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Islam in Deutschland

Publikationen in der Mediengesellschaft

Positionspapier der Fachkonferenz Publikationen der Zentralen für politische Bildung (ZpB)

 



Inhaltsverzeichnis

 

 

 

Publikationen in der Mediengesellschaft

Positionspapier der Fachkonferenz Publikationen der Zentralen für politische Bildung (ZpB)

 

1. Zielsetzungen

Das Leitbild politischer Bildungsarbeit sind die mündigen Bürgerinnen und Bürger, die sich in die Politik einmischen können und dafür sowohl über die notwendigen Sachinformationen als auch über die Kenntnis der geeigneten Instrumente verfügen. Darüber hinaus soll politische Bildung motivierend wirken und methodische Anregungen für die Praxis bieten.
Politische Bildungsarbeit schafft den Raum, sich kritisch mit Vergangenheit auseinanderzusetzen, über Lösungen für Gegenwartsprobleme nachzudenken und sich zu fragen, wie die Zukunft gestaltet werden sollte. Politische Bildung hilft, Identitäten zu stiften und ständig weiterzuentwickeln.
Politische Bildung ist ein wesentliches Element der Politischen Kultur und damit auch unverzichtbar für eine lebendige und entwicklungsfähige Demokratie.
Die Aktivitätenvielfalt wie das konkrete Themenangebot politischer Bildungsarbeit lassen sich theoretisch ableiten. Denn drei Dimensionen von Politik wollen durch die Angebote bedient sein:

  1. Die Spielregeln (Verfassung, Institutionen) sowie die Rahmenbedingungen politischen Handelns (Wirtschafts- und Sozialordnung, Politische Kultur, Geschichte) sollen gelernt bzw. bewusst gemacht werden (polity).
  2. Die Inhalte von Politik, die zu gestaltenden Sachbereiche sollen in ihrer Komplexität, nach ihren wertmäßigen und interessegebundenen Implikationen vermittelt werden, z. B. Arbeitsmarktpolitik, Rentenpolitik, Energiepolitik (policy).
  3. Die konkreten Entscheidungsabläufe sollen transparent gemacht werden, um sich selbst wirkungsvoll einbringen zu können und um Enttäuschungen in Grenzen zu halten (politics).

Damit ist das Themenspektrum abgegrenzt.

2. Angebotsformen

Die politische Bildungsarbeit der ZpB – als Bestandteil des staatlichen Bildungsauftrags – wird durch eine Vielfalt von Angebotsformen geleistet, die kontinuierlich weiterentwickelt werden. Die zwei Schwerpunkte der Arbeit sind:

  • Die Veranstaltungsarbeit in Form von Vortragsveranstaltungen, Seminaren, Kongressen, Studienreisen u. ä.; sie wird je nach Einrichtung in Eigenregie oder mit Kooperationspartnern oder durch finanzielle Förderung oder durch Kombination dieser drei Möglichkeiten betrieben.
  • Die Publikations- und Informationsarbeit durch Initiierung, Konzeption, Mitdruck oder Ankauf von Büchern, Broschüren, Zeitschriften und neuen Medien sowie entsprechender Informationsdienstleistungen; dazu gehören insbesondere das Internet, audiovisuelle Medien, Spiele oder Folien. Darüber hinaus sind die ZpB offen für neue Formen.

Veranstaltungs- und Publikationsarbeit ergänzen und befruchten sich wechselseitig. Als Querschnittsaufgaben aller Bereiche sind die Pflege von Kontakten zu anderen Trägern, die Verknüpfung der Bildungsarbeit auf Landes- und Bundesebene sowie die Öffentlichkeitsarbeit wahrzunehmen.

3. Veränderte Rahmenbedingungen der Publikationsarbeit der ZpB

Auch bei steigenden Zugangsmöglichkeiten breiter Bevölkerungskreise zu neuen Medien bleibt das geschriebene Wort ein unverzichtbarer Bestandteil der Bildungskultur. Das Lesen von Büchern vermittelt nicht nur Informationen, es strukturiert Wissen, regt das Denken an und weckt die Phantasie. Lesekompetenz bildet die Voraussetzung für eine umfassende Medienkompetenz.

