Zeitschrift

 

Russland unter Putin

Nach dem Ende der Sowjetunion

Was macht Russland heute aus?

 



 

Inhaltsverzeichnis

 

Die Russländische Föderation als Großmacht - aus geografischer sicht

Von Jörg Stadelbauer

Prof. Dr. Jörg Stadelbauer ist Direktor des Instituts für Kulturgeographie der Universität Freiburg i. Br.

Als bedeutendster Nachfolgestaat der Sowjetunion ist die Russländische Funktion mit dem gleichen Anspruch als Weltmacht angetreten. Sie macht gebietsmäßig immerhin noch drei Viertel der ehemaligen Sowjetunion aus, nach der Einwohnerzahl jedoch nur noch die Hälfte. Die Potenziale vor allem in den Bereichen von Rohstoffen und Energie machen das Land zu einem reichen Land. Problematisch ist die ungeheure Weite des Landes, vor allem aber die noch nicht geglückte Transformation von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. So stellt beispielsweise die Wirtschaftsleistung gegenwärtig nur einen Teil dessen dar, was hier in der Sowjetzeit erreicht war. Auch auf anderen Gebieten wird sichtbar, welche Aufgaben noch weit entfernt von ihrer Lösung sind.        Red.

Die Auflösung der Sowjetunion in fünfzehn Staaten

Betrachtet man dürre Zahlen, so hat die Ende 1991 erfolgte Auflösung der Sowjetunion in fünfzehn selbständige Staaten das von Moskau aus regierte Territorium auf etwa drei Viertel, die Bevölkerung jedoch auf die Hälfte reduziert. 1991, im letzten Jahr der Existenz der UdSSR, lebten auf 22,4 Mill. km2 insgesamt 290,1 Mill. Menschen. Die Russische Föderation beherbergte auf 17,1 Mill. km2 148,5 Mill. Menschen. Es wird als demographische Krise interpretiert, dass knapp zehn Jahre später nur noch 146,7 Mill. Personen in Russland leben. Der Zuzug von Russen aus den nichtrussischen Nachfolgestaaten hat zwar Migrationsgewinne verursacht, doch werden diese durch steigende Sterblichkeit bei stark abgesunkenen Geburtenraten überkompensiert, so dass sich derzeit eine negative Bilanz der Bevölkerungsentwicklung ergibt.
Der Blick auf die Verteilung von Bodenschätzen und anderen natürlichen Ressourcen weist ein weiteres Problem nach: Zweifellos verfügt die Russländische Föderation über reiche Ressourcen, doch bestehen große Disparitäten in der Verteilung: Während sich drei Viertel der Bevölkerung in den europäischen Landesteilen konzentrieren, liegen drei Viertel der Ressourcen in Sibirien und dem Fernen Osten. Daraus ergeben sich nicht nur gewaltige Aufgaben für das Transportwesen, sondern auch Anforderungen an das Staatswesen. Die 1998 besonders deutlich gewordenen Tendenzen eines egoistischen Regionalismus, der in einer Zeit von Mißernten den interregionalen Nahrungsgüteraustausch unterband, bedrohten den Zusammenhalt des russischen Wirtschaftsraumes.
In seinen kontinentalen Ausmaßen ist Russland alles andere als einheitlich, sondern es umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Natur und Kulturräume, die vielfältige Potenziale, aber auch sehr verschiedenartige Nutzungen aufweisen. Ihre räumliche Verteilung folgt zwei Grundprinzipien: Dem geologischen Großbau entspricht im wesentlichen die Verteilung der Bodenschätze, klimatischen Gegebenheiten die agrarwirtschaftliche Nutzbarkeit.1 Dabei zeichnet die Verteilung der Bevölkerung eher die Agrarräume nach, wird aber durch das Netz der Großstädte modifiziert, das sich an historische Erschließungslinien anlehnt.
Die Bevölkerung konzentriert sich trotz Jahrhunderte langer Erschließungs- und Besiedlungsmaßnahmen im europäischen Teil des Landes, während weite Teile Russisch Asiens derzeit eher Abwanderungstendenzen zeigen. Die Erschließungsleistungen im Hohen Norden können heute aus Kostengründen nicht gleichwertig fortgeführt werden; Verfall und Abwanderung kennzeichnen zahlreiche jüngere Erschließungsstädte. Die ethnische Differenzierung wirft administrative und politische Fragen auf, die aktuell in der Tschetschenienproblematik kulminieren. Die russische Gesellschaft ist - nicht erst seit dem Ende der kommunistischen Dominanz - durch eine ausgeprägte Polarisierung gekennzeichnet, die das wirtschaftliche Handeln beeinflusst.

Die Weite des Raumes als Potenzial und Hindernis

Die räumliche Weite mag heute im Zeitalter der Luftfahrt an Bedeutung verloren haben, bleibt aber eine Barriere, die umso spürbarer wird, je mehr die Staatsführung wieder versucht, einen zentralistischen Weg einzuschlagen. Dabei müssen nicht nur die großen Distanzen zwischen den entlegenen räumlichen Peripherien des Landes kostenaufwendig überwunden werden, sondern auch innere Peripherien harren noch einer Erschließung. Die Weitmaschigkeit aller Verkehrsnetze, der mangelhafte Ausbauzustand der Straßen und Wege im ländlichen Raum, die relativ großen Abstände zwischen Großstädten sowie die starke Entwicklungsunterschiede zwischen Großstädten und ländlichen Gemeinden machen noch immer weite ländliche Gebiete zu einer Raumkategorie zweiter Wahl. Mangelnder Infrastrukturausbau, Versorgungsengpässe und fehlende Attraktivität für die Bevölkerung bedingen in peripheren Räumen einander. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch der schlecht erschlossene ländliche Raum Abwanderungs und Überalterungsgebiet blieb.
Positiv mag bewertet werden, dass die Weiträumigkeit Russlands für zahlreiche natürliche Ressourcen reichliche Verfügbarkeit bedeutet. Sehr viele Lagerstätten von Bodenschätzen sind groß dimensioniert und machen Russland zu einem reichen Land. Auch günstige Bodenqualitäten können großflächig auftreten, wurden allerdings in sowjetischer Zeit auch großflächig geschädigt, so dass auch Degradation von Boden und Vegetation eine weit verbreitete Erscheinung ist.
Die großen Naturräume wurden in unterschiedlicher Weise von Transformationsfolgen erfasst: In der Tundra belebte sich bei der ursprünglichen (indigenen) Bevölkerung der Rentiernomadismus von neuem, der in sowjetischer Zeit durch das Kolchos- und Sowchos-System verdrängt worden war. Allerdings ist es heute ein Wirtschaften an der Subsistenzgrenze. Die bergbauliche Erschließung am Rand der Ökumene ist nicht mehr generell rentabel und muss teilweise zurückgenommen werden. Die Nadelwälder der Taiga stehen unter zunehmendem Nutzungsdruck; im europäischen Norden und in Teilen Sibiriens und des Fernen Ostens hat die Nachfrage nach Holz und Holzprodukten zu übermäßigen Einschlägen geführt, ohne dass eine ausreichende Wiederaufforstung erfolgt. Die Agrargebiete von Laubwaldkeil, Waldsteppe und Steppe leiden vor allem unter der geringen Zugänglichkeit und Erschließungsrückständen, die das Leben im ländlichen Raum relativ wenig attraktiv erscheinen lassen. In den südlichen und kontinentalen Steppengebieten stellen Bodenerosion, Dürreperioden und Staubstürme latente Bedrohungen für die Landwirtschaft dar. Die Erschließung ausgedehnter Hochgebirgsräume ist unter den derzeitigen ökonomischen Bedingungen kaum möglich, zumal kein Bevölkerungsdruck besteht.

