Zeitschrift



Indien


Heft 1/98

Hrsg: LpB

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Inhaltsverzeichnis

 


Indien - ein ausbaufähiger Absatzmarkt


In Abhängigkeit von der indischen Entwicklung

Im Jahr 1996 wurden nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Landesamtes Waren im Wert von 708 Millionen DM von Baden-Württemberg nach Indien exportiert. Damit spielte Indien mit einem An teil von 0,5 Prozent an den Gesamtausfuhren für die Exportwirtschaft des Landes nur eine untergeordnete Rolle und ran gierte in der Liste der wichtigsten Bestimmungsländer hinter Indonesien und Malaysia auf Platz 34. Trotzdem bietet Indien als potentieller Absatzmarkt für die heimische Wirtschaft durchaus Chancen. Dafür sprechen die 1991 eingeleiteten Liberalisierungsmaßnahmen in der indischen Wirtschaft, ein hohes Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren von mehr als fünf Prozent pro Jahr und die große Bevölkerung Indiens, die inzwischen schon fast die Milliardengrenze erreicht. Verschiedene Faktoren bergen jedoch auch Gefahren für die Fortsetzung des Wirtschaftsaufschwungs. Wachstumshemmend wirkten sich die Infrastrukturdefizite, insbesondere in den Bereichen Energie und Gütertransport, die hohen Geldbeschaffungskosten für die Privatwirtschaft mit einem Zinsniveau von 16 Prozent, innenpolitische Auseinandersetzungen und die Sparpolitik des Staates zur Reduzierung des Haushaltsdefizits aus.

Die Entwicklung der indischen Wirtschaft der letzten Jahre spiegelt sich in den Ausfuhrergebnissen Baden-Württembergs deutlich wider. So nahmen die Warenlieferungen in den Subkontinent nach Einläutung der Liberalisierungsmaßnahmen zwischen 1992 und 1995 mit zweistelligen Zuwachsraten von bis zu 56 Prozent zu, so daß sich das Ausfuhrvolumen in diesem Zeitraum fast verdreifachte. 1996 brachen die Exporte jedoch wegen der geschilderten Probleme jäh um -11,9 Prozent ein. Wie ein Blick auf die ersten acht Monate des vergangenen Jahres zeigt, scheint sich dieser Negativtrend auch 1997 fortzusetzen, denn die Aus fuhren gingen erneut um 15,4 Prozent zurück.

Aus der Sicht Indiens ist Deutschland ein wichtiger Partner

Auch auf Bundesebene läßt sich eine ähnliche Entwicklung, wenn auch weniger stark ausgeprägt, feststellen. Die Zunahme der grenzüberschreitenden Versendungen gingen von 36,9 Prozent im Jahr 1995 auf 2,4 Prozent im Jahr 1996 zurück. Mit einem Ausfuhrwert von 4,7 Milliarden DM wurde hier ebenfalls nur ein bescheidener Anteil von 0,6 Prozent am Gesamtexport erreicht. Aus der Sicht Indiens je doch ist Deutschland ein wichtiger Handelspartner. Die Bundesrepublik war 1996

beim Export der viert- und beim Import der zweitwichtigste Handelspartner von Indien und übertraf damit beim Import sogar noch die frühere Kolonialmacht Großbritannien.

Die Exporteure Deutschlands konnten 1996 mit Indien einen Ausfuhrüberschuß von 728 Millionen DM erzielen, der in den vorigen Jahren allerdings nicht immer in dieser Höhe zu beobachten war. So wurden beispielsweise in den Jahren 1993 und 1994 sogar Defizite von 227 bzw. 154 Millionen DM im Handel mit Indien erwirtschaftet.

Die von Baden-Württemberg nach Indien ausgeführten Waren entsprachen 1996 in ihrer Zusammensetzung weitgehend dem Warenkorb für die Ausfuhren insgesamt. Bei weitem das wichtigste Exportgut waren Maschinen, auf die allein schon rund die Hälfte der Warenlieferungen entfielen. Besonderes Interesse zeigten die Inder dabei an Werkzeugmaschinen. An zweiter und dritter Stelle folgten elektrotechnische Erzeugnisse (16,2 Prozent) und Kraftfahrzeuge (12,5 Prozent). Weiterhin bedeutend waren chemische Erzeugnisse mit 5,2 Prozent Anteil. Von der allgemeinen Einbuße des Jahres 1996 waren drei der vier wichtigsten Warenarten mit Minusraten von mehr als 14 Prozent betroffen. Nur die chemischen Erzeugnisse konnten noch ein Plus von 6,7 Prozent verbuchen.

Ausfuhr ausgewählter Waren Baden-Württembergs nach Indien 1995 und 1996 (in Mill. DM)

  1996 1995
  Exporte
Maschinen 357,6 416,4
Elektrotechnische    
Erzeugnisse 114,7 140,5
Kraftfahrzeuge 88,2 104,5
Chemische    
Erzeugnisse 36,5 34,2
Feinmech. und    
opt. Erzeugn. 35,4 42,2