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Zeitschrift Die arabische Welt
Heft 2 2006 Hrsg: LpB
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Internationale Gründungsanstrengungen Das Institut du Monde Arabe (IMA) entstand 1980 als kulturelle Einrichtung dank eines internationalen Abkommens zwischen Frankreich und den arabischen Ländern1 und ist seit Dezember 1987 für die Öffentlichkeit zugänglich.2 Durch seine Aktivitäten und das vielfältige Programmangebot leistet es eine wichtige Aufgabe: die arabische und islamische Kultur in der westlichen Welt bekannt und verständlich zu machen.
Architektur zwischen Tradition und Moderne Das im Zentrum von Paris errichtete und von namhaften Architekten (Jean Nouvel, Pierre Soria, Gilbert Lézènes) konzipierte Gebäude kommt in seinem formvollendeten Baustil einem Museum gleich und versteht sich als Forum für den Dialog zwischen arabischer und westlicher Kultur. Stilelemente der arabisch-islamischen Kultur wurden in ein modernes Architekturdesign integriert. Besonders zu erwähnen sind die subtilen Details - so die verfeinerten und vollendeten muscharabieh (mozarabische Fenster), um die 240 an der Zahl, deren Öffnungen sich wie bei einer Kamera an die Stärke des Sonnenlichtes anpassen. Der Bücherturm am Ende der Bibliothek erinnert an das berühmte Minarett in Samarra (Irak), der Patio und die Säulenhalle an die Mezquita in Córdoba. Moderne Architektur ist überall im Gebäude in verschiedenen Formen und Spielarten zu finden. Die erklärte Absicht des Dialogs - auch zwischen dem historischen und dem modernen Paris - kommt in der nördlichen Fassade mit Blick auf die Île Saint-Louis und die Seine, in der südlichen Fassade, die das moderne Paris reflektiert, sowie im freien Blick auf Notre Dame zwischen den Fassaden beider Gebäudeteile zum Tragen.
Paritätische Besetzung der Gremien Die Gremien des Institut du Monde Arabe sind von Vertretern Frankreichs und der arabischen Länder paritätisch besetzt. Das Institut wird von einem Verwaltungsrat (Le Conseil d'Administration) geführt, der aus zwölf Mitgliedern besteht; sechs seiner Mitglieder repräsentieren die arabischen Länder, die andere Hälfte sind Franzosen. Der Präsident des Instituts sowie die französischen Vertreter werden auf französischen Vorschlag, der Generaldirektor hingegen auf Vorschlag der arabischen Länder - repräsentiert im Rat der arabischen Botschafter in Paris - eingesetzt.3 Die weiteren arabischen Vertreter sind vom Rat der arabischen Botschafter für eine Dauer von drei Jahren zu benennen, ein Drittel der Vertreter wird jedes Jahr neu besetzt. Ein Vertreter jedes Gründungslandes, Mitglieder des Verwaltungsrates und weitere sechs Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens - von französischer Seite ernannt - bilden den so genannten "Obersten Rat" (Haut-Conceil) des Institut du Monde Arabe. Auf der Arbeits- und Verwaltungsebene sind ca. 160 Personen aus zwölf verschiedenen Nationen tätig - unter ihnen 75 Experten für die Kultur und Geschichte der arabischen Länder sowie 83 Verwaltungsangestellte. In diesem Zusammenhang ist auch der 1995 gegründete "Verein der Freunde des Institut du Monde Arabe" zu nennen, der das Institut in seinen Zielsetzungen und seiner Arbeit unterstützt. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, neue Mitglieder zu gewinnen, den Kontakt der Mitglieder untereinander zu pflegen und regelmäßig über die verschiedenen Aktivitäten des Instituts zu informieren.
Ziele und Aufgaben des Instituts Das Institut du Monde Arabe wurde gegründet, um die interkulturelle Verständigung zwischen Frankreich und der arabischen Welt zu fördern und somit die Kenntnis über die arabische Kultur in Europa zu vertiefen. Das Institut setzt sich für folgende Ziele und Aufgaben ein:
Um diese Zielsetzungen zu erreichen, werden dem Institut du Monde Arabe von verschiedenen Seiten Finanzmittel zur Verfügung gestellt: vom französischen Außenministerium und von arabischen Ländern. Des Weiteren wird das Budget durch Einnahmen aus den Veranstaltungen des Instituts aufgestockt.