Dadurch bleiben aber auch Potenziale für den Fremdenverkehr ungenutzt, die eine umfangreiche, sich an internationalen Standards orientierende touristische Infrastruktur voraussetzen würden, welche nur punkthaft vorhanden ist. Im Konfliktgebiet Kaukasiens beschränkt sich der Tourismus weitgehend auf den Bereich der kaukasischen Mineralbäder um Pjatigorsk.

Reiche Bodenschätze und ihre Nutzung

Der geologischtektonische Großbau bestimmt die räumliche Verteilung und Erschließbarkeit von Bodenschätzen. Arm an Bodenschätzen ist die Weite der Russischen Tafel im europäischen Teil des Landes; im äußersten Nordosten geht sie in die Gebirgssenke vor dem Ural mit den Kohlelagerstätten von Workuta über, im Südwesten wird sie von dem Senkensystem begrenzt, in dem die Kohle des Donbass lagert, die sich Russland heute mit der Ukraine teilen muss. Erzvorkommen finden sich vor allem in den altgefalteten Gebirgen (Chibinen auf der KolaHalbinsel, Ural, Altai, Sajane sowie andere sibirische Gebirgszüge), Lagerstätten von Steinkohle in einigen Vorsenken. Unter den aktuellen wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen sind jedoch umfangreiche Kohlevorkommen in Sibirien wie die Lagerstätten des Tunguska-Beckens nicht nutzbar. Die Entfernung von den Zentren der Bevölkerungsverteilung bewirkte, dass die Erschließung erst relativ spät erfolgte, im Ural zu Zeiten Peters des Großen, in den meisten sibirischen Gebirgen und ihren Vorsenken sogar erst im Lauf des 20. Jahrhunderts. Buntmetallerze wurden in entlegenen Lagerstätten nur dann erschlossen, wenn strategische Interessen dahinter standen wie bei den Kupfer, Kobalt und Nickelerzen von Norilsk. Grenzen, die durch die Auflösung der Sowjetunion zu Staatsgrenzen wurden, erschweren die seit den 1950er Jahren aufgebaute großräumige Zusammenarbeit zwischen Ural, Kusnezker Becken und Nord-Kasachstan (Karaganda, Temirtau).
Lagerstätten von Erdöl und Erdgas sind an weitgespannte geologischen Becken wie die Kaspische Senke, das westliche Uralvorland oder Westsibirien gebunden. Russland verfügt über außerordentlich reiche Erdöl und Erdgaslagerstätten, deren Nutzung wegen der Entlegenheit aber mit hohem Infrastrukturaufwand verbunden ist. Da viele ertragreiche westsibirische Erdölvorkommen bereits erschöpft sind, bahnt sich mittelfristig eine Umbewertung dieser Region an, während die Erdgasvorkommen im Hohen Norden noch länger genutzt werden können.

Eine parzielle De-Industrialisierung

Schätzungen über die Menge der wirtschaftlich nutzbaren Vorräte gehen weit auseinander. Die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen bestimmt jedoch heute in hohem Maß Russlands Wirtschaftsaktivitäten, seitdem die Wirtschaftskrise der Transformationsphase auch eine parzielle Deindustrialisierung bewirkte. Unter den exportierten Bodenschätzen sind an erster Stelle Erdöl aus dem mittleren und Erdgas aus dem nördlichen Westsibirien zu nennen. Die Erdölförderung, die 1990 noch 516 Mio. t betragen hatte, fiel bis 1998 auf 303 Mio. t zurück, während die Erdgasförderung (601 bzw. 564 Mrd. m3 ) nur relativ geringe Einbußen hinnehmen musste. Die Erdgasregion dehnt sich derzeit sogar noch aus, weil die anhaltende westeuropäische Nachfrage einen sicheren Markt garantiert. Allerdings sind die Erschließungsarbeiten im hohen Norden mit großen Kosten verbunden. Daher wird weiterhin das sowjetische Modell einer Arbeitsorganisation mit zeitlich befristeten Einsätzen von weiter südlich gelegenen Wohnsiedlungen aus beibehalten. Die Einwohnerzahlen zahlreicher Siedlungen im Hohen Norden stagnieren oder sind rückläufig.
Unter den übrigen Bodenschätzen kommt Gold und Diamanten nach wie vor eine große geoökonomische und auch geostrategische Bedeutung zu. In der Phase verstärkter Regionalisierung verstand es SachaJakutien, sich entscheidende Mitspracherechte bei Erschließung und Vermarktung seiner Diamantvorkommen zu sichern. Bei der Förderung der "klassischen" Bodenschätze für die Schwermetallurgie, Eisenerzen und Steinkohle, musste Russland dagegen hohe Einbußen hinnehmen, die sich aus veränderten Marktbedingungen, aber auch aus der Überalterung der Förder- und Verarbeitungsstätten erklären lassen. Die Kohleförderung ging zwischen 1990 und 1998 von 257 auf 153 Mio. t Steinkohle bzw. von 138 auf 78,8 Mio. t Braunkohle zurück, die Stahlerzeugung halbierte sich von 89,6 auf 43,7 Mio. t.2

Klimatische Gegebenheiten beeinflussen die Agrarproduktion

Das Klima ist in den meisten Landesteilen kontinental mit großen jahreszeitlichen Unterschieden in der Wärmeversorgung. Die räumliche Differenzierung beruht einerseits auf der Ausbildung eines winterlichen Kältehochs , welches sich zeitweise von der ostsibirischen Baikalregion bis nach Westrussland ausdehnt, wo eine relativ gleichmäßige durchschnittliche Temperaturverteilung zustande kommt, andererseits auf regelmäßigen Vorstößen subpolarer Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik weit in das Innere Russlands vordringen und im wärmsten Monat des Sommerhalbjahrs zwischen der Südgrenze der Tundra und der Nordgrenze der Steppe nur 4° Temperaturunterschied bewirken. In der Steppenzone des Trans-Wolga Gebietes können allerdings auch Dürreperioden auftreten, die die Getreideernte ebenso beeinträchtigen wie Spätfröste, die noch nach Aussaat und Keimen der Frühjahrsaussaat möglich sind. Extreme Absenkungen der Wintertemperaturen wie im Winter 2000/2001 können vor allem in großen Teilen Sibiriens und des Fernen Ostens zur existenzbedrohenden Belastung werden.
Die durchschnittlichen jährlichen Niederschlagssummen liegen in den Niederungen bei 600 bis 800 mm, doch behindern winterliche Schneeverwehungen, ein im Norden mehrere Monate andauernder Eisgang auf den Flüssen und die frühjährliche Auftauperiode das Leben. In der Nichtschwarzerdezone des europäischen Teils Russlands reichen diese Niederschlagssummen bereits aus, um den Boden zu durchspülen und mineralische Nährstoffe aus dem Oberboden auszuwaschen; hierbei bildet sich der für den borealen Nadelwald typische Podsol. In Waldsteppe und Steppe, wo die Niederschlagssummen geringer als die potentielle Verdunstung sind, führt der Wechsel von winterlicher Abkühlung und sommerlicher Erwärmung bei ausreichender Bodendurchfeuchtung zur Weiterentwicklung von Schwarzerden (Tschernosjom).
Eine Folge früherer und aktuell andauernder winterlicher Abkühlung ist die Verbreitung von Dauerfrostboden, der 47 % der Landesfläche einnimmt und in weiten Teilen Sibiriens und des Fernen Ostens nicht nur den landwirtschaftlichen Anbau beeinträchtigt, sondern auch alle Bautätigkeit an Gebäuden und Verkehrsanlagen erschwert und verteuert. Auf dem oberflächlich im Sommer auftauenden Boden entsteht eine mobile "Schmierschicht", die Gebäude sich bewegen lässt, wenn sie nicht durch Pfähle, heute meist Betonpfähle, tief im Untergrund verankert und gegen Wärmeleitung zwischen Gebäude und Boden geschützt sind. Die wichtigste Nutzung der weithin von Tundrenvegetation oder borealen Nadelwäldern eingenommenen Gebiete mit Dauerfrostboden stellt außer der Gewinnung von Bodenschätzen und der Rentierzucht der Holzeinschlag dar, der in den Nadelwäldern bereits zu großen Einbußen führte.

