Zeitschrift


Nachhaltige Entwicklung

 

Heft 2/98

Hrsg: LpB

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Inhaltsverzeichnis


Ein weitgehend vernachlässigter Aspekt

Die Zukunft der Arbeit in einer nachhaltigen Entwicklung

Ansatzpunkte für Reformstrategien

Von Eckart Hildebrandt


Dr. Eckart Hildebrandt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB),
Forschungsschwerpunkt II: Technik -Arbeit- Umwelt.

Das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung versucht, Ökologie, Ökonomie und soziale Gerechtigkeit, national wie weltweit, in Einklang zu bringen. Doch wie das im sozialen Bereich geschehen soll, bleibt weitgehend unerörtert. Das ist um so erstaunlicher, weil der Arbeit für eine nachhaltige Entwicklung eine zentrale Rolle zukommt. Denn mit Arbeit greift der Mensch per se in die Natur, in die Umwelt ein - ganz gleich, ob die Arbeit Erwerbs arbeit ist oder nicht, ob sie in Gemeinschaften auf Gegenseitigkeit geleistet wird oder industriell. Mehr noch: Auch in seiner Freizeit greift der Mensch in das Ökosystem ein, und je aufwendiger die Freizeitaktivitäten, desto kräftiger! Arbeiter und die ihre Interessen vertretenden Gewerkschaften sind in erster Linie am Bestand der Arbeit, an der Erhaltung von Arbeitsplätzen interessiert, in Konfliktfällen ist das vorrangig. Auch die Strategien zur Globalisierung von Arbeit sind alles andere als umweltfreundlich. Wo gibt es denn nun Ansatzpunkte dafür, daß Arbeit die Ziele der Nachhaltigkeit respektiert, mit weitgehender Schonung der Ressourcen und unter Beachtung der Regenerationsmöglichkeiten des Ökosystems?
Red.

 

Die Forderung nach der Gleichgewichtigkeit von Ökonomie, Ökologie und Sozialem

Die grundlegende Definition der Sustainability (Nachhaltigkeit) im Brundtland Report umfaßt die drei Ziele, durch die Umstellung der Wirtschaftsweise und der Lebensstile in den hochentwickelten Ländern die erreichte Lebensqualität zu er halten, sie in den unterentwickelten Be reichen weltweit zu verbessern sowie die entsprechende Option auch für die folgenden Generationen zu gewährleisten. Es handelt sich also um ein ethisch-normatives Konzept einer intra- und intergenerationalen Verteilungsgerechtigkeit. Da mit ist die Vision eines menschenwürdigen Lebens (dignified life) für alle Generationen in allen Teilen der Welt aufgrund der gleichberechtigten Teilhabe an den natürlichen Ressourcen konstitutiver Bestand teil jeder Projektion von Zukunftsfähigkeit. Obwohl also die Nachhaltigkeitskonzepte auf Berechnungen der Tragekapazität unseres Planeten aufbauen, enthalten sie einen sozialen Kern, dessen Radikalität häufig nicht diskutiert wird, aber die Dimension der Reduktionsanforderungen maßgeblich mitbestimmt.

Das Konzept der Zukunftsfähigkeit hat seitdem eine bedeutende gesellschaftliche Karriere gemacht, weil es einerseits eine konsensfähige Richtung notwendigen gesellschaftlichen Wandels aufzeigt, gleichzeitig aber offen für unterschiedliche Interessenlagen, Strategien und Rahmenbedingungen ist. Dementsprechend haben sich unterschiedliche Nachhaltigkeitskonzeptionen herausgebildet. Sie basieren auf verschiedenen Prioritätensetzungen und führen zu unterschiedlichen Reduktionszielen. Verbunden mit der jeweiligen Nachhaltigkeitskonzeption sind auch die Vorstellungen über jeweils spezifische Strategien. Der Schwerpunkt kann beispielsweise bei Innovationen liegen, die ökonomische Vorteile und ökologische Entlastungen gleichzeitig ermöglichen, beim Schließen von Stoffkreisläufen durch öffentliche Intervention oder bei individuellen Verhaltensänderungen. In der gesellschaftlichen Diskussion um die Umsetzung dieser Konzepte sind neben die nach wie vor zentralen ökologischen Begründungen zunehmend die Wechselbeziehungen mit ökonomischen und sozialen Bedingungen und Wirkungen thematisiert worden. Die Forderung nach der Gleichgewichtigkeit von Ökologie, Ökonomie und Sozialem gehört inzwischen zum Standard aller Studien (vgl. z. B. Enquete-Kommission 1994, S. 280 ff.) und ist auch von den Gewerkschaften insbesondere mit dem Interesse aufgegriffen worden, soziale Fragen stärker in die Diskussion einzubringen (vgl. Wiesehügel 1996). Wie schwierig dieses Unterfangen ist, zeigt der Aufbau lokaler Netzwerke nach den Anforderungen der Agenda Z1, in denen bisher die soziale Dimension kaum thematisiert wird.

Wenn man die wichtigsten vorliegenden Studien zur Nachhaltigkeit daraufhin befragt, in welcher Weise sie menschliche Arbeit - im wesentlichen Erwerbsarbeit einbeziehen, wird deutlich, in welchem Maße die Trennung dieser beiden Politikfelder sich auch in eine Trennung zwischen Disziplinen und Konzepten verlängert hat. Nachhaltigkeitskonzepte sind zielorientiert. Dieses Ziel wird durch die langfristige Erhaltung des Planeten Erde definiert als Grundlage für ein menschenwürdiges Leben. Demgemäß werden Stoff- und Energieströme daraufhin untersucht, ob und inwieweit sie die Bestände an Ressourcen sowie die Aufnahme- und Regenerationsfähigkeit der Erde belasten bzw. überlasten. Strategisch richten sich die Studien notwendigerweise an die Hauptakteure der Ressourcenentnahme und der Emissionsabgaben, d. h. an die öffentlichen und privaten Unternehmen und die Haushalte sowie an die politischen Instanzen, denen die Steuerung dieser Prozesse obliegt. Erwerbsarbeit bleibt dabei - als Verbindungsglied zwischen Input und Output - weitgehend im Hintergrund.

Vier Ansätze bei Nachhaltigkeitsmodellen

Soziale und arbeitspolitische Ziele nehmen in Konzepten der Nachhaltigkeit eine sehr unterschiedliche Stellung ein und werden über unterschiedliche Argumentationsmuster eingeführt. Wir können prinzipiell vier Ansätze von Nachhaltigkeitsmodellen unterscheiden:

  1. In Weltmodellen zur Rettung des Planeten Erde werden aufgrund ökologischer Kapazitätsgrenzen Anforderungen an eine globale Wirtschaftswende formuliert. Die Hauptbezugspunkte dieser Wirtschaftswende sind die Begrenzung des Bevölkerungswachstums, die Begrenzung des Wirtschaftswachstums sowie der verstärkte Einsatz neuer Technologien (vgl. z. B. Club of Rome 1995, Grenzen des Wachstums 1992, Erdgipfel 1992).
     
  2. In einem anderen Ansatz werden die sozialen Bezüge aus dem gemeinsamen Kontext von Umweltkrise und Beschäftigungskrise heraus abgeleitet. Es wird argumentiert, daß auf der einen Seite die natürlichen Ressourcen zu billig seien und verschleudert würden, daß auf der anderen Seite Beschäftigung zu teuer sei und durch arbeitssparende Rationalisierung vernichtet werde. Ein Ausweg aus dieser gemeinsamen Krisenursache wird in der Verlagerung des Rationalisierungsschwerpunkts von der Erwerbsarbeit auf die Ressourcen durch eine Veränderung von Preisrelationen gesetzt. Diese Umsteuerung steht für das Konzept der Öko Steuer im Mittelpunkt (vgl. z. B. Binswanger et al. 1988, von Weizsäcker 1994).
     
  3. Nationale Umbaukonzepte gehen von Reduktionszielen aus, die über eine Veränderung von Wirtschaftsstrukturen und Modernisierungspfaden durchzusetzen sind. Strategisch unterscheiden sie dabei zwischen Einsparungen durch Effizienz Steigerungen und Einsparungen durch Verhaltensänderungen (Suffizienz). Sie betonen die Notwendigkeit eines anderen Wohlstandsmodells und betonen die Abhängigkeit der Lebensführung von den angebotenen Strukturen (vgl. z. B. Sustainable Netherlands, Zukunftsfähiges Deutschland).
     
  4. Schließlich gibt es eine Reihe von Sektorstudien zum Zusammenhang von sinn vollen Maßnahmen des ökologischen Umbaus mit Veränderungen der Beschäftigung. Mit dem Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien und Verkehrs wende wird argumentiert, daß mit verbrauchernahen und arbeitsintensiveren Wirtschaftsformen arbeitsplatzschaffende Effekte verbunden sein können und damit eine doppelte Dividende von Umwelt Schutz und Beschäftigungssicherung/Arbeitsplatzbeschaffung möglich sei (vgl. Speiser/Hickel et al. 1994, Cames et al. 1996). Überlegungen zur Ökologisierung der Erwerbsarbeit finden darin wenig Platz.

