Zeitschrift Die neuen Kriege
Heft 4/2004 Hrsg: LpB
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Vorwort
Die neuen Kriege Die Debatte über die „neuen Kriege“ ist ein Indiz für den Formenwandel bewaffneter Gewalt. Es gibt Aspekte kriegerischer Auseinandersetzungen, die in den Kriegen zu Zeiten des Ost-West-Konflikts weniger deutlich in Erscheinung traten. Der erste Golfkrieg, die Zerfallskriege Jugoslawiens und vor allem die
Kriege in Afrika offenbarten eine neue Erscheinungsform und bis dahin
unbekannte Grammatik des Krieges. Neben zentral geführten Kampfverbänden
gibt es in Kriegen und Konflikten der letzten Jahre vermehrt dezentral und
auf eigene Rechnung operierende Gewaltakteure. Die Finanzierung der Kriege
erfolgt einerseits durch Plünderung und Ausbeutung der lokalen Bevölkerung
und in Der Formenwandel des Krieges hat gravierende Auswirkungen auf die
Zivilbevölkerung. Durch brutale Exzesse der Gewaltanwendung wird sie in das
Kriegsgeschehen einbezogen. Die eindeutige Trennlinie zwischen Zivilisten
und Kombattanten löst sich auf. Dazu gehört unter anderem die systematische
Zwangsrekrutierung von Kindern und Jugendlichen. Die neuen Kriege spielen sich an den Rändern der Wohlstandszonen, hauptsächlich in der so genannten Dritten Welt, ab. Unsere Wahrnehmung aktueller Kriege und Konflikte wird daher entscheidend von den Medien geprägt. Unter dem Zwang hoher Einschaltquoten folgt die Kriegsberichterstattung häufig den medialen Spielregeln einer dramatischen Inszenierung. Krieg wird publikumswirksam als „Abenteuer für das Auge“ inszeniert, bedient somit vorschnell Interessen und weckt Emotionen. Die mediale Darstellung des weltweiten Kriegsgeschehens provoziert stets die Frage, wie es um das Verhältnis von Information, Inszenierung und Zensur in der Berichterstattung bestellt ist. Trotz dieser offensichtlichen Kennzeichen ist die These vom Wandel der Kriegsformen in der Konflikt- und Friedensforschung umstritten. Der mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes verknüpfte Gestaltwandel des Krieges ist – einigen Konflikt- und Friedensforschern zufolge – keineswegs so deutlich, wie unterstellt wird. Ist dieser Gestaltwandel also im Grunde ein altes Thema: die Anpassung des „Chamäleon Krieg“ (Clausewitz) an veränderte politische, soziale und ökonomische Bedingungen? Kritische Stimmen mahnen deshalb auch an, dass die gegenwärtige Debatte über die neuen Kriege den Blick auf notwendige Diskussionen über Konflikt- und Krisenprävention verstellt. Konflikt- und Friedensforschung sollte sich nicht nur um den Formenwandel kriegerischer Gewalt kümmern, sondern auch für friedens- und sicherheitspolitische Konsequenzen sensibilisieren. Die Autorinnen und Autoren wollen mit ihren Beiträgen detaillierte Informationen vermitteln, zur Versachlichung der Diskussion beitragen und Fakten bereitstellen, die für das Verständnis des komplexen Themas wichtig sind. Allen Autorinnen und Autoren sowie meinem Kollegen Peter Trummer, der mit fachlichem Rat zum Entstehen dieses Heftes beigetragen hat, sei an dieser Stelle gedankt. Dank gebührt auch dem Schwabenverlag für die stets gute und effiziente Zusammenarbeit. Siegfried Frech |
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