Die geringe agrarische Produktivität ist aber nur teilweise den Witterungsbedingungen anzulasten

Damit bringt die klimatologische Differenzierung eine räumliche Einschränkung ausreichender Anbaubedingungen auf das sog. Agrardreieck, d.h. auf einem relativen Gunstraum, der von der europäischen Westgrenze Russlands zwischen St. Petersburg und Rostow keilförmig nach Osten zur mittleren Wolga, zum südlichen Ural und weiter in das südliche Westsibirien reicht. In den Steppen bestehen aber bereits so große Schwankungen der Niederschlagsverteilung und menge von Jahr zu Jahr, dass große Unterschiede bei den Ernteerträgen auftreten. Hiervon betroffen sind insbesondere die Gebiete östlich der Wolga, während in Südrussland und Nordkaukasien die Erntesicherheit höher ist. Während 1997 noch eine ausreichende Getreideernte von 74,5 Mill. t eingebracht werden konnte, blieb sie 1998 mit 41,9 Mill. t weit hinter dem Bedarf zurück. In dieser Krisensituation versuchten einzelne Regionen, den Binnenexport von Getreide und anderen Agrargütern zur Sicherung der Versorgung der eigenen Bevölkerung zu unterbinden. Die zur Versorgung der Bevölkerung erforderlichen Importe belasteten in Jahren mit niedrigen Getreideernten wie 1998 und 1999 die Außenhandelsbilanz. Im Jahr 2000 konnte wieder eine ausreichende Ernte erzielt werden. Allerdings ist zu beachten, dass die geringe agrarische Produktivität nur teilweise den von Jahr zu Jahr schwankenden Witterungsbedingungen anzulasten ist; im Ursachengeflecht sind Mängel in der Agrarstruktur, in der Organisation der landwirtschaftlichen Produktion und im Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag ebenso wichtig.

Die räumliche Erschließung in historischer Zeit hat Folgen bis heute

Russlands Herrschaftsbereich entwickelte sich aus einem relativ kleinen Kerngebiet zum Weltreich. Lässt man die Kiewer Rus unbeachtet und geht man vom Moskauer Reich aus, so war zunächst das Sammeln der russischen Länder, d.h. die Unterwerfung der zahlreichen Großfürstentümer und insbesondere Nowgorods unter die Herrschaft Moskaus, der das späte Mittelalter prägende Vorgang. Die Eroberung der Wolga-Chanate von Kazan und Astrachan unter Iwan IV. bereitete nicht nur der Mongolen und Tatarenherrschaft ein definitives Ende, sondern brachte vor allem einen territorialen Zuwachs, der Russland zur Großmacht werden ließ und gleichzeitig das Interesse an den kontinentalen Binnenräumen Eurasiens förderte. Mit dieser Expansion wurde Russland aber auch zum Vielvölkerstaat.3 Seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert erweiterten die Vorstöße nach Sibirien - innerhalb eines knappen Jahrhunderts wurde der Gesamtraum Nordsibiriens bis Tschukotka dem russischen Herrschaftsbereich einverleibt , dann das Vorschieben von Kosakenlinien in den nordkaukasischen und zentralasiatischen Steppen und Wüstenraum das Reich. Mit der Eroberung des südlichen Zentralasien, des Kaukasus und mit den Gebietsgewinnen in Osteuropa im 20. Jahrhundert entstand ein Vielvölkerstaat, dessen größtes Problem zunehmend die Regierbarkeit wurde. Das kommunistische Regime konnte den Staat noch zusammenhalten, solange eine positive Wirtschaftsentwicklung bestand; als das ethnischnationale Selbstbewusstsein der betroffenen Randvölker zunahm, zerbrach das Großreich ohne in die Fläche gehende, heftige innere Unruhen.
Der Gewinn an Nutzungsräumen war in den einzelnen Phasen dieser Expansion unterschiedlich: Während es anfangs vor allem um den Rückgewinn des von Tataro-Mongolen beherrschten Raumes der Waldsteppe ging, erfolgte mit der Eroberung der Wolga-Chanate ein Schritt in die Steppe. Die Eroberung und Erschließung Sibiriens, die im 18. Jahrhundert über die Beringstraße nach Alaska fortgesetzt wurde, galt insbesondere den Pelztieren als wichtigem Handelsgut im Außenhandel, dann auch Möglichkeiten der bäuerlichen Kolonisation und der Nutzung von Bodenschätzen. Beide Ziele förderten den Vorstoß nach Zentralasien und in den Nordkaukasus. Der Abschluss der Gebietsgewinne in Kaukasien und Zentralasien wurde bereits unter dem Vorzeichen einer Sicherheitspolitik betrieben, die Europa gegenüber dem Vordringen asiatischer Mächte bewahren wollte, zugleich aber eine Konsolidation russischer Macht als Gegengewicht zur britischen Herrschaft in Südasien bezweckte.
Der mit der Herausbildung des Russischen Reiches und der Sowjetunion einher gehende Bevölkerungsgewinn mag zunächst zahlenmäßig nicht so sehr ins Gewicht fallen; entscheidend wurde, dass der Charakter eines Vielvölkerstaates immer mehr zunahm. Ende der 1970er Jahre sah die französische Sozial und Politikwissenschaftlerin Helène Carrère d'Encausse in der Verschiebung des Bevölkerungsgewichts zu Ungunsten des Anteils der Russen bereits ein Gefährdungspotential für den Staatserhalt.4
Die Auflösung der Sowjetunion reduzierte die Gesamtfläche des von Russen unmittelbar beherrschten Gebietes auf die Hälfte, wenn auch Russland nach wie vor gewisse hegemoniale Ansprüche auf das "nahe Ausland" erhebt und innerhalb der GUS Einflussnahme in Sicherheitsfragen wünscht. Die Abspaltung der vierzehn nichtrussischen Nachfolgestaaten veränderte die Verteilung von natürlichen Potenzialen grundlegend: Der klimatische Gunstraum für eine sichere und ertragreiche Landwirtschaft wurde deutlich eingeschränkt, doch blieben Russland wichtige Vorkommen von Bodenschätzen erhalten. Die aus der Aufteilung der Ressourcen erwachsenden Chancen eines fairen Handels zwischen den Nachfolgestaaten werden nur zögernd wahrgenommen.