Obwohl alle Konzepte im Prinzip die Gleichwertigkeit von ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen behaupten, beruhen sie dennoch im wesentlichen auf ökologischen Vorgaben und wirtschaftsstrukturellen Modellberechnungen, in denen soziale Kategorien nur in spezifischer Weise berücksichtigt werden. Wenn wir im nächsten Schritt genauer bestimmen, in welcher Funktion die sozialen Ziele in diese Ansätze eingebaut sind, können wir vier Formen unterscheiden.

  1. Auf der obersten Ebene stellen soziale Normen einen Teil des Grundkonzepts und einen Teil der Begründung der Reduktionsziele dar. Es sind dies die Forderung nach internationaler und inter generativer Gerechtigkeit, die im weiteren als ethische Grundprinzipien nicht weiter verfolgt werden. Sie definieren den prinzipiellen sozialen Ge halt von Nachhaltigkeit und nehmen faktisch die Stellung von Menschen rechten ein. Ihre Umsetzung wird in den Operationalisierungen kaum behandelt. Im Ergebnis hängt ihre Einlösung davon ab, inwieweit die Reduktionsziele in den hochindustrialisierten Ländern erreicht werden und inwieweit in den Ländern der Dritten Welt aufgrund weltweiter Umverteilung ein breiter, umweltverträglicher Wohlstand entsteht.
     
  2. Auf einer zweiten Ebene werden soziale Voraussetzungen der Durchsetzbarkeit und Realisierung einer Wende zur Nachhaltigkeit definiert. Dies sind im wesentlichen die Wiederherstellung der Vollbeschäftigung und die Abkehr vom industriell-konsumeristischen Wohlstandsmodell und d. h, auch die Abkehr von der Dominanz der Erwerbs arbeit (vgl., exemplarisch von Weizäcker 1994). Wohlstand wird dabei nicht nur als Bedingung, sondern auch als positives Ziel unterhalb der Menschenrechte verstanden, wobei dessen Konkretisierung häufig unspezifisch bleibt. Die Verbindung zur Erwerbs arbeit wird negativ über die Argumentationsfigur des "Parasitismus" hergestellt (Bierter et al. 1996, S. 74 ff.), nach der es darauf ankommt, die positiven Formen des Parasitismus gegenüber seinen negativen zu stärken und über den Mechanismus des "kompensatorischen Konsums", nach dem kommerzieller Konsum als Ausgleich für eine nicht befriedigende Arbeit dient und in die Abhängigkeit von steigenden Arbeitsein kommen führt (Scherhorn 1997). Neben dem Oberbegriff Wohlstand fin den wir eine weitere soziale Dimension als Bedingung der Realisierung von Nachhaltigkeitskonzepten: die Beteiligung. Sie wird häufig nur programmatisch eingebracht und defensiv im Sinne von Akzeptanz gedacht. Offensiv formuliert meint sie die Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen und die breite Kommunikation von Konzepten und ihren Operationalisierungen (z. B. Agenda Z1, Schmidtheiny 1993).
     
  3. Die Ebene der Realanalyse von Erwerbs arbeit und ihrer Entwicklungsdynamiken wird selten erreicht. Im wesentlichen konzentrieren sich die Texte auf die Beschreibung der Negativdynamik von Rationalisierungsprozessen, die als arbeitssparend und entfremdet charakterisiert werden und die Arbeitslosigkeit und kompensatorischen Konsum zur Folge haben (vgl. das Kapitel "Soziale Fairneß" in der Wuppertal-Studie). Es gibt kaum Überlegungen zur Ökologisierung der Erwerbsarbeit; der Schwerpunkt wird auf das Anstreben einer anderen Vollbeschäftigung gelegt, wofür Modelle der Arbeitszeitverkürzung und -flexibilisierung eine entscheidende Rolle spielen, aber auch die Ausweitung konsumnaher Tätigkeiten, die in handwerklichen Klein betrieben, neuen Dienstleistungen und Selbsthilfenetzwerken durchgeführt werden können (vgl. z. B. Ullrich 1995, Bierter 1995).
     
  4. Schließlich die Ebene der sozialen Folgen von Nachhaltigkeit, die am stärksten hervorgehoben wird. Die Verschränkung der ökologischen Nachhaltigkeitsziele mit einem anderen Wohl stand wird weitgehend apodiktisch behandelt. Dafür sind vier Formeln zentral:
  • Umweltschutz schafft Arbeitsplätze;
  • Erwerbsarbeit wird als Träger von Wohlstand (Einkommen, kommerzieller Konsum, Zufriedenheit) unwichtiger;
  • weitere Wohlstandssteigerungen sind nicht nur durch ressourceneffizientes Wachstum, sondern im wesentlichen im immateriellen Bereich möglich;
  • weniger Erwerbsarbeit, mehr Eigen arbeit und ressourcenschonender Konsum sind zufriedenstellender und ökologischer als das bisherige Wohlstandsmodell.

Auffällig an den Überlegungen zur Zukunft der Arbeit ist, daß sie in den verschiedenen Zugängen einen sehr unter schiedlichen Charakter erhält. Beim Blick auf die aktuell und konkret stattfindende Erwerbsarbeit wird der Raubbau an Natur und Arbeitsvermögen hervorgehoben; ihre Ökologisierung ist kein Thema. Aus der Perspektive der Umsetzung der Reduktionsanforderungen dagegen wer den große Chancen für andere Arbeit, andere Arbeitsplätze und neuen Wohlstand postuliert. Es erscheint so, als ob Arbeitsplätze und Tätigkeiten, die aus ökologischer Perspektive entstehen oder um gestaltet sind, auch arbeitspolitisch und sozial ganz andere und prinzipiell bessere sind. Als Anknüpfungspunkte für die Ökologisierung der Erwerbsarbeit werden arbeitspolitische Strategien benannt, deren sozialer Gehalt zumindest sehr widersprüchlich beurteilt werden muß (Arbeitszeitflexibilisierung, lean production, Beschäftigung im zweiten Arbeitsmarkt, Selbsthilfe etc.). Diese Wider Sprüche sind von ökologischer Seite bis her gar nicht oder nur sehr einseitig zur Kenntnis genommen worden. So ist die Frage nach der Qualität von Arbeitsplätzen im Umweltschutz unter Aspekten wie Stabilität, Einkommen, Qualifikation, Belastung etc. bisher kaum gestellt. Zusammenfassend können wir die bisherige Denkfigur der Verknüpfung von Nachhaltigkeit und Arbeit folgendermaßen beschreiben: Erwerbsarbeit wird als eher in direkter Bereich behandelt, der von zwei Ebenen sozialer Ziele eingerahmt wird. Die sozialen Grundziele der internationalen und der intergenerativen Gerechtigkeit sind in die Basisdefinition von Nachhaltigkeit eingegangen und sind unumstritten.

Auf der zweiten Ebene werden soziale Ziele wie Beschäftigung und Versorgungssicherheit, Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit gesetzt, die zum großen Teil in den zentralen Begriff des Wohlstands bzw. der Lebensqualität einfließen. Diese sozialen Ziele werden einerseits als Vor aussetzungen definiert für die Realisierung von Nachhaltigkeit oder als Teil einer Nachhaltigkeitsstrategie selbst. Der bisherige Wohlstand ist größtenteils an Er werbsarbeit gebunden, beruht folglich auf der Verfügbarkeit von Erwerbsarbeit und Einkommen, den darauf aufbauen den Konsumtionsmöglichkeiten sowie auf den sozialen Sicherheiten und Umverteilungseffekten, die von einem funktionierenden Sozialstaat gewährleistet werden. Die anderen Formen der Arbeit, insbesondere die weiblichen Versorgungsarbeiten, die zeitlich überwiegen und unabdingbare Voraussetzung der männlich geprägten Erwerbsarbeit sind, bleiben weitgehend ausgeblendet.

