Zeitschrift

Radikalisierung und
Terrorismus im Westen

 

 

Heft 4/2011

Hrsg: LpB



 

 
Inhaltsverzeichnis
 

  

Einleitung

Radikalisierung und Terrorismus im Westen


Es gibt keinen unverwundbaren Staat! Die Bundesrepublik Deutschland ist ins Fadenkreuz islamistischer Terroristen geraten. Die Festnahme der Sauerland-Gruppe im September 2007 hat gezeigt, dass hier geborene junge Männer mit und ohne Migrationshintergrund islamistisches Gedankengut verinnerlicht haben und zu terroristischen Anschlägen bereit sind. Anschläge auf deutschem Boden sind ein realistisches Szenario geworden. Die Mitglieder der Sauerland-Gruppe sind die ersten so genannten „homegrown terrorists“, die in der Bundesrepublik verhaftet wurden. Der Begriff „homegrown terrorism“ tauchte in den 1990er Jahren erstmals in englischsprachigen Medien auf und hat sich inzwischen auch im wissenschaftlichen Diskurs etabliert. Der Begriff lässt sich unzulänglich mit „selbst herangezogene, im Land aufgewachsene“ Terroristen übersetzen und meint Täter, die in westlichen Staaten geboren wurden bzw. sich seit ihrer Kindheit dort aufhalten und sozialisiert wurden und sich dann für transnational operierende Terrorgruppen rekrutieren ließen. Besondere Brisanz gewann der Begriff nach den Anschlägen in Madrid im März 2004 und vor allem in London im Juli 2005. Die Anschläge haben uns mehr als deutlich vor Augen geführt, dass der islamistische Terrorismus nicht nur ein „importiertes“ Phänomen ist, sondern aus dem Zusammenspiel von scheinbar integrierten Muslimen mit transnational operierenden Terrornetzwerken entstehen kann, die im Namen eines globalen Dschihad agieren.

Was meint der Begriff „homegrown terrorism“ eigentlich genau? Wie verläuft der Weg vom scheinbar integrierten Gesellschaftsmitglied zum islamistischen Gotteskrieger? Gibt es idealtypisch verlaufende Radikalisierungsprozesse? Existieren Profile von den Tätern? Lassen sich Motive und Ursachen für die Radikalisierung identifizieren? Wie werden neue Kommunikationsformen für dschihadistische Propaganda benutzt? Welche Rolle spielen islamistische Organisationen und Terrorgruppen im Ausland sowie in westeuropäischen Staaten? Wenn die Aussage stimmt, dass „der Terrorist das Denken besetzt“ (Heribert Prantl), ist schließlich auch die Frage zu stellen, wie die Mehrheitsgesellschaft mit diesem Phänomen umgeht. Wird der Argwohn gegen den Islam gefördert? Sind Misstrauen und Feindseligkeit gegenüber muslimischen Diasporagemeinden ein „Erbe“ von 9/11? Welche präventiven Maßnahmen sind angezeigt und wirksam? Und schließlich: Wie gehen wir mit der Erkenntnis um, dass dem Terrorismus vorgebeugt, dieser aber nicht verhindert werden kann?