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Territorialer Staatsaufbau - Rückkehr zum Verwaltungszentralismus?

Die Russländische Föderation übernahm die aus sowjetischer Zeit ererbte Verwaltungsgliederung nahezu unverändert, sieht man vor der Statusanhebung der meisten Autonomen Gebiete zu Republiken und der Aufteilung der vormaligen Tschetscheno-Inguschetischen ASSR in zwei Republiken ab. 49 Verwaltungsgebiete und sechs Verwaltungsregionen (russ.: oblast, kraj), 21 Republiken, das Autonome Gebiet der Juden im Fernen Osten sowie zehn Autonome Bezirke in dünn besiedelten Gebieten mit ethnischen Minderheiten als Titularvölkern, aber in der Regel russischer Dominanz sowie die beiden Metropolitangebiete Moskau und St. Petersburg machen den territorialen Staatsaufbau auf mittlerer Ebene aus. Nach der Verfassung sind diese 89 Territorialeinheiten ("Subjekte der Verfassung") gleichberechtigt, tatsächlich bildete sich aber eine deutliche Asymmetrie aus. Einige Republiken konnten sich Mitte der 1990er Jahre Sonderrechte durch Kompetenzabgrenzungsverträge sichern, die heute jedoch zunehmend in Frage gestellt werden. Zudem sind die Autonomen Bezirke mit Ausnahme von Tschukotka in den Verwaltungsaufbau der jeweils übergeordneten Verwaltungsgebiete oder -regionen eingebunden, obwohl sie nach der Verfassung als gleichberechtigt mit den anderen Subjekten gelten; hieraus ergeben sich neue Kompetenzüberschneidungen.

Deutliche Unterschiede in Bezug auf die Reformbereitschaft

Deutliche Unterschiede bestehen zwischen den Regionen hinsichtlich ihrer Reformbereitschaft. Die Gebiete Nowgorod, Archangelsk und Samara gelten derzeit als demokratisch und reformorientiert, eine Reihe von Verwaltungsgebieten südlich von Moskau eher als kommunistisch und rückwärts gewandt (sog. "Roter Gürtel", u.a. mit Brjansk, Kursk, Tula, Rjasan, Uljanowsk). Wieder andere Regionen werden ausgesprochen autoritär geführt und stoßen deshalb auf Widerstände bei der Moskauer Zentralregierung (Republik Kalmückien Chalmg Tangtsch, Region Primorje mit Wladiwostok).
Seit Frühjahr 2000 ist mit der Gliederung Russlands in sieben Föderale Distrikte, die im Jargon als ,Generalgouvernements' bezeichnet werden, eine weitere Verwaltungsebene hinzugekommen, die die zentralisierte Kontrolle über die regionale Peripherie garantieren und ein präsidiales Gegengewicht gegen den Machtgewinn der Gouverneure in der Dezentralisierungsphase 1990er Jahre wiederherstellen soll. Eine Zentralisierung von Verwaltungsabläufen und eine Stärkung regionaler Metropolen (außer Moskau: St. Petersburg, Nishni Nowgorod, Rostowna Donu, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Chabarowsk) sind bereits spürbar. Eine Erneuerung der meist auf fünf Jahre befristeten Kompetenzabgrenzungsabkommen wird von der russischen Führung seit 1998 abgelehnt, außenwirtschaftliche Kompetenzen wurden bereits Anfang 1999 rezentralisiert. Zumindest im ersten Jahr von Putins Präsidentschaft findet die Suche nach einem stärkeren politischen Zentrum breite Unterstützung. Dies kann unter den Rahmenbedingungen der Transformation aber auch bedeuten, dass die großen Metropolen einen erheblichen wirtschaftlichen Zugewinn erleben, dass in ihnen die Globalisierungseffekte rasch zunehmen und dass damit die Diskrepanz zwischen diesen großen Zentren, den übrigen Städten und vor allem dem ländlichen Raum ebenfalls wächst. Ein regionales Gegengewicht zum Zentralismus ginge verloren oder müsste letztlich in einem Machtkampf zwischen dem Präsidenten einerseits und den Gouverneuren und Präsidenten der "Subjekte" andererseits wiedergewonnen werden. Die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Bevölkerung spricht jedoch dagegen.

Durch die massive Verstädterungspolitik leben heute fast drei Viertel der Menschen in Städten

Russland ist durchschnittlich dünn besiedelt. Aus der Umrechnung der Bevölkerungszahl (1999: 146,7 Mill.) ergibt sich eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von nur 8, Personen je km 2 . Bezogen auf die mittleren Verwaltungseinheiten bestehen bei der Dichte - von den beiden Metropolitanregionen Moskau und St. Petersburg abgesehen - Unterschiede zwischen 74,4 Einw./km (Tschuwaschien an der mittleren Wolga) und 0,03 Einw./ km 2 (Autonomer Bezirk der Ewenken in Ostsibirien). Da in den meisten Fällen ein beträchtlicher Bevölkerungsanteil im jeweiligen Gebietshauptort lebt, liegt die Bevölkerungsdichte im ländlichen Raum selbst in den relativ dicht besiedelten zentralrussischen Verwaltungsgebieten selten höher als 40 bis 50 Bewohner / km2.
Nur parziell spiegelt die Bevölkerungsverteilung die Gunsträume des Agrarraumes wider. In der Sowjetzeit wurde eine massive Verstädterungspolitik betrieben, die dazu führte, dass heute 73% der Bevölkerung in städtischen Siedlungen leben. Ein Netz von 167 Städten mit 100 000 und mehr Einwohnern, die rund 45% der gesamten russländischen Bevölkerung aufnehmen, überzieht das Land. Da zahlreiche dieser Städte höhere Verwaltungsfunktionen ausüben und damit nicht zu ungleich verteilt sein dürfen, ergeben sich relativ weite Entfernungen zwischen den städtischen Zentren. Obwohl die Vorteile moderner Kommunikationstechnologie genutzt werden, bleiben Probleme, weil die ausgeprägte Zentralisierung der Verkehrsverbindungen auf Moskau und einige wenige andere Großzentren bisweilen weite Umwege erforderlich macht. Auch sind die Kosten für den Infrastrukturausbau je Einwohner wesentlich höher als in dichter besiedelten Staaten.
Die aktuellen Angaben zur Bevölkerung beruhen auf den Zählungsergebnissen von 1989, einem Mikrozensus im Jahr 1994 und der Fortschreibung. Eine neue Bevölkerungszählung, die eigentlich für 1999 geplant war, wurde mehrfach ver schoben, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, und soll nunmehr im Jahr 2002 stattfinden. Erst sie wird aber bessere Aufschlüsse über die tatsächlich in der Transformationsphase erfolgten Bevölkerungsverschiebungen geben.

Eine "demografische Krise"?