Fortschrittsoptimismus versus Fortschrittspessimismus

In der politischen Debatte um die gang baren Zukunftspfade der Nachhaltigkeit haben sich - vergleichbar der Diskussion um die zwei Modernen - zwei Pole her ausgebildet, die man als fortschrittsoptimistisch bzw. fortschrittspessimistisch im traditionellen Sinn einschätzen kann. Auf der einen Seite stehen Positionen der ökologischen Modernisierung, die die bisherigen ökologischen Schäden als unvermeidbar, aber beherrschbar einschätzen und die materiellen Wohlstandseffekte des Wachstums in den Vordergrund stellen. Die ökologischen Schäden sind nur durch verstärkte technische Innovationen zu sanieren und zukünftig vermeidbar (Effizienzrevolution), die sozialen Risiken sind durch weiteres Wirtschaftswachstum aufzufangen. Die Gegenposition hebt die bereits ökonomisch gesetzten Grenzen des Wachstums und die Grenzen von Effizienzstrategien hervor. Sie setzt auf die re flektierte Beschränkung von Wachstum, modifiziert den Weg zum Wohlstand und den Charakter des Wohlstands selbst. Ein an Erwerbsarbeit gebundener Wohlstand wird abgelöst durch einen Ressourcen schonenden, viel stärker selbstversorgenden Wohlstand, der die überwiegend von Frauen geleistete informelle Arbeit auf wertet und in viel stärkerem Maße auf Eigenarbeit in sozialen Netzen beruht. Aus der Sicht der Nachhaltigkeitskonzepte ergeben sich daraus vordringlich folgende arbeitspolitische Themenfelder:

  1. Arbeitsplätze durch Umweltschutz,
  2. Arbeitszeitverkürzung und Arbeitszeitflexibilisierung bei gleichzeitiger Neugestaltung der sozialen Sicherung,
  3. Qualifizierung und Beteiligung der Beschäftigten als für Umweltschutz bisher nicht genutzte Ressource,
  4. Eigen- und Subsistenzarbeit als Fokus eines neuen Arbeitsverständnisses, Ablösung der Negativverschränkung von Erwerbsarbeit und kompensatorischem Konsum, mehr Freizeit, Relativierung der Erwerbsarbeit als Einkommens quelle,
  5. Veränderung der Kostenrelationen zwischen den Produktionsfaktoren (z. B. Ökologische Steuerreform), gesellschaftliche Verteilung der Kosten des Umweltschutzes.

Beschäftigung durch Umweltschutz?

Die Debatte um die Beschäftigungswirkungen des Umweltschutzes ist die längste und gewichtigste Debatte, die die Wechselwirkungen zwischen Arbeit und Ökologie zum Gegenstand hat. Dabei lassen sich einzelne historische Phasen unter scheiden, in denen dieser Zusammenhang unterschiedlich gesehen bzw. sozial be wertet wurde. Der Aufbau einer nationalen Umweltpolitik Anfang der siebziger Jahre verlief im wesentlichen über staatliche Ordnungspolitik. Für die Unternehmen folgte daraus eine starke prozessuale Reglementierung und der Zwang zu Investitionen in nachsorgende Umwelttechnologien. Diese wurden im wesentlichen als Kosten angesehen, die insbesondere kleine und schwache Unternehmen untragbar belasteten. Dies galt in besonderem Maße für Unternehmen der Chemieindustrie, bei denen Basisrohstoffe oder Produkte im gesetzlich reglementierten Gefahrstoffbereich lagen. Hier drohten die Regelungen massiv auf die ökonomische Basis der Unternehmen durchzuschlagen und Arbeitsplätze zu gefährden, was in einzelnen Fällen auch Wirklichkeit wurde. In diesen speziellen Konstellationen stand konsequenter Umweltschutz gegen Arbeitsplatzerhalt, die Betriebsräte und Belegschaften kämpften mit den Unternehmensleitungen gegen die Umweltauflagen.

In der nächsten Phase waren die Akzeptanz und die Machbarkeit der grundlegenden Umweltauflagen erheblich gestiegen, immer mehr Unternehmen gaben ihren hinhaltenden Widerstand auf und wechselten zu einer Strategie der moderaten Anpassung an die staatlichen Vorgaben, die zudem in den entstehen den Verhandlungssystemen zunehmend abgemildert wurden. Die höheren Umweltstandards bei den Kunden und die steigenden Entsorgungskosten erhöhten die Rentabilität von Umweltinvestitionen, die Risiken von Umweltskandalen waren in schwer kalkulierbare Höhen gestiegen. Eine wachsende Zahl von Unter nehmen betonte auch die Chancen aktiven Umweltmanagements, was sich unter anderem in der Gründung grüner Unternehmensverbände ausdrückte. Diese Chancen lagen insbesondere in dem wachsenden Umweltmarkt, auf dem Deutschland aufgrund der massiven staatlichen Vorgaben bis vor kurzem an der Spitze lag. Insgesamt ergab sich eine ausgewogenere Beurteilung, die Risiken und Chancen für das einzelne Unternehmen, aber auch für den Arbeitsmarkt ins gesamt sah.

Mit der Erkenntnis, daß Dauer- und Massenarbeitslosigkeit nicht nur ein Durchgangsstadium eines ökonomischen Krisenzyklus sind, verstärkte sich die Suche nach neuen Lösungen für diese alte soziale Frage. Die alltäglich spürbare Bedrohlichkeit sozialer Probleme verdrängte den Umweltschutz von einem vorderen Platz der öffentlichen Agenda. Es gab nicht nur keine zusätzlichen Mittel mehr für den Umweltschutz, sondern es waren Verluste zu verteilen. Umweltschutz mußte in den Unternehmen in den normalen Modernisierungsprozeß integriert werden, durfte keine zusätzlichen Kosten erzeugen und sollte möglichst zusätzliche Rationalisierungseffekte erbringen. Das bedeutete, daß an Unternehmen, in denen gerade Kosteneinsparungen durch Personalabbau im Mittelpunkt standen, keine Erwartungen an zusätzliche Einstellungen durch Umweltschutz gestellt werden konnten. Dem Umwelt Schutz bot sich dagegen die große Chance, durch die Betonung der Beschäftigungswirkungen von umweltpolitischen Investitions- und Subventionsprogrammen des Staates Argumentationskraft und politisches Gewicht zu gewinnen. Die Umweltverbände förderten eine Viel zahl von Sektorstudien, die die "doppelte Dividende" von umweltpolitisch begründeten Beschäftigungsprogrammen herausstrichen.

Die Hoffnungen auf einen wachsenden neuen "Umweltarbeitsmarkt" haben sich nicht erfüllt

An dieser Stelle kann nur resümiert wer den, daß die Beschäftigungswirkungen nur in makroökonomischen Gesamt modelten abgeschätzt werden können, die direkte und indirekte Wirkungen sowie die Kurz- und die Langzeitperspektive berücksichtigen. Für Deutschland gibt es inzwischen solide Schätzungen (BMU 1996), die die Gesamtbeschäftigung mit knapp einer Million Personen (= 2,7 %) der Erwerbstätigen schätzen. Davon waren 53 % unmittelbar an ihrem Arbeitsplatz mit Umweltschutzaufgaben befaßt (allerdings nur 7 % ausschließlich mit Umweltaufgaben), 200.000 in den Gebietskörperschaften (Abwasser und Abfallbeseitigung, Pflege von Grünanlagen, Planung, Verwaltung und Vollzug), 90.000 in Entsorgungs- und Recyclingunternehmen und 50.000 im produzierenden Gewerbe. Die restlichen 47 % sind mit der Produktion von Umweltschutzgütern beschäftigt, 260.000 direkt mit Schwerpunkten im Baugewerbe und im Maschinenbau und 190.000 indirekt.

Die früher prognostizierte Wachstumsquote "eines neuen Umweltarbeitsmarktes" hat sich dabei nicht realisiert, seit An fang der neunziger Jahre ist sogar ein Zurückbleiben der Umweltschutzinvestitionen der Industrie gegenüber den Gesamtinvestitionen zu verzeichnen. Der Rückgang ist folglich nicht allein konjunkturell zu erklären, vielmehr wirken hier einige grundlegende Mechanismen, die für die zukünftige Entwicklung der Beschäftigung im Umweltbereich prägend sein werden:

  • die Schwerpunktverlagerung von zentraten Steuerungsvorgaben des Staates zu dezentralen Absprachen und Selbstverpflichtungen der Akteursgruppen;
  • die Verlagerung von kostenintensivem additiven Umweltschutz zu integriertem Umweltschutz mit zusätzlichen Rationalisierungseffekten;
  • die Abschwächung der deutschen Vorreiterposition auf dem Weltmarkt durch das Aufholen anderer Staaten wie Japan;
  • die Konzentrations- und Privatisierungswelle im Umweltschutz, die zu erheblichen Einsparungen allein durch die economies of scale führt, und
  • die Rationalisierung der Leistungserstellung im Umweltschutzbereich, wofür aufgrund der arbeitsintensiven und kleinbetrieblichen Strukturen in der Gründungsphase erhebliche Potentiale bestehen.