Die Terroranschläge der vergangenen zwei Dekaden erwecken den Eindruck, dass der Terrorismus seit den 1990er Jahren religiöser und brutaler geworden ist. Doch welche Rolle spielt Religion tatsächlich? Andreas Hasen-clever und Jan Sändig erörtern im einführenden Beitrag, der u. a. die Artikel des Heftes in das Thema „Radikalisierung und Terrorismus“ einordnet, zunächst die langfristigen Trends im weltweiten Terrorismus. Die Trends zeigen, dass Brutalität und Letalität der Anschläge zwar zugenommen haben, ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Religion und Grausamkeit jedoch nicht generell behauptet werden kann. Für westliche Staaten gelten insbesondere religiöse Terrororganisationen mit transnationaler Ausrichtung und einer hohen Rekrutierungsaktivität in muslimischen Diasporagemeinden als Quelle der Gefahr (vgl. auch den Beitrag von Karl Cordell). Will man Terrorismus wirksam bekämpfen, müssen Grundmuster und Motive der Radikalisierung bekannt sein. Die Analyse von Radikalisierungsprozessen zeigt, dass es sich um komplexe Abläufe handelt, in denen persönliche Dispositionen, Identitätskrisen, sozialpsychologische Momente, objektive Missstände und eine einseitige Auslegung religiöser Texte eine Rolle spielen. Bei den Gegenstrategien lassen sich „weiche“ und „harte“ Formen der Terrorismusbekämpfung unterscheiden. Zielt die „harte“ Spielart auf die Schwächung der Handlungsfähigkeit von Terrororganisationen, so setzt die „weiche“ Variante im präventiven Bereich an und fokussiert die Handlungsbereitschaft von Mitgliedern terroristischer Vereinigungen und solchen Menschen, die kurz davor stehen, zu Mitgliedern zu werden. Die Autoren halten fallspezifische und aufeinander abgestimmte Maßnahmen der „weichen“ und „harten“ Terrorismusbekämpfung für unerlässlich, um nachhaltige Erfolge bei der Vermeidung von terroristischen Anschlägen erzielen zu können. Gefordert ist ein ganzheitlicher Ansatz, der eine Kooperation staatlicher Behörden mit Politik und nicht-staatlichen Akteuren notwendig macht.

Der Begriff “Homegrown Terrorismus” entzieht sich bisher einer allgemein akzeptierten Definition. Als Alternative zu diesem unpräzisen Terminus entwickelt Karl Cordell eine differenzierte Terrorismustypologie, die bei der Unterscheidung zwischen „transnationalem” und „nationalem” Terrorismus ansetzt. Transnationale Terrorgruppen verfolgen eine international ausgerichtete Zielsetzung und wollen die globale Ordnung radikal verändern. Nationaler Terrorismus richtet sich gegen ein konkretes politisches Regime, stellt dessen Legitimität in Frage und zielt auf seinen Sturz bzw. Wandel ab. Die beiden grundlegenden Kategorien wiederum können in Subkategorien unterteilt werden: Transnationaler Terrorismus kann eine transnational-revolutionäre oder transnational-dschihadistische Stoßrichtung haben. Der nationale Terrorismus lässt sich mit vier Unterkategorien präzisieren: den revolutionären, den konterrevolutionären, den substaatlich-nationalistischen und den lokal-dschihadistischen Terrorismus. Mit diesen Kategorien lassen sich die aktuellen Formen von Terrorismus wesentlich exakter erfassen. Die Analyse des Tschetschenienkonflikts zeigt exemplarisch den Wandel vom nationalen Befreiungskampf hin zum transnationalen kriegerischen Dschihadismus. Ging es anfangs nur um die nationale Befreiung, wollen transnationale Dschihadisten nunmehr an die Stelle des Nationalstaates ein weltweites islamisches Kalifat setzen.

Der Weg in den terroristischen Untergrund ist vielgestaltig. Politische Radikalisierung – d.h. die erhöhte Bereitschaft, sich an politischen Konflikten zu beteiligen – kann sich auf drei Ebenen abspielen: Auf der Individual-, der Gruppen- und der Gesellschaftsebene. Clark McCauley und Sophia Moskalenko konzentrieren sich in ihrem Beitrag auf die beiden erstgenannten Ebenen. Auf der individuellen Ebene sind folgende Mechanismen denkbar: Männer und Frauen treten radikalen Bewegungen vor allem aufgrund persönlicher Erfahrungen (z.B. Erfahrungen von Unrecht und/oder politischen Missständen), aufgrund individueller Motive (z.B. Suche nach Anerkennung und Abenteuer) oder aufgrund gefestigter Überzeugungen bei. Ein wesentliches Moment der Radikalisierung kann zudem die Sozialisation in militanten Gruppierungen sein. Gruppen radikalisieren sich beispielsweise dann, wenn sie von Regierungsseite unter Druck gesetzt werden oder sich gegenüber anderen Akteuren mit ähnlicher Programmatik durchsetzen müssen. Grundsätzlich ist von einer Pluralität der -Radikalisierungspfade auszugehen. Es gibt nicht nur einen Weg in den politischen Radikalismus, und es gibt viele Mechanismen, die miteinander interagieren und sich wechselseitig verstärken. Dabei spielen Ideologie und Religion nicht für alle Radikalisierungsprozesse eine gleichermaßen zentrale Rolle. Persönliche und kollektive Unrechtserfahrungen können zur Gewalt motivieren, die erst nachträglich ideologisch rationalisiert wird. Und umgekehrt gilt ebenso: Radikalisierung muss nicht notwendig im Terrorismus enden.