Die natürliche Bevölkerungsbewegung war seit Ende der 1980er Jahre und der mehrere Jahre andauernden Wirtschaftskrise durch niedrige Geburtenraten, steigende Sterberaten und eine sinkende Lebenserwartung gekennzeichnet. Während 1990 13,4 Geburten je 1000 Einwohnern noch 11,2 Sterbefälle gegenüberstanden, waren es 1994 auf dem Höhepunkt der Krise 9,6 Geburten, jedoch 15,7 Sterbefälle je 1000 Einwohnern. Erst kurz vor der Jahrhundertwende kehrte sich dieser Trend wieder etwas um (1998: 8,8 Geburten bei 13,6 Sterbefälle je 1000 Einw.). Die eher überalterte ländliche Bevölkerung ist von diesen relativen Bevölkerungsverlusten besonders betroffen.5 Im regionalen Vergleich weisen Dagestan und Inguschetien in Nordkaukasien auch Ende der 1990er Jahre positive Salden bei der natürlichen Bevölkerungsentwicklung auf, während in den zentralrussischen Verwaltungsgebieten von Tula und Twer elf Sterbefälle mehr als Geburten auf 1000 Einwohner entfallen.6 Trotz leichten Rückgangs dieser negativer Salden kann die demographische Krise noch lange nicht als überwunden gelten. Im Altersaufbau sind die hohen Verluste der Stalinzeit und des Zweiten Weltkriegs nach wie vor sichtbar; sie führten auch in der Folgegeneration der heute etwa 30 Jährigen zu unterdurchschnittlichen Anteilen. In der Gegenwart überlagern sich die Folgen dieser Ausfälle mit den Folgen der Geburtenregelung und den Geburtenausfällen, die durch die sozioökonomische Lage bedingt sind. Damit ist abzusehen, dass sich der Bevölkerungsrückgang zunächst fortsetzen wird. Er betrifft die russische Bevölkerung meist mehr als die nichtrussische, bei der in der Regel höhere natürliche Zuwachsraten festzustellen sind. Es ist abzusehen, dass die niedrigen Geburtenraten der Gegenwart zu einem Mangel an Arbeitskräften führen wird. Daher ist bereits eine Diskussion entstanden, Russland nach außen als potenzielles Einwanderungsland darzustellen.

Ethnische Vielfalt als Ursache territorialer Konflikte?

Als einziger Nachfolgestaat der Sowjetunion begreift sich die Russländische Föderation auch heute als Vielvölkerstaat. Im Gegensatz zu den Verhältnissen in der Sowjetunion droht in Russland jedoch keine nichtrussische Überfremdung: Einem russischen Bevölkerungsanteil von 83,0% standen nach den Mikrozensusergebnissen von 1994 3,8% Tataren, 2,3% Ukrainer, 1,2% Tschuwaschen und 0,9% Baschkiren als nächstgrößere Gruppen gegenüber. Die anderen ethnischen Gruppen in der Russländischen Föderation haben jeweils weniger als 0,7% Anteil an  90.der Gesamtbevölkerung. Die weit verbreiteten kartographischen Darstellungen, die die Verwaltungsgebiete mit nichtrussischer Titularnation als nichtrussische Gebiete nachzuweisen versuchen, stellen daher nur die halbe Wahrheit dar. Tatsächlich ist das russische Bevölkerungselement in allen städtischen und industriell geprägten Räumen landesweit dominant, und die Titularnation bildet auch in ihren "eigenen" Territorien meist nur eine Minderheit. Besonders deutlich wird dies im Autonomen Bezirk der Jamal-Nenzen und dem der Chanten und Mansen (beide dem Verwaltungsgebiet Tjumen in Westsibirien zugeordnet), wo die jeweiligen Titularvölker gerade einmal 4,2 bzw. zusammen 1,4 % der Bevölkerung ausmachen, Russen jedoch 59,2 bzw. 66,3 %). Im nach außen hin sehr selbstbewusst auftretenden Tatarstan hatten 1989 die Tataren einen Bevölkerungsanteil von 48,5, die Russen einen von 43,3 %.
Einzelne Territorien beanspruchen unter Hinweis auf ihre ethnische Sonderstellung auch politische Sonderrechte. Sieht man von der besonders komplizierten Situation in Nordkaukasien ab, haben Tatarstan, Baschkortostan und Sacha-Jakutien die weitestreichenden Vorstöße zugunsten größerer Eigenständigkeit unternommen. Tatarstan drohte Anfang der 1990er Jahre mit dem Ausscheiden aus der Russländischen Föderation und konnte nur durch die Gewährung umfangreicher Sonderrechte zum Verbleib bewogen werden, SachaJakutien kann auf den ökonomischen und auch politischen Wert seiner Bodenschätze verweisen. Durch den neuen Zentralismus unter Putin verlieren diese Republiken wenigstens einen Teil ihrer Eigenständigkeit.

Tschetschenien erklärte 1991 einseitig die Unabhängigkeit von Russland und hält diesen Anspruch auch nach zwei verlustreichen Kriegen (19941996; 19992000, aber eigentlich auch Anfang 2001 nicht abgeschlossen) aufrecht. Es setzt damit die Freiheitsbewegung der kaukasischen Bergvölker fort, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Festnahme Schamyls ihre treibende Kraft verloren hatte, aber nie erlosch. Das russische Interesse in diesem Konflikt besteht vor allem in der Integrität des gesamten Staatsterritoriums und in der Sicherung eines wichtigen Transportkorridors durch Nordkaukasien, während die tschetschenische Gegenseite mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker argumentiert und Russland massive Menschenrechtsverletzungen vorwirft. Zugleich muss an Vorstellungen erinnert werden, die seit dem 19. Jahrhundert ein belastetes Tschetschenienbild entstehen ließen. Ein Ende des Konflikts, in dem Russland eine moskautreue Verwaltung im vorläufigen Hauptort Gudermes eingesetzt hat, ist Anfang 2001 nicht absehbar.

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Die Zuwanderung ist zumeist eine Rückwanderung