In der Debatte um die Beschäftigungswirkungen des Umweltschutzes wird vor dem Hintergrund bedrohlicher Arbeitslosenquoten mit großen Zahlen argumentiert. Was für Tätigkeiten, Arbeitsbedingungen und Arbeitsverhältnisse sich hinter diesen Zahlen verbergen und welcher arbeitspolitische Gestaltungsbedarf eventuell dahintersteckt, das bleibt verborgen. Hier zeigen sich deutlich die umweltpolitische Funktionalisierung und die fehlende Aufmerksamkeit für die Fragen der Arbeitsqualität. Erste Studien, die von dem europäischen Wissenschaftlernetzwerk IRENE angestoßen wurden, haben einen ersten Blick auf diese Probleme eröffnet (Hildebrandt/Oates 1997). Eine neuere österreichische Studie (Ritt 1997) macht deutlich, daß grundsätzlich zwischen neu geschaffenen Arbeitsplätzen im nachsorgenden Umweltschutz und Tätigkeiten im integrierten Umweltschutz unterschieden werden muß. Die erstgenannten Arbeitsplätze haben überwiegend eine geringe Beschäftigungsdauer bzw. -Sicherheit, die Qualifikationsanforderungen und die Bezahlung sind niedrig, die gesundheitlichen Belastungen dagegen hoch. Die Be reiche wurden als wenig innovativ gekennzeichnet, die Chancen für eine Anschlußbeschäftigung, eventuell sogar in einer qualifizierteren Tätigkeit, sind minimal, Dementsprechend sind in diesem Segment überdurchschnittlich viele Frauen und Ausländer beschäftigt. Im Sektor des integrierten Umweltschutzes sind die Tätigkeiten vielfältiger und lehnen sich an die normalen Arbeitsbedingungen an. Der Anteil qualifizierter und gut entgoltener Arbeit ist höher, es gibt Karrierewege über ökologisches Engagement und Kompetenz. Daraus ergibt sich die beschäftigungspolitisch widersprüchliche Situation, daß die Tätigkeiten in den Bereichen, in denen erhebliche Zusatzbeschäftigung möglich ist, arbeitspolitisch nicht wünschenswert sind, während im qualifizierten und geschützten Sektor kaum neue Arbeitsplätze entstehen. Eine Zusammenstellung von Untersuchungen zur Umweltbeschäftigung im zweiten Arbeitsmarkt (Petschow/Steinl Hildebrandt 1997) hat darüber hinaus er geben, daß die Anstrengungen zur öko logischen Qualifizierung und Anschlußbeschäftigung weitgehend von arbeitsmarkt- und finanzpolitischen Problemen überlagert werden. Die Programme sind stärker auf Dauerarbeitslose als auf ökologisch Interessierte ausgelegt, sie sind vollständig von staatlichen AB-Maßnahmen abhängig und zu kurzfristig angelegt. Für diese Klientel gibt es kaum offene Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt, erst recht nicht speziell für die gerade erworbenen ökologischen Qualifikationen.

Berührungspunkte zwischen Arbeit und Ökologie

Obwohl, wie im gewerkschaftlichen Be reich durchaus zu registrieren, immer wie der Initiativen zur Verknüpfung von Arbeit und Ökologie gestartet werden (vgl. Heuermann 1996), sind sie bisher punktuell und fragil geblieben. Eine systematische Analyse dieses Zusammenhangs steht bisher aus. Dabei zeichnen sich zwei Wege ab (vgl. Abb. 1):

Erstens eine Analyse der Berührungspunkte, die sich in der Realdynamik abzeichnen, die durch drei Politikfelder geprägt werden: den Entwicklungstrends der Erwerbsarbeit (Wettbewerbsmodelle), der Stellung der Arbeit in Nachhaltigkeitskonzepten und den Erwartungen an Arbeit, wie sie von der Arbeitsbevölkerung und ihren Interessenvertretungen gesehen werden (Wohlstandsmodelle).

Zweitens die Suche nach einer konzeptionellen Verknüpfung beider Bereiche, die es ermöglicht, die vielfältigen Wechselwirkungen in einen gemeinsamen Rahmen zu stellen.

Meines Erachtens muß vorläufig der erste Weg beschritten werden. Er bietet den Vorteil, daß er die verschiedenen Wechselwirkungen in den Blick bekommt, ohne sich aus den ökologischen bzw. arbeitspolitischen Bewertungszusammenhängen zu lösen. Darüber hinaus kann er Bereiche hoher Synergie identifizieren wie auch Bereiche absehbarer Konflikte und entsprechende strategische Optionen an stoßen. Schließlich kommt hinzu, daß Entwürfe für eine konzeptionelle Klammer bisher nur in Ansätzen erkennbar sind und die Verbindung einseitig angehen.

Die Stellung der Arbeit im Stoffkreislauf

Die Identifikation von Wechselwirkungen zwischen Arbeit und Umwelt stand bisher nicht im Zentrum umweltpolitischer Strategien und auch kaum ökologischer Reflexion. Konkrete Erwerbsarbeit als solche trat in ihren produktiven wie destruktiven Potentialen hinter die Betrachtung des Industrialismus als Wirtschaftssystem zurück.

Hier wird die These vertreten, daß nur die Betrachtung der Rolle der Arbeit im Produktions- und Reproduktionskreislauf einen systematischen Zugang zu Ansatz punkten nachhaltiger Arbeit eröffnet. Wie die Bedingungen und Möglichkeiten des Verhaltens an diesen Interventionspunkten gestaltet sind, darüber geben Trendanalysen zur Erwerbsarbeit Auskunft, auf die ich anschließend noch zu sprechen komme.

Das zugrundeliegende Kreislaufmodell zeigt die Ressourcenströme, die von gesellschaftlicher Arbeit angetrieben wer den (Abb. 2). Dabei wird nicht im Detail zwischen verschiedenen Formen bzw. Be reichen unterschieden, in denen Arbeit er bracht wird. Unter ökologischen Aspekten sind diese erst einmal gleich: Sie verbrauchen natürliche Ressourcen, um Produkte und Dienstleistungen herzustellen. Sie er bringen für den Arbeitenden ein Einkommen in geldlicher Form oder einen Ertrag, wenn ihm das Produkt bzw. seine Nutzung gehört. Gleichzeitig hat der Arbeitende sein Arbeitsvermögen verausgabt, das er in immaterieller und in kommerzieller Form (Konsum) reproduziert. Dazu nutzt er Produkte und Dienstleistungen, deren Konsum Umweltbelastungen er zeugt bzw. Abfälle übrig läßt. Ein Teil der Abfälle der Produktion und der Abfälle der Produkte und Dienstleistungen wird gesammelt und in den Kreislauf zurückgeführt. Der andere Teil belastet die natürliche Senke und verringert bzw. verschlechtert die für weitere Kreisläufe verfügbaren Ressourcen.

Diese Kreislaufbetrachtung versucht mit dem Blick eines ideellen Arbeiters, Erfahrungen aus dem industriellen Bereich zu verallgemeinern. Als Produzent wird dabei der Gesamtbetrieb, aber auch der einzelne Beschäftigte verstanden, in so weit er die Produktionsentscheidungen beeinflussen kann. Aus dieser Kreislaufbetrachtung ergeben sich systematisch vier Interventionspunkte:

  1. Ressourcenverbrauch der Produzenten,
  2. Gestaltung von Arbeits- und Dienstleistungsprozessen,
  3. Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen,
  4. private Nutzung von Produkten und Dienstleistungen sowie von natürlichen Ressourcen.

Der Ressourcenverbrauch der Produzenten

Der Produzent entscheidet darüber, welche Rohstoffe, Vorprodukte und Energien er in welcher Menge einsetzt. Dieser Einsatz ist maßgeblich durch die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen gesteuert, d. h. welche Menge von welchen Produkten/Dienstleistungen nachgefragt wird. Der Spielraum des Produzenten ist allerdings durch die Verwissenschaftlichung und Chemisierung der Produktion, z. B. auch in der landwirtschaftlichen Produktion, fast exponential ausgeweitet worden. Da die Kunden bestimmte Funktionen bzw. Gebrauchswerte nachfragen, können diese mit der Vergrößerung der wissenschaftlich technischen Möglichkeiten in immer vielfältigerer Weise erstellt werden. Der voran schreitende Ersatz natürlicher Rohstoffe durch künstlich erzeugte Materialien veranschaulicht diesen "Fortschritt". Zur Zeit findet er z. B. in dramatischer Weise durch den Einsatz der Gentechnologie in der Lebensmittelherstellung statt.

Abb. 1: Konzipierung der Wechselwirkungen Arbeit- Ökologie

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Abb. 2: Arbeit - Umwelt - Wirkungszusammenhänge

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Der Einsatz von Rohstoffen und Energien wird neben der Nachfrage über einige zentrale Parameter gesteuert: Verfügbarkeit, Verarbeitbarkeit, Preis, Qualität, spe zielte Kundenwünsche. Die Vorteile künstlich erzeugter Rohstoffe liegen darin, daß ihre zeitliche und mengenmäßige Verfügbarkeit kaum von natürlichen Kreisläufen abhängt, daß die Eigenschaften leichter gesteuert werden können, daß die Prozesse ihrer Herstellung besser industrialisiert, rationalisiert und damit verbilligt werden können - und nicht zuletzt, daß die ökologischen Folgen der Herstellung künstlicher Ressourcen externalisiert werden können, d. h. an anderen Orten und zu anderen Zeitpunkten anfallen. Dabei ist allein schon der direkte Naturverbrauch bei der Herstellung von künstlich erzeug ten Ressourcen oft weit höher, als wenn direkt natürliche Ressourcen eingesetzt würden.