Die nachfolgenden, nach den Ländernamen alphabetisch geordneten Beiträge konzentrieren sich auf Möglichkeiten der Terrorismusprävention und nehmen dabei die Radikalisierungsprozesse und das Ausmaß terroristischer Aktivitäten in den jeweiligen Ländern in den Blick. Ohne den Beiträgen vorgreifen zu wollen, identifizieren die Autorinnen und Autoren vier Gründe für die Radikalisierung junger Menschen: (1) eine nur scheinbare Integration sowie ein Mangel an Zugehörigkeit zur Aufnahme- bzw. Mehrheitsgesellschaft; (2) Perspektivlosigkeit und mangelnde materielle Teilhabechancen; (3) Wut über die Kriege in Afghanistan und im Irak, die als Angriff auf die islamische Welt gewertet werden; (4) das Gefühl, in der Folge von 9/11 eine entwürdigende und demütigende Behandlung erleben zu müssen.

Diesen „cultural outcasts“ (Olivier Roy) erscheint die islamistische Ideologie als Ausweg aus ihrer als sinnlos begriffenen Existenz, die durch eine vermeintlich heroische, radikale bzw. terroristische Tat wieder Sinn bekommt.

Anja Dalgaard-Nielsen beschreibt den Wandel von der nach 9/11 praktizierten „harten“ Form der Terrorismusbekämpfung hin zur zunehmenden Akzeptanz „weicher“ Maßnahmen. Terrorismusprävention muss – so die Ausgangsthese – frühzeitig einsetzen. Gerade bei gefährdeten Jugendlichen sind „weiche“ Maßnahmen der Terrorismusbekämpfung, die auf Begegnung und Dialog setzen, gefragt. In ihrem Beitrag stellt Anja Dalgaard-Nielsen ein dänisches Modellprogramm vor, das auf einer engen Kooperation des Dänischen Sicherheits- und Nachrichtendienstes (PET) mit Schulen, Sozialbehörden und der Polizei beruht. Ziel ist es, die lokalen Behörden für Radikalisierungsprozesse Jugendlicher zu sensibilisieren und ihnen präventive Instrumente an die Hand zu geben. Nachdem anfängliche Vorbehalte bei den Projektbeteiligten ausgeräumt werden konnten, sind die Rückmeldungen der lokalen Partner inzwischen vielversprechend. Um die Nachhaltigkeit der Präventionsmaßnahmen gewährleisten zu können, ist neben der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Schulen, lokalen Sozial- und Polizeibehörden die Rezeption des akademischen Diskurses notwendig, um neuere Erkenntnisse für eine theoriegesättigte Präventionspraxis nutzbar zu machen.