Dass Russland in der Transformationsphase keinen noch stärkeren Bevölkerungsverlust hinnehmen musste, ist vor allem auf Zuwanderungen aus den nichtrussischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion zurückzuführen. Dadurch konnten auch die Abwanderungsverluste ausgeglichen werden, die durch die Übersiedlung von Russlanddeutschen nach Deutschland und von Juden nach Mitteleuropa oder Israel entstanden. An der ethnischen Zusammensetzung dürfte sich - von den beiden zuletzt genannten Gruppen abgesehen - durch die russische Zuwanderung wenig verändert haben, da zahlreiche nichtrussische Ethnien eher etwas höhere natürliche Zuwachsraten aufweisen.
In den Jahren 1992 bis einschließlich 1998 wurden in der Russländischen Föderation insgesamt 26 Mio. Zu und 22,7 Mio. Fortzüge registriert (Binnen und Außenmigration). Während bei den Wanderungen zwischen Russland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion sich für diesen siebenjährigen Zeitraum ein positiver Wanderungssaldo (Nettozuwanderung: 3,6 Mio. Personen; 5,5 Mio. Zuzüge, 1,9 Mio. Fortzüge) zugunsten Russlands ergab, errechnet sich für das "Ferne Ausland" ein negativer Saldo von rd. 0,7 Mio. Personen.7 Die Zuwanderung nach Russland beruht insbesondere auf der Rückwanderung von Russen, die Abwanderung in Richtung von Nicht-GUS-Staaten vorwiegend auf Fortzügen von Russlanddeutschen und Juden.
Zur internationalen Migration kommen interne Wanderungen. Anfang der 1990er Jahre mussten die großen Metropolen Bevölkerungsverluste hinnehmen, weil bisher nicht gekannte Wanderungen im Rahmen plötzlich beginnender Suburbanisierung aber auch durch Abwanderung in besser mit Nahrungsgütern ausgestattete ländliche Räume erfolgten. Dieser Prozess ist heute bereits teilweise rückgängig gemacht worden. Gleichzeitig setzte aber eine bis heute anhaltende Abwanderung aus den in sowjetischer Zeit mit hohem Kostenaufwand erschlossenen Gebieten des Hohen Nordens ein. Extrem ist zweifellos das Beispiel von Tschukotka, wo wegen akuter Versorgungsmängel bereits einzelne Siedlungen evakuiert werden mussten: Dort halbierte sich die Bevölkerungszahl zwischen 1990 und 1999 von 155 700 auf 76 700. Wichtige Gründe für diese Abwanderung waren die dramatische Verschlechterung der Versorgungslage in den entlegenen Nordgebieten bei gleichzeitigem Anstieg der Verbraucherpreise und Verlust der bisherigen finanziellen Vergünstigungen, ferner Demilitarisierungseffekte sowie zunehmende Ansprüche der indigenen Bevölkerung auf die natürlichen Ressourcen, eine Umorganisation von wirtschaftlichen Verflechtungen, die den Nordgebieten nur einen nachgeordneten Rang einräumten (außer im Autonomen Bezirk der Jamal-Nenzen mit der Nutzung der Erdgasressourcen). Der extrem kalte Winter 2000/2001 hat in Sibirien mit aller Deutlichkeit auf fortbestehende Versorgungsdefizite verwiesen und könnte weitere Umsiedlungen und eine Rückverlegung der Erschließungsgrenze zur Folge haben.

Soziale Verwerfungen im Gefolge der Transformation

Während das Gesamtvolumen der Wanderungen in der ersten Hälfte der 1990er Jahre gegenüber der sowjetischen Zeit rasch zunahm, ist seit etwa 1996 ein Abflauen der Migrationswelle festzustellen. Dies hängt nicht nur mit geringerer Aufnahmebereitschaft in den Aufnahmeländern zusammen, sondern auch mit einer gewissen Resignation der verbliebenen Bevölkerung, aber auch mit der beginnenden makroökonomischen Stabilisierung Russlands. Die Abwanderung aus dem Hohen Norden und die Zuwanderung aus den kaukasischen und zentralasiatischen Nachfolgestaaten wirft aber weiterhin große Probleme bei der Ansiedlung der Migranten und bei der Arbeitsplatzbeschaffung auf. Damit sind zugleich die sozialen Verwerfungen angesprochen, die mit der Transformation einhergingen: Während einer relativ dünnen Bevölkerungsschicht eine aktive Teilhabe am wirtschaftlichen Aufschwung gelang, wurde der bei weitem größere Teil der Bevölkerung von Verarmung betroffen. Dies gilt insbesondere für den sowjetischen Mittelstand, der in dem gut ausgebauten sowjetischen Bildungs- und Hochschulwesen tätig gewesen war. Auch das Militär erfuhr beträchtliche Einbußen, da die aus den nichtrussischen Nachfolgestaaten zurückkehrenden Soldaten und Offiziere in der Regel keine adäquaten Betätigungsfelder fanden. Die ersten offiziellen Zahlen für das Jahr 2000 lassen auch in diesem Bereich eine gewisse Stabilisierung erkennen: Die Industrieproduktion zeigte in fast allen Regionen des Landes im ersten Halbjahr leichtes Wachstum gegenüber dem ersten Halbjahr 1999, während die offiziell registrierte Arbeitslosigkeit rückläufig ist.8 Dennoch ist Russland noch weit davon entfernt, die Transformationskrise überwunden zu haben. Erst eine Konsolidierung der Wirtschaft wird auch eine bessere Ressourcennutzung und günstigere Lebensbedingungen für die Bevölkerung ermöglichen.

Landwirtschaft - nach wie vor Sorgenkind Nr. 1

Zu den größten Transformationsdefiziten gehört in Russland das Fehlen einer umfassenden Privatisierung von Grund und Boden. Dadurch wurde die Verselbständigung von agrarischen Einzelbetrieben erschwert, aber auch die nach ihrer Rechtsform privatisierten Großbetriebe erlebten nur einen geringen Wandel. Nach wie vor sind Defizite in der vertikalen Integration des Agrarsektors, unzulängliche Belieferung der Betriebe mit Saatgut, Agrochemikalien und Maschinen, ferner der unzureichende Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im ländlichen Raum, Mängel bei Lagerung und Transport, das Fehlen unabhängiger Absatzorganisationen, die den Agrarproduzenten den Marktzugang ermöglichen, und die zu starke Spezialisierung zahlreicher Arbeitskräfte wichtige strukturelle Mängel. Die regionale Anordnung der Anbauzonen hat sich gegenüber der Sowjetzeit kaum verändert, doch verhinderte der chronische Kapitalmangel eine ausreichende technische Anpassung. Dies ist eine Ursache für den Rückgang sowohl bei der landwirtschaftlichen Nutzfläche (Ackerland: zwischen 1990 und 1998 um 22%) als auch bei den Viehbeständen (Rinder: Halbierung der Bestände zwischen Anfang 1991 und 1999).
Im Jahr 1998 wurde zudem deutlich, dass die Nahrungsmittelversorgung Russlands weiterhin außerordentlich angespannt ist, weil horizontale Austauschmechanismen nicht greifen. Regionalistische Versorgungspolitik einzelner Gouveneure drohte die Ernährungswirtschaft im Gesamtstaat zu gefährden. Von der politischen Rezentralisierung erhofft man sich auch eine Verbesserung dieser regionalen Austauschbeziehungen und die Sicherung der Versorgung in entlegenen Gebieten. Dass die Lebensmittelversorgung sich in der Transformationsphase verschlechtert hat, geht aus einigen dürren Zahlen hervor: Die Pro-Kopf-Versorgung mit Fleisch- und Wurstwaren sank zwischen 1990 und 1997 von 75 auf 51 kg, die mit Milch und Milchprodukten von 386 auf 235 kg. Bei Kartoffeln und Backwaren wurde dagegen ein leichter Anstieg von 106 auf 126 bzw. 119 auf 128 kg je Person und Jahr registriert. Dies deutet vor allem auf eine qualitative Verschlechterung der Ernährungssituation hin. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass zunehmend ausländische Unternehmen der Nahrungsgüterbranche auf den russischen Markt drängen. Die Ausbreitung von Einrichtungen der großen Fastfood-Ketten, der Vormarsch von Erfrischungsgetränken, die Nachfrage nach Genussmitteln und Konserven ließen neue Märkte entstehen. Unverändert ist angesichts der Unfähigkeit der Großbetriebe die Bedeutung der privaten Hoflandwirtschaft für die Versorgung: 1998 entfielen nur 40,6% des landwirtschaftlichen Produktionswertes auf landwirtschaftliche Großbetriebe, 2,1% auf die einzelbäuerlichen Betriebe ("fermer" Betriebe). 57,3% steuerten hingegen die Hoflandwirtschaften zur gesamten Agrarproduktion bei, im Bereich des Pflanzenbau, zu dem der Kartoffel und Gemüseanbau zählt, sogar 61,2%.9 Ein nennenswertes neues privates Bauerntum entwickelte sich nur im Umkreis einiger Großstädte und in den südrussischen Steppen; zahlreiche Individualbauern, die ihren Betrieb aus den Großbetrieben herausgelöst hatten, wurde wegen fehlenden Marktzugangs zur Rückkehr in die alten Strukturen gezwungen. Im Umkreis der größeren Städte hat die Gartennutzung zugenommen, durch die ein Teil der Verluste im großbetrieblichen Sektor aufgefangen werden kann.