Das "Museum der arabischen Museen" Seit seiner Entstehung baut das Institut eine eigene Kunstsammlung auf, die das Verständnis für die arabische und islamische Kunst wecken und fördern soll. Um diese Kunstsammlung zu vervollständigen, hat das Institut Museen der arabischen Gründungsländer aufgefordert, sich an der so genannten Aktion "Das Museum der arabischen Museen" zu beteiligen und repräsentative Exponate als Leihgaben zur Verfügung zu stellen. Um den Umfang der Dauerausstellung zu erweitern, werden themenorientierte Ausstellungen mit privaten und öffentlichen Institutionen organisiert. Einige Sammlungen des Museums wurden und werden in Kooperation mit anderen Museen und Institutionen auch in arabischen Ländern ausgestellt.
Die Bibliothek des Instituts Die auf drei Etagen verteilte Bibliothek besteht aus drei Lesesälen, einem Zeitschriftenlesesaal und bietet den Besuchern über 150 Arbeitsplätze an.4 Die gut sortierte Bibliothek, die im Durchschnitt täglich etwa 600 Besucher verzeichnet, hat einen Bestand von über 70.000 Werken in arabischer Sprache (ca. 35.000 Bücher) sowie in mehreren europäischen Sprachen - hauptsächlich Französisch - und umfasst die Sachgebiete Religion, Philosophie, Linguistik, Literatur, Kultur und Sozialwissenschaften. Im Angebot finden sich zudem über 1.405 Zeitschriften und 40 Tages- und Wochenzeitungen. Die 1994 eröffnete Mediothek für Kinder und Jugendliche verfügt über 3.000 Kinder- und Jugendbücher - ein Drittel davon auf Arabisch. Im Rhythmus von zwei Jahren wird eine arabisch-europäische Buchausstellung mit zahlreichen Schriftstellerinnen, Schriftstellern und etwa 250 arabischen, französischen und europäischen Verlagen im Foyer des Instituts organisiert, um neue Publikationen, die sich mit arabischen Ländern, deren Kultur und Zivilisation befassen, vorzustellen. Außerdem publiziert die Bibliothek regelmäßig Bibliographien und Dokumentationen zu einschlägigen Themen und pflegt zudem Partnerschaften zu französischen und arabischen Bibliotheken.
Ton- und Bildarchive Die Abteilung "Bild und Ton"("L'Espace Image et Son) verfügt über verschiedene Archive, welche die arabische Kultur in all ihren Aspekten darstellt: Architektur, Kunst, Handwerk, das Meer, die Umwelt, Agrarwirtschaft, Industrie, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Archäologie. Die Abteilung stellt u. a. folgendes Material zur Verfügung, das die Besucher in eigens dafür eingerichteten Vorführkabinen besichtigen können:
Sprachkurse und Landeskunde Das "Zentrum für arabische Sprache und Zivilisation" bietet Arabisch-Sprachkurse für Anfänger und Fortgeschrittene auf verschiedenen Niveaustufen an. Etwa 800 Erwachsene und im Schnitt 100 Kinder und Jugendliche nahmen in den vergangenen Jahren an diesen Kursen teil. In den Sprachkursen erhalten die Teilnehmenden selbstverständlich auch landeskundliche Informationen. Weiterhin organisiert das "Zentrum für arabische Sprache und Zivilisation" Fortbildungskurse und Workshops für Arabischlehrer, die in Frankreich leben und arbeiten, sowie Studienaufenthalte in arabischen Ländern, mit denen das Institut enge partnerschaftliche Beziehungen pflegt - vor allem in Marokko, Ägypten und im Jemen. Erwähnenswert ist auch, dass Kurs- und Unterrichtsmaterialien erarbeitet und Interessierten zur Verfügung gestellt werden. In Zusammenarbeit mit dem "Centre national d'enseignement à distance" (CNED)5 hat das "Zentrum für arabische Sprache und Zivilisation" ein Buch für das Fernstudium der arabischen Sprache entwickelt und veröffentlicht. Das Zentrum gibt zudem eine pädagogische Zeitschrift - "Al-Moukhtarat" - heraus, die Leserinnen und Leser mit Informationen über die arabische Welt und geeigneten Unterrichtsmaterialien versorgt.