Am 2. März 2011 verübte der Kosovare Arid Uka den ersten islamistischen Terroranschlag in Deutschland. Der Fall Uka ist deshalb so herausragend, weil sich ein Täter erstmals über das Internet radikalisiert und sich gleichsam von selbst für die dschihadistische Sache rekrutiert hatte. Die Rolle terroristischer Organisationen war auf ein Minimum reduziert. Sie lieferten lediglich noch den ideologischen Referenzrahmen. Die dschihadistische Szene ist gegenwärtig eher durch dezentrale Strategien charakterisiert. Der militante Islamismus ist längst nicht mehr hierarchisch aufgebaut, sondern bildet ein flexibles und „lernendes“ Netzwerk. Dennoch haben terroristische Organisationen ihre Funktion für den islamistischen Terrorismus nicht verloren. Guido Steinberg skizziert mit Blick auf Deutschland drei Organisationsformen: die organisierten Dschihadisten, die unabhängigen Dschihadisten und die so genannten neuen Internationalisten. Anhand konkreter Beispiele werden Prozesse und Mechanismen der Radikalisierung, die terroristischen Organisationen, deren Strategien und Aktionsformen eingehend dargestellt. Vor allem die neuen Internationalisten, welche die Vorteile von Organisation und Unabhängigkeit in hybrider Weise miteinander verbinden, stellen seit 2007 die größte Bedrohung für die innere Sicherheit in Deutschland dar.
Frankreich blieb in den vergangenen Jahren weitgehend von islamistischen Anschlägen verschont. Dies lässt – so Jean-Luc Marret – auf eine erfolgreiche Terrorismusbekämpfung im Innern schließen, die präventiv ausgerichtet ist und sich durch eine hohe Reaktionsfähigkeit auszeichnet. Trotzdem ist der stete Wandel der terroristischen Bedrohung eine Herausforderung für den französischen Sicherheitsapparat. Die sozialen Profile von Terroristen und die Selbstmordattentatsversuche vergangener Jahre lassen erkennen, dass der Irakkrieg zu einer Radikalisierung islamischer Milieus und zur verstärkten Rekrutierung potentieller Selbstmordattentäter beigetragen hat. Der „Irakfaktor“ macht sich insofern bemerkbar, als islamistische Gruppen die irakische Regierung als ein zur Kollaboration bereites Regime betrachten, das – genau wie seine internationalen Partner – bekämpft werden muss. Die Existenz von Terrornetzwerken auf französischem Boden darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass jenseits der regionalen eine globale bzw. transnationale Ebene existiert, auf der diese Netzwerke agieren. Dementsprechend setzt die französische Strategie der Terrorismusbekämpfung nach außen und im Innern auf mehreren Ebenen an. Nicht zuletzt die wachsenden terroristischen Aktivitäten im Maghreb bzw. Sahelraum sind für französische Interessen und dort lebende französische Staatsbürger eine Bedrohung.

Nach den Anschlägen des Jahres 2005 implementierte die britische Regierung eine neue Strategie der Terrorismusbekämpfung. Ein wichtiger Bestandteil dieser neuen Strategie ist das so genannte Prevent-Programm, das Einzelpersonen und Gruppen davon abhalten soll, den terroristischen Weg einzuschlagen oder terroristische Netzwerke zu unterstützen. William Hammonds schildert zunächst in einem kurzen Überblick Ausmaß und Entstehung des „homegrown terrorism“ in Großbritannien und erörtert sodann Maßnahmen, die der Radikalisierung insbesondere von muslimischen Gruppen entgegenwirken sollen. Zugleich macht er auf zwei -gegenläufige Ansätze aufmerksam: Die vorbeugende Terrorismusbekämpfung durch Partnerschaften mit muslimischen Gruppen auf der lokalen Ebene wird durch Strategien der konventionellen Terrorismusbekämpfung konterkariert. Da ein und dieselbe Behörde für die zivile Zusammenarbeit und gleichzeitig für die polizeiliche Überwachung bzw. Verfolgung von Terrorverdächtigen zuständig ist, entstehen gegenläufige Wirkungen. Letztlich ist eine effektive Terrorismusprävention – so das Fazit – erst dann gegeben, wenn benachteiligte Bevölkerungsgruppen nachhaltig in die Gesellschaft integriert werden und die soziale Polarisierung sukzessive überwunden wird.
Die Ermordung des Regisseurs Theo van Gogh durch einen islamistisch motivierten jungen Mann marokkanischer Herkunft hat dem liberalen Selbstverständnis der Niederlande einen Schock versetzt und eine öffentliche Debatte über islamistische Bedrohungen ausgelöst. Edwin Bakker erörtert und analysiert die Dynamik des dschihadistischen „Homegrown Terrorismus“ in den Niederlanden. Nachgezeichnet wird die Entwicklung seit den 1980er Jahren, die nach dem 11. September 2001 eine Eigendynamik entfaltete und nicht zuletzt durch die antimuslimischen Stimmungen in den westlichen Gesellschaften verstärkt wurde. Die Hintergründe und Motive begangener Terrortaten zeigen die Anfälligkeit jugendlicher Muslime für islamistische Ideen angesichts ihrer sozialen Marginalisierung. Als verstärkendes Moment kam die westliche Außenpolitik hinzu, die viele Muslime als maßlos gegenüber der islamischen Welt empfanden. Abschließend werden die in den Niederlanden praktizierten Präventions- und Interventionsstrategien diskutiert, die zum Rückgang des islamistisch motivierten Terrorismus sowie zu einer gestiegenen Resistenz muslimischer Gemeinschaften gegen Agitation und Radikalisierung beigetragen haben.