Der Einfluß des Produzenten liegt also im wesentlichen darin, eine Ressourcenkombination auszuwählen, mit der er nach gefragte Produkte und Dienstleistungen erstellt. Dazu muß er die in der Ressource eingeschriebene Vorgeschichte kennen, d. h. die eingegangenen Stoffe mit ihren Eigenschaften und die Aufwendungen bei deren Herstellungsprozeß. Die aber wird durch die Vervielfältigung der Komponenten, der Komplexität der Herstellungsprozesse und der globalen Verflechtung der Herstellungsprozesse und -stufen immer weniger transparent.

Dazu müssen zweitens die Preisrelationen zwischen natürlichen und künstlichen Ressourcen, zwischen schädlichen und weniger schädlichen Rohstoffen stimmen. Auf diese Preisrelationen hat der einzelne Her Steller in der Regel kaum einen Einfluß; er kann allerdings versuchen, höhere Kosten umweltverträglicherer Vorprodukte über Qualitätsargumente und Hinweise auf deren Nachhaltigkeit an den Kunden weiterzugeben. An diesem Punkt setzen auch die Argumente ein, "daß die Preise die ökologische Wahrheit sagen müssen" (von Weizsäcker) und damit die Voraussetzungen ökologischerer Stoffströme in Be trieben verbessern. Die Produzenten können sich auf der einen Seite zusammenschließen, um über eine erhöhte und stabilere Nachfrage die Preise umweltverträglicher Ressourcen zu senken und um auf der anderen Seite Druck auf die Politik auszuüben, die Preisrelationen zu ändern (z. B. ökologische Steuerreform).

Die Gestaltung von Produktions- und Dienstleistungsprozessen

Die Sphäre der Produktion gilt als das eigentliche Gestaltungsfeld der Produzenten. Dabei geht es zunehmend um weit gehend selbsttätig ablaufende, naturwissenschaftlich-technische Prozesse und Verfahren, die nur noch von Systembedienern über Leitstände gesteuert und kontrolliert werden. Arbeitsintensive Prozeßteile und Prozeßphasen sind zunehmend an den Rand gedrängt, als vorbereitende Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten oder als gering qualifizierte "Rest"-Tätigkeiten. Aufgrund der Prozeßkomplexität und der hochgradigen innerbetrieblichen (und außerbetrieblichen) Arbeitsteilung besteht für den einzelnen Beschäftigten keine Möglichkeit, die vielfältigen ökologischen Wirkungsketten auch nur ansatzweise zu überblicken oder sogar zu gestalten. Dies gilt für die eingesetzten Stoffe und Energien, die im Betrieb ablaufenden Prozesse und ihre externen Folgen in Form von Emissionen, Abfällen und natürlich Produkten und Dienstleistungen. Dabei hat der Herstellungsprozeß selbst höchste Relevanz, da häufig noch nicht einmal zehn Prozent der eingesetzten Ressourcen in das Produkt eingehen (z. B. Pkw, PC). Wie effizient die Ressourcen ein gesetzt werden und welcher Anteil weiter- bzw. wiederverwendet wird, das wird im Produktionsprozeß entschieden.

Eine direkte Verknüpfung zwischen Arbeitsprozeß und ökologischen Sachverhalten liegt für den einzelnen Beschäftigten im sogenannten Arbeitsumweltschutz vor. Hier geht es im wesentlichen um den Ein Satz von Stoffen, die neben umweltschädigenden Wirkungen auch Gesundheitsgefährdungen verursachen, und um die Sparsamkeit im Ressourcenverbrauch, so weit diese vom Einzelarbeitsplatz aus gesteuert werden kann. Der Zusammenhang zwischen Gefahrstoffen und Gesundheit ist zum Hauptthema der Verknüpfung von betrieblicher Interessenvertretung und Umweltschutz geworden, weil direkte Befindlichkeiten eine Rolle spielen und weil an bestehende Systeme des Arbeitsund Gesundheitsschutzes angeknüpft werden kann. Ein alltäglicher Einfluß auf den Ressourceneinsatz durch den einzelnen Arbeitnehmer ist durch die Standardisierung von Produkten und Prozessen sowie die systemische Rationalisierung der Produktion immer weiter eingeschränkt worden.

Statt Ökologisierung der Arbeit Alternativprodukte?

Produkte und Dienstleistungen entstehen weitgehend unter Kundenorientierung. Sie werden danach gestaltet, welche Funktionen und welche Eigenschaften sie haben sollen. Allerdings werden die Möglichkeiten für Produktalternativen immer eingegrenzter, je älter, etablierter und zentraler ein Produkt ist (vgl. Noble 1980). Produkte und Dienstleistungen werden - wie exemplarisch am Pkw ein sichtig ist - Teile von Infrastrukturen, Funktionsverknüpfungen, kulturellen Mustern und Produktionsstrukturen, die jede Veränderung extrem voraussetzungsvoll machen: Entweder, daß sie sich ohne großen Umstellungsaufwand in die gewachsenen Strukturen einpassen, oder daß sie unwahrscheinlicherweise Baustein einer neuen Produktlinie sind, die sich in absehbarer Zeit ökonomisch etablieren kann. Auch in diesem Gestaltungsbereich hängen die Entscheidungsstrukturen weitgehend von der Betriebsgröße und der Organisationsform von Arbeit ab. Im alt- und großindustriellen Rahmen ist die Produktentwicklung in der Regel ausgegliedert und hoch spezialisiert; die Einflüsse anderer Unternehmensbereiche während des Produktentwicklungsprozesses und bei laufender Produktion sind hoch spezialisiert und hoch institutionalisiert. Dies hat für den einzelnen Beschäftigten gravierende Wirkungen: Er hat nicht nur den Überblick über die Stoff- und Prozeßketten in und um den Betrieb herum verloren, auch sein Verhältnis zum Endprodukt wird immer spezieller und distanzierter. Der Anteil des einzelnen Produzenten am Endprodukt ist so gering geworden und so vermittelt, daß ein Bezug zum konkreten Arbeitshandeln keine Rolle mehr spielt. Ein Gefühl von Produzentenstolz, das stark mit handwerklicher Produktion verbunden war, ist kaum noch möglich und bezieht sich inzwischen am ehesten auf den Status des Endprodukts. Dieses Produkt kann z. B. ein Pkw sein, dessen statusbegründende Eigenschaften nicht in der Ökologie liegen, sondern eher im Gegenteil: Ökologische Überlegungen stellen des Status des Produkts und die eigenen Nutzungsmuster eher in Frage. Bewegung in die Ökologisierung von Produkten und Dienstleistungen ist zu An fang der Umweltbewegung weniger von innen, d. h. durch Innovationen in bestehenden Betrieben (Produkt-Mitbestimmung), vorangetrieben worden, sondern eher von außen, indem andere, einfache Produkte als Alternative zum Ressourcen intensiven Konsum angeboten und dann auch hergestellt wurden (Bioläden, Alternativbetriebe). Die Motivation der Beschäftigten in diesem neuen Marktsegment des ökologischen Konsums ist eine andere: Ihnen geht es nicht um die Ökologisierung ihrer Arbeit in bestehenden industriellen Strukturen (über Formen der Mitarbeiterbeteiligung), sondern um eine umweltverträgliche Lebensweise und die Möglichkeit, die Erstellung der dazu notwendigen Produkte und Dienstleistungen auch zum Gegenstand der eigenen Arbeit zu machen. Die Erwerbstätigkeit ist also aus dem Produkt abgeleitet, und ihre Dimension und Gestaltung bleibt - trotz Kommerzialisierung und Professionalisierung des Alternativsektors - an den Charakter des Produkts gebunden (vgl. Netz e. V. (Hg.) 1997).

Die Grenzen der Eigenarbeit

Der vierte Zusammenhang entsteht über die individuelle Reproduktion. Die Frage, welche Rolle Arbeit bei dieser Reproduktion spielt, führt in komplexe Zusammen hänge. Über Erwerbsarbeit werden Produkte und Dienstleistungen zur Reproduktion hergestellt und über den Markt oder als staatliche Leistungen angeboten. Ein anderer Teil wird privat erbracht, entweder in Form von Eigenarbeit in Haus und Familie (Subsistenzarbeit) oder in Form gegenseitiger Hilfe (Gemeinschaftsarbeit). Zwischen diesem informellen Sektor und dem formellen Sektor des ersten und zweiten Arbeitsmarktes existiert eine Grauzone, in der Erwerbsarbeit unter in formellen Bedingungen geleistet wird (zur Struktur der informellen Arbeit vgl. Teichert 1993).

Eine wichtige Verbindungslinie zwischen Arbeit und Ökologie besteht nun in der Analyse und Gestaltung dieser informellen Arbeit, da auch bei ihr die ersten drei Verknüpfungspunkte auftauchen: Ressourcenverbrauch, Prozeßgestaltung und Produktgestaltung. Der gravierende Unterschied zur formellen Arbeit liegt auf den ersten Blick darin, daß informelle Arbeit privat erbracht wird und daher gestaltbarer erscheint als in institutionellen Strukturen. Nimmt man noch die Annahme hinzu, daß die Menschen von sich aus sinnvollere Dinge umweltverträglicher produzieren wollen, ergeben sich Potentiale hoch attraktiver Synergien, insbesondere wenn man dann noch die Annahme hinzunimmt, daß informelle Arbeit sozial kommunikativer und persönlich befriedigender als Erwerbsarbeit ist (vgl. das Konzept des produktiven Konsums bei Scherhorn 1997). Alle diese Annahmen sind jedoch zu hinterfragen und für die verschiedenen Tätigkeitsbereich zu differenzieren.