Ausstellungen als Bestandteil des Kulturprogramms Die Ausstellungen sind ein wichtiger Bestandteil des vielfältigen Kulturprogramms des Instituts. Intention dieser Ausstellungen ist es, die Kunst eines arabischen Landes oder einen ausgewählten Aspekt der arabischen Zivilisation darzustellen, indem nicht nur auf die Exponate aufmerksam gemacht wird, die sich in den Museen des jeweils ausgewählten Landes befinden, sondern auch auf Kunstwerke, die in französischen, europäischen, amerikanischen Museen sowie in Privatsammlungen zu finden sind. Jahrelange Erfahrungen, ausgewiesene fachliche Kenntnisse, die Themenauswahl, ein anspruchsvolles Begleitprogramm und letztlich die Exponate selbst machen aus den Ausstellungen kulturelle Ereignisse, die internationale Beachtung und Anerkennung finden. So haben französische, europäische und amerikanische Städte einzelne dieser Ausstellungen in ihr Kulturprogramm übernommen und präsentiert. Die Ausstellung "Soudan, Royaumes sur le Nil" wurde in Toulouse, Amsterdam, Mannheim, München, Turin, New York und São Paulo gezeigt. Die Ausstellung "Yémen, au pays de la reine de Saba" war in Berlin, Rom und Wien zu Gast. Die Ausstellung "Bahrein, la civilisation des deux mers" konnte in London und Kopenhagen gezeigt werden.
Vom Institut du Monde Arabe organisierte Ausstellungen
Viel gefragte Wanderausstellungen Das Institut du Monde Arabe ist auch mit Wanderausstellungen außerhalb der eigenen vier Wände präsent. So in über 30 Ausstellungen in Gemeinden, Kulturzentren und in Bibliotheken verschiedener französischer Städte. Die Wanderausstellungen sind bereits seit 1983 - also vier Jahre vor der offiziellen Eröffnung des Instituts im Jahre 1987 - ein wesentlicher Bestandteil des Veranstaltungsprogramms. Diese Ausstellungen beschäftigen sich mit den verschiedensten Themen aus dem historischen, politischen, kulturellen oder sozialen Bereich. Sie können gemietet werden, sind aus leichtem Material und einfach aufzubauen, so dass sie ohne weiteres von Ort zu Ort transportiert werden können.6
Einige der meist gefragten Wanderausstellungen des Institut du Monde Arabe
Musikalische Veranstaltungen Mit Musikabenden und einem jährlich stattfindenden Musikfestival stellt sich das Institut die Aufgabe, das musikalische Erbe Arabiens in seiner ganzen Vielfalt darzustellen: Dazu gehört avantgardistische, mystische, ländlich-folkloristische oder urbane Musik. So hat das Institut in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, kulturell interessierten Menschen die Volksmusik verschiedener arabischer Länder näher zu bringen: die Volks- und Popmusik aus Ägypten und Algerien oder Lieder aus der libyschen Wüste, die fröhliche Musik aus dem Sudan und die mystischen Lieder aus Damaskus - auch arabische Musikinstrumente, vor allem die Blasinstrumente Ney, Gasba, Ghaita und Satara, werden dadurch vertrauter.
Arabisches Kino und Filmschaffen Die 1988 gegründete Filmabteilung hat folgende Zielsetzungen:
Zwei Projekte sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen: Das Cine-IMA und die "Biennale des arabischen Kinos" (Biennale des cinémas arabes à Paris). Unter dem Motto Cine-IMA werden arabische Filme, in verschiedene Programm- und Themenschwerpunkte eingebettet, im Institut vorgestellt und auch am Wochenende vorgeführt. Außerdem finden Filmpremieren (Avant-première) statt. Die "Biennale des arabischen Kinos" (www.bien-nalecinemarabe.org) ist ein wichtiger Anlass, um neue arabische Filmproduktionen in der westlichen Welt vorzustellen und bekannt zu machen. Auf der alle zwei Jahre stattfindenden Biennale werden dem interessierten Publikum in vier Sektionen (Spiel- und Kurzfilme, Dokumentarfilme usw.) über 200 Filme vorgestellt. Die Biennale stellt ein arabisches Gastland und dessen filmisches Schaffen in den Mittelpunkt, bietet stets auch eine Hommage für interessierte Cineasten und kann mit international besetzten Kolloquien aufwarten.