Der Anschlag von Madrid am 11. März 2004 war kein Racheakt isolierter und radikalisierter muslimischer Immigranten. Vielmehr wurde hinter dem Anschlag ein komplexes Netzwerk von internationalen und regionalen Terrororganisationen sichtbar. Die Attentäter standen in enger Kooperation mit transnational organisierten Dschihadisten im Maghreb und dem Al-Qaida-Netzwerk. Die detaillierte Analyse des Anschlags von Madrid – auch „3/11“ genannt – von Anthony Celso zeigt, dass es Al-Qaida gelungen ist, in Europa ope-rierende Terrornetzwerke in eine transnationale Terrorallianz einzubinden. Entgegen offizieller Sichtweisen gab es eindeutige Verbindungen zwischen Al-Qaida und den Attentätern, die der dschihadistischen Ideologie eine hohe Bedeutung zumaßen. Letztlich weist die Beständigkeit und Virulenz islamistischer Netzwerke in Spanien trotz des militärischen Rückzugs der spanischen Truppen aus dem Irak auf eine starke Beziehung zu Al-Qaida und damit auf eine weiterhin existente Bedrohung hin.

Modernisierung und gesellschaftlicher Wertewandel beruhen oft auf neuen, innovativen und radikalen Ideen. Eine Gesellschaft braucht Querdenker und Querdenkerinnen, die die Systemzwänge in Frage stellen und Veränderungen anmahnen. Dabei ist die Radikalisierung von Positionen – so Martin Balluch – an sich noch kein Anzeichen einer destruktiven Tendenz in Richtung Gewalt, d.h. Radikalisierung als solche ist nichts Schlechtes. Clark McCauley und Sophia Moskalenko haben in diesem Heft darauf hingewiesen, dass Radikalisierung auch legale und gewaltfreie Formen annehmen kann. Um Veränderungen bewirken und eine politische Auseinandersetzung vom Zaun brechen zu können, führen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sogenannte konfrontative Kampagnen bzw. Aktionen zivilen Ungehorsams durch. Ziviler Ungehorsam will nicht nur -Probleme öffentlich machen; er will vielmehr -Gegenmacht entwickeln, um im politischen Raum handeln zu können. Zivile Ungehorsamsakte sind öffentlich, gewaltlos und aus der Sicht der Akteure politisch-moralisch legitimiert. Unbenommen vom idealistischen Anliegen bergen Aktionen zivilen Ungehorsams jedoch die Gefahr der Eskalation in sich. Werden Aktivisten und Aktivistinnen ökologischer und sozialer Bewegungen kriminalisiert oder gar direkt bedroht, kann ein Abgleiten in illegitime Aktionsformen die Folge sein. Eine derartige Eskalationsspirale lässt sich nur verhindern, wenn bürgerliche Freiheiten als oberste Priorität geschützt und respektiert werden. Denn eben jene bürgerlichen Freiheiten ermöglichen einen konstruktiven Konfliktaustrag in demokratischen Gesellschaften.

Die Beiträge gehen auf die internationale Konferenz „Radicalization in Western Societies: Preventing ‚Homegrown Terrorism‘“ des Instituts für Politikwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen im September 2010 zurück. Die Tagung wurde wesentlich unterstützt vom Staatsministerium Baden-Württemberg, von der Deutschen Stiftung für Friedensforschung und der Embassy of the United Staates of America sowie vom Deutsch-Amerikanischen Institut Tübingen. Dank gebührt allen Autorinnen und Autoren, die in ihren Beiträgen aufschlussreiche Informationen und Einsichten vermitteln, die für ein besseres Verständnis der komplexen Thematik wichtig sind und so den wissenschaftlichen Diskurs intensivieren. Ein besonderer Dank gebührt Prof. Dr. Andreas Hasenclever und Jan Sändig, die mit wichtigen Impulsen und fachlichem Rat wesentlich zum Entstehen des Heftes beigetragen haben. Große Verdienste haben sich auch die studentischen Übersetzerinnen und Übersetzer der Konferenzbeiträge erworben. Dank gebührt nicht zuletzt dem Schwabenverlag für die stets gute und effiziente Zusammenarbeit.
Siegfried Frech
 

Siegfried Frech

 

 


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