So verleitet die Annahme, daß Eigenarbeit gestaltungsoffen ist, zur Vernachlässigung der Restriktionen und Interessenorientierungen, in denen die Menschen all täglich stehen, wie auch der Bedingungen, unter denen Eigenarbeit erbracht wird (Infrastrukturen, eingesetzte Maschinen und Materialien, Qualifikationen etc.); schließlich werden auch die sozialen Bedingungen, in denen der Eigenarbeiter steht, vernachlässigt (Arbeitszeitmuster, Einkommen, Lebensform etc.). Demgegenüber wäre ein Konzept der "reflexiven Lebensführung" zu setzen (Hildebrandtl Hielscher 1998, Voß 1996), das auf der Interdependenz der Lebensbereiche und der Interessenlagen des einzelnen beruht und dabei soziale Milieus und Infrastrukturen einbezieht. Insgesamt muß wohl davon ausgegangen werden, daß der Anteil von Subsistenz gegenüber kommerzieller Versorgung immer weiter zurück geht und daß die Qualität von kommerziellen Produkten immer weniger in Eigenarbeitsformen erreicht werden kann. Hier gelten wieder die Argumente der kumulativen Produktivitätssteigerung bei kommerziellen Produkten und Dienstleistungen, der technischen Netzwerke und Infrastrukturen, die immer weitergehend auf kommerzielle Nutzungsformen ausgelegt sind und dementsprechend Eigenarbeit besonders aufwendig bzw. unproduktiv machen.

Freizeitnutzung ist zunehmend umweltrelevant geworden

Eine zweite Verbindungslinie besteht in der Notwendigkeit der Erholung, die in den Beanspruchungen der Arbeit begründet ist. Erholungsbedarf und Erholungsformen haben sich in den letzten Jahr zehnten gravierend geändert. Erstens sind die Belastungen in der Erwerbsarbeit durch Intensivierung der Arbeit, durch die Verlagerung von körperlichen zu mentalen Anforderungen durch steigende Komplexität und Varianz der Tätigkeiten gestiegen. Zweitens ist der zeitliche Auf wand für Erwerbsarbeit kontinuierlich gesunken. Verschiedene Formen der täglichen, wöchentlichen, jährlichen und Lebensarbeitszeitverkürzung haben sich zu einem epochalen quantitativen Bedeutungsverlust von Erwerbsarbeit aufsummiert. Dadurch ist im Prinzip auch der Erholungsbedarf verringert. Die Zunahme der nicht an Erwerbsarbeit gebundenen Zeit hat zu einer Aufwertung und höheren Eigenständigkeit der Freizeit geführt. Gleichzeitig mit der Arbeitszeitverkürzung wird aber auch eine Intensivierung der Arbeit festgestellt, die den Erholungsbedarf wieder steigert. Die Kombination von Arbeitszeitverkürzung mit Flexibilisierung beschränkt ebenfalls die Verfügbarkeit freier Zeit und erhöht die sozialen Koordinationsanforderungen. Viertens nun haben sich passive Erholung und Freizeitgestaltung ineinander verschoben, haben neue Formen angenommen, in denen Regeneration und Selbstverwirklichung nicht mehr zu trennen sind (z. B. fernsehen).

Diese Formen der Freizeitnutzung sind zu nehmend umweltrelevant geworden, d. h. daß der Umweltverbrauch für private Erholung drastisch gestiegen ist und eine Diskussion um "umweltverträglichere Lebensstile" angestoßen hat (vgl. Reusswig 1995, Bogun 1997). Einen guten Blick auf die Bedeutung dieses Zusammenhangs bietet ein Rückblick auf die Geschichte der Arbeiterbewegung, auf die Kleingarten Bewegung, die Siedlungsbewegung, die Wandervögel, die Sport- und Jugendbewegung, die Konsumgenossenschaften (vgl. Linse 1986).

Eine dritte Verbindungslinie bildet das Konstrukt des kompensatorischen Konsums. Ausgehend von der Tendenz der Entfremdung in der Produktion, d. h. daß der Mensch seine Fähigkeiten und Fertigkeiten immer weniger in die Erwerbs arbeit einbringen kann, aber auch seine sozialen Interessen und Bedürfnisse, wird angenommen, daß er eine "instrumentelle Arbeitsorientierung" entwickelt, die auf die Erzielung von Einkommen und die Erhaltung der Leistungsfähigkeit als dessen Grundlage gerichtet ist. Für das Ertragen der Zumutungen der Erwerbsarbeit, des Arbeitsleids, sind das hohe Geldeinkommen und das damit mögliche, hohe Konsumniveau die angemessene Entschädigung. Selbstverwirklichung findet dem gemäß in der Freizeit statt, teilweise in immer weiter gesteigertem Ressourcen intensiven Erlebniskonsum, teilweise in naturnahen immateriellen Befriedigungen. Hier ergibt sich wieder der Interventionspunkt der umweltverträglichen Lebensstile (Schutze 1992).

Diese Argumentationsfigur des kompensatorischen Konsums ist grundsätzlich plausibel, birgt aber Gefahren der Überziehung und Grenzüberschreitung. So sind zumindest die Verbesserung der Arbeitsverhältnisse und Arbeitsbedingungen in den letzten Jahrzehnten zu reflektieren, und es ist zu fragen, inwieweit sie das Kompensationsbedürfnis verringert haben. Grundsätzlich ist zu berücksichtigen, daß ein bestimmter Konsumakt notwendige Reproduktion, individuelle Kompensation und kollektive Kompensation in einem ist. Schließlich finden Konsumakte zunehmend außengelenkt statt, gelenkt von kommerziellen Angeboten, von Medien, von kulturellen Mustern und sozialen Milieus, so daß die Entscheidung für ökologische Alternativen subjektiv zusätzlich erschwert wird.

Trends der Erwerbsarbeit: Ausdifferenzierung und Globalisierung von Arbeit

Im vorangegangenen Abschnitt wurden die vier Interventionspunkte erläutert, an denen Arbeit prinzipiell in ökologische Kreisläufe eingebunden ist. Die genauere Frage danach, in welchem Maße, in welcher Form und mit welchem Resultat Arbeit in die Stoffkreisläufe interveniert, ist damit ebensowenig beantwortet wie die umgekehrte Frage danach, in welchem Maß Stoffstromänderungen die Quantität und Qualität der Arbeit verändern. Diese Einwirkungen und Auswirkungen sind konkret davon abhängig, um welche Tätigkeit, um welche Branche und um welche Betriebsform es sich handelt. Die Grade der Betroffenheit und der Relevanz variieren danach in hohem Maße.

Für die Verallgemeinerbarkeit von Aussagen über das Wechselverhältnis zwischen Arbeit und Ökologie und d. h. auch für die Bedeutsamkeit von einzelnen strategischen Ansätzen im Arbeitsumweltschutz sind die Entwicklungsdynamiken der Struktur von Erwerbsarbeit von erheblichem Gewicht, insbesondere in Phasen schneller und tiefgreifender Umbrüche. Bisher konnte von einem relativ einfachen Schema von Arbeit ausgegangen werden, das auf der Annahme einer wachsenden Konformität in den betrieblichen Großgruppen der ungelernten, der qualifizier ten Facharbeit und der Angestelltenarbeit ausging. Normalbiographie, Beruflichkeit, Normalarbeitszeit und weitgehende Verregelung der Arbeitsbedingungen durch Gesetz und Tarifvertrag waren die Grund lagen dieser historischen Formierung. In zwischen befinden wir uns in einem Prozeß der Ausdifferenzierung und Globalisierung von Arbeit, der die Größe und Qualität der Varianzen von Arbeit ständig erhöht. Dies gilt für

  • den Wandel der Branchenstruktur, d. h. die Abnahme des gewerblichen Sektors zugunsten des Dienstleistungssektors;
  • die Verschiebung in den Betriebsgrößen, den Unterschieden in der internen Unternehmensorganisation, in den externen Verflechtungen und internationalen Kooperationen;
  • die Auflösung des Normalarbeitsverhältnisses mit entsprechenden Spaltungstendenzen der Arbeitsbevölkerung in Überbeschäftigte, Teilzeitbeschäftigte, geringfügig Beschäftigte und Arbeitslose;
  • die Destabilisierung der Erwerbsbiographien durch Phasen der Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, der Weiterbildung und des Berufswechsels;
  • Verschiebungen der Interessenvertretungsstrukturen weg von Großverbänden und flächendeckenden Regelungen hin zu Verbetrieblichung und Individualisierung;
  • Verschiebungen in der individuellen Versorgung zwischen Markt, Staat und Subsistenz.

