannt. Im Hauptteil Staatsorganisation folgt die Verfassung den Richtlinien parlamentarischer Demokratie im modernen Bundesstaat. Erwähnenswert ist, daß die Fraktionen als "selbständige und unabhängige Gliederungen des Landtages" (Art. 47) ebenso Verfassungsrang erhalten wie die Opposition (Art. 48). Den Forderungen nach politischer Machtkontrolle und Bürgernähe trägt die Landesverfassung durch die direktdemokratischen Instrumente der Volksinitiative, des Volksbegehrens und des Volksentscheids Rechnung.

Die am 1. Juli 1994 in Kraft getretene Kommunalverfassung des Landes Sachsen-Anhalts orientiert sich am Modell der süddeutschen Ratsverfassung. Landräte und Bürgermeister werden direkt auf die Dauer von sieben Jahren gewählt, sie können aber vorzeitig abgewählt werden. Elemente direkter Bürgerbeteiligungen wie Einwohnerantrag, Bürgerinitiative und Bürgerbegehren sind in der Kommunalverfassung enthalten. Mit dem Kommunalrechtsänderungsgesetz von 1997 wurde das Wahlrecht bei Kommunalwahlen auf 16 Jahre abgesenkt.

Neustrukturierung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Sachsen-Anhalt befindet sich wie die übrigen neuen Bundesländer in einer tiefgreifenden Neustrukturierung des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft. Zu Zeiten der DDR produzierte die Landwirtschaft des Landes knapp 20% der gesamten Getreideproduktion, ca. 24% der in der DDR angebauten Gemüse und ein Viertel der gesamten DDR-Obstproduktion. Die Landwirtschaft prägte vor allem den nördlichen Landesteil um die Altmark und die Börderegion südwestlich von Magdeburg. Die Standorte der Industrie (Chemie, Metallurgie, Maschinen- und Anlagenbau) konzentrierten sich dagegen vor allem in der Region Halle - Merseburg - Bitterfeld. Auf 6% der Landesfläche wurden über 40% der Industrieproduktion erbracht. Diese Konzentration der industriellen Aktivitäten sowie der Energiewirtschaft und des Bergbaus führten zu einer ökologischen Belastung der Region, wie sie wohl einmalig in Deutschland ist. Die Beseitigung der Schäden und die Sanierung der betroffenen Gebiete wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen.

Die Wirtschaftspolitik war seit 1990 zunächst vor allem auf die Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgerichtet. Ihre Schwerpunkte lagen im Aufbau der wirtschaftsnahen Infrastruktur, der Förderung unternehmerischer Investitionen sowie von Forschung und Entwicklung und der Unternehmensprivatisierung. Trotz aller Erfolge, die dabei erzielt werden konnten, bleibt die wirtschaftliche Situation Sachsen-Anhalts weiterhin schwierig. Die ausgeprägte Exportschwäche, die Eigenkapitalsschwäche vieler Unternehmen sowie die höchste Arbeitslosenquote in Deutschland lassen noch einen langen Zeitraum bis zur Angleichung an das Niveau der alten Bundesländer erwarten. Gerade im Bereich des Arbeitsmarktes spiegelt sich die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage des Landes wider. Zwar ist der rasante Arbeitsplatzabbau in den ersten Jahren nach der Wende inzwischen zum Stillstand gekommen, zu einer wirksamen Entspannung am Arbeitsmarkt hat aber das wirtschaftliche Wachstum der zurückliegenden Jahre nicht ausgereicht. Wurden am 31. 12. 1989 noch 1,56 Mio. Beschäftigte gezählt, so waren es Ende 1997 rund 1,05 Mio. Die Schaffung wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze muß deshalb auch in den kommenden Jahren das vorrangige Ziel aller Bemühungen bleiben.

Bedeutende kulturelle  Vergangenheit . . .