PÄDAGOGISCHE AKTIVITÄTEN In Gruppen oder auch als Einzelpersonen besuchen jährlich bis zu 50.000 Kinder und Jugendliche das Institut du Monde Arabe und nutzen die vielfältigen pädagogischen Angebote (actions éducatives):
Literaturabende, Kolloquien und Periodika Mit regelmäßig stattfindenden Kolloquien, Diskussionsrunden und Literaturabenden bemüht sich das Institut, interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern die arabische Kultur näher zu bringen und aktuelle Themen und Publikationen auf die Agenda zu setzen:
In Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen und mit Unterstützung europäischer und arabischer Persönlichkeiten werden regelmäßig Kolloquien organisiert. Die Kulturzeitschrift "Qantara" (arabisch: Brücke), die vom Institut herausgegeben wird, erscheint alle drei Monate. In "Qantara" werden vornehmlich aktuelle und kulturelle Themen aus dem arabischen und aus dem Mittelmeerraum behandelt. Erklärte Zielsetzung der Zeitschrift ist es, eine Brücke zwischen den arabischen Ländern und ihren Nachbarländern zu bauen und den interkulturellen Dialog zu etablieren. Im Anhang jeder Ausgabe finden sich Hinweise auf neue Veröffentlichungen sowie ein Dossier zu einem aktuellen oder historischen Thema, kulturelle Informationen und Rubriken über Kunst, Musik und Photographie.
Schlussbemerkung Zum Schluss sei noch erwähnt, dass das Institut du Monde Arabe wegen seiner anspruchsvollen Aktivitäten und seinem vielfältigen Programm seitens mehrerer europäischer Länder (z.B. Belgien, Niederland, England, Italien und Deutschland) nach Möglichkeiten für eine Kooperation und Zusammenarbeit angefragt wurde - besonders nach den tragischen Ereignissen vom 11. September 2001. Deutschland ging einen Schritt weiter und plädierte für die Einrichtung eines ähnlichen Instituts, das von den Erfahrungen des Institut du Monde Arabe profitieren könnte.
Der Vortrag von Dr. Nasser El Ansary fand am 9.11.2004 in französischer Sprache statt. Das für den Vortrag eingereichte Manuskript wurde von Soumaya Louhichi (Verein Arabischer Studenten und Akademiker Tübingen) übersetzt. Die Endredaktion, Überarbeitung und Erweiterung anhand der von Dr. Nasser El Ansary zur Verfügung gestellten arabischen Vorlagen sowie anhand der Tonbandaufnahme des Vortrages übernahm Adwan Taleb.
1 Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, Irak, Jordanien, Komoren, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, Palästina, Katar, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien, Tunesien, Vereinigte Arabische Emirate und Jemen. 2 Das Abkommen wurde am 14. Oktober 1980 von der französischen Regierung genehmigt. Das Institut wurde als gemeinnützige Institution nach geltendem französischem Recht in Paris gegründet. 3 Präsident des Instituts ist zurzeit der französische Politiker Yves Guéna, Generaldirektor ist seit Anfang 2005 der algerische Diplomat und Literaturwissenschaftler Mokhtar Taleb-Bendiab. 4 Die Bibliothek ist mit zehn Recherchecomputern ausgestattet, von denen zwei für CD-ROMs und für das Internet, die anderen acht für bibliographische Recherchen zur Verfügung stehen. 5 Für Berufstätige oder für Personen, die aus gesundheitlichen Gründen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, aber auch für Studierende, die ihr Fachstudium vertiefen wollen, gibt es in Frankreich verschiedene Angebote zum Fernstudium. Das Centre National d'Enseignement à Distance (CNED) ist dem Erziehungsministerium unterstellt und bietet zahlreiche Diplomstudiengänge sowie Vorbereitungskurse zur Aufnahme in den Staatsdienst und verschiedene Institute an. 6 Das Programmheft über die Wanderausstellungen kann auf der Homepage des Instituts abgerufen werden. Die Ausstellungen können auch auf der Homepage (http://www.imarabe.org) besichtigt werden.
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