Besondere Bedeutung für die betrieblichen Handlungspotentiale im Umweltschutz kommt der Zuständigkeitsverteilung zu, d. h. wer für die ökologischen Aspekte der Produktion verantwortlich ist: die Unternehmensleitungen als Veranstalter der Produktion, spezialisierte und beauftragte Fachkräfte, der einzelne Arbeitnehmer oder die betriebliche Interessenvertretung. Die in den Betrieben vor herrschende Entscheidung für zentralistische, delegatorische, technik- und wissenschaftsorientierte Organisationsformen ist ein starkes Moment, das die Möglichkeiten der Entfaltung eines "ökologischen Mandats" der Beschäftigten kanalisiert.

Die neuen Wettbewerbsstrategien zielen nicht auf Entlastung des Ökosystems

Die Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte findet auch im Arbeitsbereich in gewachsenen Strukturen, vielfältigen Interessenlagen, etablierten Institutionen und Regelungsmechanismen statt. Die Entwicklung der Arbeit wird dominiert von Anforderungen der Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märk ten. Arbeitnehmerinteressen bezüglich Beschäftigung, Einkommen, qualifizierter Tätigkeit etc. sind in diesen Rahmen ein gespannt; dies um so mehr, je stärker durch Globalisierung konkurrierende Sozialstandards direkt durchschlagen und die Sozialstaatsaktivität zurückgedrängt wird (vgl. z. B. Martin/Schumann 1996). Globalisierung, Informatisierung, Wirtschaftsstrukturwandel und neue Produktionskonzepte sind die Motoren des der zeitigen gesellschaftlichen Wandels. Mit Bezug auf das Kriterium einer nachhaltigen Entwicklung lassen sich daher drei Aussagen treffen:

Die neuen Wettbewerbsstrategien zielen nicht in erster Linie auf die Entlastung des Öko-Systems. Auch unter Berücksichtigung erheblicher Verbesserungen durch nachsorgenden und auch im integrierten Umweltschutz dominiert weiterhin die Wachstumsorientierung bei verschärfter Preiskonkurrenz, wodurch die Entlastungseffekte überkompensiert werden. Zweitens, die vorherrschenden Managementstrategien enthalten keine Elemente, die auf eine qualitative Anreicherung von Ausbildungen und Tätigkeiten der Beschäftigten zielen, um einen Zuwachs an sozialer Innovation und Kapazitätsbildung im betrieblichen Umweltschutz zu erreichen.

Drittens, die Wettbewerbsdynamik mit ihrem enormen Produktivitäts- und Ertragsdruck (shareholder value) wird weiterhin eine Situation aufrechterhalten, in der Arbeitslosigkeit und Armut für einen wachsenden Anteil der Arbeitsbevölkerung zu einer steigenden Bedrohung und zumindest zeitweisen Realität werden. Dadurch werden das vorhandene ökologische Bewußtsein und die vorhandene Handlungsbereitschaft durch andere Prioritäten, durch die soziale Frage überlagert und ihrer Umsetzung entzogen. Die neuen sozialen Zustände sind in ihrer Entstehung und Entwicklung nicht durch ökologische Einflüsse geprägt worden im Gegenteil, es steht zu befürchten, daß nicht nur das weitere Wachstum, sondern auch der neue "prekäre Wohlstand" mehr auf Kosten der Umwelt lebt als zuvor.

Mit dieser Grundlage können vier arbeitspolitischen Felder identifiziert werden, aus deren Entwicklung gewichtige um weltpolitische Folgen zu erwarten sind:

  1. Das beschäftigungslose Wachstum, d. h. die Verteilung des vorhandenen Arbeitsvolumens auf immer mehr Köpfe, die jeweils weniger arbeiten und weniger verdienen. Die Beschäftigungspyramide öffnet sich nach unten zu einer Vielzahl labiler, flexibler Beschäftigungsverhältnisse, die häufig nicht ein mal zur Reproduktion des einzelnen ausreichen, insbesondere seiner Kranken- und Alterssicherung.
     
  2. Die erweiterte Nutzung des Arbeitsvermögens in den Unternehmen, die einerseits durch steigende Wissens- und Leistungsanforderungen gekennzeichnet ist, andererseits durch steigende Flexibilität, Mobilität und Unsicherheit.
     
  3. Die Individualisierung der Lebensführung, die mit steigenden Anforderungen an Eigenaktivität, Bildungsanstrengungen und mit Diskontinuität verbunden ist, gleichzeitig aber größere Chancen für qualifizierte Arbeit und hedonistische Lebensstile bietet. Dieser Prozeß ist mit einer Bedeutungsverlagerung zwischen Arbeit und Freizeit verbunden.
     
  4. Vor dem Hintergrund verschlechterter Beschäftigungsmöglichkeiten und sinkender Sozialstaatsleistungen steigt die gesellschaftliche Differenzierung, drohen Entsolidarisierung und Spaltung entlang ökonomischer, geschlechtsbezogener und ethnischer Grenzen. Der Machtzugewinn der Unternehmen wird durch den Zerfall traditioneller Interessenvertretungsstrukturen im Be trieb und Konsum verstärkt, neue Netz werke können den Verlust an sozialem Schutz durch Deregulierung und Machtverschiebung nicht ausgleichen.

Die nähere Analyse dieser arbeitspolitischen Entwicklungen ist deshalb so bedeutsam, weil darin angelegte ökologische Folgen eventuell gravierender sind, als durch kleine Fortschritte z. B. im Umweltmanagement und bei Beteiligungsprojekten aufgewogen werden können. Aber auch umgekehrt: Es können sich unter ökologischer Betrachtung Potentiale ökologischer "Mitnahmeeffekte" eröffnen, die nicht von allein entstehen, sondern erst mit ihrer Aufdeckung und bewußten Förderung.

Die Auswirkungen des Wertewandels auf die Arbeitswelt

Zu den wichtigen Bezugspunkten, von denen her sich das Spannungsverhältnis zwischen Arbeit und Ökologie gestaltet, gehören nicht zuletzt die individuellen Erwartungen an Arbeit und ihre kollektiven Ausdrucksformen. Die Beschäftigten wählen sich Tätigkeiten und Unternehmen aus, bei denen sie sich bewerben, sie gestalten ihren Arbeitsalltag und ihren konkreten Arbeitsvollzug bzw. führen vordefinierte Aufgaben und Abläufe mit mehr oder weniger starker Identifikation aus. Nach welchen Kriterien sie dies tun und welche Möglichkeiten ihnen dafür offenstehen, das ist unter anderem weitgehend von der wirtschaftlichen Phase, dem dominierenden Wirtschaftsmodell, den Managementstrategien sowie dem individuellen Status im Beschäftigungssystem abhängig. Die personelle Komponente dieses sozialen Wandels wird seit längerem unter dem Begriff des Wertewandels diskutiert, d. h. der Veränderung von persönlichen Leitbildern bzw. ihrer Gültigkeit. Die Debatte war von der These eines grundlegenden Wandels von materiellen Grundwerten, in denen die protestantische Arbeitsethik eine zentrale Rolle spielt, zu postmateriellen Werten bestimmt. Inglehart, der Hauptpromotor dieser These, faßt seine langjährigen internationalen Untersuchungen folgender maßen zusammen:

"Hinsichtlich des wirtschaftlichen Verhaltens beobachten wir eine allmähliche Verschiebung dessen, was Menschen zur Arbeit motiviert: die Betonung verschiebt sich beim einzelnen von der Maximierung des Einkommens und der Arbeitsplatzsicherheit darauf, zunehmend eine interessante und sinnvolle Arbeit zu erwarten. Auf der einen Seite beobachten wir eine stärkere Betonung kollegialer und partizipatorischer Managementstile. Aber gleichzeitig kehrt sich die Tendenz um, bei der Suche nach Problemlösungen auf die Regierung zu schielen, und Kapitalismus und Marktgesetze werden zunehmend akzeptiert. Beide Trends sind mit einer wachsenden Ablehnung hierarchischer Autoritätsmuster und einer zunehmen den Betonung individueller Autonomie verknüpft." (Inglehart 1998, S. 453) Bereits aus diesem Zitat wird deutlich, daß sich die Wertewandeldiskussionen stark auf grundlegende gesellschaftliche Leit bildet konzentriert und Spezifizierungen zu einzelnen gesellschaftlichen Gruppen und Bereichen wie Arbeitnehmern eher am Rande stehen, insbesondere da diese keineswegs zu den Promotoren des Wandels gehören. Für die Gruppe der Arbeitnehmer gilt die These der "partiellen Modernisierung" (Herlyn/Scheller/Tessin 1994, S. 19ff.), nach der Individualisierung und Pluralisierung von Lebensstilen unvollständig ausgeprägt sind. Umorientierungen beziehen sich vorwiegend auf den Konsum- und Freizeitbereich, in dem größere Freiheitsgrade für die Realisierung individueller Lebensstilelemente existieren als im Erwerbsarbeitsbereich, der durch feste Strukturen und materialistische Normen geprägt ist. Diese wichtige Einschränkung der Dominanz und Durchgängigkeit der Wende zum Postmaterialismus ist generell in dem Sinne erhoben worden, daß das zunehmende Interesse z. B. an freier Meinungsäußerung und Mitsprache in Wirtschaft und Politik, an Selbstverwirklichung in hedonistischem Konsum nicht nur vorrangig in den Mittel und Oberschichten ablaufen (Lüdtke 1989, S. 155), sondern sich überhaupt nicht mit materialistischen Orientierungen wie Leistung, Disziplin, Ordnung und Wirtschaftsstabilität ausschließen (Bolte 1993, S. 11 ).