Überall in Sachsen-Anhalt stößt der Besucher auf die Zeugnisse der Vergangenheit. Insbesondere die Romanik hat ihre Spuren hinterlassen. Seit 1993 können auf einer Straße der Romanik die 72 bedeutendsten Bauwerke dieser Epoche wie das Kloster Unserer Lieben Frauen in Magdeburg oder die unterirdische Krypta in Memleben besichtigt werden. Aber das Land ist auch reich an gotischen Domen - Magdeburg, Halberstadt, Merseburg. Sachsen-Anhalt ist das Kernland der Reformation mit den Geburts- und Wirkungsstätten der großen Reformatoren. Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann oder Heinrich Schütz haben hier gelebt und gearbeitet. In Wörlitz entstand zwischen 1764 und 1800 nach den Plänen Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf der erste und bis heute zu den bedeutendsten zählende Landschaftspark nach englischem Vorbild auf dem Kontinent. Ebenfalls ein Kleinod der deutschen Kulturgeschichte ist das nach den Plänen von Goethe errichtete Theatergebäude in Bad Lauchstädt. Quedlinburg mit seinem weltberühmten Dom-Schatz und seinen vielen Fachwerkhäusern gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Dessau steht für Bauhaus und Hugo Junkers. In Schulpforta gingen Fichte, Klopstock und Nietzsche zur Schule. Die Aufzählung der Namen und Orte ließe sich noch lange fortsetzen. Halle als Zentrum der Aufklärung, die Hanse-Städte Tangermünde, Salzwedel, Stendal und Gardelegen mit ihren prachtvollen Rathäusern, Stadttoren und Kirchen.

Dieses reiche kulturelle Erbe, das z.T. erst wiederentdeckt und wiederbelebt werden muß, bedarf der Pflege und Bewahrung. Es werden in den kommenden Jahren noch erhebliche finanzielle Mittel von staatlicher wie privater Seite aufzubringen sein, um die unzähligen Baudenkmale zu restaurieren und zu sanieren.

. . . und wissenschaftliche Tradition

Das Land kann auf eine lange wissenschaftliche Tradition zurückblicken. Dafür stehen Namen wie Otto von Guericke, Christian Thomasius oder Christian Wolff. In Halle erlangte mit Dorothea Christiane Erxleben 1754 erstmals eine Frau in Deutschland einen Doktorgrad. Die älteste deutsche wissenschaftliche Akademie, die Akademie der Naturforscher Leopoldina hat ihren Sitz in Halle. In Alexisbad im Harz wurde 1856 der Verein Deutscher Ingenieure gegründet. Am Bauhaus Dessau lehrten neben den Architekten Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe die Maler Paul Klee, Lyonel Feininger und Wassily Kandinsky. In der Filmfabrik Wolfen wurde in diesem Jahrhundert der erste Farbfilm agfa-color entwickelt. Heute besitzt das Land zwei Universitäten, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. Hinzu kommen fünf Fachhochschulen, die Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein sowie in freier Trägerschaft die Theologische Hochschule Friedensau und die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik in Halle, Ende 1997 waren über 30000 Studentinnen und Studenten in Sachsen-Anhalt immatrikuliert.

Medienlandschaft

Die Presselandschaft in Sachsen-Anhalt ist seit 1990, als zunächst fast 20 Tageszeitungen erschienen, Schritt für Schritt farbloser geworden. Heute teilen sich die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und die Magdeburger Volksstimme im wesentlichen den Regionalmarkt. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) nahm im Sommer 1991 seinen Sendebetrieb auf. Die öffentlich-rechtliche Dreiländeranstalt - Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen - mit Hauptsitz in Leipzig unterhält in Magdeburg ein Landesfunkhaus. Hier werden das Hörfunk-Vollprogramm Radio Sachsen-Anhalt und Beiträge für das gemeinsame Fernsehprogramm produziert. Zwei private Rundfunksender haben sich ebenfalls etabliert.

Das Wappen:

Das Wappen des Landes Sachsen-Anhalt knüpft an die Wappen der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen und des Freistaates Anhalt an und symbolisiert so in seiner Gestaltung die historischen und territorialen Entwicklungslinien, die dieses Gebiet im Laufe seiner Geschichte bestimmten.

Literaturhinweise

Holtmann, Everhard, Boll, Bernhard: Sachsen-Anhalt. Eine politische Landeskunde. 2. Auflage, Magdeburg 1997

Tullner, Mathias: Geschichte des Landes Sachsen-Anhalt. 3. Auflage (i.E., Magdeburg 1999)

Oelke, Eckehard (Hrsg.): Sachsen-Anhalt mit einem Anhang - Fakten - Zahlen - Übersichten, Gotha 1997

Brüggemeier Franz-Josef u.a. (Hrsg.): mittendrin, Sachsen-Anhalt in der Geschichte (Kata-log zur Ausstellung im stillgelegten Kraftwerk Veekerode), Dessau 1998

Anschrift:
Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, Schleinufer 12, 39104 Magdeburg

Internet:
http://www.lpb.sachsen-anhalt.de/


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