In der Industrie fortbestehende Standorte bei niedriger Produktivität

Auch das produzierende Gewerbe hat es in der Transformationsphase nicht geschafft, einen entscheidenden Innovationssprung vorzunehmen. Vielmehr erlebte die Produktion in den 1990er Jahren dramatische Einbußen. 1998 betrug der gesamte Produktionswert, gemittelt über alle Branchen und Regionen, nur noch die Hälfte des Wertes von 1991.
Von den Rückgängen in der Transformationsphase sind die einzelnen Branchen und Standorte in unterschiedlichem Maße betroffen: Während die Stromerzeugung zwischen 1991 und 1998 nur einen Rückgang um 23 % erlebte, musste die Stofferzeugung Einbußen um 82 % hinnehmen. Dies hatte vor allem für die traditionellen Standorte im Verwaltungsgebiet Iwanowo östlich von Moskau verheerende Folgen, wo die Arbeitslosigkeit dramatisch zunahm. In der Chemischen Industrie sank die Erzeugung von Pflanzenschutzmitteln bis 1998 auf knapp 7 % der 1991 produzierten Mengen, bei Mineraldüngemitteln betrug der Rückgang 37 %. Auch die auf Kohle und Stahl orientierten Altindustriegebiete leiden unter der ökonomischen Krise der Transformation, weil mit den Preisanstiegen die Möglichkeiten für Erneuerungsinvestitionen sehr gering wurden und der Überalterungs- und Verfallsprozess bei den Produktionsanlagen sich beschleunigte. Damit nahm auch die Zahl von Ausfällen und von Arbeitsunfällen dramatisch zu. Selbst die exportorientierte Erdöl und Erdgaswirtschaft kann der technologischen Entwicklung nur mit Mühe folgen. Die Rüstungsindustrie leidet unter dem Rückgang staatlicher Aufträge; Konversionsprogramme blieben weit hinter den anfänglichen Zielvorstellungen zurück. Das westliche Uralvorland und die Stadt Jekaterinburg sind davon besonders betroffen. Die rückläufige Produktivität der Landwirtschaft und der Verfall der Tierhaltung beeinträchtigen die Nahrungsgüterindustrie, deren Produktion zwischen 1990 und 1999 um die Hälfte zurückging. Neue Unternehmensstrukturen entstanden als Ergebnis der Privatisierung. Die Aufgliederung einzelner Riesenbetriebe wie Uralmasch (Jekaterinburg) ließ kleine, stärker spezialisierte und teilweise auch effizienter arbeitende Folgeunternehmen entstehen. Andererseits erlebt der Energiesektor eine beträchtliche Konzentration. In der Erdölwirtschaft kontrollieren heute sieben Großunternehmen insgesamt 69 % der Erdölproduktion. Die drei größten russischen Unternehmen sind heute im Energiesektor tätig, Gasprom mit (1998) 14,28 Mrd. US$ Umsatz, EES Rossii (Elektrizitätsversorgung) mit 13,6 Mrd. $ und Lukoil mit 6,8 Mrd. $ Umsatz. Von den 20 bedeutendsten Unternehmen gehört die Hälfte der Erdölwirtschaft an.
Diese wenigen Hinweise machen deutlich, dass der traditionelle sowjetische Stadttyp der Industriestadt in hohem Maß bedroht ist; während Großunternehmen in sowjetischer Zeit zugleich Städte oder Stadtteile kontrollierten, dort aber auch die soziale Infrastruktur bereitstellten, ziehen sich die neuen Unternehmen aus dieser Verantwortung mehr und mehr zurück und überlassen die soziale Fürsorge den Kommunen, die hierfür finanziell nicht ausreichend ausgestattet sind.

Ein anhaltend geringes Engagement ausländischer Investoren

Zu den Hemmnissen einer industriellen Wiederbelebung gehört das anhaltend geringe Engagement ausländischer Investoren. Dabei ist zu bedenken, dass Russland zwar durchaus für ein solches Engagement geworben hat, dass in verschiedenen Landesteilen Wirtschaftssonderzonen ausgewiesen wurden, doch besteht nach wie vor eine erhebliche Rechtsunsicherheit durch häufig geänderte Bestimmungen. 1998 bestanden insgesamt 8835 Joint Ventures, davon 2316 im Bereich des Produzierenden Gewerbes, 3311 im Einzelhandel. Der Gesamtumsatz von 215,7 Mrd. Rbl. (ca. 2,1 Mrd. US$) relativiert sich angesichts der Größe des Landes. Unter den Staaten, aus denen die ausländischen Partnerunternehmen stammen, stehen die USA und Deutschland (1350 bzw. 1123) vor Zypern (733; häufig Re-Investitionen russischen Auslandskapitals), China (713) und Großbritannien (662). Die nichtrussischen GUS-Staaten sind mit 1273 Gemeinschaftsunternehmen beteiligt. Angaben zum Kapitalvolumen fehlen, doch ist von einer eher schwachen Kapitalverflechtung innerhalb der GUS auszugehen.

Ausbau und Modernisierung der Infrastruktur bleiben zurück

Die heutige Infrastruktur des Landes beruht im wesentlichen auf Investitionen, die noch in sowjetischer Zeit getätigt wurden. Die Transformationsphase erlaubte kaum neue Einrichtungen, so dass weder im Verkehrswesen noch im Bereich der sozialen Infrastruktur mit Neuerungen zu rechnen ist. Nur in den Metropolen mit ihrem höheren Steueraufkommen wurden Modernisierungsvorhaben realisiert, so etwa der vielspurige Ausbau des Autobahnrings um Moskau. Ein anderes Großprojekt, der Bau einer Hochgeschwindigkeitstrasse für die Eisenbahn zwischen St. Petersburg und Moskau musste dagegen aus Kostengründen zunächst zurückgestellt werden. Auch die Modernisierung des Eisenbahnwesens kommt nicht so rasch voran, wie es zu Beginn der 1990er Jahre zunächst geplant war. Immerhin führt die Monopolstellung der russischen Eisenbahn dazu, dass inzwischen eine weitgehende Rentabilität erreicht wurde. Im Flugverkehr wird von staatlicher Seite versucht, die Vielzahl an unkontrollierbaren kleinen, regionalen Fluggesellschaften zu reduzieren, die nach 1990 entstanden waren und meist mit veraltetem Fluggerät operieren. Inzwischen hat Aeroflot die frühere Dominanz im internationalen Passagiertransport zurückgewonnen, obwohl auch hier Konkurrenz erwuchs.
Große Hoffungen setzt Russland auf Gewinne aus dem Pipelinetransport. Dies gilt für den Export eigener Rohstoffe ebenso wie für den Transfer von Erdöl und Erdgas aus benachbarten Staaten. Der Bau einer Erdgaspipeline von der Jamal-Halbinsel nach Zentraleuropa ist ein von einem internationalen Konsortium betriebenes Projekt, das Gewinne verspricht. Dagegen ist die russische Option für den Transfer von aserbajdshanischem Erdöl nach Noworossijsk bislang weniger erfolgreich, weil die Pipelinetrasse durch Tschetschenien führt und dort regelmäßig Anschläge ausgesetzt ist.