Die Auswirkungen des Wertewandels auf die Arbeitswelt werden grundsätzlich in fünf Dimensionen gesehen (vgl. ebenda, S. 14-18):

  • Steigende Ansprüche an Möglichkeiten der Persönlichkeitsentfaltung in der Arbeit, zur Kreativität, Kooperation und zur Arbeitsgestaltung;

Forderungen zu größeren Mitentscheidungsmöglichkeiten in Tätigkeit und Betrieb;

  • die Veränderung von Mustern der Karriereplanung von Männern und Frauen im Zuge der Individualisierung von Lebensstilen;

die Relativierung insbesondere der subjektiven Bedeutung von Erwerbsarbeit durch stärkere Freizeitorientierungen, wobei durchaus Leistungsorientierungen in den Nichterwerbsbereich über tragen werden;

Erhöhung der Erwartungen an die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, insbesondere auch im Bereich des Umweltschutzes.

Geht bei Arbeitern Ökonomie vor Ökologie?

Die sichtbaren Umweltschäden und öffentlich bekannten Gefährdungen sind zu einer der wichtigsten Nebenfolgen des kapitalistischen Wachstumsmodells geworden und haben seit den siebziger Jahren Bewußtsein und Verhalten der Bevölkerung zunehmend geprägt. Das Umweltbewußtsein der Bürger ist kontinuierlich gestiegen, es ist allerdings in bezug auf die eigene Situation und den eigenen Bei trag weniger kritisch als bei "den anderen" und setzt sich auch nicht umstandslos in umweltbewußtes Verhalten um (vgl. z. B. UBA 1996).

Auch hier mußte die Frage gestellt wer den, ob aufgrund der zentralen Arbeitsplatzabhängigkeit ein spezifisches Umweltbewußtsein der Arbeiter existiere, also die These, bei ihnen gehe Ökonomie vor Ökologie. Die Befunde entsprechen der industriesoziologischer Untersuchungen (Heine/Mautz 1989, Bogun/Oster Iand/Warsewa 1990) bestätigen die grundlegende Differenz zwischen Nähe und Ferne: Das Umweltbewußtsein ist vergleichbar hoch und bezieht sich auch auf die Industrie, ihre Herstellungsprozesse und Produkte; durchaus radikale Verhaltensänderungen zugunsten des Umwelt Schutzes werden eingefordert. Das Bild ändert sich erst, wenn es um den eigenen Betrieb, die eigene Tätigkeit, das eigene Produkt geht; dort wird die Beurteilung deutlich positiver, einschneidende Verhaltensänderungen sind nicht erforderlich bzw. treten dann hinter unmittelbare materielle Interessen zurück; die Bemühungen des eigenen Betriebs im Umweltschutz werden hervorgehoben und unter stützt.

Obwohl dies "kein arbeiterspezifisches Problem im Umgang mit dem Umweltthema" ist (de Haan/Kuckartz 1996, S. 134), hat es doch für unser Thema gravierende Auswirkungen: Es deutet darauf hin, daß Umweltschutz von den Beschäftigten nicht aktiv in den Arbeitsbereich hineingetragen wird, daß zwischen persönlichem Umweltengagement und betrieblichem Verhalten stark getrennt wird. Das heißt, wir finden die Separierung von Arbeit und Ökologie auch auf dieser Ebene wieder.

Bei Managern und Facheliten gehört das Umweltthema zu den wichtigsten Legitimationsproblemen

Die Forschung hat allerdings frühzeitig auf die Sonderstellung der Facheliten in den Unternehmen hingewiesen, der Techniker, Ingenieure und Naturwissenschaftler und auch des Managementnachwuchses. Bei ihnen sind die arbeitsinhaltlichen Ansprüche ausgeprägter und die Gestaltungsmöglichkeiten in der Arbeit größer. Wenn also, insbesondere aufgrund höherer Bildung, ein gehobenes Umweltbewußtsein vorliegt, ist auch ein entsprechend großer Umsetzungsdruck zu erwarten. Bei einer Befragung von Führungskräftenachwuchs ergaben sich entsprechend der Wertwandel-These erhebliche Differenzen zwischen Soll-Zielen der Unternehmenstätigkeit und den wahrgenommenen Ist-Zielen; die Diskrepanz war beim Ziel Umwelt am ausgeprägtesten und läßt auf latente Kritik und "an gekränkelte Identifikationsbereitschaft" schließen (von Rosenstiel 1992, S. 83-105). Das Umweltthema gehört bei Managern und industriellen Experten zu den wichtigsten beruflichen Legitimationsproblemen, insbesondere in der Chemie- und Metallindustrie, und führt zu einer "eskalierenden Unvereinbarkeit zwischen dem Zuschnitt der subjektiven Orientierungen und den betrieblichen Verhaltensstandards und Organisationsformen" (Baethge/Denkinger/Kadritzke 1995, S. 23). Die Bezeichnung als Dilemma verdeutlicht, daß die Umsetzung der hohen Handlungsbereitschaft in konkretes Engagement auch bei dieser Gruppe begrenzt ist, vor dringlich aufgrund von Zeitproblemen und Politikvorbehalten.

Das Fortbestehen des Spannungsverhältnisses zwischen Arbeit und Ökologie spie gelt sich auch in den Ergebnissen von Befragungen, ob die Gewerkschaften sich stärker im Umweltschutz engagieren soll ten. Eindeutig wird die Bedeutung der Gewerkschaften in der Umweltpolitik Deutschlands als gering angesehen; bei der Frage nach geforderter Rolle sprachen sich in einer Allensbach-Befragung 43 der Befragten und 50% der Gewerkschaftsmitglieder für ein stärkeres Engagement und 34 % dagegen aus (Natur, Heft 10/1992, S. 48).

Für die Gruppe der Arbeitnehmer ist natürlich die Veränderung der Arbeitsmarktlage und der sozialen Sicherheit von entscheidender Bedeutung. Wenn, wofür starke Indikatoren sprechen, für den Be reich der eigenen Erwerbsarbeit zwischen Ökonomie und Ökologie eine klare Prioritätensetzung vorherrscht, wird diese in der sozialen Krise eher noch verstärkt wie die laufenden Erhebungen von gesellschaftlichen Problemprioritäten dokumentieren. Solange es nicht gelingt, die Möglichkeiten der Integration durch die Beteiligung der Beschäftigten an ökologischen Managementmethoden und die Förderung umweltverträglicherer Lebensstile unter Bedingungen gering entlohnter und flexibler Erwerbsarbeit zu fördern, bleibt die Polarisierung bedeutsam und verschiebt sich zuungunsten des Umweltschutzes (vgl. z .B. Köcher 1997).

Auch die Gewerkschaften bleiben in diesem Dilemma befangen. Während die Öko-Initiativen auf betrieblicher Ebene randständig sind (vgl. z. B. Biere/Zimpelmann 1997), versuchen sie die Zusammenführung forciert auf programmatischer Ebene. Im Entwurf einer "sozialökologischen Reformstrategie" wird die umweltpolitische Umsteuerung mit den zentralen Zielen der Vollbeschäftigung, Verteilungsgerechtigkeit und Lebensqualität kombiniert (vgl. DGB 1997). Diese Integration entspricht eher der zusätzlichen Aufnahme umweltpolitischer Ziele als einer Prüfung der Wechselwirkungen zwischen den beiden Bereichen und der Identifikation konkreter Synergien.

 

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Wie eine Auswertung der Patentstatistiken durch das Münchner ifo Institut zeigt, stammten über ein Viertel der weltweiten Patentanmeldungen zur Umweltschutztechnik aus Deutschland. Damit konnten sich die deutschen Erfinder den zweiten Platz hinter den USA (27,9 Prozent) sichern. Auf Platz eins liegt deutsches Umwelt-Know-how bei der Abfallwirtschaft und der Lärmdämmung; bei Abwassertechnik und Luftreinhaltung waren die Neuerungen aus Deutschland an zweiter Stelle zu finden. - Welche Bedeutung das Umwelt-Know-how für Deutschland hat, erschließt sich beim Blick auf den Welthandel. Auf dem Weltmarkt für Umweltschutzgüter konnten sich deutsche Exporteure Mitte der neunziger Jahre den Titel Exportweltmeister sichern.

Globus