4. Komplementärverhältnis zwischen Buchpublikationen und anderen Medien

Für die Publikations- und Informationsarbeit der ZpB stehen die einzelnen Medien in einem Komplementärverhältnis, das durch finanzielle, personelle und organisatorische Rahmenbedingungen sowie medienpädagogische Erwägungen bestimmt wird. Die Publikations- und Informationsarbeit der ZpB muss in diesem Zusammenhang folgende Fragen abwägen:

  1. Welche Inhalte sollen mit welchen Prioritäten vermittelt werden?
  2. Mit welchem Medium lassen sich die jeweiligen Inhalte am besten darstellen?
  3. Welche Zielgruppen sollen mit welchen Prioritäten erreicht werden?
  4. Welches Medium erreicht welche Zielgruppe am besten?
  5. Welches Medium ist am effektivsten hinsichtlich der Zugänglichkeit?
  6. Welches Medium ist am effizientesten hinsichtlich der Kosten und organisatorischen Bereitstellung?

Hieraus ergeben sich einige Folgerungen für die Auswahl einer Medienart:

  1. Inhaltliche Wichtigkeit als Aspekt: Kernthemen der politischen Bildung, über die ein Konsens der ZpB besteht, sollten jedem Anfrager fundiert und als Publikation zugänglich sein. Da die Vermittlung der Kernthemen eine hohe Priorität genießt, ist hier auch ein zusätzliches Angebot anderer Medien wünschenswert.
  2. Gesamtkonzept des Publikations-, Informations- und Medienangebotes: Erforderlich ist ein Gesamtkonzept, so dass sich sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Zielgruppen eine wechselseitig abgestimmte und an den Aufgaben ausgerichtete Einheit ergibt. Hier sind jeweils Überlegungen zur Nachhaltigkeit und zur Aktualität von Informationen und Bildungsinhalten zu berücksichtigen.
  3. Umsetzung des Gesamtkonzepts: Trotz der unterschiedlichen organisatorischen Strukturen der einzelnen ZpB sollten sich die für Publikationen und neue Medien zuständigen Mitarbeiter kontinuierlich über die Umsetzung des Gesamtkonzepts abstimmen (z. B. bei so genannten Mehrfachverwertungen). Eine große Hilfestellung kann der intensive Informationsaustausch zwischen den ständigen Konferenzen bieten.

5. Bundeszentrale und Landeszentralen

Die Bundeszentrale für politische Bildung und die 16 Landeszentralen für politische Bildung in der Bundesrepublik Deutschland unterliegen sehr unterschiedlichen organisatorischen, personellen und finanziellen Rahmenbedingungen. Sie orientieren sich an ähnlichen Aufgabestellungen, erfüllen diese jedoch mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen. Dem föderalistischen Ursprung gemäß leisten die 17 Einrichtungen jeweils eigenständige Bildungsarbeit, wobei sich die Dienstleistungen und Produkte von Landeszentralen und Bundeszentrale ergänzen. Konkurrenz kann dabei das Geschäft durchaus beleben. Landeskunde jedoch ist naturgemäß eine Domäne der Landeszentralen.
Darüber hinaus bemühen sich die Zentralen für politische Bildung erfolgreich um Kooperation, die in den Konferenzen der Publikationsreferentinnen und -referenten ihren institutionellen Niederschlag findet. Die Ziele sind:

  • Erfahrungsaustausch und Abstimmung untereinander und mit anderen Konferenzen der ZpB;
  • Herstellung von besserer Marktübersicht; damit sind die Angebote gewissermaßen „qualitätsgeprüft“ und bieten daher auch Orientierung angesichts eines kaum überschaubaren Marktangebotes;
  • Verbilligung des Ankaufs von Verlagspublikationen durch Poolbildung;
  • Aufgreifen neuer Themen und Anregungen für das Angebot von Verlagen; damit werden auch Akzente auf dem Buchmarkt gesetzt, und zwar aufgrund von Initiativen der ZpB. Dies enthält Elemente einer „Public Private Partnership“;
  • Förderung wenig marktgängiger aber bedeutsamer Themen und Titel, da die Nachfrage der ZpB sich für die Verlage risikomindernd auswirkt;
  • Planung gemeinsamer Publikationen der ZpB (Beispiele: „Die deutsche Demokratie“, „Die deutschen Länder“, „Verwaltungsatlas Deutschland“).

6. Zusammenfassung

Die Publikationsarbeit der Zentralen für politische Bildung ist unverzichtbar für die politische Bildungsarbeit in Deutschland. Die Bereitstellung neuer Medienangebote erweitert ihre Möglichkeiten beträchtlich. Gleichwohl wird die Verbesserung der Effektivität nicht zum Nulltarif zu haben sein. Der bisherige Themenkatalog für die Publikationsarbeit und die qualitativen Anforderungen bezüglich Kontroversität, politischer Neutralität und Vermittlungsanspruch zwischen Wissenschaft und politischer Praxis behalten ihre volle Gültigkeit.

 

 


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