Zu den Gewinnern der Transformation gehören bislang vor allem die Metropolen .

Zu den Gewinnern der Transformation gehören bisher vor allem die Metropolen, allen voran Moskau. Die meisten Repräsentanzen ausländischer Unternehmen konzentrieren sich dort, die Umgestaltung des Einzelhandels ist am weitesten vorangeschritten, und auch die Privatisierung von Immobilien löst Prozesse aus, die die Stadtstruktur verändern. So hat bereits in einzelnen innerstädtischen Teil gebieten eine Luxussanierung eingesetzt, die ebenso zur Verdrängung wirtschaftlich schwächerer Bevölkerungsgruppen führt wie die Nachfrage nach Büroraum, der derzeit vor allem mit dem Neubau großer Dienstleistungszentren nachgekommen wird. Eine anfängliche Überhitzung des Kauf und Mietmarktes für Büroraum ist inzwischen aufgrund dieses zusätzlichen Angebotes wieder abgeklungen. Eine außerordentliche Konzentration auf Moskau zeigen auch das Bankenwesen und damit der internationale Kapitalverkehr. Die noch ausstehende Privatisierung von Grund und Boden wird als größtes Hemmnis für eine noch stärkere Dynamik gesehen. St. Petersburg, Samara, Nishnij Nowgorod, Jekaterinburg und Nowosibirsk zeigen geringere Transformationsfolgen, obwohl sie sich um die Ansiedlung ausländischer Unternehmen oder um die Öffnung der Märkte bemühen.

. während der ländliche Raum von Stagnation geprägt ist

Der ländliche Raum wird weithin von Stagnation geprägt, da Modernisierung im Siedlungswesen kaum finanzierbar ist und insbesondere im vertikalen Verbund des Agrarsektors die bereits genannten Mängel fortbestehen. Es gibt aber genügend Landbewohner, die in der Krisensituation innovativ arbeiten und im agrarischen oder Dienstleistungssektor um Veränderungen bemüht sind. Wegen der anhaltenden Landflucht wird bereits befürchtet, dass die Landwirtschaft zusätzlich zu den Defiziten, die aus mangelnder Effizienz entstehen, weitere Einbußen erleben wird.

Nach wie vor Großmacht - und Hegemonieanspruch

Russland sieht sich nach wie vor als Großmacht. Aus geographischer Sicht scheint dies gerechtfertigt hinsichtlich der Staatsfläche und der in ihnen verfügbaren Ressourcen, des nach wie vor bestehenden militärischen Potentials, der Bedeutung einer Einflusssphäre im Bereich der nichtrussischen GUS-Staaten und der Mitwirkung in internationalen Organisationen. Andererseits bestehen eine hohe Auslandsverschuldung, deren Abbau in überschaubarer Zeit höchst ungewiss ist, und massive strukturelle Mängel im Produzierenden Gewerbe.
Für eine Reihe von Nachfolgestaaten erhebt Russland bis in die Gegenwart hegemoniale Ansprüche. Die mit Belarus geplante Union könnte über eine bereits vereinbarte Zollunion mit Kasachstan, Kyrgysstan und Tadshikistan nach Zentralasien ausgeweitet werden, doch kommen die Bestrebungen, eine Wirtschaftsunion aufzubauen, nicht voran. Armenien orientiert sich stark an Moskau und ist zur Stationierung von aus Georgien abziehenden russischen Truppen bereit. Im kaspischen Raum bemüht sich Russland über eine Interessenabsicherung, die die Belange Kasachstans und Aserajdshans nicht verletzen soll und auch Iran in die geopolitischen Überlegungen einbezieht. Eine Politik des Ausgleichs wird auch gegenüber der VR China verfolgt. Damit kann sich der ökonomische Handlungsspielraum erweitern, der für die Wiedergewinnung wirtschaftlicher und politischer Größe unabdingbar ist.

Literaturhinweise

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Lydolph, Paul: Geography of the U.S.S.R.: Topical Analysis. Elkhart Lake, Wisc.: Misty Valley Publ. 1979. Radvanyi, Jean: La nouvelle Russie. Paris: Arman Colin 2000.

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Stadelbauer, Jörg: Die Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996.

1 Über die geographischen Grundlagen informiert eine Reihe jüngerer Darstellungen, die bereits die Veränderungen nach der Auflösung der Sowjetunion berücksichtigen. Als umfassendere Darstellungen seien genannt James H. Bater: Russia and the PostSoviet Scene: A Geographical Perspective. London etc.: Arnold 1996; Jean Radvanyi: La nouvelle Russie. Paris: Armand Colin 2000; Denis J.B. Shaw: Russia in the Modern World: A New Geography. Oxford: Blackwell 1999; Jörg Stadelbauer: Die Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996. Die naturräumlichen Zusammenhänge sind dort meist etwas knapper abgehandelt; ergänzend heranzuziehen sind Paul Lydolph: Geography of the U.S.S.R.: Topical Analysis. Elkhart Lake, Wisc.: Misty Valley Publ. 1979 sowie Adolf Karger: Sowjetunion. Frankfurt am Main: Fischer TaschenbuchVerlag 1987 mit einer den Naturraum und die historische Entwicklung besonders betonenden Darstellung. Eine aktuelle Materialsammlung wurde von Isolde Brade und Monika Schulze: Rußland - aktuell. Leipzig: Institut für Länderkunde, 1997 vorgelegt.

2 Alle Zahlenangaben nach Rossijskij statistic¡eskij ez¡ egodnik 1999, Moskva: Goskomstat 1999, S. 317ff.

3 Hierzu grundlegend Andreas Kappeler: Russland als Vielvölkerreich: Entstehung, Geschichte, Zerfall. München: C.H. Beck 1992.

4 Helène Carrère d'Encausse: Risse im roten Imperium. Das Nationalitätenproblem in der Sowjetunion. Wien usw.: F. Molden 1979.

5 Demografic¡eskij ez¡ egodnik Rossii. Moskva: Goskomstat Rossii, 1999, S. 50ff

6 Demografic¡eskij ez¡ egodnik, 1999, S. 56ff,

7 Demografic¡eskij ez¡ egodnik, 1999, S. 323ff.

8 Social'noeÿ konomic¡ eskoe poloz¡ enie Rossii. Janvar' - ijun' 2000 goda. Moskva: Goskomstat Rossii 2000.

9 Rossijskij statistic¡eskij ez¡ egodnik 1999, Moskva 1999, S. 350..

 

 

 


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